Wer seine Meinung sagt, muss auch die Antwort ertragen. Die Debatte um die Aktion #allesdichtmachen dreht sich auch um die Art, wie diskutiert wird. „Lasst uns streiten, aber lasst uns miteinander im Gespräch bleiben“, sagte Filmakademie-Präsident Ulrich Matthes am Sonntag. „Und zwar ohne uns gegenseitig an die nächste Laterne zu wünschen.“ | Screenshot © Deutsche Filmakademie

Die Diskussion um die Video-Aktion #allesdichtmachen dreht sich weiter – allerdings um grundsätzlichere Fragen: Wie wollen wir miteinander diskutieren? Und worüber? Derweil begab sich „Der Tagesspiegel“ auf Spurensuche, wer eigentlich hinter dem angeblichen Gruppenprojekt steckt.  

Eine kurze Erklärung vorab, weil das in einigen Berichten durcheinander gerät: Nicht 53 Schauspieler*innen haben für die Aktion #allesdichtmachen Videos gedreht. Es waren 51 Schauspieler*innen und 1 Regisseur, die insgesamt 53 Videos drehten. So steht’s auch in der Wikipedia.

Mit den Videos wollten sie eine Debatte eröffnen. Die Debatte bekamen sie – allerdings anders, als sie das offenbar erwartet hatten. Der Großteil der Reaktionen warf den Videos Zynismus und Querdenken vor, Beifall kam vor allem vom rechten Rand. Erschrocken zog ein Drittel der Schauspieler*innen seine Beiträge zurück, auf ihrer Website grenzte sich die Initiative von Rechten und Querdenkern ab (einen ausführlichen Überblick finden sie auf „Out-takes“), einer wetterte zurück, berichtete die „Berliner Zeitung“ am Sonntag: „Dietrich Brüggemann, der bei einigen der Kurzfilme Regie führte und an der Entwicklung beteiligt war, steht weiter hinter der Aktion. Und hat sich in einem emotionalen und wütenden Statement direkt an seine Kritiker gewendet. […] Die Menschen, die ihn und seine Kollegen nun angingen, seien ,zynisch und menschenverachtend’. Wenig später heißt es in dem wütenden Tweet: ,Ihr seid ein Teil des Schlimmsten, was die Menschheit hervorgebracht hat: Ihr seid ein Lynchmob. Ganz einfach.’“

„Seid nett zueinander“ hat der Regisseur in sein Twitter-Profil geschrieben.

 

Der Präsident der Deutschen Filmakademie, der Schauspieler Ulrich Matthes, unterstellt seinen Kolleg*innen zwar eine gute Absicht. „Diese gute Absicht ist nur ordentlich schiefgegangen.“ Das ist die naheliegende und weitverbreitete Einschätzung. Ganz so ist es aber doch nicht, wie sich schon am vorigen Sonntag zeigte: In seiner Eröffnungsrede zur Mitgliederversammlung der Deutschen Filmakademie erklärte Matthes seine Stellungnahme: Die Kritik sei ihm nicht leichtgefallen und trotz allem schätze er die Kolleg*innen weiterhin. Anderntags im Deutschlandfunk nahm er sie nochmals in Schutz: „Natürlich habe er sich aufgeregt, aber die Rufe nach beruflicher Ächtung und die Gewaltandrohungen finde er ,skandalös’. ,Da schmeiße ich mich vor meine Kollegen, die ich für ihre Videos kritisiere’, sagt Matthes.“

Freie Meinungsäußerung bedeute aber auch, hatte er in seiner Rede zuvor gesagt, dass Äußerungen oder Aktionen auf Kritik stoßen können – und das sei keineswegs gleich „faschistoid“. Er bedauere, dass die Situation in den letzten Tagen eskaliert sei – auch er habe auf seine Kritik teilweise harsche Reaktionen bis hin zu Todesdrohungen erhalten. „Lasst uns streiten, aber lasst uns miteinander im Gespräch bleiben“, sagte Matthes. „Und zwar ohne uns gegenseitig an die nächste Laterne zu wünschen.“

Inmitten der ersten Aufregung kommt tatsächlich eine Debatte in Gang. Und die führt zu Grundsätzlicherem: Wie wollen wir miteinander diskutieren? Und was sind die eigentlichen Fragen? Um es nun aber nicht gleich zu übertreiben: Beides waren schon längst Themen und wurde nicht erst durch die Aktion #allesdichtmachen angestoßen. Sie könnte sie aber vielleicht in den Fokus rücken.  

