Bücher als Bedrohung einer Ideologie in Fahrenheit 451
Politische Farbenlehre, Ausstellung für Bücherfreunde, der Kinostarbetrieb und der Kampf ums Filmerbe – Cinema Moralia, Tagebuch eines Kinogehers, 129. Folge – Cinema Moralia, Tagebuch eines Kinogehers, 129. Folge
»Wer von uns wacht hier und warnt uns, wenn die neuen Henker kommen? Haben sie wirklich ein anderes Gesicht als wir?«
aus »Nacht und Nebel« von Alain Resnais
Es ist zwar ein kaltes, helles, unfeines Blau, kein warmes, aber eben ein Blau, nicht Braun oder zumindest Grau, wie einst bei Franz Schönhubers REPs, mit dem dem bei den Wahlsendungen der öffentlich-rechtlichen Sender die Zahlen der rechtsextremen AfD markiert werden. Warum eigentlich? Warum nicht Braun oder Grau? Das Argument, die Partei hätte diese Farbe auf ihren Plakaten, zählt nicht, denn die CDU wird schließlich auch mit Schwarz markiert, obwohl ihre Plakat-Farbe Orange ist.
Man sollte solche Symbole nicht unterschätzen, es zwar nur kleine Gesten, aber markante. Und es sind die vielen kleinen Gesten, mit denen man den Wolf im Schafspelz oder Bürgerpelz sichtbar macht. Oder eben nicht. Es ist auch bemerkenswert. wie oft die Berichterstatter von »Rechtspopulisten« reden, nicht von »Rechtsradikalen«, »Rechtsextremisten« oder gar »postfaschistisch«. Wenn es dagegen um die LINKE geht, habe ich von den gleichen Leuten noch nie das Wort »Linkspopulisten« gehört. Die sind natürlich »am linken Rand«, oder »linksradikal« oder »postkommunistisch.«
+ + +
Die Frage wäre auch einmal zu stellen, ob Unabhängigkeit der Medien überhaupt möglich ist. Man könnte argumentieren, dass zumindest der öffentlich-rechtliche Rundfunk (die privaten Printmedien vielleicht nicht) eine Pflicht zur Parteinahme pro Demokratie habe. Dass er die sehr wohl in Anspruch nimmt, wenn es um die NPD geht, oder um Putin oder Assad oder andere.
+ + +
Diese Thematisierung der AfD hat durchaus auch im engeren Sinn etwas mit Kino zu tun, denn die AfD, das sind auch die Kinozuschauer. Für die werden Filme gemacht, schon bisher. Vielleicht sollte man endlich auch wieder Filme machen, um die Zuschauer zu erziehen und umzuerziehen. Umerziehung heißt auf Englisch Reeducation, das war mal eine gute Sache. Und Politik lässt sich von Ästhetik sowieso nicht trennen.
+ + +
Bei einer Filmsichtung habe ich einen Haufen Fernsehfilme vor mir. Von ZDF und DEGETO so schlecht wie lange nicht. Das Resümee nach den ersten zwei Tagen: Felicitas Woll und Rosalie Thomas kämpfen gerade um die Nachfolge von Veronika Ferres als »starke Frau« des deutschen Fernsehens.
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Rüdiger Suchslandhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgRüdiger Suchsland2016-03-23 14:35:382016-03-23 14:35:38Cinema Moralia – Folge 129: Blau ist die kälteste Farbe…
Darf das denn wahr sein? ARD und ZDF brüsten sich mit geförderten Sendungen und zum „Dank“ werden wir, die eigentlichen Macher der Sendung, mit Verweis auf diese Förderung um unsere wichtigste Altersversorgung gebracht?
Eigentlich ist alles geregelt:
Der Bürger zahlt Rundfunkgebühren.
Die Länder haben 1970 die Rundfunkgebühren erhöht und seitdem einen Teil davon für die sogenannten „Anstaltsbeiträge“ zur betrieblichen Altersvorsorge der „freien“ Fernseh- und Rundfunkschaffende bestimmt.
Damit sind ARD und ZDF in der Verantwortung, sich um die betriebliche Altersvorsorge der „freien“ Fernseh- und Rundfunkschaffenden zu kümmern. Dafür gibt es die Pensionskasse Rundfunk.
Laut der Statuten der Pensionskasse Rundfunk müssen – unabhängig, ob vollfinanziert, teilfinanziert oder gefördert – in allen Fällen Anstaltsbeiträge fließen, wenn Sendungen für ARD oder ZDF hergestellt werden.
Schön wär’s!
Die Schwachstelle sind die Produktionsfirmen. Sie hängen am Tropf hauptsächlich von ARD und ZDF und sollen für sie die Anstaltsbeiträge an die Pensionskasse Rundfunk weiterleiten. Aber weil die Produzenten fürchten, auf den Kosten sitzenzubleiben, kommt keine rechte Begeisterung auf, sich für die Pensionskasse Rundfunk und unsere betriebliche Altersvorsorge in die Pflicht nehmen zu lassen. Weiterlesen
Mehr als die Hälfte der Menschen im Lande sind Frauen. Film und Fernsehen vermitteln eine andere Wirklichkeit. Die Schauspielerin Belinde Ruth Stieve wirbt für ein System, das es besser machen soll.
