Podiumsdiskussion am 14. Februar im Rahmen der Berlinale 2016 organisiert von der Shooting Stars Projektleiterin Karin Dix unter dem Titel „Die Karrieremacher für Schauspieler: Agenten und Castingdirektoren erzählen“:
Als Diskutierende waren vertreten:
Sheila Wenzel (London Derry Entertainment) Jo Yao (United Talent Agency) Simone Bär (Casting Direktor Germany | ICDN) Nancy Bishop (Casting Direktor Tschechische Republik | ICDN) Joseph Middleton (Head of Casting for Paramount Pictures | ICDN)
Es moderierte:
Steven Gätjen
Der Beitrag gliedert sich in folgende Kapitel (Hinweis: Die Kapitel (Playlist) sind in der linken oberen Ecke des Video-Players auswählbar.):
Intro Kapitel 1: Die Regeln des internationalen Marktes Kapitel 2: Den US-Markt erobern Kapitel 3: Selbstvermarktung Kapitel 4: Schauspieler-Bankability Kapitel 5: Erfolgsfaktor Agent, Manager & PR-Agent Kapitel 6: „The American Dream“ versus „Old Europe“
Jonathan Webdale (Journalist), Marcus Ammon (Sky Deutschland), Antony Root (HBO Europe) und Diego Suarez (Sony Pictures Television) beim Drama Series Days der Berlinale (Bild: Oliver Möst/Berlinale)
Bei den Drama Series Days der Berlinale drehte sich alles um die langen Erzählformate. Einig waren sich die Experten in einem Punkt: Der Boom geht weiter – und es wird radikaler erzählt werden.
Der Serien-Boom geht weiter, legt vielleicht sogar noch eine Schippe drauf. An Nachschub mangelt es heute schon nicht, in den USA wurden vergangenes Jahr 409 fiktionale Serien ausgestrahlt. Dass der Trend weiter nach oben zeigt, wurde bei den „Drama Series Days“, die am 15. und 16. Februar im Rahmen der Berlinale stattfanden, deutlich. Beispiel HBO: Der Pay-TV-Serienpionier ist in Europa in gut einem Dutzend Länder als eigenständige Marke und Plattform aktiv. Für seine Ableger in Mittel- und Osteuropa hat HBO eigene Serien in Auftrag gegeben. „Burning Bush – Die Helden von Prag“ in Tschechien, „Umbre“ in Rumänien, weitere in Polen und Ungarn. Demnächst steigt HBO für seine Plattform in Skandinavien in Eigenproduktionen ein, bestätigte Antony Root, bei HBO Europe für das Programm verantwortlich, in Berlin. Jetzt sind Schweden oder Dänemark keine weißen Flecken in der internationalen Serienlandschaft, im Gegenteil, keiner beherrscht die Kunst des seriellen Erzählens in Europa besser als die Skandinavier. HBO muss sich also etwas einfallen lassen, will man in Nordeuropa erfolgreich Abos verkaufen. Die Lösung: eigenproduzierte Serien mit einer üppigen Portion Lokalkolorit, um Dänen, Schweden oder Norweger zu ködern. „Aktuell prüfen wir Drehbücher“, so HBO-Manager Root. Weiterlesen
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Andreas Kloohttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgAndreas Kloo2016-03-07 12:34:512016-03-07 12:36:00Serien-Trends: Jetzt geht’s den Tabus an die Wäsche
Die Pensionskasse Rundfunk ist eine betriebliche Altersversorgung für freie Fernseh- und Rundfunkschaffende. Das sind auf die Dauer einer Produktion befristete Angestellte (z. B. Schauspielerinnen und Schauspieler oder Produktionspersonal), arbeitnehmerähnlich Beschäftigte (z. B. Journalistinnen und Journalisten) oder Selbständige (z. B. Autorinnen und Autoren), die bei der Herstellung öffentlich-rechtlicher Sendungen mitwirken. Sie arbeiten entweder direkt bei öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten oder – immer öfter – indirekt für sie. Denn „Freie“ werden zunehmend über Produktionsfirmen beschäftigt, da inzwischen ein Großteil öffentlich-rechtlicher Inhalte als Auftragsproduktionen hergestellt wird.
Die Pensionskasse-Rundfunk-versicherten „Freien“ heißen „ordentliche Mitglieder“. Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, beigetretene Tochterunternehmen sowie Produktionsfirmen heißen „Anstaltsmitglieder“.
Weil das unregelmäßige Erwerbsleben der „Freien“ lückenhafte oder fehlende Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung bedingt, kann sie den Lebensabend der „Freien“ kaum absichern.
Die Pensionskasse Rundfunk ist das eigentliche Standbein der Altersversorgung für „Freie“!
Wie funktionieren die Beitragszahlungen?
