Die Berlinale läuft – ganz in echt und unter Pandemiebedingungen.
In Berlin laufen die 72. Filmfestspiele. Über Filme wird zunächst kaum diskutiert – umso mehr über Sinn und Unsinn eines Festivals in der Pandemie, schreibt Tim Caspar Boehme in der „Taz“. „Der Ton ist mittlerweile ähnlich schrill, wie man ihn längst andernorts in Teilen der sozialen Medien beklagt. […] Darüber geraten zwei normative Appelle auf Kollisionskurs: Die Frage nach der Verantwortung für die Gesundheit anderer steht plötzlich gegen die Rettung des Kinos. Zweierlei Dinge mithin, die man besser separat betrachten sollte. […] Durch eine Onlinelösung wie im vergangenen Jahr hätte die Berlinale womöglich riskiert, mit einem weit weniger namhaften Programm dazustehen. Das sind für ein Filmfestival ernsthafte Schwierigkeiten, erst recht für eines der drei wichtigsten, zu denen die Berlinale mit Cannes und Venedig zählt. In übergeordneter Perspektive geht es zudem um die Zukunft des Kinos, für die die Berlinale ein Zeichen setzen soll. Eine Absage des Festivals oder eine Streaminglösung, so die Befürchtung, könnten sich verheerend auf die Bereitschaft auswirken, grundsätzlich wieder und öfter ins Kino zu gehen.“
Ist die Serie „Eldorado KaDeWe“ rufschädigend? Das fand zumindest John-Philip Hammersen, Geschäftsführer der Hertie-Stiftung, und bescherte sich bei der ARD-Programmdirektorin Christine Strobl. Anlass für eine Podiumsdiskussion zur Aufarbeitung der Geschichte.
An Weihnachten hatte sich die ARD etwas getraut. Die Miniserie „Eldorado KaDeWe – Jetzt ist unsere Zeit“ erzählt eine lesbische Liebesgeschichte in den letzten Jahren der Weimarer Republik. Die Charaktere sind teils erfunden, teils echt – das berühmte Kaufhaus gibt die Kulisse, hinter der immer wieder auch Stadtansichten von heute auftauchen.
Ärger gab’s aber nicht wegen der künstlerischen Freiheit, mit der Julia von Heinz hier inszenierte. Das Gegenteil ist der Fall, schildert der Historiker Moritz Hoffmann bei „Übermedien“: Eine der vier Hauptfiguren ist der Kaufhausmanager Georg Karg, und den gab es wirklich. „Karg war der materielle Gewinner der ganzen Geschichte: Als die jüdischen Eigentümer der auch das KaDeWe umfassenden Kaufhausgruppe in den 1930er Jahren aus der eigenen Firma gedrängt wurden, übernahm Karg nach und nach die Anteile an dieser Hertie GmbH und wurde so zum Kaufhausmagnaten der Bonner Republik. Dass Karg aus dem Nationalsozialismus persönlichen und bis in die Bundesrepublik fortwährenden wirtschaftlichen Vorteil gezogen hat, wird aus der Serienhandlung nicht eindeutig klar, kann aber auch nicht einfach ignoriert werden. Vermutlich deshalb ließ Regisseurin Julia von Heinz ganz am Ende der Serie, vor dem Abspann, mehrere Texttafeln einblenden, die das weitere Leben der vier Hauptpersonen skizzieren. Zwei davon sind insgesamt 16 Sekunden lang zu sehen: ,Georg Karg übernimmt das ganze Tietz-Imperium und entschädigt die Familie nach 1945 mit einer geringen Summe.‘ – ,Sein Vermögen fließt in die Hertie-Stiftung. Diese behinderte lange die Offenlegung ihrer Profite aus der Enteignung und Arisierung. Eine weitere Studie zur Aufarbeitung wurde 2020 in Auftrag gegeben.‘“
Am Donnerstag beginnt die Berlinale. Und zwar als reine Präsenzveranstaltung. Das hatte für kontroverse Reaktionen gesorgt.