Interview: Peter Hartig
Frau Stieve, Sie machen sich in Ihrem Blog für eine andere Art der Rollenbesetzung stark. Was läuft falsch?
Das läßt sich nicht so leicht auf den Punkt bringen. Mir fällt auf, daß es seit Jahren ein starkes Übergewicht an Männerrollen gibt. Und daß Frauenrollen ab einem relativ frühen Alter – das heißt ab 40, für manche Filmgruppen sogar schon ab 35 – zurückgehen, Männerrollen aber erst 15 Jahre später. Und daß es eine Reihe von Filmen gibt, die ziemlich antiquierte Geschlechterstereotype reproduzieren: Männer handeln und reden, Frauen hören zu und sehen schön aus… Sie haben wesentlich seltener einen Beruf, sind seltener Funktionsrollen. Und man sieht so oft, wie sie brutal angegriffen oder umgebracht werden oder nackt auf dem Seziertisch liegen…
Ich kann mir übrigens nicht vorstellen, daß alle Männer mit diesem Angebot zufrieden sind und nur ein paar Frauen nicht. Aber so ist es nun mal. Jetzt können und müssen wir natürlich darüber reden, in der Branche, unter den Verantwortlichen, in der Gesellschaft, über die Gründe und die Auswirkungen, aber bis sich irgendetwas grundlegend verändert, kann es noch ziemlich lange dauern. Deshalb habe ich Neropa entwickelt.
Was ist Neropa?
Neropa ist eine Abkürzung und steht für Neutrale-Rollen-Parität, also Ne-ro-pa. Das ist eine Methode, mit der das Rollenungleichgewicht in einem Film abgebaut wird zugunsten von Frauenfiguren.
Und wie?
Ein paar Leute gehen erst einzeln und dann gemeinsam alle Rollen im Drehbuch durch und prüfen, welche ein bestimmtes Geschlecht haben muß. Alle übrigen werden als neutral definiert, und dann abwechselnd als Frau-MannFrau-Mann umgeschrieben und besetzt. Das erhöht den Frauenanteil im Film zum Beispiel um zwei Rollen oder um zehn. Und auf einmal kommt als kleine oder größere Rolle eine Elektrikerin und eine Gerichtsvollzieherin, eine Stadträtin und eine Archäologin vor, es gibt mehr ältere Frauen, und das Rollenverhältnis ist nicht mehr 30 zu 70, sondern vielleicht 45 zu 55. Weiterlesen
Hintergrund: Im Rahmen der Berlinale erschienen im tagesspiegel zwei Artikel über die deutsche Agenturenlandschaft „Nur wer reingelassen wird, ist drin“? und „Das Gesetz des Marktes?“. Dazu ergab sich eine größere Debatte in Fachkreisen. Sibylle Flöter, neue Vorstandsvorsitzende vom Verband der Agenturen (VdA), resümiert.
Ich weiß nicht, ob man dem Artikel „Nur wer reingelassen wird, ist drin“ nicht zu viel Bedeutung beimisst, wenn man seine Inhalte noch weiter verbreitet. Es war ein leider nachlässig recherchierter, inhaltlich fehlerhafter, reißerisch geschriebener Text, der zudem in einer gewollten Tendenz zugespitzt formuliert war. Aufgrund seiner an der Oberfläche bleibenden Argumentation sollte er jedoch – wie ich finde – auch nicht all- zu ernst genommen werden. Nun darf man sicher nicht die Erwartung haben, dass am Tag der Eröffnung der Berlinale, eine tagesaktuelle Zeitung eine grundlegende ausgewogene Abhandlung über die Vielfalt der deutschen Agenturenlandschaft veröffentlicht. Während der Berlinale kommt sich Berlin immer ein bisschen wie Hollywood vor und da schwebte dem Autor wahrscheinlich vor, von Glamour und Macht zu schreiben.
Der Artikel erwähnte den Berlinale Empfang, den 6 Mitgliedsagenturen gemeinsam unter dem Begriff „FULL HOUSE“ (weil es ursprünglich nur 5 waren) veranstalten. Es stimmt, was Lutz Schmökel als einer der Agenten in diesem Artikel sagt: „Das Event ist mittlerweile als eine der zentralen Veranstaltungen etabliert und wird von sehr vielen interessanten Leuten besucht“. Und warum ist das so?