 

Was genau an der sogenannten Kunst-Aktion #allesdichtmachen eigentlich so giftig war, hat der Musiker und Lyriker Wolfgang Müller in seinem Blog überlegt. Nach seiner Meinung ist es die „Vermischung von Form und Inhalt. Demokratie ist eine Staatsform, kein Staatsinhalt. Ergo zeigt sich die innere Haltung dazu, mal einfach formuliert, zunächst über die Art und Weise, wie miteinander beziehungsweise übereinander geredet wird, in Summe: Wie man miteinander umgeht. […] Man darf in einer Demokratie sagen, was man will. Man signalisiert aber seine Zugehörigkeit zu einem Menschenbild und einer Grundhaltung dadurch, wie man es sagt.“ 

Der zynische Tonfall, der der Aktion vorgeworfen wurde, sei nicht zufällig gewählt: „Die gesamte Diskussion, die gesamte Existenz beziehungsweise Relevanz der Pandemie wird in Frage gestellt, und zwar nicht ergebnisoffen, sondern durch den höhnischen Tonfall und die Verächtlichmachung von vornherein diskreditiert. Einen Diskurs aber, oder auch einen Diskurs-Anstoß, den die Macher angeblich wollten, fängt man nicht damit an, indem man die Anhänger einer gegensätzlichen Meinung verhöhnt und verächtlich macht.“ 

Im Nachtrag vertieft er seine Sorge: „Hohn, Häme, Spott und Hass sind weit verbreitet, und die Absichten dahinter meist nie gut. Wenn nun also so viele Schauspieler, die man eigentlich schätzt und liebt, plötzlich das Team ,Liebe‘ verlassen, und zum Team ,Hass‘ wechseln, wenn auch in seiner transformierten Form des Zynismus, und vielleicht auch mit lauteren Absichten, dann ist das einfach alleine deswegen so schmerzhaft, weil man Mitstreiter verliert im Kampf um eine Kommunikation auf Basis von Anstand und Respekt […] Wenn man eine Waffe im Kampf um die Deutungshoheit wählt, die man eigentlich nur von antidemokratischen Kräften kennt, mit der Begründung, man könne anders nicht gehört werden, kommt das einem Totalverlust für die Aufklärung gleich. Denn wer wirklich der Überzeugung verfällt, Hass könnte jemals irgendetwas Gutes bewirken, schwächt damit alle jene Kräfte, die gegen den Hass kämpfen und wissen, dass genau diese Einstellung die Wut und die Menschenfeindlichkeit im Land nur noch größer macht, egal welche Intention dahinter steht.“

 

Warum die Aktion nach hinten losging, erklärt Sabine Nuss im „Freitag“. Die Autorin ist Co-Geschäftsführerin des Karl Dietz Verlags der Rosa-Luxemburg-Stiftung: „So wenig sortiert [Dietrich Brüggemann] sich durch den Sturm der Kritik laviert, so diffus und konzeptionslos war auch das Videoprojekt angelegt. Bei einem solch sensiblen Thema mit dem anspruchsvollsten Instrument politischer Kommunikation – Satire und Ironie – ohne ein kohärentes Drehbuch oder ein gemeinsam erarbeitetes Koordinatensystem an die Öffentlichkeit zu gehen, mit Schauspieler*innen die aufgrund ihrer Prominenz eine dezidierte Sprecher*innenrolle inne haben, wo Millionen Menschen hinhören, da ist die Fallhöhe enorm. Die 53 Videos wurden gemeinsam auf einer Website platziert, die ironisch gemeinte URL: allesdichtmachen.de, was dann auch als Hashtag der Verbreitung in den sozialen Medien diente. Mit dieser rhetorischen Figur ist, ob es die Urheber*innen nun wollen oder nicht, eine Distanz vom Lockdown angezeigt. Gleichzeitig aber heißt es auf der Website: ,Nicht alle in dieser Gruppe sind Gegner eines wie auch immer gearteten Lockdowns‘, und dann: ,Einige schon‘. Und dann wieder weiter: ,Aber darum geht es nicht‘. Man muss sich schon gewaltig anstrengen, um einen geraden Gedanken zu finden, diese Videos sind ein Labyrinth wild zusammengetragener Unzufriedenheitsbekundungen, wo man am Ende nicht mehr weiß, sind sie jetzt gegen die angesprochenen Maßnahmen oder wollen sie das nur parodieren? Wenn man einen Witz erklären muss, hat die Komik schon verloren. Das Schlimme daran: Durch die Abwesenheit von Kontext entsteht eine Lücke. Da springen die Rechten rein und applaudieren.“

