„Oscar“-Kandidaten: Taktik bei der Bestenwahl

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„Im Westen nichts Neues“ ist bereits die dritte Verfilmung Klassikers über die Schrecken des Ersten Weltkriegs. Die ersten beiden wurden mit „Oscars“ und „Golden Globe“ ausgezeichnet. Da rechnet man sich auch für die deutsche Adaption gute Chancen aus. | Foto ©  Netflix/Reiner Bajo

Bei den „Oscars“ sitzt der Rest der Welt am Katzentisch. Dort sorgt er trotzdem jedes Jahr für Spannung, welchen Film Hollywood wohl zum besten Film der Welt erklärt. Für Deutschland soll nun das Weltkriegdrama „Im Westen nichts Neues“ ins Rennen gehen.

Eine Netflix-Produktion soll im nächsten Jahr den „Oscar“ für Deutschland holen. Aus neun Bewerbern hat eine Jury für German Films, die Auslandsvertretung des deutschen Films, den Kandidaten für den besten internationalen Film ausgewählt: „Im Westen nichts Neues“ unter der Regie von Edward Berger, produziert von Amusement Park Films. 

Vorlage ist der gleichnamige Roman von 1928, in dem Erich Maria Remarque die Schrecken des Ersten Weltkriegs aus der Sicht eines jungen Soldaten schildert. Das Buch wurde zu einem Klassiker der Weltliteratur und bereits zweimal in den USA verfilmt. Die Fassung von Lewis Milestone aus dem Jahr 1930, produziert von Carl Laemmle, gewann zwei „Oscars“. Eine Fernsehfassung von Delbert Mann wurde 1980 mit einem „Golden Globe“ ausgezeichnet. 

Dank Netflix wurde das Buch nun ein drittes Mal verfilmt. Der Dreh sei extrem anspruchsvoll gewesen, sagte Berger im Februar der DPA. Nur selten biete sich die Chance, aus Deutschland heraus so einen Film zu machen: „Er sehe immer wieder immer große Kriegsfilme aus dem amerikanischen oder britischen Raum. ,Und da stört mich immer eine Sache: Es stört mich, dass es immer einen Gewinner gibt. Es gibt immer einen Guten. Natürlich, die haben eine ganz andere Geschichte als wir. Sie haben gewonnen. Die Amerikaner mussten eingreifen in den Krieg, gegen ihren Willen, und haben Europa befreit. Und aus dieser Historie gibt es da Helden. Die gibt es in Deutschland nicht.’ Das sieht Berger nun gerade als Chance: ,Und aus diesem Gefühl heraus einen Film zu machen, aus dieser Scham, diesem Gram, diesem Horror, mit dem wir aufgewachsen sind, den ich vererbt bekommen habe, den meine Kinder noch vererbt bekommen, da heraus einen Film zu machen, das fand ich eine interessante Perspektive, die Welt zu sehen.’“  

Beim Festival in Toronto soll der Film seine Weltpremiere feiern, der deutsche Kinostart ist für den 29. September angekündigt. Vier Wochen später soll er ins Programm von Netflix aufgenommen werden. 

Nach welchen Überlegungen die Auswahljury ihre Kandidaten kürt, erklärt Simone Baumann von German Films im Interview mit „Blickpunkt Film“: „Es geht nicht unbedingt darum, den besten Film aus der Sicht der Jury zu wählen. Das Ziel ist, den Film auszuwählen, der die größten Chancen hat, im ,Oscar’-Rennen weiterzukommen. […] Das sind taktische Entscheidungen, basierend auf den unterschiedlichen Erfahrungen mit dem amerikanischen Markt und aus vorhergehenden Jahren. Daran versucht man den Film zu bestimmen, der am ehesten die Stimmen der Academy-Mitglieder bekommt. Der ganze Nominierungsprozess war schon immer eine Blackbox. Aber heute ist es so, dass die ,Oscar’-Academy viel mehr nicht-amerikanische Mitglieder hat und dass die eingereichten Filme auch online gesichtet werden dürfen. Das wurde während der Corona-Pandemie eingeführt und wurde beibehalten. Das verändert auch das Abstimmverhalten – in welche Richtung, wissen wir natürlich nicht.“

Die Wahl des deutschen Beitrags ist nur eine Vorstufe im Rennen um den Auslands-„Oscar“. Im Dezember wird eine Shortlist mit 15 Titeln aus den internationalen Bewerbungen bekanntgegeben. Davon werden voraussichtlich im Januar fünf Filme nominiert. Die „Oscars“ werden am 12. März 2023 verliehen.

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