Die läuft Berlinale läuft wieder – als reine Präsenz-Veranstaltung. Ein Online-Angebot wird es nicht geben. Das ist Realitätsverweigerung, findet die Filmkritikerin Anna Wollner in ihrem Kommentar beim RBB und fordert: „Sagt die Berlinale ab!“ Man habe versäumt, auf ein Hybrid- oder Online-Festival umzusteigen. „Auf dem von Wissenschaftlern prognostizierten Peak der Welle wird der Potsdamer Platz zum Ort eines Präsenz-Filmfestivals. Ein Ort der Begegnung. Bei einem Filmfestival geht es nicht nur um das kollektive Erleben von Filmen auf der großen Leinwand, es geht um den Austausch miteinander. Ein Austausch, der in diesem Jahr nur einer sehr privilegierten Gruppe zustehen wird. […] Als Journalist*in auf die Berlinale zu gehen, ist wie Russisch Roulette spielen. Die Kolleg*innen, die am letzten Tag noch einen negativen Test vorweisen können, sollten mit einem Ehrenbären ausgezeichnet werden. Ja, das Kino und die Kultur brauchen starke Zeichen. Aber kein Film, vor allem kein Filmfestival der Welt ist es wert, die eigene Gesundheit und die der anderen leichtfertig aufs Spiel zu setzen. Sollte die Berlinale zum Superspreader-Event werden, ist ihr Ruf – auch international – wohl endgültig ruiniert.“
In zwei Jahren Pandemie haben sich die Filmförderungen für das Kino stark gemacht. Doch die Filmverleiher werden im Regen stehen gelassen – zumindest jene, die auch „etwas schwierigere Filme und Themen“ im Kino möglich machen wollen. In einem Offenen Brief erklärt Björn Koll, Geschäftsführer von Salzgeber, die Unsinnigkeiten des Fördersystems. Hier der Text in ganzer Länge:
Liebe Filmemacherinnen und Filmemacher, liebe Produzentinnen und Produzenten,
seit fast 40 Jahren sind wir bei Salzgeber ein hoffentlich guter, verlässlicher und treuer Partner für Eure Filme und gemeinsam haben wir gerade auch für den deutschen Nachwuchs, die Dokumentarfilme und die etwas schwierigeren Filme und Themen vieles im Kino möglich gemacht und schöne Erfolge feiern können. Nun landen hier immer mehr Projekte auf meinem Schreibtisch: Ihr wollt einen neuen Film drehen, habt vielleicht schon eine erste Förderung bekommen und benötigt nun einen Verleihvertrag, um es mit den nächsten Bausteinen der Finanzierung einfacher zu haben oder gar DFFF-Mittel zu erhalten. Ich sage Euch immer häufiger ab und ganz zurecht verdienen diese nicht-inhaltlichen Absagen eine Begründung:
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Peter Hartighttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgPeter Hartig2022-02-08 12:17:532022-02-08 12:17:53„So geht es einfach nicht mehr weiter“ – ein Arthouse-Verleih in der Pandemie
So geht’s, wenn man’s mit der Diversität nicht richtig ernst meint: Disney will „Schneewittchen“ neu verfilmen und feierte seine erste „Latino-Prinzessin“. Doch die sieben Zwerge hatte man irgendwie übersehen. Der kleinwüchsige Schauspieler Peter Dinklage zeigte sich öffentlich „ein bisschen sprachlos“, warum man „diese verdammt noch mal rückwärtsgewandte Geschichte über sieben Zwerge“ überhaupt nochmal erzählt.
An seinen Prinzessinnen hat Disney über die Jahre schwer gearbeitet. Seit den 1990er-Jahren kamen welche aus nahen und dem fernen Osten und aus dem Pazifikhinzu, sogar eine amerikanische Ureinwohnerin wurde zur Titelheldin, und vor zwölf Jahren durfte erstmals eine Schwarze Prinzessin den Frosch küssen. Selbstbewusster und unabhängiger wurden die Prinzessinnen – der Unterhaltungskonzern ging mit der Zeit: „Die Eiskönigin“ von 2013 hatte locker den „Bechdel-Test“ bestanden.
