Einen neuen Studiengang startet die Münchner Filmwerkstatt im Oktober: In zwei Jahren sollen Praktiker mit Berufserfahrung zum „Master of Arts in Film & Digital Media“ werden.
Seit es der Branche an Fachkräfte mangelt, ist auch die Ausbildung in Bewegung geraten. Filmhochschulen und Studiengänge gibt es in Deutschland zwar zuhauf, doch gelehrt werden fast ausschließlich die Gewerke, die im Vorspann stehen: Regie, Drehbuch, Produktion, Bildgestaltung, Szenenbild … Die Fachkräfte jedoch fehlen im Abspann: Betroffen ist vor allem der Mittelbau, hatte zuletzt wieder der Produzent Uli Aselmann auf Deutschlandfunk Kultur erklärt.
Das Problem ist selbstgemacht. Jahrzehnte lang konnte sich die Branche auf ihren Glamour-Effekt verlassen. Wer „zum Film“ wollte, nahm den unsicheren Weg über Praktika und lange Assistenzzeit und vielleicht auch Weiterbildungen in Kauf. Dieser Weg hat auch seinen Reiz: Er scheint allen offen zu stehen, die Ausbildung erfolgt so nah an der Praxis, wie man es sich nur wünschen kann: „Learning by doing“.
Doch die Qualifizierung wurde bislang vernachlässigt. In erster Linie waren es Filmhäuser und ähnliche Initiativen, die sich um Weiterbildungsangebote kümmerten. Inzwischen wurde reagiert – und wieder backt ein jedes seine eigenen Brötchen: An der Hochschule Zittau/Görlitz bekommt man nach sechs Wochen Theorie und zwei- bis drei Monaten Praktikum ein Zertifikat „Assistenz Filmproduktion“. An der FH Ansbach geht’s seit dem Frühjahr in sieben Semestern zum Bachelor-Abschluss im „Produktionsmanagement Film und TV“. Übersichtlicher wird es dadurch nicht. Im Gegenteil: Ab Oktober will die Münchner Filmwerkstatt in zwei Jahren zum „Master of Arts in Film & Digital Media“ führen.
John Canning ist Metaverse-Enthusiast. Der Elektroingenieur und Filmproduzent arbeitet seit über 30 Jahren mit interaktiven und immersiven Medien. Canning ist überzeugt: Filmschaffende sollten dringend die Möglichkeiten des Metaverse erkunden. Warum, erklärt er nächste Woche in seiner Keynote auf der MediaTech Hub Conference 22. Konferenzleiter Peter Effenberg hat vorab mit ihm gesprochen.
John Canning, wir sprechen heute darüber, warum Filmschaffende das Metaverse erforschen sollten. Vom Metaverse wird zurzeit ja viel geredet, aber es ist auch schwer greifbar. Wie würden Sie das Metaversum definieren? Ich habe tatsächlich angefangen, es als das „M-Wort“ zu bezeichnen, weil es von so vielen schlechtgeredet wird. Ich persönlich gehöre zu den Menschen, die alt genug sind, um „Snow Crash“ von Neal Stephenson gelesen zu haben, als es veröffentlicht wurde. Deshalb bin ich schon lange mit dem Konzept des Metaverse vertraut, das der Autor Stephenson damals begründet hat. Doch erst jetzt wird es plötzlich populär als „das nächste große Ding“.
Ich finde, es ist wichtig, darüber nachzudenken, wofür die Menschen das Metaverse nutzen wollen: Wohin gehen wir als nächstes? Es ist wichtig zu verstehen, dass wir nicht nächste Woche oder nächstes Jahr etwas auf den Markt bringen werden, das „das Metaverse“ heißt. Sondern es ist die Weiterentwicklung, die Evolution dessen, was wir bisher gemacht haben.
Mit seinem Spielfilmdebüt hatte Jean-Luc Godard dem Kino eine neue Freiheit verliehen. Am Dienstag ist der Mitbegründer der Nouvelle Vague mit 91 Jahren verstorben.