Laut Pensionskasse-Rundfunk-Satzung herrscht Beitragspflicht, wenn ordentliche Mitglieder an Produktionen mitwirken, die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten entweder selbst herstellen oder für sie von Produktionsfirmen hergestellt werden. In allen anderen Fällen (z. B. bei Kinofilmen) herrscht keine Beitragspflicht – es können aber trotzdem Beiträge für ordentliche Mitglieder gezahlt werden. Weiterlesen
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Heinrich Schafmeisterhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgHeinrich Schafmeister2016-03-02 12:04:372016-03-02 12:17:45Pensionskasse Rundfunk – Was läuft seit langem schief und warum?
Im Winter unseres Missvernügens… – Monika Grütters bricht eine erste Lanze für die kulturelle Filmförderung, wider die Fürsten der herrschenden Verhältnisse, und sie könnte für die deutschen Film- und Fernsehbonzen noch zur eisernen Lady werden – Cinema Moralia, Tagebuch eines Kinogehers, 127. Folge
»Es freut mich, dass wir gemeinsam Wege gefunden haben, um kreative und künstlerische Aspekte bei der wirtschaftlichen Filmförderung noch stärker zu berücksichtigen. Denn ich bin überzeugt: Langfristig zahlt es sich aus, nicht immer allein die Maximierung des Ertrags, sondern auch den Mut zum Experiment, mehr neue, gute Ideen zu fördern.« – Monika Grütters, 11.2.16, Empfang der Produzentenallianz
Der Tag war nicht blendend gesetzt. Oder gerade doch, denn vielleicht haben wir alle Monika Grütters ein bisschen unterschätzt.
Jedenfalls war mit der Pressemitteilung der Beauftragten für Kultur und Medien (BKM) klar, dass es in den Feuilletons und Filmzeitschriften der Republik erst einmal untergehen würde, dass erst recht die – überraschenden – zustimmenden Reaktionen und die gar nicht überraschenden eiligen Ablehnungsbescheide der sogenannten »deutschen Filmbranche« erst einmal ins Leere verpuffen würden.
Es war auch klar, dass mit ihr ein Gesprächsthema für die Berlinale gesetzt war, ein Thema, das an den folgenden Tagen an vielen der kleinen runden Stehtische der Filmbranche auftauchte und heiß diskutiert wurde.
+ + +
Was war geschehen? Das BKM hatte ein paar »Eckpunkte« zur Kulturellen Filmförderung und zur Stärkung des künstlerisch und kulturell herausragenden deutschen Kinofilms veröffentlicht.
Als Zielsetzung benennt Grütters »ein unabhängigeres Arbeiten als bisher« und das Vermeiden künstlerischer Kompromisse, die »so gering wie möglich« gehalten werden sollen.
Die für 2016 zusätzlich zur Verfügung gestellten Mittel für Maßnahmen der kulturellen Filmförderung (15 Mio. €) sollen hauptsächlich in die Produktionsförderung der BKM im Bereich des Langfilms (Spiel-, Dokumentar-, Kinderfilm) fließen. Darüber hinaus steht die gezielte Stärkung der unabhängigen Stoffentwicklung für Spiel- und Dokumentarfilme im Fokus, um frühzeitig Kinoqualität zu fördern und zu sichern, sowie die Unterstützung des Abspiels zur
Sichtbarmachung dieser Filme.
Die Maßnahmen sehen eine »deutliche Aufstockung der Mittel für die Produktionsförderung« ebenso vor, wie zukünftig getrennte Fördertöpfe für Spiel-, Dokumentar- und Kinderfilm, die Vervierfachung der bisherigen Förderhöchstsumme auf bis zu 1 Mio. Euro, um »dem sogenannten Fördertourismus entgegen zu wirken.«
Auch die Drehbuchförderung wird quantitativ und qualitativ ausgebaut, völlig neu ist die Einführung einer Stoffentwicklungsförderung »für Dokumentarfilme, die die ausführliche und fundierte Recherche für besonders kinorelevante programmfüllende Dokumentarfilme von Autorenfilmern unterstützt.«
Die Förderpraxis wird flexibler durch Erhöhung der Einreichtermine und Einführung eigenständiger unabhängiger Jurys und die Verkleinerung der bisherigen Jurys.
+ + +
Zwei Probleme hat das Papier aus meiner Sicht: Vom Fernsehen ist gar nicht die Rede. Dabei muss vor allem die Stellung und Beteiligung der Sender an der Förderung verändert werden.
Das zweite ist die Aufstockung der Verleihförderung. Gegen Aufstockungen ist im Prinzip nichts zu sagen. Aber die Verleiher sind die einzigen, die überhaupt noch Geld im Kino verdienen. Wenn man sie fördern will, sollte man die Herausgabe bestimmter Filme fördern, von Filmen, deren Sichtbarkeit gewünscht ist. Nicht die aller Filme.
Und wenn Grütters schreibt, die bisherigen Antragsvoraussetzungen für Verleihförderungen würden »gemeinsam mit der Branche überprüft und an die Marktentwicklungen der letzten Jahre (insb. im Hinblick auf die Digitalisierung) angepasst«, dann ist das schön formuliert. Gemeint ist: Die vielgelobte Digitalisierung schadet den kleinen Verleihern. Jetzt können alle Star Wars spielen. Weiterlesen
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Rüdiger Suchslandhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgRüdiger Suchsland2016-02-28 11:01:192016-02-28 14:01:07Cinema Moralia – Folge 127: Bravo, Frau Kulturstaatsministerin!