Nur am Aussehen hat man kaum gearbeitet. Die Prinzessinnen-Riege sieht immer noch aus wie frisch von der Barbie-Akademie, ein Pummelchen wie in „Lilo und Stitch“ ist die Ausnahme. Und wird auch nicht zur Pyjama-Party eingeladen, wenn man sich etwa in „Ralph reicht’s 2“ über die eigenen Klischees lustig macht. Mehr aber auch nicht, und darum endet hier der märchenhafte Teil der Geschichte. Denn die Prinzessinnen sind zwar inzwischen so international wie ihre Zielgruppe – doch so richtig scheint man das doch nicht ernst zu nehmen, und „bessert“ lieber plastisch am Erscheinungsbild nach, wie die Reaktionen auf die Pyjama-Party vor drei Jahren zeigten.
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Peter Hartighttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgPeter Hartig2022-02-01 12:46:372022-02-08 12:19:23Falsche Vielfalt – wie Disney das mit der Diversität missversteht …
… und am Ende des Tages sind wir alle klüger. Warum wir nicht in ruhigen Zeiten leben, und das auch gut so ist – Gedanken in der Pandemie, Folge 144.
„Ohne Spaltung keine Politik.“
Michael Rutschky (1943-2018)
„The mind does not come to life until it meets something it cannot comprehend.“ James Carse (19??-2020)
Eine lange Winterschlaf-Pause war das; jetzt sind wir wieder da im Herbst der Pandemie, bevor diese dann zu einer Endemie wird. Wollen wir doch hoffen!
Aber auch in den letzten fünf Wochen hat sich – seien wir ehrlich! – nichts wesentlich geändert. Die Themen,die öffentlich im Zusammenhang mit der Pandemie diskutiert werden, sind die gleichen geblieben: Impfpflicht, der Umgang mit Impfgegnern, die Frage der Gefährlichkeit von Omikron, der sozialpsychologische Zustand der Republik, der Vergleich mit England (die natürlich alles schlechter machen, als wir), der Vergleich mit Österreich (wo man nichts schlechter macht, manches vielleicht sogar besser, es aber bei uns nicht wahrhaben will), vielleicht noch der Blick nach Schweden (wo sowieso alles ganz schlimm ist, oder?).
Gleich geblieben sind auch die Leerstellen, also das was nicht besprochen wird,
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Rüdiger Suchslandhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgRüdiger Suchsland2022-01-31 20:12:482022-01-31 20:12:48Gedanken in der Pandemie 144: Morgens um 7 ist die Welt noch in Ordnung …
Was erwartet die Filmwirtschaft im neuen Jahr? Das Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes hat eine neue Untersuchung mit Hochrechnungen veröffentlicht.
„Es ist mittlerweile zu befürchten, dass es ein ähnlich schwieriges Jahr wie 2021 wird“: Das Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft hat Ende voriger Woche eine neue Untersuchung zur „Betroffenheit der Kultur- und Kreativwirtschaft von der Corona-Pandemie“ veröffentlicht. Die Aussichten sind verhalten: „Sollte wider Erwarten doch ab Frühjahr und Sommer eine Erholung eintreten, könnte möglicherweise eine langsame Annäherung an das Ausgangsjahr 2019 stattfinden. Vor 2023 wird dieses aber von der KKW [Kultur- und Kreativwirtschaft, Red.] insgesamt nicht zu erreichen sein. Die Erholungsfahrt der KKW erfolgt in sehr unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Für einige Teilmärkte der Kulturwirtschaft ist eine Rückkehr zum Vorkrisenniveau noch nicht absehbar.“
Seit 15 Jahren hilft das Mediengründerzentrum NRW dem Nachwuchsproduzent*innen beim Start in die Praxis. Und dabei geht’s nicht so sehr ums Geld – viel wichtiger seien das Know-how und das Netzwerk, erklärt Geschäftsführer Rainer Weiland die Erfolgsgeschichte.