Jean-Luc Godard ist tot. Der Filmemacher starb am Dienstag im Alter von 91 Jahren. Wie die Zeitung „Libération“ [auf Französisch] meldete, hatte er Sterbehilfe in Anspruch genommen: „Er war nicht krank, er war erschöpft.“
„Das Kino soll Trauer tragen!“ fordert Patrick Straumann in der „Neuen Zürcher Zeitung“. „Kein anderer Regisseur hat die filmische Sprache so radikal mit ihren eigenen Möglichkeiten und Grenzen konfrontiert. Seit seinen Anfängen als Mitgründer der avantgardistischen Bewegung Nouvelle Vague brach Godard alle nur erdenklichen stilistischen, grammatischen und dramaturgischen Regeln des Films. In einem sechs Jahrzehnte dauernden Werkprozess hat er einen zerklüfteten, von brillanten Intuitionen, ästhetischen Wüsten und Meisterwerken durchzogenen Filmkatalog aufgebaut, der weder auf Modellen beruht noch auf Nachfolge zählen kann. Weit über 100 Titel umfasst sein Filmverzeichnis.“
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Peter Hartighttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgPeter Hartig2022-09-16 17:36:192022-09-16 18:01:03Der ewig Radikale. Zum Tod von Jean-Luc Godard.
„Wir müssen weiterhin Geschichten erzählen, denn unsere Stimme muss neben den anderen Stimmen gehört werden“, sagt die Regisseurin Marina Stepanksa. Der russische Angriffskrieg hat auch ihr Leben Sie ist eine von zehn ukrainischen Filmschaffenden, die mit dem diesjährigen „Kieser-Preis“ aisgezeichnet werden. | Screenshot
Die Hilfsplattform „Filmmakers for Ukraine“ wurde in Los Angeles mit dem „Kieser-Preis“. Das Preisgeld ging an Filmschaffende, deren Lebensumstände sich seit Ausbruch des Krieges radikal verändert haben.
Filmmakers for Ukraine wurde am Freitag in Los Angeles mit dem diesjährigen „Kieser-Preis“ ausgezeichnet. Damit wird die Arbeit der Internetplattform gewürdigt, die ukrainische Film- und Fernsehgemeinschaft, die vom Krieg betroffen ist, mit Ressourcen, Arbeitsplätzen und Geld zur Deckung der Grundbedürfnisse zu versorgen.
Der Preis ist mit 10.000 US-Dollar dotiert, das Geld wurde über die NGO Filmmakers for Refugees bereits vorab an die eigentlichen Preisträger weitergereicht: Zehn ukrainische Filmschaffende, deren Lebensumstände sich seit Ausbruch des Krieges radikal verändert haben. Mikrostipendien über je 1.000 Dollar sollen sie unterstützen. Die Dokumentarfilmerin Alisa Kovalenko etwa meldete sich mit Kriegsausbruch zur Armee. Auch Roman Liubyi, Regisseur, Kameramann und Editor, soll einberufen werden.
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Peter Hartighttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgPeter Hartig2022-09-14 17:01:002022-09-16 17:13:25Stimmen im Krieg: Auszeichnung für Filmmakers for Ukraine
Bei den „Oscars“ sitzt der Rest der Welt am Katzentisch. Dort sorgt er trotzdem jedes Jahr für Spannung, welchen Film Hollywood wohl zum besten Film der Welt erklärt. Für Deutschland soll nun das Weltkriegdrama „Im Westen nichts Neues“ ins Rennen gehen.
Eine Netflix-Produktion soll im nächsten Jahr den „Oscar“ für Deutschland holen. Aus neun Bewerbern hat eine Jury für German Films, die Auslandsvertretung des deutschen Films, den Kandidaten für den besten internationalen Film ausgewählt: „Im Westen nichts Neues“ unter der Regie von Edward Berger, produziert von Amusement Park Films.
Vorlage ist der gleichnamige Roman von 1928, in dem Erich Maria Remarque die Schrecken des Ersten Weltkriegs aus der Sicht eines jungen Soldaten schildert. Das Buch wurde zu einem Klassiker der Weltliteratur und bereits zweimal in den USA verfilmt. Die Fassung von Lewis Milestone aus dem Jahr 1930, produziert von Carl Laemmle, gewann zwei „Oscars“. Eine Fernsehfassung von Delbert Mann wurde 1980 mit einem „Golden Globe“ ausgezeichnet.