Britta Steinwachs über die Inszenierung einer „Unterschicht“ in Fernsehsendungen des so genannten „Scripted Reality“. Britta Steinwachs ist Soziologin und befasst sich ideologiekritisch mit popkulturellen Phänomenen. Das Interview führte Patrick Schreiner[*].
Sie befassen sich in Ihrem Buch „Zwischen Pommesbude und Muskelbank“[**] mit der „Inszenierung der Unterschicht“ im Fernsehen. Was ist Scripted Reality, und welche Rolle spielt sie bei eben dieser Inszenierung?
Britta Steinwachs: Scripted Reality ist ein Sammelbegriff für eine in den vergangenen Jahren aufgekommene Vielzahl an Fernsehformaten, die pseudo-dokumentarische Techniken mit einer klar vorstrukturierten Erzählung verbinden. Viele kennen da sicher Sendungen wie „Mitten im Leben“ oder „Familien im Brennpunkt“. Im Scripted Reality werden drehbuchbasierte Geschichten erzählt, die wie mitten aus dem alltäglichen Leben gegriffen wirken sollen. Dabei werden einerseits Techniken des Dokumentarfilms angewendet, wie zum Beispiel verwackeltes Filmen mit einer Handkamera. Auf diese Weise wird der Eindruck erweckt, es handle sich um authentische Szenen, bei denen „nur die Kamera draufgehalten wird“. Andererseits arbeiten diese Formate gezielt mit Laiendarsteller_innen, deren Körper und Wohnort zum Spielball einer zwiespältigen Inszenierung zwischen fiktiver Konstruktion und lebensweltlicher Authentizität wird. All das, was sich mit dem klassenspezifischen Habitus der Darsteller_innen umreißen lässt (also zum Beispiel spezifisches Körperempfinden und Körpersprache sowie Kleidungsstil), wird damit als zentrales Gestaltungselement in den medialen Produktionsprozess integriert.
Welche Funktion oder Rolle nimmt dieser „klassenspezifische Habitus“ ein?
Britta Steinwachs: Die in den Sendungen dargestellten Verhaltensweisen und Geschmäcker der Akteur_innen sind keine zufälligen Besonderheiten einzelner Charaktere, sondern verweisen immer auch auf gesellschaftliche Strukturen. Dem Habitus kommt also eine symbolische Dimension zu: Wenn man einen unbekannten Menschen im Fernsehen sieht und dort gezeigt wird, wie er sich kleidet, spricht, artikuliert usw., dann lässt sich daraus stets mehr als das direkt Gezeigte ablesen. Mit einem intuitiven Sinn erkennt das Publikum – oft auch unbewusst – meist sofort, welcher sozialen Klasse das Gegenüber angehört. Wenn im Fernsehen nun mithilfe von Laiendarsteller_innen vermeintlich realistische Alltagsgeschichten erzählt werden, ergibt sich daraus die besondere Konstellation, dass sich hier der „reale“ Habitus von Menschen mit einer fiktiven Erzählung verwebt. Aus diesem Grund wirken die Figuren in ihrer halbrealen und halbfiktiven Körperlichkeit authentisch. Dies ist auch ein Grund für den großen Erfolg dieser Formate.
Die gute Nachricht: Die Filmschaffenden wachsen – und zwar gewaltig! Zwei neue Mitglieder sind der Vereinigung von bislang zwölf Berufsverbänden am 14. Februar beigetreten: Der Bundesverband Schauspiel (BFFS) und der Synchronschauspielverband (IVS). Damit wird sich die Mitgliederzahl mehr als verdoppeln. Allein der BFFS gibt seine Mitgliederzahl über 2800 an.
Für Die Filmschaffenden ist dies wohl erstmal eine gute Nachricht. Ausgerechnet die Verbände der Regisseure und der Kameraleute, die diese gemeinsame Organisation aller Filmgewerke einst initiiert hatten, waren vor wenigen Jahren aus unterschiedlichen Gründen ausgetreten. Den Verlust dieser beiden mitgliederstärksten Verbände konnten auch Neueintritte nicht ausgleichen.
Der BFFS freilich tut dies gleich mehr als doppelt. Der arbeitete zwar schon länger immer mit einzelnen Verbänden und der Bundesvereinigung zusammen, schloss sich aber nicht an. „Wir waren tatsächlich vorsichtig”, sagt Heinrich Schafmeister vom Vorstand des BFFS. Weiterlesen
Meinen ersten Kinofilm „Dicke Mädchen“ habe ich vor fünf Jahren gedreht. Mit einem aberwitzigen Budget von 517,32 Euro. Ich habe von vielen Filmschaffenden dafür Ärger bekommen. Ich versaue die Preise auf dem Markt, ich schüre den Glauben, dass man ohne Geld Filme drehen kann. Das mag vielleicht sogar sein. Aber, liebe Kollegen, was hätte ich denn machen sollen? Ich hab es doch versucht. Aber mich kannte doch keiner. Niemand hätte mir Geld gegeben, um mein Team und meine Schauspieler anständig zu bezahlen, ohne, dass ich mich und den Film, den ich drehen wollte, hätte dafür verbiegen müssen.
