Ich frage mich, ob Menschen, die einen anständigen Beruf gelernt haben auch in Spitzenunterwäsche zum Arbeitsamt gehen. Da ich mir unsicher bin, ob Prostituierte einen Anspruch auf Arbeitslosengeld haben, fühle ich mich in der Schlange zum Empfang der Agentur für Arbeit sehr allein. Ich habe auf Spitze gesetzt um mich wunderschön und unantastbar zu fühlen, die Dame hinter mir auf Moschus. Sie vernebelt mir jedenfalls jeden klaren Gedanken und ich überlege kurzzeitig, ob ich einen Selbstständigenzuschuss bekäme, würde ich ein Bordell eröffnen. „Ich hoffe, ich hab alle Papiere zusammen!“ sagt sie und guckt dabei wie die Frau aus Titanic, die neben Rose und Jack am Geländer hängt kurz bevor sie loslässt und in die Tiefe stürzt. Ich lächle ihr aufmunternd zu, dann werde ich aufgerufen. „Sie sind Schauspielerin, oder?“ Eine Welle der Erleichterung geht durch meinen Körper. Vor mir sitzt jemand, der die Serie kennt, der nett sein und mir durch den Papierdschungel helfen wird!
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Ulrike Röseberghttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgUlrike Röseberg2012-06-09 16:52:592012-06-09 16:56:24Neulich auf dem Amt
„If the camera is turned into a pen, the filmmaker into an auteur, and the intervening harassments of power, capital, and the means of production are all eliminated, or at least radically compromised, are we not then at the threshold of a whole new technological change in the very essence of cinema as a public media?“ (Samira Makhmalbaf)
Ist Aufgeben die Lösung? In ihrer Antwort auf das viel herumgereichte Plädoyer von Dominik Graf in der ZEIT schreibt Julia von Heinz über die Starrheit der deutschen Filmbranche: „Es ist ein System, an dem wir nicht vorbeikommen, wenn wir von unserem Beruf leben wollen.“ Diese Ohnmachtshaltung ist erschreckend, denn wenn unsere jungen RegisseurInnen wirklich so denken, wird sich so schnell nichts ändern. Aber das muss es. Wir brauchen Leute mit Visionen, Leute die fest daran glauben, dass es auch anders geht. Denn während die Branche sich vorwiegend mit sich und ihrem Selbsterhalt beschäftigt, übersieht sie, dass es dem Film noch nie so gut ging wie heute.
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Peter Hartighttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgPeter Hartig2012-05-25 11:38:072012-05-24 18:23:46Überstunden in der Traumfabrik
Wir sprachen mit dem Rechtsanwalt und dem Schauspieler in Ihrer Funktion als Justiziar und Vorstandsmitglied des BFFS über den Aufbau des Verbandes und über aktuelle Probleme, welche die Schauspieler und somit den BFFS beschäftigen: Urheberrecht, Tarife, GVL und Arbeitslosengeld 1.
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Tina Thielehttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgTina Thiele2012-05-18 08:00:112016-05-18 11:46:35cn-kolumne: Ein Interview mit Brien Dorenz und Heinrich Schafmeister
Als Steuerberater, der seine Aufgabe darin sieht, die Mandanten umfassend und langfristig zu beraten, müsste ich mich eigentlich über den Vorstoss der Arbeitsministerin von der Leyen freuen. So erzähle auch ich meinen Mandanten regelmäßig, dass sie etwas gegen eine drohende Altersarmut machen müssten. Der vorgesehene Zwang zum Abschluss einer Rentenversicherung mit monatlichen Beiträgen um die 400,00 Euro ist da allerdings der falsche Weg. Schön für die Versicherungskonzerne aber für einen Großteil der Selbständigen einfach nicht stemmbar! Weiterlesen
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Rüdiger Schaarhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgRüdiger Schaar2012-05-17 12:33:382012-05-17 12:51:10Zwangsversicherung für Selbständige
Gestern wurden in Berlin die „Deutschen Filmpreise“ vergeben. All denen, die damit ein wenig Anerkennung und Aufmerksamkeit für ihre Arbeit erhalten haben, gratuliert das Team von out takes herzlich.