Weil diese Agenturen unter ihren Klienten zahlreiche Hauptrollenspieler der Oberliga haben. Alles gefragte, gut beschäftigte Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Drehbuchautoren, an denen Redakteure und Produzenten ein gesteigertes Interesse haben. Weil ihre Klienten wichtig sind, werden diese Agenturen auch wichtig genommen. Weiterlesen
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Sibylle Flöterhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgSibylle Flöter2016-03-16 11:00:382016-03-16 10:57:53Stellungnahme zu zwei tagesspiegel-Artikeln über die deutsche Agenturenlandschaft
Podiumsdiskussion am 14. Februar im Rahmen der Berlinale 2016 organisiert von der Shooting Stars Projektleiterin Karin Dix unter dem Titel „Die Karrieremacher für Schauspieler: Agenten und Castingdirektoren erzählen“:
Als Diskutierende waren vertreten:
Sheila Wenzel (London Derry Entertainment) Jo Yao (United Talent Agency) Simone Bär (Casting Direktor Germany | ICDN) Nancy Bishop (Casting Direktor Tschechische Republik | ICDN) Joseph Middleton (Head of Casting for Paramount Pictures | ICDN)
Es moderierte:
Steven Gätjen
Der Beitrag gliedert sich in folgende Kapitel (Hinweis: Die Kapitel (Playlist) sind in der linken oberen Ecke des Video-Players auswählbar.):
Intro Kapitel 1: Die Regeln des internationalen Marktes Kapitel 2: Den US-Markt erobern Kapitel 3: Selbstvermarktung Kapitel 4: Schauspieler-Bankability Kapitel 5: Erfolgsfaktor Agent, Manager & PR-Agent Kapitel 6: „The American Dream“ versus „Old Europe“
Jonathan Webdale (Journalist), Marcus Ammon (Sky Deutschland), Antony Root (HBO Europe) und Diego Suarez (Sony Pictures Television) beim Drama Series Days der Berlinale (Bild: Oliver Möst/Berlinale)
Bei den Drama Series Days der Berlinale drehte sich alles um die langen Erzählformate. Einig waren sich die Experten in einem Punkt: Der Boom geht weiter – und es wird radikaler erzählt werden.
Der Serien-Boom geht weiter, legt vielleicht sogar noch eine Schippe drauf. An Nachschub mangelt es heute schon nicht, in den USA wurden vergangenes Jahr 409 fiktionale Serien ausgestrahlt. Dass der Trend weiter nach oben zeigt, wurde bei den „Drama Series Days“, die am 15. und 16. Februar im Rahmen der Berlinale stattfanden, deutlich. Beispiel HBO: Der Pay-TV-Serienpionier ist in Europa in gut einem Dutzend Länder als eigenständige Marke und Plattform aktiv. Für seine Ableger in Mittel- und Osteuropa hat HBO eigene Serien in Auftrag gegeben. „Burning Bush – Die Helden von Prag“ in Tschechien, „Umbre“ in Rumänien, weitere in Polen und Ungarn. Demnächst steigt HBO für seine Plattform in Skandinavien in Eigenproduktionen ein, bestätigte Antony Root, bei HBO Europe für das Programm verantwortlich, in Berlin. Jetzt sind Schweden oder Dänemark keine weißen Flecken in der internationalen Serienlandschaft, im Gegenteil, keiner beherrscht die Kunst des seriellen Erzählens in Europa besser als die Skandinavier. HBO muss sich also etwas einfallen lassen, will man in Nordeuropa erfolgreich Abos verkaufen. Die Lösung: eigenproduzierte Serien mit einer üppigen Portion Lokalkolorit, um Dänen, Schweden oder Norweger zu ködern. „Aktuell prüfen wir Drehbücher“, so HBO-Manager Root. Weiterlesen
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Andreas Kloohttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgAndreas Kloo2016-03-07 12:34:512016-03-07 12:36:00Serien-Trends: Jetzt geht’s den Tabus an die Wäsche
Die Pensionskasse Rundfunk ist eine betriebliche Altersversorgung für freie Fernseh- und Rundfunkschaffende. Das sind auf die Dauer einer Produktion befristete Angestellte (z. B. Schauspielerinnen und Schauspieler oder Produktionspersonal), arbeitnehmerähnlich Beschäftigte (z. B. Journalistinnen und Journalisten) oder Selbständige (z. B. Autorinnen und Autoren), die bei der Herstellung öffentlich-rechtlicher Sendungen mitwirken. Sie arbeiten entweder direkt bei öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten oder – immer öfter – indirekt für sie. Denn „Freie“ werden zunehmend über Produktionsfirmen beschäftigt, da inzwischen ein Großteil öffentlich-rechtlicher Inhalte als Auftragsproduktionen hergestellt wird.
Die Pensionskasse-Rundfunk-versicherten „Freien“ heißen „ordentliche Mitglieder“. Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, beigetretene Tochterunternehmen sowie Produktionsfirmen heißen „Anstaltsmitglieder“.
Weil das unregelmäßige Erwerbsleben der „Freien“ lückenhafte oder fehlende Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung bedingt, kann sie den Lebensabend der „Freien“ kaum absichern.
Die Pensionskasse Rundfunk ist das eigentliche Standbein der Altersversorgung für „Freie“!
Wie funktionieren die Beitragszahlungen?