Ich kenne überhaupt keinen einzigen Filmemacher, der nicht unter Ausbeutung seines Teams und der eigenen Ressourcen angefangen hat Filme zu drehen. Das lässt doch nur eine Schlussfolgerung zu: Wir bekommen dieses beschissene unfaire Verhalten anerzogen. Es gibt, so weit ich weiß, an keiner deutschen Filmhochschule einen Workshop über faires Produzieren. Mir hat man noch vor meinem Studium beigebracht: Wenn du zum Film willst, dann arbeitest du die ersten zehn Jahre umsonst; und wenn du dieses Opfer nicht aufbringen willst, dann bist du falsch in der Branche. Also warum wundern wir uns dann über die beschissenen Arbeitsbedingungen, wenn so eine Moral herrscht? Weiterlesen
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Axel Ranischhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgAxel Ranisch2016-02-19 16:45:072017-10-03 13:35:50Es geht nicht ums Geld
Wie klein muss einer sein: Was Dieter Kosslick und Til Schweiger gemeinsam haben, 5,2 Millionen für Tschiller und natürlich die leider unbemerkte Bankrotterklärung der deutschen Filmförderung – Cinema Moralia, Tagebuch eines Kinogehers, 126. Folge
Von Rüdiger Suchsland (Aktiviere Javascript, um die Email-Adresse zu sehen)
»Die geforderte neue Filmkritik kritisiert die Gesellschaft, aus der der Film hervorgeht.«
Enno Patalas und Wilfried Berghahn in der Zeitschrift »Filmkritik«, 3/1961
»Germans do always try to copy American characters; Greeks try not to show too much about Greek characters.«
Hans W. Geißendörfer auf der Abschlußveranstaltung des »Griechischen Filmfests« in Berlin.
+ + +
Stefanie Stappenbeck gehört zu den deutschen Schauspielerinnen, die ich schon immer ein bisschen unterschätzt fand. In manchem schlechten Film ist sie der einzige Lichtblick. Und einiges Pech hat sie auch gehabt: Als sie 2009 endlich eine Serien-Hauptrolle im ARD-Polizeiruf bekam, die überaus interessante und ungewöhnliche Figur des Hauptmann Ulrike Steiger, einer deutschen Generals Daughter, die in Uniform in der Bundeswehr ermittelt, und dann, enttäuscht vor allem vom eigenen
Vater, die Bundeswehr verlässt, aber mit dem ganzen überholten Disziplin-Befehl&Gehorsams-Müll im Kopf, zur Münchner Polizei kommt – da hätte das mit der Stappenbeck das Zeug gehabt, eine würdige Edgar-Selge-Nachfolge-Polzeiruf-Reihe zu werden. Doch ihr Partner Jörg Hube starb nach der ersten Folge und anstatt dann etwas draus zu machen, das reale Leben als Chance der Fiktion zu sehen, stellte die ARD alles und damit auch die Stappenbeck-Figur ein.
Vier Jahre später dann spielte sie im neuen Hamburger Tatort, aber nur die Frau, noch dazu geschiedene, des Ermittlers. Und ausgerechnet an der Seite von Til Schweiger. OMG, die Arme dachte ich als Stappenbeck-Sympathisant, und dann, als sie, natürlich weil der doofe Dödel Nick Tschiller schuld hatte, kurz vor Sylvester erschossen wurde, war das ein tiefer Stich ins Herz. Der Trost kam dann ein paar Tage später, als klar wurde: Für sie ist der Tod als Schweiger-Frau ein Aufstieg. Denn im
Sommer spielt sie dann im ZDF wieder eine Ermittlerin.
+ + +
Gleich zu Anfang eine Ankündigung in eigener Sache: Nächste Woche fängt ja nicht nur am, Donnerstag die Berlinale an, und einen Tag vorher etwa gleichzeitig mit der nächsten regulären artechock-Ausgabe, sondern bereits ab Montag gibt’s ein artechock-Berlinale-Special mit täglich neuen Texten, und einigen Überraschungen. Und das nicht nur hier, sondern auch auf Facebook, und vielleicht noch in anderer Form. Es lohnt sich also, regelmäßig nachzuschauen.