Herr Weiland, das Mediengründerzentrum NRW wurde im vorigen Jahr 15. Als „Erfolgsgeschichte“ bezeichnen Sie es selbst: Fast 200 junge Unternehmen haben Sie bislang mit Stipendien gefördert, 90 Prozent Ihrer Stipendiat*innen hätten sich langfristig am Markt etabliert und mehr als 300 Auszeichnungen erhalten – bis hin zum „Europäischen Filmpreis“. Wie hat das Mediengründerzentrum dazu beigetragen? Das beginnt sicherlich bei der richtigen Auswahl. Das MGZ beruft dazu jedes Jahr eine hochkarätige Jury. In unserer aktuellen Jury sitzen neben Claudia Steffen, Geschäftsführerin von Pandora Film, Julia Pfiffer, Geschäftsführerin von Astragon Entertainment, Tobias Schiwek, CEO von We Are Era, sieben weitere erfahrene Vertreter*innen der Medienbranche.Unsere Jury nimmt sich viel Zeit, um aus den vielen guten Bewerbungen die allerbesten auszuwählen. Wer also zum Kreis unserer Stipendiat*innen zählt, hat schon vor Beginn des Programmsein anspruchsvolles Verfahren durchlaufen.
Die generelle Erfolgsformel des Mediengründerzentrums NRW ist vermutlich der Mix aus finanziellem Anreiz, einem passgenauen Seminarangebot zu betriebswirtschaftlichen, rechtlichen und branchenbezogenen Themen, einem individuellen Coaching und aus einem sehr starken Netzwerk, in dem insbesondere erfahrene Mentor*innen aus der Medienbranche den Gründer*innen zur Seite stehen. Viele unserer Alumni sagen uns, der Gründungszuschuss sei zwar ganz schön, aber viel wichtiger sei das Know-how und das Netzwerk für sie gewesen.
Ihre Stipendien gehen an Produzent*innen, die in der Regel bereits eine entsprechende Ausbildung abgeschlossen haben. Sie waren fünf Jahre selbst Geschäftsführer der Internationalen Filmschule Köln (IFS). Was bringen Sie den Stipendiat*innen bei, das an den Filmhochschulen nicht gelehrt wird? Weiterlesen
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Peter Hartighttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgPeter Hartig2022-01-19 17:22:212022-01-19 17:22:21Know-how für die Praxis: 15 Jahre Mediengründerzentrum NRW
Großes Kino trotz Corona
out takes, Peter HartigBoulevard mit Maske: Die Schauspielerinnen Charlotte Gainsbourg und Emmanuelle Béart geben fleißig Autogramme. Die Berlinale ist nun mal ein Publikumsfest und will das Kino feiern. | Foto © Berlinale
Die Berlinale läuft – ganz in echt und unter Pandemiebedingungen.