Laut Pensionskasse-Rundfunk-Satzung herrscht Beitragspflicht, wenn ordentliche Mitglieder an Produktionen mitwirken, die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten entweder selbst herstellen oder für sie von Produktionsfirmen hergestellt werden. In allen anderen Fällen (z. B. bei Kinofilmen) herrscht keine Beitragspflicht – es können aber trotzdem Beiträge für ordentliche Mitglieder gezahlt werden. Weiterlesen
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Heinrich Schafmeisterhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgHeinrich Schafmeister2016-03-02 12:04:372016-03-02 12:17:45Pensionskasse Rundfunk – Was läuft seit langem schief und warum?
Im Winter unseres Missvernügens… – Monika Grütters bricht eine erste Lanze für die kulturelle Filmförderung, wider die Fürsten der herrschenden Verhältnisse, und sie könnte für die deutschen Film- und Fernsehbonzen noch zur eisernen Lady werden – Cinema Moralia, Tagebuch eines Kinogehers, 127. Folge
»Es freut mich, dass wir gemeinsam Wege gefunden haben, um kreative und künstlerische Aspekte bei der wirtschaftlichen Filmförderung noch stärker zu berücksichtigen. Denn ich bin überzeugt: Langfristig zahlt es sich aus, nicht immer allein die Maximierung des Ertrags, sondern auch den Mut zum Experiment, mehr neue, gute Ideen zu fördern.« – Monika Grütters, 11.2.16, Empfang der Produzentenallianz
Der Tag war nicht blendend gesetzt. Oder gerade doch, denn vielleicht haben wir alle Monika Grütters ein bisschen unterschätzt.
Jedenfalls war mit der Pressemitteilung der Beauftragten für Kultur und Medien (BKM) klar, dass es in den Feuilletons und Filmzeitschriften der Republik erst einmal untergehen würde, dass erst recht die – überraschenden – zustimmenden Reaktionen und die gar nicht überraschenden eiligen Ablehnungsbescheide der sogenannten »deutschen Filmbranche« erst einmal ins Leere verpuffen würden.
Es war auch klar, dass mit ihr ein Gesprächsthema für die Berlinale gesetzt war, ein Thema, das an den folgenden Tagen an vielen der kleinen runden Stehtische der Filmbranche auftauchte und heiß diskutiert wurde.
+ + +
Was war geschehen? Das BKM hatte ein paar »Eckpunkte« zur Kulturellen Filmförderung und zur Stärkung des künstlerisch und kulturell herausragenden deutschen Kinofilms veröffentlicht.
Als Zielsetzung benennt Grütters »ein unabhängigeres Arbeiten als bisher« und das Vermeiden künstlerischer Kompromisse, die »so gering wie möglich« gehalten werden sollen.
Die für 2016 zusätzlich zur Verfügung gestellten Mittel für Maßnahmen der kulturellen Filmförderung (15 Mio. €) sollen hauptsächlich in die Produktionsförderung der BKM im Bereich des Langfilms (Spiel-, Dokumentar-, Kinderfilm) fließen. Darüber hinaus steht die gezielte Stärkung der unabhängigen Stoffentwicklung für Spiel- und Dokumentarfilme im Fokus, um frühzeitig Kinoqualität zu fördern und zu sichern, sowie die Unterstützung des Abspiels zur
Sichtbarmachung dieser Filme.
Die Maßnahmen sehen eine »deutliche Aufstockung der Mittel für die Produktionsförderung« ebenso vor, wie zukünftig getrennte Fördertöpfe für Spiel-, Dokumentar- und Kinderfilm, die Vervierfachung der bisherigen Förderhöchstsumme auf bis zu 1 Mio. Euro, um »dem sogenannten Fördertourismus entgegen zu wirken.«
Auch die Drehbuchförderung wird quantitativ und qualitativ ausgebaut, völlig neu ist die Einführung einer Stoffentwicklungsförderung »für Dokumentarfilme, die die ausführliche und fundierte Recherche für besonders kinorelevante programmfüllende Dokumentarfilme von Autorenfilmern unterstützt.«
Die Förderpraxis wird flexibler durch Erhöhung der Einreichtermine und Einführung eigenständiger unabhängiger Jurys und die Verkleinerung der bisherigen Jurys.
+ + +
Zwei Probleme hat das Papier aus meiner Sicht: Vom Fernsehen ist gar nicht die Rede. Dabei muss vor allem die Stellung und Beteiligung der Sender an der Förderung verändert werden.
Das zweite ist die Aufstockung der Verleihförderung. Gegen Aufstockungen ist im Prinzip nichts zu sagen. Aber die Verleiher sind die einzigen, die überhaupt noch Geld im Kino verdienen. Wenn man sie fördern will, sollte man die Herausgabe bestimmter Filme fördern, von Filmen, deren Sichtbarkeit gewünscht ist. Nicht die aller Filme.
Und wenn Grütters schreibt, die bisherigen Antragsvoraussetzungen für Verleihförderungen würden »gemeinsam mit der Branche überprüft und an die Marktentwicklungen der letzten Jahre (insb. im Hinblick auf die Digitalisierung) angepasst«, dann ist das schön formuliert. Gemeint ist: Die vielgelobte Digitalisierung schadet den kleinen Verleihern. Jetzt können alle Star Wars spielen. Weiterlesen
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Rüdiger Suchslandhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgRüdiger Suchsland2016-02-28 11:01:192016-02-28 14:01:07Cinema Moralia – Folge 127: Bravo, Frau Kulturstaatsministerin!