+ + +
Es wird die 66. Berlinale überhaupt und erst die 15. mit Dieter Kosslick – obwohl man den Eindruck haben könnte, der Mann sei schon ewig da. Immerhin wird er in paar Wochen länger im Amt sein, als Helmut Kohl Bundeskanzler war, und im Gegensatz zum Pfälzer scheint den Berlinale-Chef die Macht eher jung zu halten. Wahrscheinlich würde er selber sagen, dass das alles an Yoga und seinem Vegetarismus liegt, aber wer Kosslick am Dienstag auf der diesjährigen Berlinale-Pressekonferenz beobachtete, der merkte, wie schön es sein muss, wenn einem überhaupt niemand mehr widerspricht. Diese Stufe hat Kosslick inzwischen erreicht. Die, die ihn blöd finden, haben es inzwischen aufgegeben, weil man sachbezogene Debatten mit dem Mann sowieso nicht führen kann. Und die, die ihn anhimmeln, himmeln ihn an. Weiterlesen
https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg00Rüdiger Suchslandhttps://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpgRüdiger Suchsland2016-02-07 13:02:422016-02-23 09:28:54Cinema Moralia – Folge 126: 5,2 Millionen für Tschiller
Die Karrieremacher für Schauspieler: Agenten und Casting-Direktoren erzählen
out takesCredit: Audi
Zur cn-klappe bei casting-network
Podiumsdiskussion am 14. Februar im Rahmen der Berlinale 2016 organisiert von der Shooting Stars Projektleiterin Karin Dix unter dem Titel „Die Karrieremacher für Schauspieler: Agenten und Castingdirektoren erzählen“:
Als Diskutierende waren vertreten:
Sheila Wenzel (London Derry Entertainment)
Jo Yao (United Talent Agency)
Simone Bär (Casting Direktor Germany | ICDN)
Nancy Bishop (Casting Direktor Tschechische Republik | ICDN)
Joseph Middleton (Head of Casting for Paramount Pictures | ICDN)
Es moderierte:
Steven Gätjen
Der Beitrag gliedert sich in folgende Kapitel (Hinweis: Die Kapitel (Playlist) sind in der linken oberen Ecke des Video-Players auswählbar.):
Intro
Kapitel 1: Die Regeln des internationalen Marktes
Kapitel 2: Den US-Markt erobern
Kapitel 3: Selbstvermarktung
Kapitel 4: Schauspieler-Bankability
Kapitel 5: Erfolgsfaktor Agent, Manager & PR-Agent
Kapitel 6: „The American Dream“ versus „Old Europe“
Offizielle Website der European Shooting Stars:
www.shooting-stars.eu
Serien-Trends: Jetzt geht’s den Tabus an die Wäsche
Andreas Kloo, out takesJonathan Webdale (Journalist), Marcus Ammon (Sky Deutschland), Antony Root (HBO Europe) und Diego Suarez (Sony Pictures Television) beim Drama Series Days der Berlinale (Bild: Oliver Möst/Berlinale)
Bei den Drama Series Days der Berlinale drehte sich alles um die langen Erzählformate. Einig waren sich die Experten in einem Punkt: Der Boom geht weiter – und es wird radikaler erzählt werden.
Der Serien-Boom geht weiter, legt vielleicht sogar noch eine Schippe drauf. An Nachschub mangelt es heute schon nicht, in den USA wurden vergangenes Jahr 409 fiktionale Serien ausgestrahlt. Dass der Trend weiter nach oben zeigt, wurde bei den „Drama Series Days“, die am 15. und 16. Februar im Rahmen der Berlinale stattfanden, deutlich. Beispiel HBO: Der Pay-TV-Serienpionier ist in Europa in gut einem Dutzend Länder als eigenständige Marke und Plattform aktiv. Für seine Ableger in Mittel- und Osteuropa hat HBO eigene Serien in Auftrag gegeben. „Burning Bush – Die Helden von Prag“ in Tschechien, „Umbre“ in Rumänien, weitere in Polen und Ungarn. Demnächst steigt HBO für seine Plattform in Skandinavien in Eigenproduktionen ein, bestätigte Antony Root, bei HBO Europe für das Programm verantwortlich, in Berlin. Jetzt sind Schweden oder Dänemark keine weißen Flecken in der internationalen Serienlandschaft, im Gegenteil, keiner beherrscht die Kunst des seriellen Erzählens in Europa besser als die Skandinavier. HBO muss sich also etwas einfallen lassen, will man in Nordeuropa erfolgreich Abos verkaufen. Die Lösung: eigenproduzierte Serien mit einer üppigen Portion Lokalkolorit, um Dänen, Schweden oder Norweger zu ködern. „Aktuell prüfen wir Drehbücher“, so HBO-Manager Root. Weiterlesen
Pensionskasse Rundfunk – Was läuft seit langem schief und warum?
Heinrich Schafmeister, out takesWas ist die Pensionskasse Rundfunk?
Die Pensionskasse Rundfunk ist eine betriebliche Altersversorgung für freie Fernseh- und Rundfunkschaffende. Das sind auf die Dauer einer Produktion befristete Angestellte (z. B. Schauspielerinnen und Schauspieler oder Produktionspersonal), arbeitnehmerähnlich Beschäftigte (z. B. Journalistinnen und Journalisten) oder Selbständige (z. B. Autorinnen und Autoren), die bei der Herstellung öffentlich-rechtlicher Sendungen mitwirken. Sie arbeiten entweder direkt bei öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten oder – immer öfter – indirekt für sie. Denn „Freie“ werden zunehmend über Produktionsfirmen beschäftigt, da inzwischen ein Großteil öffentlich-rechtlicher Inhalte als Auftragsproduktionen hergestellt wird.