In Berlin laufen die 72. Filmfestspiele. Über Filme wird zunächst kaum diskutiert – umso mehr über Sinn und Unsinn eines Festivals in der Pandemie, schreibt Tim Caspar Boehme in der „Taz“. „Der Ton ist mittlerweile ähnlich schrill, wie man ihn längst andernorts in Teilen der sozialen Medien beklagt. […] Darüber geraten zwei normative Appelle auf Kollisionskurs: Die Frage nach der Verantwortung für die Gesundheit anderer steht plötzlich gegen die Rettung des Kinos. Zweierlei Dinge mithin, die man besser separat betrachten sollte. […] Durch eine Onlinelösung wie im vergangenen Jahr hätte die Berlinale womöglich riskiert, mit einem weit weniger namhaften Programm dazustehen. Das sind für ein Filmfestival ernsthafte Schwierigkeiten, erst recht für eines der drei wichtigsten, zu denen die Berlinale mit Cannes und Venedig zählt. In übergeordneter Perspektive geht es zudem um die Zukunft des Kinos, für die die Berlinale ein Zeichen setzen soll. Eine Absage des Festivals oder eine Streaminglösung, so die Befürchtung, könnten sich verheerend auf die Bereitschaft auswirken, grundsätzlich wieder und öfter ins Kino zu gehen.“
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Von Kunst und Verantwortung
out takes, Peter HartigEinige der Figuren hat es wirklich gegeben, die Handlung ist erfunden: Mit Texttafeln weist die Serie „Eldorado KaDeWe“ drauf hin, dass die Kunst hier Fiktion und Fakten vermischt. Doch die Hertie-Stiftung stört sich an einer Tatsachenbehauptung: Ihr Stifter habe sich unter den Nazis bereichert. | Foto © ARD Degeto/Dávid Lukács
Ist die Serie „Eldorado KaDeWe“ rufschädigend? Das fand zumindest John-Philip Hammersen, Geschäftsführer der Hertie-Stiftung, und bescherte sich bei der ARD-Programmdirektorin Christine Strobl. Anlass für eine Podiumsdiskussion zur Aufarbeitung der Geschichte.
An Weihnachten hatte sich die ARD etwas getraut. Die Miniserie „Eldorado KaDeWe – Jetzt ist unsere Zeit“ erzählt eine lesbische Liebesgeschichte in den letzten Jahren der Weimarer Republik. Die Charaktere sind teils erfunden, teils echt – das berühmte Kaufhaus gibt die Kulisse, hinter der immer wieder auch Stadtansichten von heute auftauchen.
Ärger gab’s aber nicht wegen der künstlerischen Freiheit, mit der Julia von Heinz hier inszenierte. Das Gegenteil ist der Fall, schildert der Historiker Moritz Hoffmann bei „Übermedien“: Eine der vier Hauptfiguren ist der Kaufhausmanager Georg Karg, und den gab es wirklich. „Karg war der materielle Gewinner der ganzen Geschichte: Als die jüdischen Eigentümer der auch das KaDeWe umfassenden Kaufhausgruppe in den 1930er Jahren aus der eigenen Firma gedrängt wurden, übernahm Karg nach und nach die Anteile an dieser Hertie GmbH und wurde so zum Kaufhausmagnaten der Bonner Republik. Dass Karg aus dem Nationalsozialismus persönlichen und bis in die Bundesrepublik fortwährenden wirtschaftlichen Vorteil gezogen hat, wird aus der Serienhandlung nicht eindeutig klar, kann aber auch nicht einfach ignoriert werden. Vermutlich deshalb ließ Regisseurin Julia von Heinz ganz am Ende der Serie, vor dem Abspann, mehrere Texttafeln einblenden, die das weitere Leben der vier Hauptpersonen skizzieren. Zwei davon sind insgesamt 16 Sekunden lang zu sehen: ,Georg Karg übernimmt das ganze Tietz-Imperium und entschädigt die Familie nach 1945 mit einer geringen Summe.‘ – ,Sein Vermögen fließt in die Hertie-Stiftung. Diese behinderte lange die Offenlegung ihrer Profite aus der Enteignung und Arisierung. Eine weitere Studie zur Aufarbeitung wurde 2020 in Auftrag gegeben.‘“
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Kollektives Filmerlebnis
out takes, Peter HartigAnalog, hybrid oder digital? Dahinter steckt auch die Frage, was eigentlich ein kollektives Filmerlebnis ausmacht: Wenn möglichst viele Menschen im Kino beieinander sitzen oder wenn sehr viel mehr Menschen den selben Film sehen können – überall auf der Welt? Szene aus dem Forum-Film „Nuclear Family“. | Foto © Creative Agitation
Am Donnerstag beginnt die Berlinale. Und zwar als reine Präsenzveranstaltung. Das hatte für kontroverse Reaktionen gesorgt.