Cinema Moralia – Folge 129: Blau ist die kälteste Farbe…
out takes, Rüdiger SuchslandBücher als Bedrohung einer Ideologie in Fahrenheit 451
Politische Farbenlehre, Ausstellung für Bücherfreunde, der Kinostarbetrieb und der Kampf ums Filmerbe – Cinema Moralia, Tagebuch eines Kinogehers, 129. Folge – Cinema Moralia, Tagebuch eines Kinogehers, 129. Folge
»Wer von uns wacht hier und warnt uns, wenn die neuen Henker kommen? Haben sie wirklich ein anderes Gesicht als wir?«
aus »Nacht und Nebel« von Alain Resnais
Es ist zwar ein kaltes, helles, unfeines Blau, kein warmes, aber eben ein Blau, nicht Braun oder zumindest Grau, wie einst bei Franz Schönhubers REPs, mit dem dem bei den Wahlsendungen der öffentlich-rechtlichen Sender die Zahlen der rechtsextremen AfD markiert werden. Warum eigentlich? Warum nicht Braun oder Grau? Das Argument, die Partei hätte diese Farbe auf ihren Plakaten, zählt nicht, denn die CDU wird schließlich auch mit Schwarz markiert, obwohl ihre Plakat-Farbe Orange ist.
Man sollte solche Symbole nicht unterschätzen, es zwar nur kleine Gesten, aber markante. Und es sind die vielen kleinen Gesten, mit denen man den Wolf im Schafspelz oder Bürgerpelz sichtbar macht. Oder eben nicht. Es ist auch bemerkenswert. wie oft die Berichterstatter von »Rechtspopulisten« reden, nicht von »Rechtsradikalen«, »Rechtsextremisten« oder gar »postfaschistisch«. Wenn es dagegen um die LINKE geht, habe ich von den gleichen Leuten noch nie das Wort »Linkspopulisten« gehört. Die sind natürlich »am linken Rand«, oder »linksradikal« oder »postkommunistisch.«
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Die Frage wäre auch einmal zu stellen, ob Unabhängigkeit der Medien überhaupt möglich ist. Man könnte argumentieren, dass zumindest der öffentlich-rechtliche Rundfunk (die privaten Printmedien vielleicht nicht) eine Pflicht zur Parteinahme pro Demokratie habe. Dass er die sehr wohl in Anspruch nimmt, wenn es um die NPD geht, oder um Putin oder Assad oder andere.
+ + +
Diese Thematisierung der AfD hat durchaus auch im engeren Sinn etwas mit Kino zu tun, denn die AfD, das sind auch die Kinozuschauer. Für die werden Filme gemacht, schon bisher. Vielleicht sollte man endlich auch wieder Filme machen, um die Zuschauer zu erziehen und umzuerziehen. Umerziehung heißt auf Englisch Reeducation, das war mal eine gute Sache. Und Politik lässt sich von Ästhetik sowieso nicht trennen.
+ + +
Bei einer Filmsichtung habe ich einen Haufen Fernsehfilme vor mir. Von ZDF und DEGETO so schlecht wie lange nicht. Das Resümee nach den ersten zwei Tagen: Felicitas Woll und Rosalie Thomas kämpfen gerade um die Nachfolge von Veronika Ferres als »starke Frau« des deutschen Fernsehens.
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So weit kommt`s noch: Filmförderung fördert Altersarmut
Heinrich Schafmeister, out takes© https://buffer.com/pablo
Darf das denn wahr sein? ARD und ZDF brüsten sich mit geförderten Sendungen und zum „Dank“ werden wir, die eigentlichen Macher der Sendung, mit Verweis auf diese Förderung um unsere wichtigste Altersversorgung gebracht?
Eigentlich ist alles geregelt:
Schön wär’s!
Die Schwachstelle sind die Produktionsfirmen. Sie hängen am Tropf hauptsächlich von ARD und ZDF und sollen für sie die Anstaltsbeiträge an die Pensionskasse Rundfunk weiterleiten. Aber weil die Produzenten fürchten, auf den Kosten sitzenzubleiben, kommt keine rechte Begeisterung auf, sich für die Pensionskasse Rundfunk und unsere betriebliche Altersvorsorge in die Pflicht nehmen zu lassen. Weiterlesen
Neutrale Rollen
out takes, Peter HartigBelinde Ruth Stieve erzählt in der Berlinale-Bubble von Pro Quote Regie von Neropa. © 2016 Anke Domscheit-Berg
Mehr als die Hälfte der Menschen im Lande sind Frauen. Film und Fernsehen vermitteln eine andere Wirklichkeit. Die Schauspielerin Belinde Ruth Stieve wirbt für ein System, das es besser machen soll.
Interview: Peter Hartig
Frau Stieve, Sie machen sich in Ihrem Blog für eine andere Art der Rollenbesetzung stark. Was läuft falsch?