Die Pensionskasse-Rundfunk-versicherten „Freien“ heißen „ordentliche Mitglieder“. Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, beigetretene Tochterunternehmen sowie Produktionsfirmen heißen „Anstaltsmitglieder“.
Weil das unregelmäßige Erwerbsleben der „Freien“ lückenhafte oder fehlende Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung bedingt, kann sie den Lebensabend der „Freien“ kaum absichern.
Die Pensionskasse Rundfunk ist das eigentliche Standbein der Altersversorgung für „Freie“!
Wie funktionieren die Beitragszahlungen?
Laut Pensionskasse-Rundfunk-Satzung herrscht Beitragspflicht, wenn ordentliche Mitglieder an Produktionen mitwirken, die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten entweder selbst herstellen oder für sie von Produktionsfirmen hergestellt werden. In allen anderen Fällen (z. B. bei Kinofilmen) herrscht keine Beitragspflicht – es können aber trotzdem Beiträge für ordentliche Mitglieder gezahlt werden. Weiterlesen
Cinema Moralia – Folge 127: Bravo, Frau Kulturstaatsministerin!
out takes, Rüdiger SuchslandFack ju Göthe 2 © 2016 Constantin Film
Im Winter unseres Missvernügens… – Monika Grütters bricht eine erste Lanze für die kulturelle Filmförderung, wider die Fürsten der herrschenden Verhältnisse, und sie könnte für die deutschen Film- und Fernsehbonzen noch zur eisernen Lady werden – Cinema Moralia, Tagebuch eines Kinogehers, 127. Folge
»Es freut mich, dass wir gemeinsam Wege gefunden haben, um kreative und künstlerische Aspekte bei der wirtschaftlichen Filmförderung noch stärker zu berücksichtigen. Denn ich bin überzeugt: Langfristig zahlt es sich aus, nicht immer allein die Maximierung des Ertrags, sondern auch den Mut zum Experiment, mehr neue, gute Ideen zu fördern.« – Monika Grütters, 11.2.16, Empfang der Produzentenallianz
Der Tag war nicht blendend gesetzt. Oder gerade doch, denn vielleicht haben wir alle Monika Grütters ein bisschen unterschätzt.
Jedenfalls war mit der Pressemitteilung der Beauftragten für Kultur und Medien (BKM) klar, dass es in den Feuilletons und Filmzeitschriften der Republik erst einmal untergehen würde, dass erst recht die – überraschenden – zustimmenden Reaktionen und die gar nicht überraschenden eiligen Ablehnungsbescheide der sogenannten »deutschen Filmbranche« erst einmal ins Leere verpuffen würden.
Es war auch klar, dass mit ihr ein Gesprächsthema für die Berlinale gesetzt war, ein Thema, das an den folgenden Tagen an vielen der kleinen runden Stehtische der Filmbranche auftauchte und heiß diskutiert wurde.
+ + +
Was war geschehen? Das BKM hatte ein paar »Eckpunkte« zur Kulturellen Filmförderung und zur Stärkung des künstlerisch und kulturell herausragenden deutschen Kinofilms veröffentlicht.
Als Zielsetzung benennt Grütters »ein unabhängigeres Arbeiten als bisher« und das Vermeiden künstlerischer Kompromisse, die »so gering wie möglich« gehalten werden sollen.
Die für 2016 zusätzlich zur Verfügung gestellten Mittel für Maßnahmen der kulturellen Filmförderung (15 Mio. €) sollen hauptsächlich in die Produktionsförderung der BKM im Bereich des Langfilms (Spiel-, Dokumentar-, Kinderfilm) fließen. Darüber hinaus steht die gezielte Stärkung der unabhängigen Stoffentwicklung für Spiel- und Dokumentarfilme im Fokus, um frühzeitig Kinoqualität zu fördern und zu sichern, sowie die Unterstützung des Abspiels zur
Sichtbarmachung dieser Filme.
Die Maßnahmen sehen eine »deutliche Aufstockung der Mittel für die Produktionsförderung« ebenso vor, wie zukünftig getrennte Fördertöpfe für Spiel-, Dokumentar- und Kinderfilm, die Vervierfachung der bisherigen Förderhöchstsumme auf bis zu 1 Mio. Euro, um »dem sogenannten Fördertourismus entgegen zu wirken.«
Auch die Drehbuchförderung wird quantitativ und qualitativ ausgebaut, völlig neu ist die Einführung einer Stoffentwicklungsförderung »für Dokumentarfilme, die die ausführliche und fundierte Recherche für besonders kinorelevante programmfüllende Dokumentarfilme von Autorenfilmern unterstützt.«
Die Förderpraxis wird flexibler durch Erhöhung der Einreichtermine und Einführung eigenständiger unabhängiger Jurys und die Verkleinerung der bisherigen Jurys.