In der Filmwelt rumort es – zumindest im Untergrund. Der rote Teppich endet für die meisten Filmschaffenden spätestens hinter den Kulissen, da, wo es ums Geld geht. Was in vielen Berufszweigen undenkbar ist, überrascht in der Filmbranche niemanden mehr: Man arbeitet für lau. Nicht immer, aber immer wieder und immer in der Hoffnung auf den nächsten, hoffentlich bezahlten Job. Oder man wird nur im Erfolgsfall bezahlt. Rückstellungsvertrag nennt sich das, wenn der Arbeitnehmer das unternehmerische Risiko mitträgt. Immer noch besser, als gar keine Arbeit zu haben. Obwohl man dadurchaus anderer Meinungsein kann. Und längst betrifft das nicht nur Low-Budget- oder Studentenfilme.
„Viel Ehre, doch kaum Verdienst“: Zu diesem Schluss kam auch eine Studie der Forschungsgruppe BEMA der Universität Münster aus dem Sommer 2010. Wenngleich diese Studie vom Bundesverband für Film- und Fernsehschauspieler in Auftrag gegeben wurde, ist sie mit 710 Teilnehmern doch recht groß angelegt. Die Hälfte der Befragten schätzt dort den eigenen finanziellen Status als eher schlecht ein. Fast zwei Drittel verdienten von Sommer 2009 bis 2010 etwa 2.520 Euro im Monat. Der Rest: 833. Das entspricht laut Statistischem Bundesamt in Wiesbaden dem Existenzminimum in Deutschland. Laut BFFS-Studie können über die Hälfte der Befragten die neuen Bedingungen für das Arbeitslosengeld (ALG I) nicht erfüllen. Sie rutschen gleich ins ALG II, die beschönigende Bezeichnung für das, was früher Sozialhilfe hieß und heute gemeinhin „Hartz 4“ genannt wird.
Selber schuld, könnte man sagen – organisiert Euch halt. Nicht mal 4.000 Filmschaffende im Land sind Mitglied eines der Berufsverbände der Branche oder der Vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) – das ist vielleicht jeder zehnte. Wie soll da genügend Druck aufgebaut werden, wenn man mit der anderen Seite um Gagen und Arbeitszeiten streitet? Und dort sieht es auch nicht viel besser aus: Die Mitglieder der Produzentenallianz können frei entscheiden, wie sie’s mit dem Tarifvertrag halten, den ihr Verband ausgehandelt hat. Viele Filmschaffende halten es darum für besser, Einzelkämpfer zu bleiben in einer Branche, die sich selbst uneins ist und in der jeder nach seinen eigenen Regeln spielt. Und so wird es im Untergrund wohl noch lange weiter rumoren, ohne dass sich etwas ändert. Weiterlesen
Aktueller Videobeitrag: ecasting: pro & contra Wie ernst zu nehmen ist dieser „neue“ Markt oder ist es nur ein Modetrend? Ein Zusammenschnitt des Panels am filmhaus babelsberg.
Auf dem Podium sitzen: Heidi Krell (BVC) Suse Marquardt (BVC) Charlotte Siebenrock (BVC) Clemens Erbach (BVC & filmmakers) David Althammer (schauspielervideos) Heiko Reichenberger (Goldbaum Management & rising-star) Antoine Monot (BFFS)
Als Gäste wurden desweiteren geladen: Jacqueline Rietz (VdNA) Daniel Krauss (Regisseur, Produzent & Schauspieler) Sonja Döring (ZAV Berlin) Birgit Menzel (Die Agentin)
Moderation: Tina Thiele (Autorin, Journalistin: casting-network)
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Tina Thielehttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgTina Thiele2012-04-16 12:34:022016-05-18 11:45:06cn-klappe: ecasting pro & contra
Neulich auf dem Amt
Ulrike Röseberg, Unsere Gäste© Foto: bundesregierung.de
Ich frage mich, ob Menschen, die einen anständigen Beruf gelernt haben auch in Spitzenunterwäsche zum Arbeitsamt gehen. Da ich mir unsicher bin, ob Prostituierte einen Anspruch auf Arbeitslosengeld haben, fühle ich mich in der Schlange zum Empfang der Agentur für Arbeit sehr allein. Ich habe auf Spitze gesetzt um mich wunderschön und unantastbar zu fühlen, die Dame hinter mir auf Moschus. Sie vernebelt mir jedenfalls jeden klaren Gedanken und ich überlege kurzzeitig, ob ich einen Selbstständigenzuschuss bekäme, würde ich ein Bordell eröffnen. „Ich hoffe, ich hab alle Papiere zusammen!“ sagt sie und guckt dabei wie die Frau aus Titanic, die neben Rose und Jack am Geländer hängt kurz bevor sie loslässt und in die Tiefe stürzt. Ich lächle ihr aufmunternd zu, dann werde ich aufgerufen. „Sie sind Schauspielerin, oder?“ Eine Welle der Erleichterung geht durch meinen Körper. Vor mir sitzt jemand, der die Serie kennt, der nett sein und mir durch den Papierdschungel helfen wird!