Das läßt sich nicht so leicht auf den Punkt bringen. Mir fällt auf, daß es seit Jahren ein starkes Übergewicht an Männerrollen gibt. Und daß Frauenrollen ab einem relativ frühen Alter – das heißt ab 40, für manche Filmgruppen sogar schon ab 35 – zurückgehen, Männerrollen aber erst 15 Jahre später. Und daß es eine Reihe von Filmen gibt, die ziemlich antiquierte Geschlechterstereotype reproduzieren: Männer handeln und reden, Frauen hören zu und sehen schön aus… Sie haben wesentlich seltener einen Beruf, sind seltener Funktionsrollen. Und man sieht so oft, wie sie brutal angegriffen oder umgebracht werden oder nackt auf dem Seziertisch liegen…
Ich kann mir übrigens nicht vorstellen, daß alle Männer mit diesem Angebot zufrieden sind und nur ein paar Frauen nicht. Aber so ist es nun mal. Jetzt können und müssen wir natürlich darüber reden, in der Branche, unter den Verantwortlichen, in der Gesellschaft, über die Gründe und die Auswirkungen, aber bis sich irgendetwas grundlegend verändert, kann es noch ziemlich lange dauern. Deshalb habe ich Neropa entwickelt.
Was ist Neropa?
Neropa ist eine Abkürzung und steht für Neutrale-Rollen-Parität, also Ne-ro-pa. Das ist eine Methode, mit der das Rollenungleichgewicht in einem Film abgebaut wird zugunsten von Frauenfiguren.
Und wie?
Ein paar Leute gehen erst einzeln und dann gemeinsam alle Rollen im Drehbuch durch und prüfen, welche ein bestimmtes Geschlecht haben muß. Alle übrigen werden als neutral definiert, und dann abwechselnd als Frau-MannFrau-Mann umgeschrieben und besetzt. Das erhöht den Frauenanteil im Film zum Beispiel um zwei Rollen oder um zehn. Und auf einmal kommt als kleine oder größere Rolle eine Elektrikerin und eine Gerichtsvollzieherin, eine Stadträtin und eine Archäologin vor, es gibt mehr ältere Frauen, und das Rollenverhältnis ist nicht mehr 30 zu 70, sondern vielleicht 45 zu 55. Weiterlesen
Stellungnahme zu zwei tagesspiegel-Artikeln über die deutsche Agenturenlandschaft
out takes, Sibylle FlöterMatthias Brandt und Michael Mendl in 'Im Schatten der Macht' - © 2016 ZIEGLER FILM GmbH & Co. KG
Hintergrund: Im Rahmen der Berlinale erschienen im tagesspiegel zwei Artikel über die deutsche Agenturenlandschaft „Nur wer reingelassen wird, ist drin“? und „Das Gesetz des Marktes?“. Dazu ergab sich eine größere Debatte in Fachkreisen. Sibylle Flöter, neue Vorstandsvorsitzende vom Verband der Agenturen (VdA), resümiert.
Ich weiß nicht, ob man dem Artikel „Nur wer reingelassen wird, ist drin“ nicht zu viel Bedeutung beimisst, wenn man seine Inhalte noch weiter verbreitet. Es war ein leider nachlässig recherchierter, inhaltlich fehlerhafter, reißerisch geschriebener Text, der zudem in einer gewollten Tendenz zugespitzt formuliert war. Aufgrund seiner an der Oberfläche bleibenden Argumentation sollte er jedoch – wie ich finde – auch nicht all- zu ernst genommen werden. Nun darf man sicher nicht die Erwartung haben, dass am Tag der Eröffnung der Berlinale, eine tagesaktuelle Zeitung eine grundlegende ausgewogene Abhandlung über die Vielfalt der deutschen Agenturenlandschaft veröffentlicht. Während der Berlinale kommt sich Berlin immer ein bisschen wie Hollywood vor und da schwebte dem Autor wahrscheinlich vor, von Glamour und Macht zu schreiben.
Der Artikel erwähnte den Berlinale Empfang, den 6 Mitgliedsagenturen gemeinsam unter dem Begriff „FULL HOUSE“ (weil es ursprünglich nur 5 waren) veranstalten. Es stimmt, was Lutz Schmökel als einer der Agenten in diesem Artikel sagt: „Das Event ist mittlerweile als eine der zentralen Veranstaltungen etabliert und wird von sehr vielen interessanten Leuten besucht“. Und warum ist das so?
