Die Kulturstaatsministerin hat geantwortet! Katharina Hoffmann, Kulturschaffende in Corona-Nöten, bedankt sich mit noch einem Video. | Screenshot

Über Lücken und Flicken klagen Produzent*innen, wenn sie nach den Corona-Hilfen für die Branche gefragt werden. Andere Kulturschaffende werden weiterhin an die Grundsicherung verwiesen. Warum die sich damit so schwer tun, erklären vielleicht auch ein paar Zahlen aus der früheren Normalität – von denen übrigens nicht nur sie betroffen sind.  

Wir danken Ihnen für Ihre Informationen, Ergänzungen und Korrekturen, Fragen und Kommentare, auch wenn wir leider nicht alle persönlich beantworten können. 

 

Vorige Woche hatten wir’s angekündigt, übermorgen geht es los: Am Freitag startet die erste Umfrage zu Vielfalt und Diskriminierung vor und hinter der Kamera. Mehr als 30.000 Filmschaffende sollen über das Crew-United-Netzwerk befragt werden.
Wer, wie, was und warum ist ab morgen auf unserem Blog out-takes.de zu lesen, wo wir die Umfrage mit Interviews und Berichten begleiten. Hintergründe, Statements  und umfangreiche Informationen hält die Initiativgruppe „Vielfalt im Film“ auf ihrer Website bereit. 

 

Erinnern Sie sich noch an Katharina Hoffmann? Auf Youtube hatte die Schauspielerin vor zwei Wochen die Kulturstaatsministerin um Hilfe gerufen – sie verzweifelte am vereinfachten Antrag auf Grundsicherung. Seit gestern hat sie wieder bessere Laune: Frau Grütters hat geantwortet!

Bislang waren die Antworten der BKM an die Kulturschaffenden nur bedingt hilfreich. Doch hier verspricht sie konkrete Hilfestellungen, die wir so ähnlich auch als Leser*innen-Tipp zum ersten Video von Katharina Hoffmann erhalten haben:
„Ich weiss aus sicherer Quelle, dass man*frau sich in einem solchen Fall direkt an das Kulturstaatsministerium respektive Frau Grütters wenden sollte. In mehreren Fällen hat das dazu geführt, dass die entsprechenden Sachbearbeiter bei der Agentur für Arbeit sehr schnell einen unangenehmen Anruf eines Mitarbeiters des Kulturstaatsministeriums erhalten haben und zurechtgewiesen wurden. Das scheint zu funktionieren.“ 

Warum tun sich die Kulturschaffenden so schwer mit der Grundsicherung? Vielleicht auch, weil sie gar keine Grundsicherung ist:
Wie die Bundesregierung die Regelsätze niedrig rechnet, hatte das ARD-Magazin „Monitor“ schon zwei Jahre vor Corona vorgeführt: Bei 571 Euro sollte damals das Existenzminimum liegen, 416 Euro wurden tatsächlich angesetzt. 10 Milliarden Euro würden so jedes Jahr zurückgehalten – plus weitere 15 Milliarden Euro an Steuern eingenommen.
Das ist die „Normalität“. Fürs ZDF hatte kurz zuvor „Die Anstalt“ das Problem erklärt. 

 

Der „Neustart Kultur“ für Corona-bedingte Umbaumaßnahmen läuft an, meldete gestern Kulturstaatsministerin Monika Grütters: „Mit großen Schritten wollen wir die Kulturlandschaft in Deutschland hin zu mehr Normalität führen“.