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Richtiger Film
Georg Pelzer, out takes„If the camera is turned into a pen, the filmmaker into an auteur, and the intervening harassments of power, capital, and the means of production are all eliminated, or at least radically compromised, are we not then at the threshold of a whole new technological change in the very essence of cinema as a public media?“
(Samira Makhmalbaf)
Ist Aufgeben die Lösung? In ihrer Antwort auf das viel herumgereichte Plädoyer von Dominik Graf in der ZEIT schreibt Julia von Heinz über die Starrheit der deutschen Filmbranche: „Es ist ein System, an dem wir nicht vorbeikommen, wenn wir von unserem Beruf leben wollen.“ Diese Ohnmachtshaltung ist erschreckend, denn wenn unsere jungen RegisseurInnen wirklich so denken, wird sich so schnell nichts ändern. Aber das muss es. Wir brauchen Leute mit Visionen, Leute die fest daran glauben, dass es auch anders geht. Denn während die Branche sich vorwiegend mit sich und ihrem Selbsterhalt beschäftigt, übersieht sie, dass es dem Film noch nie so gut ging wie heute.
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Überstunden in der Traumfabrik
Peter HartigVor der Kamera sieht alles so strahlend aus. Aber hinter den Kulissen geht’s auch in der Traumfabrik hart zu. Wie jüngst bei den Dreharbeiten zur neuen Fernsehserie „Jane By Design” mit Andie MacDowell (Zweite von links). | Foto © ABC Family/Andrew Eccles
Ich glaubte ja wirklich, in Hollywood sei vieles besser – besonders bei großen Studioproduktionen, wo mächtige Gewerkschaften darüber wachen, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Ich sollte es besser wissen. Schließlich hatte schon vor acht Jahren der berühmte Kameramann und Dokumentarfilmer Haskell Wexler auf die Missstände hingewiesen. Den Ausschlag gab der Tod eines Kollegen: Der Kameraassistent Brent Lon Hershman war 1997 nach einem 19-Stunden-Drehtag für den Film „Pleasantville“ am Steuer seines Autos eingeschlafen und verunglückt. Hexler setzte sich seitdem für eine „12-und-12-Regel“ ein: Drehtage sollten für alle Filmschaffenden generell höchstens zwölf Stunden lang sein, gefolgt von mindestens zwölf Stunden Pause. Was noch über den Vorgaben des deutschen Arbeitszeitgesetzes, aber unterhalb des Tarifvertrags der deutschen Filmbranche liegt. 2006 drehte Wexler mit „Who Needs Sleep?“ sogar einen Dokumentarfilm über das Thema. Es ist seitdem nicht besser geworden.
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cn-kolumne: Ein Interview mit Brien Dorenz und Heinrich Schafmeister
Tina ThieleWir sprachen mit dem Rechtsanwalt und dem Schauspieler in Ihrer Funktion als Justiziar und Vorstandsmitglied des BFFS über den Aufbau des Verbandes und über aktuelle Probleme, welche die Schauspieler und somit den BFFS beschäftigen: Urheberrecht, Tarife, GVL und Arbeitslosengeld 1.
Link zum Interview!
Zwangsversicherung für Selbständige
Rüdiger SchaarAls Steuerberater, der seine Aufgabe darin sieht, die Mandanten umfassend und langfristig zu beraten, müsste ich mich eigentlich über den Vorstoss der Arbeitsministerin von der Leyen freuen. So erzähle auch ich meinen Mandanten regelmäßig, dass sie etwas gegen eine drohende Altersarmut machen müssten. Der vorgesehene Zwang zum Abschluss einer Rentenversicherung mit monatlichen Beiträgen um die 400,00 Euro ist da allerdings der falsche Weg. Schön für die Versicherungskonzerne aber für einen Großteil der Selbständigen einfach nicht stemmbar! Weiterlesen
Lob und Lolas
out takesFilmkunst bei der Arbeit: Vor der Verleihung der Lolas 2012 und dem Berliner Friedrichstadt-Palast. | Foto © Michael Tinnefeld, Marko Greitschus, Deutsche Filmakademie
Gestern wurden in Berlin die „Deutschen Filmpreise“ vergeben. All denen, die damit ein wenig Anerkennung und Aufmerksamkeit für ihre Arbeit erhalten haben, gratuliert das Team von out takes herzlich.