Weil diese Agenturen unter ihren Klienten zahlreiche Hauptrollenspieler der Oberliga haben. Alles gefragte, gut beschäftigte Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Drehbuchautoren, an denen Redakteure und Produzenten ein gesteigertes Interesse haben. Weil ihre Klienten wichtig sind, werden diese Agenturen auch wichtig genommen. Weiterlesen
Die Karrieremacher für Schauspieler: Agenten und Casting-Direktoren erzählen
out takesCredit: Audi
Zur cn-klappe bei casting-network
Podiumsdiskussion am 14. Februar im Rahmen der Berlinale 2016 organisiert von der Shooting Stars Projektleiterin Karin Dix unter dem Titel „Die Karrieremacher für Schauspieler: Agenten und Castingdirektoren erzählen“:
Als Diskutierende waren vertreten:
Sheila Wenzel (London Derry Entertainment)
Jo Yao (United Talent Agency)
Simone Bär (Casting Direktor Germany | ICDN)
Nancy Bishop (Casting Direktor Tschechische Republik | ICDN)
Joseph Middleton (Head of Casting for Paramount Pictures | ICDN)
Es moderierte:
Steven Gätjen
Der Beitrag gliedert sich in folgende Kapitel (Hinweis: Die Kapitel (Playlist) sind in der linken oberen Ecke des Video-Players auswählbar.):
Intro
Kapitel 1: Die Regeln des internationalen Marktes
Kapitel 2: Den US-Markt erobern
Kapitel 3: Selbstvermarktung
Kapitel 4: Schauspieler-Bankability
Kapitel 5: Erfolgsfaktor Agent, Manager & PR-Agent
Kapitel 6: „The American Dream“ versus „Old Europe“
Offizielle Website der European Shooting Stars:
www.shooting-stars.eu
Serien-Trends: Jetzt geht’s den Tabus an die Wäsche
Andreas Kloo, out takesJonathan Webdale (Journalist), Marcus Ammon (Sky Deutschland), Antony Root (HBO Europe) und Diego Suarez (Sony Pictures Television) beim Drama Series Days der Berlinale (Bild: Oliver Möst/Berlinale)
Bei den Drama Series Days der Berlinale drehte sich alles um die langen Erzählformate. Einig waren sich die Experten in einem Punkt: Der Boom geht weiter – und es wird radikaler erzählt werden.
Der Serien-Boom geht weiter, legt vielleicht sogar noch eine Schippe drauf. An Nachschub mangelt es heute schon nicht, in den USA wurden vergangenes Jahr 409 fiktionale Serien ausgestrahlt. Dass der Trend weiter nach oben zeigt, wurde bei den „Drama Series Days“, die am 15. und 16. Februar im Rahmen der Berlinale stattfanden, deutlich. Beispiel HBO: Der Pay-TV-Serienpionier ist in Europa in gut einem Dutzend Länder als eigenständige Marke und Plattform aktiv. Für seine Ableger in Mittel- und Osteuropa hat HBO eigene Serien in Auftrag gegeben. „Burning Bush – Die Helden von Prag“ in Tschechien, „Umbre“ in Rumänien, weitere in Polen und Ungarn. Demnächst steigt HBO für seine Plattform in Skandinavien in Eigenproduktionen ein, bestätigte Antony Root, bei HBO Europe für das Programm verantwortlich, in Berlin. Jetzt sind Schweden oder Dänemark keine weißen Flecken in der internationalen Serienlandschaft, im Gegenteil, keiner beherrscht die Kunst des seriellen Erzählens in Europa besser als die Skandinavier. HBO muss sich also etwas einfallen lassen, will man in Nordeuropa erfolgreich Abos verkaufen. Die Lösung: eigenproduzierte Serien mit einer üppigen Portion Lokalkolorit, um Dänen, Schweden oder Norweger zu ködern. „Aktuell prüfen wir Drehbücher“, so HBO-Manager Root. Weiterlesen
Pensionskasse Rundfunk – Was läuft seit langem schief und warum?
Heinrich Schafmeister, out takesWas ist die Pensionskasse Rundfunk?
Die Pensionskasse Rundfunk ist eine betriebliche Altersversorgung für freie Fernseh- und Rundfunkschaffende. Das sind auf die Dauer einer Produktion befristete Angestellte (z. B. Schauspielerinnen und Schauspieler oder Produktionspersonal), arbeitnehmerähnlich Beschäftigte (z. B. Journalistinnen und Journalisten) oder Selbständige (z. B. Autorinnen und Autoren), die bei der Herstellung öffentlich-rechtlicher Sendungen mitwirken. Sie arbeiten entweder direkt bei öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten oder – immer öfter – indirekt für sie. Denn „Freie“ werden zunehmend über Produktionsfirmen beschäftigt, da inzwischen ein Großteil öffentlich-rechtlicher Inhalte als Auftragsproduktionen hergestellt wird.
Die Pensionskasse-Rundfunk-versicherten „Freien“ heißen „ordentliche Mitglieder“. Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, beigetretene Tochterunternehmen sowie Produktionsfirmen heißen „Anstaltsmitglieder“.
Weil das unregelmäßige Erwerbsleben der „Freien“ lückenhafte oder fehlende Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung bedingt, kann sie den Lebensabend der „Freien“ kaum absichern.
Die Pensionskasse Rundfunk ist das eigentliche Standbein der Altersversorgung für „Freie“!
Wie funktionieren die Beitragszahlungen?