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Peter Hartighttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgPeter Hartig2022-09-06 11:54:242022-09-06 11:54:24„Oscar“-Kandidaten: Taktik bei der Bestenwahl
In Venedig läuft wieder das älteste Filmfestival der Welt. Und das hat auch mit 90 Jahren den anderen noch einiges voraus.
Das älteste Filmfestival der Welt wird 90. Am Mittwoch starteten die Internationalen Filmfestspiele in Venedig[auf Englisch]. In der „Frankfurter Rundschau“ freute sich Daniel Kothenschulte: Venedig bringe Aufwendiges mit minimalistischen Independentfilmen unter einen Hut. „Die Spannbreite des Kinos, das hier gefeiert wird, könnte nicht größer sein: Mit Noah Baumbach das Glück des Filmemachers, der nach 30 Jahren im Geschäft erst im Schoß eines Weltkonzerns seine erste Großproduktion realisieren kann. Mit Frederic Wiseman die Freiheit des 92-jährigen Dokumentaristen, der an die Tür zum Spielfilm klopft. Und schließlich die Souveränität des Jafar Panahi, der noch kurz vor seiner Inhaftierung der Diktatur ein Schnippchen schlägt.“
Baumbachs erste Großproduktion eröffnete das Festival. „Weißes Rauschen“ ist die Adaption des gleichnamigen Roman von Don DeLillo aus dem Jahr 1985. Der Weltkonzern dahinter heißt Netflix, verrät Dominik Kamalzadeh im „Standard“: „Das erklärt zwar die eine oder andere Anbindung an den Streamingstil, doch insgesamt erweist sich der Film durchaus als wendig, er scheut auch vor großformatigen Wimmelbildern und abenteuerlichen Verfolgungsjagden durch Wälder und Flüsse nicht zurück. Als Zwitter zwischen Kino und Autorenfernsehfilm ist er vielleicht gerade deshalb der geeignete Opener für ein Festival, das all das abmessen will, was gegenwärtig alles als Film gilt: Nach Venedig wird er auch das New York Film Festival einleiten – die erste Arbeit, der jemals diese Ehre zuteilwird.“
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Peter Hartighttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgPeter Hartig2022-09-02 11:31:222022-09-06 11:48:23Das Kino am Lido
Vor 40 Jahren erlebte die Filmwelt eine Revolution: Videotheken schoben sich zwischen Kino und Fernsehen in die Auswertungskette und bescherten dem Publikum ungeahnte Freiheiten. Nur wenige haben den Aufstieg der Streamer überlebt. Besuche bei den letzten Exemplaren einer bedrohten Spezies.
Vor gar nicht allzu langer Zeit schossen allerorten die Videotheken aus dem Boden. Schon 1983 gab es in Deutschland davon mehr als Kinos. Mindestens 4.850, für manche sogar bis zu 6.000 solcher Verleihstellen gab es, rund 3.500 waren im Interessenverband des Video- und Medienfachhandels in Deutschland (IVD) zu dessen besten Zeiten organisiert. In kürzester Zeit hatte die Videokassette zum Ausleihen das Mediengefüge gründlich verändert. Zwischen Kino und Fernsehen etablierten sich die Videotheken in der Auswertungskette. Der Grund für den Erfolg war nicht weniger revolutionär: Erstmals konnte das Publikum selber entscheiden, was es wann sehen wollte – zumindest in der Theorie. Und mit dem Nachfolgemedium DVD kamen Sprachversionen und Making-ofs kamen noch weitere Möglichkeiten hinzu.
Internet und Streamingdienste machten dem Zauber ein Ende. Ab 2010 war der Niedergang offensichtlich, nur noch 50 Videotheken sind heute übriggeblieben. Für Deutschlandfunk Kultur besuchte Jörg Taszman einen der letzten Läden in Deutschland und schaute nach, wie sich die Video-Dinosaurier im Streamingzeitalter schlagen.
Das AD-System ist keineswegs gescheitert, sagt die Assistant Directors Union (ADU). Sondern internationaler Standard. Und der funktioniere auch in Ländern, die beim Filmemachen kleiner denken müssen. Auf „Outtakes“ antwortet der Verband ausführlich auf „mehrere fragwürdige Aussagen“ der vergangenen Wochen.