Die ARD Sendung „Der Deutsche Filmpreis 2012“ vom 27. April steht noch eine Woche in der Mediathek hier zur Ansicht bereit.
Eine einfache Frage
Peter HartigWenn der deutsche Film Erfolge feiert, freuen sich auch die deutschen Filmförderer und lassen sich gerne publikumswirksam ablichten. Unter welchen Produktionsbedingungen mancher Erfolg möglich wurde, interessiert die Förderung freilich nicht. | Foto © Deutscher Filmpreis
In der Filmwelt rumort es – zumindest im Untergrund. Der rote Teppich endet für die meisten Filmschaffenden spätestens hinter den Kulissen, da, wo es ums Geld geht. Was in vielen Berufszweigen undenkbar ist, überrascht in der Filmbranche niemanden mehr: Man arbeitet für lau. Nicht immer, aber immer wieder und immer in der Hoffnung auf den nächsten, hoffentlich bezahlten Job. Oder man wird nur im Erfolgsfall bezahlt. Rückstellungsvertrag nennt sich das, wenn der Arbeitnehmer das unternehmerische Risiko mitträgt. Immer noch besser, als gar keine Arbeit zu haben. Obwohl man da durchaus anderer Meinung sein kann. Und längst betrifft das nicht nur Low-Budget- oder Studentenfilme.
„Viel Ehre, doch kaum Verdienst“: Zu diesem Schluss kam auch eine Studie der Forschungsgruppe BEMA der Universität Münster aus dem Sommer 2010. Wenngleich diese Studie vom Bundesverband für Film- und Fernsehschauspieler in Auftrag gegeben wurde, ist sie mit 710 Teilnehmern doch recht groß angelegt. Die Hälfte der Befragten schätzt dort den eigenen finanziellen Status als eher schlecht ein. Fast zwei Drittel verdienten von Sommer 2009 bis 2010 etwa 2.520 Euro im Monat. Der Rest: 833. Das entspricht laut Statistischem Bundesamt in Wiesbaden dem Existenzminimum in Deutschland. Laut BFFS-Studie können über die Hälfte der Befragten die neuen Bedingungen für das Arbeitslosengeld (ALG I) nicht erfüllen. Sie rutschen gleich ins ALG II, die beschönigende Bezeichnung für das, was früher Sozialhilfe hieß und heute gemeinhin „Hartz 4“ genannt wird.
Selber schuld, könnte man sagen – organisiert Euch halt. Nicht mal 4.000 Filmschaffende im Land sind Mitglied eines der Berufsverbände der Branche oder der Vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) – das ist vielleicht jeder zehnte. Wie soll da genügend Druck aufgebaut werden, wenn man mit der anderen Seite um Gagen und Arbeitszeiten streitet? Und dort sieht es auch nicht viel besser aus: Die Mitglieder der Produzentenallianz können frei entscheiden, wie sie’s mit dem Tarifvertrag halten, den ihr Verband ausgehandelt hat. Viele Filmschaffende halten es darum für besser, Einzelkämpfer zu bleiben in einer Branche, die sich selbst uneins ist und in der jeder nach seinen eigenen Regeln spielt. Und so wird es im Untergrund wohl noch lange weiter rumoren, ohne dass sich etwas ändert. Weiterlesen
cn-klappe: ecasting pro & contra
Tina ThieleLink zum Video!
Aktueller Videobeitrag: ecasting: pro & contra
Wie ernst zu nehmen ist dieser „neue“ Markt oder ist es nur ein Modetrend? Ein Zusammenschnitt des Panels am filmhaus babelsberg.
Auf dem Podium sitzen:
Heidi Krell (BVC)
Suse Marquardt (BVC)
Charlotte Siebenrock (BVC)
Clemens Erbach (BVC & filmmakers)
David Althammer (schauspielervideos)
Heiko Reichenberger (Goldbaum Management & rising-star)
Antoine Monot (BFFS)
Als Gäste wurden desweiteren geladen:
Jacqueline Rietz (VdNA)
Daniel Krauss (Regisseur, Produzent & Schauspieler)
Sonja Döring (ZAV Berlin)
Birgit Menzel (Die Agentin)
Moderation:
Tina Thiele (Autorin, Journalistin: casting-network)