+ + +
Zwei Probleme hat das Papier aus meiner Sicht: Vom Fernsehen ist gar nicht die Rede. Dabei muss vor allem die Stellung und Beteiligung der Sender an der Förderung verändert werden.
Das zweite ist die Aufstockung der Verleihförderung. Gegen Aufstockungen ist im Prinzip nichts zu sagen. Aber die Verleiher sind die einzigen, die überhaupt noch Geld im Kino verdienen. Wenn man sie fördern will, sollte man die Herausgabe bestimmter Filme fördern, von Filmen, deren Sichtbarkeit gewünscht ist. Nicht die aller Filme.
Und wenn Grütters schreibt, die bisherigen Antragsvoraussetzungen für Verleihförderungen würden »gemeinsam mit der Branche überprüft und an die Marktentwicklungen der letzten Jahre (insb. im Hinblick auf die Digitalisierung) angepasst«, dann ist das schön formuliert. Gemeint ist: Die vielgelobte Digitalisierung schadet den kleinen Verleihern. Jetzt können alle Star Wars spielen.
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Britta Steinwachs: Abstruse Drehbücher schaffen mediale Zerrbilder
Patrick SchreinerStandbild aus 'Mitten im Leben' © RTL
Britta Steinwachs über die Inszenierung einer „Unterschicht“ in Fernsehsendungen des so genannten „Scripted Reality“. Britta Steinwachs ist Soziologin und befasst sich ideologiekritisch mit popkulturellen Phänomenen. Das Interview führte Patrick Schreiner[*].
Der Beitrag steht auch als Podcast zur Verfügung.
Sie befassen sich in Ihrem Buch „Zwischen Pommesbude und Muskelbank“[**] mit der „Inszenierung der Unterschicht“ im Fernsehen. Was ist Scripted Reality, und welche Rolle spielt sie bei eben dieser Inszenierung?
Britta Steinwachs: Scripted Reality ist ein Sammelbegriff für eine in den vergangenen Jahren aufgekommene Vielzahl an Fernsehformaten, die pseudo-dokumentarische Techniken mit einer klar vorstrukturierten Erzählung verbinden. Viele kennen da sicher Sendungen wie „Mitten im Leben“ oder „Familien im Brennpunkt“. Im Scripted Reality werden drehbuchbasierte Geschichten erzählt, die wie mitten aus dem alltäglichen Leben gegriffen wirken sollen. Dabei werden einerseits Techniken des Dokumentarfilms angewendet, wie zum Beispiel verwackeltes Filmen mit einer Handkamera. Auf diese Weise wird der Eindruck erweckt, es handle sich um authentische Szenen, bei denen „nur die Kamera draufgehalten wird“. Andererseits arbeiten diese Formate gezielt mit Laiendarsteller_innen, deren Körper und Wohnort zum Spielball einer zwiespältigen Inszenierung zwischen fiktiver Konstruktion und lebensweltlicher Authentizität wird. All das, was sich mit dem klassenspezifischen Habitus der Darsteller_innen umreißen lässt (also zum Beispiel spezifisches Körperempfinden und Körpersprache sowie Kleidungsstil), wird damit als zentrales Gestaltungselement in den medialen Produktionsprozess integriert.
Welche Funktion oder Rolle nimmt dieser „klassenspezifische Habitus“ ein?
Britta Steinwachs: Die in den Sendungen dargestellten Verhaltensweisen und Geschmäcker der Akteur_innen sind keine zufälligen Besonderheiten einzelner Charaktere, sondern verweisen immer auch auf gesellschaftliche Strukturen. Dem Habitus kommt also eine symbolische Dimension zu: Wenn man einen unbekannten Menschen im Fernsehen sieht und dort gezeigt wird, wie er sich kleidet, spricht, artikuliert usw., dann lässt sich daraus stets mehr als das direkt Gezeigte ablesen. Mit einem intuitiven Sinn erkennt das Publikum – oft auch unbewusst – meist sofort, welcher sozialen Klasse das Gegenüber angehört. Wenn im Fernsehen nun mithilfe von Laiendarsteller_innen vermeintlich realistische Alltagsgeschichten erzählt werden, ergibt sich daraus die besondere Konstellation, dass sich hier der „reale“ Habitus von Menschen mit einer fiktiven Erzählung verwebt. Aus diesem Grund wirken die Figuren in ihrer halbrealen und halbfiktiven Körperlichkeit authentisch. Dies ist auch ein Grund für den großen Erfolg dieser Formate.
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Starkes Wachstum
Peter HartigZwei neue Mitglieder machen die Vereinigung der Berufsverbände gut dreimal so groß. Und werden sie wohl tiefgreifend verändern. | Foto © Die Filmschaffenden
Die gute Nachricht: Die Filmschaffenden wachsen – und zwar gewaltig! Zwei neue Mitglieder sind der Vereinigung von bislang zwölf Berufsverbänden am 14. Februar beigetreten: Der Bundesverband Schauspiel (BFFS) und der Synchronschauspielverband (IVS). Damit wird sich die Mitgliederzahl mehr als verdoppeln. Allein der BFFS gibt seine Mitgliederzahl über 2800 an.