Damit Kinos in ganz Deutschland in der Corona-Krise ihren Betrieb wieder aufnehmen können, stellt die Bundesregierung insgesamt 40 Millionen Euro zur Verfügung. Dies gab Kulturstaatsministerin Monika Grütters heute in einem der ältesten Kinos Deutschlands, dem „Moviemento“ in Berlin, bekannt, wo sie die Gewinner*innen der „Kinoprogramm- und Verleiherpreise 2020“ verkündete. Die neue Förderlinie „Zukunftsprogramm Kino II“ ist Teil des Konjunkturprogramms „Neustarts Kultur“ und ergänzt das bereits laufende „Zukunftsprogramm Kino I“, das sich an kleinere Kinos im ländlichen Raum und Arthouse-Kinos richtet. Es soll bei den notwendigen Investitionen wie Schutzvorrichtungen oder Online-Ticketing-Systemen helfen, erklärte Grütters. Nun könnten auch Kinos Mittel erhalten, die die Voraussetzungen des ersten Pakets nicht erfüllen. Die maximale Förderhöhe pro Kino beträgt 315.000 Euro, bei  mehreren Standorten 630.000 Euro. Anträge können ab dem 1. August gestellt werden.

Wie geht es den Kinos bundesweit? Die Krise ist längst nicht vorbei, sagt Christine Berg, Vorstandsvorsitzende des HDF Kino, im Interview mit der „Frankfurter Rundschau“: „Wir haben einen Besuchereinbruch von 85 Prozent gegenüber dem Vorjahr.“ Und: „Die Abstandsregelungen sind unser größtes Problem. Es gibt in den Bundesländern weiterhin unterschiedliche Vorgaben.“

 

Verärgerung trotz Millionenhilfe: Die Film- und Fernsehbranche bekommt Geld für Ausfälle in der Pandemie. Doch die Begeisterung hält sich in Grenzen, denn die Hilfen des Bundes sind nicht für alle gedacht. Die „Süddeutsche Zeitung“ fragte herum und hörte viel Verärgerung über einen zusammengestoppelten föderalen Flickenteppich und die ewige Kluft zwischen Kino und Fernsehen.

Die Auswirkungen der Pandemie aufs ZDF und seine Mitarbeiter*innen schildert eine 43-minütige Doku: „Das Virus und wir“ gibt’s online in der ZDF-Mediathek.

Schlechte Zeiten für fiktionales Fernsehen? Covid-19 hat die Produktion von Filmen und Serien praktisch zum Stillstand gebracht: Zwei Drittel aller TV- und Film-Produzenten in Europa mussten ihre Produktionen stoppen, zumindest vorübergehend. „Übermedien“ fragt nach der Stimmung in der Branche.

Drehbücher wurden geändert, Sets umgebaut – doch während man sich hinter den Kulissen Schutzmaßnahmen angepasst hat, sieht auf dem Bildschirm alles weiterhin so aus wie vor der Pandemie, wundert sich der Deutschlandfunk: Dass in Fernsehserien keine Masken getragen werden, sei oft eine bewusste Entscheidung.

Unternehmen, die in Nordrhein-Westfalen Corona-Soforthilfen erhalten haben, müssen unter Umständen einen Teil der Unterstützung an das Land zurückzahlen. Erstmal können sie die finanzielle Hilfe jedoch behalten, melden die „Ruhr-Nachrichten“.

 

Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Corona-Lockdowns beschäftigten am Montag „Telepolis“: „Daten und Fakten, die in unseren Leitmedien wenig Beachtung finden.

Ein erfundenes „Bundesamt für Krisenschutz und Wirtschaftshilfe“ fädelt unter einem Vorwand Gespräche mit Vorständen großer Unternehmen ein, darunter der Energiekonzern RWE. Das Wirtschaftsministerium wittert erst Betrug mit Corona-Hilfen, aber rudert dann zurück. Recherchen von „netzpolitik.org“ deuten auf einen anderen Hintergrund hin.

Forscher legen eine Hochrechnung zur Entwicklung der Erdbevölkerung vor, berichtet „Der Spiegel“: Die Zeit des endlosen Wachstums ist vorbei. Auch Deutschland muss sich auf Veränderungen einstellen.
Das hatte allerdings der schwedische Wissenschaftler Hans Rosling schon vor 15 Jahren gepredigt.
Das visuell beeindruckendste Video zu den animierten Fakten drehte die BBC: 200 Länder, 200 Jahre in vier Minuten – ein hoffnungsfroher Schnelldurchlauf aus 120.000 Daten. 