Als Berufsverband für alle szenisch arbeitenden Regieassistent*innen, Assistant Directors (AD) und Production Assistants (PA) sind uns als ADU in der vergangenen Woche gleich mehrere fragwürdige Aussagen von unterschiedlichen Personen zum „internationalen Drehsystem“ aufgefallen, die wir nicht unkommentiert lassen wollen. Zum einen sind im BVR-Grußwort des Regisseurs Rainer Matsutani zur sogenannten „Showrunner“ Position erstaunliche Behauptungen gespickt mit Seitenhieben auf das internationale Drehsystem zu finden. Aber auch die Aussagen von Kirsten Frehse, Herstellungsleiterin bei der Degeto, zeichnen ein gefährlich falsches Bild, das uns um die Zukunftsfähigkeit der deutschen Filmbranche bangen lässt.
Der Masterplan zum Fachkräftemangel
out takes, Peter HartigDie Fachkräfte sind da. Die Qualifizierung ist das Problem. Die Münchner Filmwerkstatt hat ein eigenes Konzept entwickelt – für Filmschaffende mit Berufserfahrung. | Foto © Adobe Stock
Einen neuen Studiengang startet die Münchner Filmwerkstatt im Oktober: In zwei Jahren sollen Praktiker mit Berufserfahrung zum „Master of Arts in Film & Digital Media“ werden.
Seit es der Branche an Fachkräfte mangelt, ist auch die Ausbildung in Bewegung geraten. Filmhochschulen und Studiengänge gibt es in Deutschland zwar zuhauf, doch gelehrt werden fast ausschließlich die Gewerke, die im Vorspann stehen: Regie, Drehbuch, Produktion, Bildgestaltung, Szenenbild … Die Fachkräfte jedoch fehlen im Abspann: Betroffen ist vor allem der Mittelbau, hatte zuletzt wieder der Produzent Uli Aselmann auf Deutschlandfunk Kultur erklärt.
Das Problem ist selbstgemacht. Jahrzehnte lang konnte sich die Branche auf ihren Glamour-Effekt verlassen. Wer „zum Film“ wollte, nahm den unsicheren Weg über Praktika und lange Assistenzzeit und vielleicht auch Weiterbildungen in Kauf. Dieser Weg hat auch seinen Reiz: Er scheint allen offen zu stehen, die Ausbildung erfolgt so nah an der Praxis, wie man es sich nur wünschen kann: „Learning by doing“.
Doch die Qualifizierung wurde bislang vernachlässigt. In erster Linie waren es Filmhäuser und ähnliche Initiativen, die sich um Weiterbildungsangebote kümmerten. Inzwischen wurde reagiert – und wieder backt ein jedes seine eigenen Brötchen: An der Hochschule Zittau/Görlitz bekommt man nach sechs Wochen Theorie und zwei- bis drei Monaten Praktikum ein Zertifikat „Assistenz Filmproduktion“. An der FH Ansbach geht’s seit dem Frühjahr in sieben Semestern zum Bachelor-Abschluss im „Produktionsmanagement Film und TV“. Übersichtlicher wird es dadurch nicht. Im Gegenteil: Ab Oktober will die Münchner Filmwerkstatt in zwei Jahren zum „Master of Arts in Film & Digital Media“ führen.
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Das „M-Wort“
Peter Effenberg, Unsere GästeDas Metaverse – für viele „das nächste heiße Ding“. John Canning hat vor 30 Jahren das Buch gelesen, für ihn ist das Konzept ein alter Hut. Aber deshalb nicht weniger interessant – denn die Technik sei inzwischen weiter und die Zukunft längst im Gange. | Foto © MTH Conference
John Canning ist Metaverse-Enthusiast. Der Elektroingenieur und Filmproduzent arbeitet seit über 30 Jahren mit interaktiven und immersiven Medien. Canning ist überzeugt: Filmschaffende sollten dringend die Möglichkeiten des Metaverse erkunden. Warum, erklärt er nächste Woche in seiner Keynote auf der MediaTech Hub Conference 22. Konferenzleiter Peter Effenberg hat vorab mit ihm gesprochen.