Laut Pensionskasse-Rundfunk-Satzung herrscht Beitragspflicht, wenn ordentliche Mitglieder an Produktionen mitwirken, die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten entweder selbst herstellen oder für sie von Produktionsfirmen hergestellt werden. In allen anderen Fällen (z. B. bei Kinofilmen) herrscht keine Beitragspflicht – es können aber trotzdem Beiträge für ordentliche Mitglieder gezahlt werden. Weiterlesen
Cinema Moralia – Folge 127: Bravo, Frau Kulturstaatsministerin!
out takes, Rüdiger SuchslandFack ju Göthe 2 © 2016 Constantin Film
Im Winter unseres Missvernügens… – Monika Grütters bricht eine erste Lanze für die kulturelle Filmförderung, wider die Fürsten der herrschenden Verhältnisse, und sie könnte für die deutschen Film- und Fernsehbonzen noch zur eisernen Lady werden – Cinema Moralia, Tagebuch eines Kinogehers, 127. Folge
»Es freut mich, dass wir gemeinsam Wege gefunden haben, um kreative und künstlerische Aspekte bei der wirtschaftlichen Filmförderung noch stärker zu berücksichtigen. Denn ich bin überzeugt: Langfristig zahlt es sich aus, nicht immer allein die Maximierung des Ertrags, sondern auch den Mut zum Experiment, mehr neue, gute Ideen zu fördern.« – Monika Grütters, 11.2.16, Empfang der Produzentenallianz
Der Tag war nicht blendend gesetzt. Oder gerade doch, denn vielleicht haben wir alle Monika Grütters ein bisschen unterschätzt.
Jedenfalls war mit der Pressemitteilung der Beauftragten für Kultur und Medien (BKM) klar, dass es in den Feuilletons und Filmzeitschriften der Republik erst einmal untergehen würde, dass erst recht die – überraschenden – zustimmenden Reaktionen und die gar nicht überraschenden eiligen Ablehnungsbescheide der sogenannten »deutschen Filmbranche« erst einmal ins Leere verpuffen würden.
Es war auch klar, dass mit ihr ein Gesprächsthema für die Berlinale gesetzt war, ein Thema, das an den folgenden Tagen an vielen der kleinen runden Stehtische der Filmbranche auftauchte und heiß diskutiert wurde.
+ + +
Was war geschehen? Das BKM hatte ein paar »Eckpunkte« zur Kulturellen Filmförderung und zur Stärkung des künstlerisch und kulturell herausragenden deutschen Kinofilms veröffentlicht.
Als Zielsetzung benennt Grütters »ein unabhängigeres Arbeiten als bisher« und das Vermeiden künstlerischer Kompromisse, die »so gering wie möglich« gehalten werden sollen.
Die für 2016 zusätzlich zur Verfügung gestellten Mittel für Maßnahmen der kulturellen Filmförderung (15 Mio. €) sollen hauptsächlich in die Produktionsförderung der BKM im Bereich des Langfilms (Spiel-, Dokumentar-, Kinderfilm) fließen. Darüber hinaus steht die gezielte Stärkung der unabhängigen Stoffentwicklung für Spiel- und Dokumentarfilme im Fokus, um frühzeitig Kinoqualität zu fördern und zu sichern, sowie die Unterstützung des Abspiels zur
Sichtbarmachung dieser Filme.
Die Maßnahmen sehen eine »deutliche Aufstockung der Mittel für die Produktionsförderung« ebenso vor, wie zukünftig getrennte Fördertöpfe für Spiel-, Dokumentar- und Kinderfilm, die Vervierfachung der bisherigen Förderhöchstsumme auf bis zu 1 Mio. Euro, um »dem sogenannten Fördertourismus entgegen zu wirken.«
Auch die Drehbuchförderung wird quantitativ und qualitativ ausgebaut, völlig neu ist die Einführung einer Stoffentwicklungsförderung »für Dokumentarfilme, die die ausführliche und fundierte Recherche für besonders kinorelevante programmfüllende Dokumentarfilme von Autorenfilmern unterstützt.«
Die Förderpraxis wird flexibler durch Erhöhung der Einreichtermine und Einführung eigenständiger unabhängiger Jurys und die Verkleinerung der bisherigen Jurys.
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Zwei Probleme hat das Papier aus meiner Sicht: Vom Fernsehen ist gar nicht die Rede. Dabei muss vor allem die Stellung und Beteiligung der Sender an der Förderung verändert werden.
Das zweite ist die Aufstockung der Verleihförderung. Gegen Aufstockungen ist im Prinzip nichts zu sagen. Aber die Verleiher sind die einzigen, die überhaupt noch Geld im Kino verdienen. Wenn man sie fördern will, sollte man die Herausgabe bestimmter Filme fördern, von Filmen, deren Sichtbarkeit gewünscht ist. Nicht die aller Filme.
Und wenn Grütters schreibt, die bisherigen Antragsvoraussetzungen für Verleihförderungen würden »gemeinsam mit der Branche überprüft und an die Marktentwicklungen der letzten Jahre (insb. im Hinblick auf die Digitalisierung) angepasst«, dann ist das schön formuliert. Gemeint ist: Die vielgelobte Digitalisierung schadet den kleinen Verleihern. Jetzt können alle Star Wars spielen.
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