 

Reise nach Indien. Auch „cinearte“ macht zurzeit Pause für diese Brancheninfos. Darum schreibt Christoph Brandl seine Doku-Kolumne „Das wahre Leben“ solange hier:

Es wird nichts dieses Jahr mit der angedachten Reise in die Karibik, auch die Südsee fällt als Zielort aus. Wer nicht nach Mallorca ans Meer möchte, dem bleibt die deutsche Küste. Nord- oder Ostsee – und ein Laptop. Denn noch nie war es so leicht, praktisch wo man geht und steht, einem Dokumentarfilmfestival zu folgen, das irgendwo auf dieser Welt gerade stattfindet, eben online. Und wenn man wie dieser Tage dem 17. Indische Filmfestival Stuttgart folgt (15. bis 19. Juli 2020), kann man gut und gerne einige Reiseträume befriedigen. Für einen Pauschalbetrag von 4,99 Euro können fünf Tage aktuelle Filme aus verschiedenen Regionen Indiens gesichtet werden – darunter zahlreiche Dokumentarfilme. Die Bandbreite des Festivals reicht von frechen, heiligen Großstadtaffen, Stromdieben, dem Dilemma eines arbeitslosen Literatur-Alumnus, der aktuellen Diskriminierung und Ausgrenzung von Muslimen, Dalits, Christen und Stammesangehörigen in ganz Indien bis hin zur Konfrontation mit der Welt der Hijras, Indiens drittem Geschlecht.
In ihrem Dokumentarfilm „Aayi Gayi“ (Indien 2019) hinterfragt Regisseurin Anandana Kapur die Behauptung, Indien habe auf nationaler Ebene einen Überschuss an Strom. Die Stromversorgung sei kein großes Problem, aber die Stromverteilung. Es geht um Stromdiebe, die illegal Stromleitungen anzapfen und Menschen, die einfach nicht ihre Stromrechnungen bezahlen können. Die Dokumentarfilmerin will wissen, ob es ein soziales Recht auf Elektrizität gibt oder Strom eine kommerzielle Ware ist.
Eines ganz anderen Themas nimmt sich der Dokumentarfilm „Patrick goes to Bollywood“ (Indien 2020) an. Hier wird gezeigt, wie sich der Münchner Filmemacher Patrick Ranz in der indischen Filmbranche um einen Job vor der Kamera bemüht.
„Fridays-for-Future“-Klima-Aktivist*innen aus Delhi, Mumbai und Stuttgart kommen im vielversprechenden Rahmenprogramm (in sogenannten „Tea Talks“) zu Wort. Auch werden Handy-Aufnahmen gezeigt, mit denen Inder aus ihrem Alltag inmitten der Corona-Pandamie berichten. „In unserem Online-Festival steckt viel Herzblut“, sagt Festivalleiter Oliver Mahn. Mit seinem günstigen „All-inclusive“-Preis und mit einem informativen, unterhaltsamen Rahmenprogramm wolle das Indische Filmfestival Fans des Indischen Kinos auf der ganzen Welt erreichen. „In dieser Herausforderung liegt eine große Chance, neue Wege zu gehen und andere Gruppen zu erreichen. Das Internet und die technischen Möglichkeiten, die heute zur Verfügung stehen, haben Kunst und Kultur eine Stimme gegeben, die ansonsten verstummt wäre“, sagte Mahn weiter. Die Bekanntgabe des Filmpreises „German Star of India“ ist am Samstag, 18. Juli, um 20 Uhr geplant.

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Noch nicht registriert? Als eingeloggter User wird Ihr Name automatisch übernommen.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte lösen Sie diese Aufgabe, bevor Sie den Kommentar abschicken.
Dies dient dem Schutz vor Spam.

Was ist 5 addiert zu 3?