John Canning, wir sprechen heute darüber, warum Filmschaffende das Metaverse erforschen sollten. Vom Metaverse wird zurzeit ja viel geredet, aber es ist auch schwer greifbar. Wie würden Sie das Metaversum definieren?
Ich habe tatsächlich angefangen, es als das „M-Wort“ zu bezeichnen, weil es von so vielen schlechtgeredet wird. Ich persönlich gehöre zu den Menschen, die alt genug sind, um „Snow Crash“ von Neal Stephenson gelesen zu haben, als es veröffentlicht wurde. Deshalb bin ich schon lange mit dem Konzept des Metaverse vertraut, das der Autor Stephenson damals begründet hat. Doch erst jetzt wird es plötzlich populär als „das nächste große Ding“.
Ich finde, es ist wichtig, darüber nachzudenken, wofür die Menschen das Metaverse nutzen wollen: Wohin gehen wir als nächstes? Es ist wichtig zu verstehen, dass wir nicht nächste Woche oder nächstes Jahr etwas auf den Markt bringen werden, das „das Metaverse“ heißt. Sondern es ist die Weiterentwicklung, die Evolution dessen, was wir bisher gemacht haben.
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Der ewig Radikale. Zum Tod von Jean-Luc Godard.
out takes, Peter HartigJean-Luc Godard in seinem Film „Schütze deine Rechte“ (1987). Mit seinem Debüt brach er alle Regeln des Kinos und machte auch später, was er wollte. Mit 91 Jahren ist der Mitbegründer der Nouvelle Vague freiwillig aus dem Leben geschieden: „Er war nicht krank, er war erschöpft“. | Foto © J.L.G Films
Mit seinem Spielfilmdebüt hatte Jean-Luc Godard dem Kino eine neue Freiheit verliehen. Am Dienstag ist der Mitbegründer der Nouvelle Vague mit 91 Jahren verstorben.
Jean-Luc Godard ist tot. Der Filmemacher starb am Dienstag im Alter von 91 Jahren. Wie die Zeitung „Libération“ [auf Französisch] meldete, hatte er Sterbehilfe in Anspruch genommen: „Er war nicht krank, er war erschöpft.“
„Das Kino soll Trauer tragen!“ fordert Patrick Straumann in der „Neuen Zürcher Zeitung“. „Kein anderer Regisseur hat die filmische Sprache so radikal mit ihren eigenen Möglichkeiten und Grenzen konfrontiert. Seit seinen Anfängen als Mitgründer der avantgardistischen Bewegung Nouvelle Vague brach Godard alle nur erdenklichen stilistischen, grammatischen und dramaturgischen Regeln des Films. In einem sechs Jahrzehnte dauernden Werkprozess hat er einen zerklüfteten, von brillanten Intuitionen, ästhetischen Wüsten und Meisterwerken durchzogenen Filmkatalog aufgebaut, der weder auf Modellen beruht noch auf Nachfolge zählen kann. Weit über 100 Titel umfasst sein Filmverzeichnis.“
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Stimmen im Krieg: Auszeichnung für Filmmakers for Ukraine
out takes, Peter Hartig„Wir müssen weiterhin Geschichten erzählen, denn unsere Stimme muss neben den anderen Stimmen gehört werden“, sagt die Regisseurin Marina Stepanksa. Der russische Angriffskrieg hat auch ihr Leben Sie ist eine von zehn ukrainischen Filmschaffenden, die mit dem diesjährigen „Kieser-Preis“ aisgezeichnet werden. | Screenshot
Die Hilfsplattform „Filmmakers for Ukraine“ wurde in Los Angeles mit dem „Kieser-Preis“. Das Preisgeld ging an Filmschaffende, deren Lebensumstände sich seit Ausbruch des Krieges radikal verändert haben.
Filmmakers for Ukraine wurde am Freitag in Los Angeles mit dem diesjährigen „Kieser-Preis“ ausgezeichnet. Damit wird die Arbeit der Internetplattform gewürdigt, die ukrainische Film- und Fernsehgemeinschaft, die vom Krieg betroffen ist, mit Ressourcen, Arbeitsplätzen und Geld zur Deckung der Grundbedürfnisse zu versorgen.