Die „öffentliche Aufgeregtheit um ein paar Schauspieler*innen-Videos“ zeige „mehr, als allen Beteiligten bewusst ist, nämlich einen eklatanten Widerspruch, der in der Pandemie die Gesellschaft mehr spaltet denn je: Auf der einen Seite steht die Notwendigkeit, für die Bekämpfung der Pandemie die individuellen Bedürfnisse zum Schutz aller anderen zurück zu stellen. Auf der anderen Seite steht die seit Jahren eingeübte Praxis, die individuellen Bedürfnisse an erste Stelle zu setzen. Jeder sollte seines Glückes Schmied sein, sich nicht darauf verlassen, dass die Gesellschaft ihn auffängt, der Staat hatte seine Fürsorgefunktion auf ein Minimum zurückgefahren, Selbstverantwortung, Eigeninitiative, Selbstoptimierung, Survival of the fittest wurden zur offiziellen Maxime.“ 

Kurz, es gehe um die „durch ganz unterschiedliche Politiken verursachte Verschärfung sozialer Ungleichheit“ – sozial stark benachteiligte Regionen und Gruppen seien von der Pandemie und den Massnahmen dagegen am schwersten betroffen. „In manch einem Video kommt das vor: Es wird die Imagination eines ,Wir‘ parodiert, es werden prekäre Arbeitsverhältnisse angesprochen, es werden Privilegien ironisch verbrämt, aber all das steht recht willkürlich und unverbunden neben dem Parodieren von Maßnahmen. Ein eigener Standpunkt wird nicht sichtbar. Die Kritik bleibt ungerichtet, ziellos. Dabei verlaufen die Grenzen der Auseinandersetzung nicht zwischen jenen, die die Maßnahmen richtig finden oder nicht, sie verlaufen zwischen jenen, die sie sich von den Lebensumständen her und finanziell leisten können und jenen, die das nicht können und für die diese Maßnahmen eine vergleichsweise große Bürde sind. Eine solche Perspektive wäre für eine marktradikale und wirtschaftsliberale Partei wie die AfD nicht anschlussfähig. Den Applaus der Rechten würde man so nicht kriegen.“

 

Der Artikel hat noch mehr Fragen zu stellen, die zwischen Maskenstreitereien und Inzidenzzahlenwürfeln allzuoft untergehen. Diskutiert werden sie aber schon lange. „Das Ende der Wirtschaft, wie wir sie kennen“, hatte etwa Georg Diez im März in „Internationale Politik“ skizziert. Die Pandemie sei „ein Beispiel für das Scheitern der alten Strukturen, in fast jeder Hinsicht: Eine Bürokratie aus dem 19. Jahrhundert trifft auf ein Europa, das in den Konstruktionsweisen des 20. Jahrhunderts festhängt, und einen Föderalismus, der vor allem Verwirrung schafft und Verantwortlichkeiten verunklart.“ Der Autor ist Chefredakteur des Think Tanks The New Institute und sieht die Krise tatsächlich als Chance: „Wir sollten Corona zum Anlass nehmen, Kapitalismus und Staat neu zu erfinden – und dabei mit ein paar Strukturen aus vergangenen Jahrhunderten aufzuräumen.“ 