Die läuft Berlinale läuft wieder – als reine Präsenz-Veranstaltung. Ein Online-Angebot wird es nicht geben. Das ist Realitätsverweigerung, findet die Filmkritikerin Anna Wollner in ihrem Kommentar beim RBB und fordert: „Sagt die Berlinale ab!“ Man habe versäumt, auf ein Hybrid- oder Online-Festival umzusteigen. „Auf dem von Wissenschaftlern prognostizierten Peak der Welle wird der Potsdamer Platz zum Ort eines Präsenz-Filmfestivals. Ein Ort der Begegnung. Bei einem Filmfestival geht es nicht nur um das kollektive Erleben von Filmen auf der großen Leinwand, es geht um den Austausch miteinander. Ein Austausch, der in diesem Jahr nur einer sehr privilegierten Gruppe zustehen wird. […] Als Journalist*in auf die Berlinale zu gehen, ist wie Russisch Roulette spielen. Die Kolleg*innen, die am letzten Tag noch einen negativen Test vorweisen können, sollten mit einem Ehrenbären ausgezeichnet werden. Ja, das Kino und die Kultur brauchen starke Zeichen. Aber kein Film, vor allem kein Filmfestival der Welt ist es wert, die eigene Gesundheit und die der anderen leichtfertig aufs Spiel zu setzen. Sollte die Berlinale zum Superspreader-Event werden, ist ihr Ruf – auch international – wohl endgültig ruiniert.“
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„So geht es einfach nicht mehr weiter“ – ein Arthouse-Verleih in der Pandemie
out takes, Peter HartigAlle reden von der Filmkunst. Doch deren Verleiher wurden in der Pandemie vom Fördersystem im Stich gelassen. Björn Koll, Geschäftsführer von Salzgeber, hat einen sehr Offenen Brief geschrieben. | Foto © Salzgeber
In zwei Jahren Pandemie haben sich die Filmförderungen für das Kino stark gemacht. Doch die Filmverleiher werden im Regen stehen gelassen – zumindest jene, die auch „etwas schwierigere Filme und Themen“ im Kino möglich machen wollen. In einem Offenen Brief erklärt Björn Koll, Geschäftsführer von Salzgeber, die Unsinnigkeiten des Fördersystems. Hier der Text in ganzer Länge:
Liebe Filmemacherinnen und Filmemacher, liebe Produzentinnen und Produzenten,
seit fast 40 Jahren sind wir bei Salzgeber ein hoffentlich guter, verlässlicher und treuer Partner für Eure Filme und gemeinsam haben wir gerade auch für den deutschen Nachwuchs, die Dokumentarfilme und die etwas schwierigeren Filme und Themen vieles im Kino möglich gemacht und schöne Erfolge feiern können. Nun landen hier immer mehr Projekte auf meinem Schreibtisch: Ihr wollt einen neuen Film drehen, habt vielleicht schon eine erste Förderung bekommen und benötigt nun einen Verleihvertrag, um es mit den nächsten Bausteinen der Finanzierung einfacher zu haben oder gar DFFF-Mittel zu erhalten. Ich sage Euch immer häufiger ab und ganz zurecht verdienen diese nicht-inhaltlichen Absagen eine Begründung:
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Falsche Vielfalt – wie Disney das mit der Diversität missversteht …
out takes, Peter HartigPyjama-Party mit Prinzessinnen in „Ralph reicht’s 2“. Disney hat bald für jeden Herkunftshintergrund die passende Identifikationsfigur – und retten können die sich inzwischen schon selber. Doch Diversität sieht anders aus, wenn man’s ernst meint. | Foto © Disney
So geht’s, wenn man’s mit der Diversität nicht richtig ernst meint: Disney will „Schneewittchen“ neu verfilmen und feierte seine erste „Latino-Prinzessin“. Doch die sieben Zwerge hatte man irgendwie übersehen. Der kleinwüchsige Schauspieler Peter Dinklage zeigte sich öffentlich „ein bisschen sprachlos“, warum man „diese verdammt noch mal rückwärtsgewandte Geschichte über sieben Zwerge“ überhaupt nochmal erzählt.