Der Preis ist mit 10.000 US-Dollar dotiert, das Geld wurde über die NGO Filmmakers for Refugees bereits vorab an die eigentlichen Preisträger weitergereicht: Zehn ukrainische Filmschaffende, deren Lebensumstände sich seit Ausbruch des Krieges radikal verändert haben. Mikrostipendien über je 1.000 Dollar sollen sie unterstützen. Die Dokumentarfilmerin Alisa Kovalenko etwa meldete sich mit Kriegsausbruch zur Armee. Auch Roman Liubyi, Regisseur, Kameramann und Editor, soll einberufen werden.
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„Oscar“-Kandidaten: Taktik bei der Bestenwahl
out takes, Peter Hartig„Im Westen nichts Neues“ ist bereits die dritte Verfilmung Klassikers über die Schrecken des Ersten Weltkriegs. Die ersten beiden wurden mit „Oscars“ und „Golden Globe“ ausgezeichnet. Da rechnet man sich auch für die deutsche Adaption gute Chancen aus. | Foto © Netflix/Reiner Bajo
Bei den „Oscars“ sitzt der Rest der Welt am Katzentisch. Dort sorgt er trotzdem jedes Jahr für Spannung, welchen Film Hollywood wohl zum besten Film der Welt erklärt. Für Deutschland soll nun das Weltkriegdrama „Im Westen nichts Neues“ ins Rennen gehen.
Eine Netflix-Produktion soll im nächsten Jahr den „Oscar“ für Deutschland holen. Aus neun Bewerbern hat eine Jury für German Films, die Auslandsvertretung des deutschen Films, den Kandidaten für den besten internationalen Film ausgewählt: „Im Westen nichts Neues“ unter der Regie von Edward Berger, produziert von Amusement Park Films.
Vorlage ist der gleichnamige Roman von 1928, in dem Erich Maria Remarque die Schrecken des Ersten Weltkriegs aus der Sicht eines jungen Soldaten schildert. Das Buch wurde zu einem Klassiker der Weltliteratur und bereits zweimal in den USA verfilmt. Die Fassung von Lewis Milestone aus dem Jahr 1930, produziert von Carl Laemmle, gewann zwei „Oscars“. Eine Fernsehfassung von Delbert Mann wurde 1980 mit einem „Golden Globe“ ausgezeichnet.
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Das Kino am Lido
out takes, Peter HartigMit „Weißes Rauschen“ eröffnete eine Netflix-Produktion das älteste Filmfestival der Welt. Einen „Goldenen Löwen“ gab’s schon vor vier Jahren. Im Umgang mit den Streamern gibt sich Venedig entspannt. | Foto © Netflix
In Venedig läuft wieder das älteste Filmfestival der Welt. Und das hat auch mit 90 Jahren den anderen noch einiges voraus.