Die Fahrpläne dazu sind bereits geschrieben, Diez stellt sie ausführlich vor. „Am Anfang der Pandemie, im Frühjahr 2020, war das Grundgefühl ein anderes. Damals gab es Stimmen, die von der Hoffnung getragen waren, der Corona-Schock würde zeigen, dass Gesellschaft anders und besser möglich wäre, dass Veränderungen, die sich über Jahre und Jahrzehnte ankündigten, auf einmal plausibel erscheinen – und dass Wirtschaft und Arbeiten, das System, das wir Kapitalismus nennen, auf dem Prüfstand steht. Es schien, als brauche es diesen Schock, um das allgemeine Denken zu beschleunigen. Und das, obwohl die Gedanken längst da waren, obwohl sich die Bewegungen und Proteste formiert hatten, seit Occupy Wall Street 2011 die demokratiegefährdenden Exzesse der Finanzwirtschaft attackiert hatte, seit Fridays for Future die planetaren Grenzen des Wachstums zum Generationenthema gemacht hatte und seit Thomas Piketty die Genese der gegenwärtigen Ungleichheit beschrieben hatte. […] Die Pandemie traf also auf eine Welt, die bereit war. Das Nachdenken über ein bedingungsloses Grundeinkommen fügt sich ein in ein anderes Verständnis von Gemeinschaft und Teilhabe, wie es Corona geschärft hat. Fragen wie die nach Fürsorge, Pflege, Gesundheit und Glück stehen im Mittelpunkt eines Wirtschaftskonzepts, das als ,Wellbeing Economy‘ bekannt geworden ist. Die digitale Revolution sorgt dafür, dass über das Ende der Arbeit diskutiert wird, während sich gleichzeitig zahlreiche neue Möglichkeiten der Kommunikation und des Arbeitens ergeben. Die Pandemie ist wie ein Prisma, durch das sich das Neue betrachten lässt.“ 

 

„Wären es nicht Prominente gewesen, hätte vermutlich keiner die Aktion wahrgenommen“: Auch die „Medienkorrespondenz“ hat die Debatte verfolgt. „Auf einer nächsten Ebene der öffentlichen Diskussion wurde darüber gestritten, ob man das dürfe, was die Beteiligten da abgeliefert hatten. Was zu bizarren Fraktionierungen führte. Mancher, der noch vor kurzem harmlose Scherze aus dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen verbannt wissen wollte, sprach sich nun für ,die Freiheit der Kunst‘ aus. Und manche, die diese stets im Mund führen, wollten diese nun eingeschränkt sehen, wenn eben diese Kunst den Feinden der Demokratie in die Hände gespielt hätte. Andere verwiesen auf die Dramen, die sich tagtäglich auf den Intensivstationen ereigneten und über die sich die Beteiligten an der Aktion anscheinend hinweggesetzt hätten. Am Ende erklärten manche Ärztin, mancher Pfleger, dass sie sich durch diese Aktion in ihrer harten Arbeit brüskiert fühlten. […] Keiner sprach darüber, dass die Zweifel bereits bei der Form der öffentlichen Erklärung ansetzen müssten, in der sich mehr oder weniger Prominente zu aktuellen Fragen äußern oder Bekenntnisse aller Art ablegen.“

An der Aktion gebe es viel zu kritisieren, meint Rüdiger Suchsland in seiner Kolumne „Cinema Moralia“ auf „Artechock“: „Natürlich kann man nun sagen, dass der Zeitpunkt für all das zu spät kommt und dass es noch ein paar bessere Ideen gegeben hätte, um gegen die Corona-Politik zu protes­tieren. [… Doch] die Filme haben das erreicht, was keine einzige Kunst und Künstler-Aktion der vergan­genen vierzehn Monate erreicht hat: eine Aufmerk­sam­keit für Kunst während Corona in nahezu allen Medien, und eine breite Debatte darüber, wie es Kunst und Künstlern unter den geltenden harten Beschrän­kungen geht.“