An seinen Prinzessinnen hat Disney über die Jahre schwer gearbeitet. Seit den 1990er-Jahren kamen welche aus nahen und dem fernen Osten und aus dem Pazifik hinzu, sogar eine amerikanische Ureinwohnerin wurde zur Titelheldin, und vor zwölf Jahren durfte erstmals eine Schwarze Prinzessin den Frosch küssen. Selbstbewusster und unabhängiger wurden die Prinzessinnen – der Unterhaltungskonzern ging mit der Zeit: „Die Eiskönigin“ von 2013 hatte locker den „Bechdel-Test“ bestanden.
Nur am Aussehen hat man kaum gearbeitet. Die Prinzessinnen-Riege sieht immer noch aus wie frisch von der Barbie-Akademie, ein Pummelchen wie in „Lilo und Stitch“ ist die Ausnahme. Und wird auch nicht zur Pyjama-Party eingeladen, wenn man sich etwa in „Ralph reicht’s 2“ über die eigenen Klischees lustig macht. Mehr aber auch nicht, und darum endet hier der märchenhafte Teil der Geschichte. Denn die Prinzessinnen sind zwar inzwischen so international wie ihre Zielgruppe – doch so richtig scheint man das doch nicht ernst zu nehmen, und „bessert“ lieber plastisch am Erscheinungsbild nach, wie die Reaktionen auf die Pyjama-Party vor drei Jahren zeigten.
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Gedanken in der Pandemie 144: Morgens um 7 ist die Welt noch in Ordnung …
Rüdiger Suchsland, Unsere Gäste1968, als wenigstens morgens um 7 die Welt noch in Ordnung war. | Foto © HR/Degeto
… und am Ende des Tages sind wir alle klüger. Warum wir nicht in ruhigen Zeiten leben, und das auch gut so ist – Gedanken in der Pandemie, Folge 144.
„Ohne Spaltung keine Politik.“
Michael Rutschky (1943-2018)
„The mind does not come to life until it meets something it cannot comprehend.“
James Carse (19??-2020)
Eine lange Winterschlaf-Pause war das; jetzt sind wir wieder da im Herbst der Pandemie, bevor diese dann zu einer Endemie wird. Wollen wir doch hoffen!
Aber auch in den letzten fünf Wochen hat sich – seien wir ehrlich! – nichts wesentlich geändert. Die Themen, die öffentlich im Zusammenhang mit der Pandemie diskutiert werden, sind die gleichen geblieben: Impfpflicht, der Umgang mit Impfgegnern, die Frage der Gefährlichkeit von Omikron, der sozialpsychologische Zustand der Republik, der Vergleich mit England (die natürlich alles schlechter machen, als wir), der Vergleich mit Österreich (wo man nichts schlechter macht, manches vielleicht sogar besser, es aber bei uns nicht wahrhaben will), vielleicht noch der Blick nach Schweden (wo sowieso alles ganz schlimm ist, oder?).
Gleich geblieben sind auch die Leerstellen, also das was nicht besprochen wird,
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Gemischte Prognose
out takesDie Kultur- und Kreativwirtschaft ist von der Pandemie nicht gleichermaßen betroffen. Der Teilmarkt Film gehört zu den größten Verlierern. Auch im günstigsten Szenario wird er noch nicht wieder den Stand vor Corona erreichen. | Grafik © Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes
Was erwartet die Filmwirtschaft im neuen Jahr? Das Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes hat eine neue Untersuchung mit Hochrechnungen veröffentlicht.