Das älteste Filmfestival der Welt wird 90. Am Mittwoch starteten die Internationalen Filmfestspiele in Venedig [auf Englisch]. In der „Frankfurter Rundschau“ freute sich Daniel Kothenschulte: Venedig bringe Aufwendiges mit minimalistischen Independentfilmen unter einen Hut. „Die Spannbreite des Kinos, das hier gefeiert wird, könnte nicht größer sein: Mit Noah Baumbach das Glück des Filmemachers, der nach 30 Jahren im Geschäft erst im Schoß eines Weltkonzerns seine erste Großproduktion realisieren kann. Mit Frederic Wiseman die Freiheit des 92-jährigen Dokumentaristen, der an die Tür zum Spielfilm klopft. Und schließlich die Souveränität des Jafar Panahi, der noch kurz vor seiner Inhaftierung der Diktatur ein Schnippchen schlägt.“
Baumbachs erste Großproduktion eröffnete das Festival. „Weißes Rauschen“ ist die Adaption des gleichnamigen Roman von Don DeLillo aus dem Jahr 1985. Der Weltkonzern dahinter heißt Netflix, verrät Dominik Kamalzadeh im „Standard“: „Das erklärt zwar die eine oder andere Anbindung an den Streamingstil, doch insgesamt erweist sich der Film durchaus als wendig, er scheut auch vor großformatigen Wimmelbildern und abenteuerlichen Verfolgungsjagden durch Wälder und Flüsse nicht zurück. Als Zwitter zwischen Kino und Autorenfernsehfilm ist er vielleicht gerade deshalb der geeignete Opener für ein Festival, das all das abmessen will, was gegenwärtig alles als Film gilt: Nach Venedig wird er auch das New York Film Festival einleiten – die erste Arbeit, der jemals diese Ehre zuteilwird.“
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Nicht zurückgespult
out takesAlle sorgen sich ums Kino. Unterdessen schließen fast unbemerkt die letzten Videotheken im Land. Schade eigentlich – nie gab’s so viel Filmkultur in einem Raum. Szenenfoto aus „Jersey Girl“. | Foto © TFM Distribution
Vor 40 Jahren erlebte die Filmwelt eine Revolution: Videotheken schoben sich zwischen Kino und Fernsehen in die Auswertungskette und bescherten dem Publikum ungeahnte Freiheiten. Nur wenige haben den Aufstieg der Streamer überlebt. Besuche bei den letzten Exemplaren einer bedrohten Spezies.
Vor gar nicht allzu langer Zeit schossen allerorten die Videotheken aus dem Boden. Schon 1983 gab es in Deutschland davon mehr als Kinos. Mindestens 4.850, für manche sogar bis zu 6.000 solcher Verleihstellen gab es, rund 3.500 waren im Interessenverband des Video- und Medienfachhandels in Deutschland (IVD) zu dessen besten Zeiten organisiert. In kürzester Zeit hatte die Videokassette zum Ausleihen das Mediengefüge gründlich verändert. Zwischen Kino und Fernsehen etablierten sich die Videotheken in der Auswertungskette. Der Grund für den Erfolg war nicht weniger revolutionär: Erstmals konnte das Publikum selber entscheiden, was es wann sehen wollte – zumindest in der Theorie. Und mit dem Nachfolgemedium DVD kamen Sprachversionen und Making-ofs kamen noch weitere Möglichkeiten hinzu.
Internet und Streamingdienste machten dem Zauber ein Ende. Ab 2010 war der Niedergang offensichtlich, nur noch 50 Videotheken sind heute übriggeblieben. Für Deutschlandfunk Kultur besuchte Jörg Taszman einen der letzten Läden in Deutschland und schaute nach, wie sich die Video-Dinosaurier im Streamingzeitalter schlagen.
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Systemfragen: deutsch oder international?
out takes, Peter HartigNicht nur „Asterix“-Fans kennen die Zeilen zu diesem Bild. So ähnlich stellt sich zurzeit die deutsche Filmbranche dar, findet die Assistant Directors Union: „Drehen hat sich seit den 1950er-Jahren in Deutschland massiv verändert – lediglich das Drehsystem ist nicht mit der Zeit gegangen.“ | Illustration © Ehapa
Das AD-System ist keineswegs gescheitert, sagt die Assistant Directors Union (ADU). Sondern internationaler Standard. Und der funktioniere auch in Ländern, die beim Filmemachen kleiner denken müssen. Auf „Outtakes“ antwortet der Verband ausführlich auf „mehrere fragwürdige Aussagen“ der vergangenen Wochen.
Als Berufsverband für alle szenisch arbeitenden Regieassistent*innen, Assistant Directors (AD) und Production Assistants (PA) sind uns als ADU in der vergangenen Woche gleich mehrere fragwürdige Aussagen von unterschiedlichen Personen zum „internationalen Drehsystem“ aufgefallen, die wir nicht unkommentiert lassen wollen. Zum einen sind im BVR-Grußwort des Regisseurs Rainer Matsutani zur sogenannten „Showrunner“ Position erstaunliche Behauptungen gespickt mit Seitenhieben auf das internationale Drehsystem zu finden. Aber auch die Aussagen von Kirsten Frehse, Herstellungsleiterin bei der Degeto, zeichnen ein gefährlich falsches Bild, das uns um die Zukunftsfähigkeit der deutschen Filmbranche bangen lässt.
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