Immer erregter diskutiert das Land über die Corona-Politik: Wer soll in der Pandemie die Richtung vorgeben – die Experten mit ihren Modellrechnungen oder die Politik als Vertretung aller Bürger? „Die Zeit“ hat die Schriftsteller*innen Thea Dorn, Juli Zeh und Daniel Kehlmann gefragt und schreibt ein Resümee bereits in den Titel: „Es geht nicht darum, wer recht hat.“ Hinter der Bezahlschranke sagt Zeh: „Die Politik ist verantwortungsscheu geworden, das geht schon lange so. Sie arbeitet im Absicherungsmodus. Das zeigt sich in der Bürokratieverliebtheit, die uns ausbremst – bloß keinen Fehler machen, alles kleinteilig regeln! Aber es zeigt sich auch darin, politische Entscheidungen als wissenschaftliche Zwangsläufigkeiten zu präsentieren. Letzteres ist enorm problematisch.“

 

Derweil waren dem „Tagesspiegel“ die vielen TV-Kommissar*innen bei der Aktion aufgefallen. Gleich vier Autoren begannen zu recherchieren: „Kein Zufall. Hinter der Kampagne stecken zwei gestandene ,Tatort‘-Regisseure“, viele der beteiligten Schauspieler*innen hatten in der Vergangenheit mit ihnen gearbeitet. Das lege den Verdacht nahe, dass die Regisseure „im erweiterten Bekanntenkreis Mitstreiter*innen rekrutierten. „Die als repräsentatives Statement aus der deutschen Fernsehöffentlichkeit angekündigte Kunstaktion entpuppt sich bei genauerem Hinsehen eher als die Kampagne einer kleinen Gruppe – mit undurchsichtiger Agenda.“

Nach Gesprächen mit etlichen der Beteiligten und einem anonymen Schauspieler führt die Spur zum Regisseur Dietrich Brüggemann. Der hatte die Aktion als ein „dezentrales Gruppenprojekt“ von Schauspieler*innen beschrieben, er selbst sei auch nur dazugestoßen. „Äußerst zweifelhaft“ findet „Der Tagesspiegel“ diese Behauptung: „Ein Schauspieler, der ebenfalls von Brüggemann angesprochen worden war und namentlich nicht genannt werden möchte, zeichnet ein völlig anderes Bild von der Entstehungsgeschichte.“ Per E-Mail habe er eine Projektskizze erhalten, die die geplante Aktion erklärte. „Im Anhang der Mail fand sich ein Dokument mit Texten, die wirkten, als seien sie größtenteils von Brüggemann verfasst worden. Der Angeschriebene konnte sich aus diesem Konglomerat ein Statement aussuchen, das er später vor der Kamera vortragen würde. Ähnliches berichten die Schauspieler Richy Müller und Kida Ramadan. Auch ein Plan mit Drehorten und Zeitslots lag bereits zu diesem Zeitpunkt vor. An einem Wochenende im April sollten die Clips aufgenommen werden. Die Aktion #allesdichtmachen war so minutiös geplant wie eine ,Tatort‘-Produktion. Eine eigene Themensetzung, so der Schauspieler, sei dabei offensichtlich aber nicht erwünscht gewesen, die Stoßrichtung war vorgegeben: die Lockdown-Maßnahmen der Regierung, das ,Narrativ‘ von Politik und Wissenschaft mit einer alternativen Erzählung ,umzustoßen‘, wie es Brüggemann im ,Welt‘-Interview ausdrückt. Hinter #allesdichtmachen steckt somit eine klare politische Agenda; die vielen Stimmen gehen vermutlich auf einen einzigen Autor zurück. […] Die Handschrift Brüggemanns ist bei #allesdichtmachen nicht nur an einzelnen Äußerungen zu erkennen.“

Die Autoren haben noch einiges anzumerken zu den Vorwürfen, die Brüggemann in Videos und Debatte äußert. Und zu den Widersprüchen. Gerade Brüggemann gerate immer wieder in die Nähe der Querdenker, schreiben die Vier in ihrer kilometerlangen Recherche: „Die Grenze von performativer Provokation und politischer Haltung ist bei Brüggemann, wie in seinen Filmen, schwierig zu entschlüsseln. […] Dass dieses krude Gedankengut dank der Aktion #allesdichtmachen nun von vorgeblich engagierten Prominenten in den seriösen Diskurs über die Corona-Politik getragen wurde, ist ein zweifelhafter Erfolg Brüggemanns. Um Lösungen ist es dabei nie gegangen, auch nicht um eine ernsthafte Auseinandersetzung.“

 

 

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