„Es ist mittlerweile zu befürchten, dass es ein ähnlich schwieriges Jahr wie 2021 wird“: Das Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft hat Ende voriger Woche eine neue Untersuchung zur „Betroffenheit der Kultur- und Kreativwirtschaft von der Corona-Pandemie“ veröffentlicht. Die Aussichten sind verhalten: „Sollte wider Erwarten doch ab Frühjahr und Sommer eine Erholung eintreten, könnte möglicherweise eine langsame Annäherung an das Ausgangsjahr 2019 stattfinden. Vor 2023 wird dieses aber von der KKW [Kultur- und Kreativwirtschaft, Red.] insgesamt nicht zu erreichen sein. Die Erholungsfahrt der KKW erfolgt in sehr unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Für einige Teilmärkte der Kulturwirtschaft ist eine Rückkehr zum Vorkrisenniveau noch nicht absehbar.“
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Know-how für die Praxis: 15 Jahre Mediengründerzentrum NRW
out takes, Peter HartigFünf Jahre lang war Rainer Weiland in der Geschäftsführung der Internationalen Filmschule Köln. Seit einem Jahr leitet er das Mediengründerzentrum NRW – und hat noch einiges vor: Im September startete mit „Sheroes“ ein „Empowerment-Programm“. Bislang hatten sich nämlich wesentlich weniger Frauen als Männer um ein Starthilfe-Stipendium beworben. | Foto © Mediengründerzentrum NRW/Hojabr Riahi
Seit 15 Jahren hilft das Mediengründerzentrum NRW dem Nachwuchsproduzent*innen beim Start in die Praxis. Und dabei geht’s nicht so sehr ums Geld – viel wichtiger seien das Know-how und das Netzwerk, erklärt Geschäftsführer Rainer Weiland die Erfolgsgeschichte.
Herr Weiland, das Mediengründerzentrum NRW wurde im vorigen Jahr 15. Als „Erfolgsgeschichte“ bezeichnen Sie es selbst: Fast 200 junge Unternehmen haben Sie bislang mit Stipendien gefördert, 90 Prozent Ihrer Stipendiat*innen hätten sich langfristig am Markt etabliert und mehr als 300 Auszeichnungen erhalten – bis hin zum „Europäischen Filmpreis“. Wie hat das Mediengründerzentrum dazu beigetragen?
Das beginnt sicherlich bei der richtigen Auswahl. Das MGZ beruft dazu jedes Jahr eine hochkarätige Jury. In unserer aktuellen Jury sitzen neben Claudia Steffen, Geschäftsführerin von Pandora Film, Julia Pfiffer, Geschäftsführerin von Astragon Entertainment, Tobias Schiwek, CEO von We Are Era, sieben weitere erfahrene Vertreter*innen der Medienbranche. Unsere Jury nimmt sich viel Zeit, um aus den vielen guten Bewerbungen die allerbesten auszuwählen. Wer also zum Kreis unserer Stipendiat*innen zählt, hat schon vor Beginn des Programms ein anspruchsvolles Verfahren durchlaufen.
Die generelle Erfolgsformel des Mediengründerzentrums NRW ist vermutlich der Mix aus finanziellem Anreiz, einem passgenauen Seminarangebot zu betriebswirtschaftlichen, rechtlichen und branchenbezogenen Themen, einem individuellen Coaching und aus einem sehr starken Netzwerk, in dem insbesondere erfahrene Mentor*innen aus der Medienbranche den Gründer*innen zur Seite stehen. Viele unserer Alumni sagen uns, der Gründungszuschuss sei zwar ganz schön, aber viel wichtiger sei das Know-how und das Netzwerk für sie gewesen.
Ihre Stipendien gehen an Produzent*innen, die in der Regel bereits eine entsprechende Ausbildung abgeschlossen haben. Sie waren fünf Jahre selbst Geschäftsführer der Internationalen Filmschule Köln (IFS). Was bringen Sie den Stipendiat*innen bei, das an den Filmhochschulen nicht gelehrt wird?
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