Für Die Filmschaffenden ist dies wohl erstmal eine gute Nachricht. Ausgerechnet die Verbände der Regisseure und der Kameraleute, die diese gemeinsame Organisation aller Filmgewerke einst initiiert hatten, waren vor wenigen Jahren aus unterschiedlichen Gründen ausgetreten. Den Verlust dieser beiden mitgliederstärksten Verbände konnten auch Neueintritte nicht ausgleichen.
Der BFFS freilich tut dies gleich mehr als doppelt. Der arbeitete zwar schon länger immer mit einzelnen Verbänden und der Bundesvereinigung zusammen, schloss sich aber nicht an. „Wir waren tatsächlich vorsichtig”, sagt Heinrich Schafmeister vom Vorstand des BFFS. Weiterlesen
Es geht nicht ums Geld
Alex RanischNoch steht er im Hintergrund, aber gleich wird der Regisseur Axel Ranisch eine Rede halten. Mit dem „FairFilm®Award“ zeichnen die Berufsverbände der Branche alljährlich vorbildliche Produktionsbedingungen aus. | Foto © Stefan Maria Rother
Meinen ersten Kinofilm „Dicke Mädchen“ habe ich vor fünf Jahren gedreht. Mit einem aberwitzigen Budget von 517,32 Euro. Ich habe von vielen Filmschaffenden dafür Ärger bekommen. Ich versaue die Preise auf dem Markt, ich schüre den Glauben, dass man ohne Geld Filme drehen kann. Das mag vielleicht sogar sein. Aber, liebe Kollegen, was hätte ich denn machen sollen? Ich hab es doch versucht. Aber mich kannte doch keiner. Niemand hätte mir Geld gegeben, um mein Team und meine Schauspieler anständig zu bezahlen, ohne, dass ich mich und den Film, den ich drehen wollte, hätte dafür verbiegen müssen.
Ich kenne überhaupt keinen einzigen Filmemacher, der nicht unter Ausbeutung seines Teams und der eigenen Ressourcen angefangen hat Filme zu drehen. Das lässt doch nur eine Schlussfolgerung zu: Wir bekommen dieses beschissene unfaire Verhalten anerzogen. Es gibt, so weit ich weiß, an keiner deutschen Filmhochschule einen Workshop über faires Produzieren. Mir hat man noch vor meinem Studium beigebracht: Wenn du zum Film willst, dann arbeitest du die ersten zehn Jahre umsonst; und wenn du dieses Opfer nicht aufbringen willst, dann bist du falsch in der Branche. Also warum wundern wir uns dann über die beschissenen Arbeitsbedingungen, wenn so eine Moral herrscht?
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Cinema Moralia – Folge 126: 5,2 Millionen für Tschiller
out takes, Rüdiger SuchslandSymptomatische Angst – Till Schweiger in Tschiller: Off Duty © 2016 Warner
Wie klein muss einer sein: Was Dieter Kosslick und Til Schweiger gemeinsam haben, 5,2 Millionen für Tschiller und natürlich die leider unbemerkte Bankrotterklärung der deutschen Filmförderung – Cinema Moralia, Tagebuch eines Kinogehers, 126. Folge
Von Rüdiger Suchsland (Aktiviere Javascript, um die Email-Adresse zu sehen)
+ + +
Stefanie Stappenbeck gehört zu den deutschen Schauspielerinnen, die ich schon immer ein bisschen unterschätzt fand. In manchem schlechten Film ist sie der einzige Lichtblick. Und einiges Pech hat sie auch gehabt: Als sie 2009 endlich eine Serien-Hauptrolle im ARD-Polizeiruf bekam, die überaus interessante und ungewöhnliche Figur des Hauptmann Ulrike Steiger, einer deutschen Generals Daughter, die in Uniform in der Bundeswehr ermittelt, und dann, enttäuscht vor allem vom eigenen
Vater, die Bundeswehr verlässt, aber mit dem ganzen überholten Disziplin-Befehl&Gehorsams-Müll im Kopf, zur Münchner Polizei kommt – da hätte das mit der Stappenbeck das Zeug gehabt, eine würdige Edgar-Selge-Nachfolge-Polzeiruf-Reihe zu werden. Doch ihr Partner Jörg Hube starb nach der ersten Folge und anstatt dann etwas draus zu machen, das reale Leben als Chance der Fiktion zu sehen, stellte die ARD alles und damit auch die Stappenbeck-Figur ein.
Vier Jahre später dann spielte sie im neuen Hamburger Tatort, aber nur die Frau, noch dazu geschiedene, des Ermittlers. Und ausgerechnet an der Seite von Til Schweiger. OMG, die Arme dachte ich als Stappenbeck-Sympathisant, und dann, als sie, natürlich weil der doofe Dödel Nick Tschiller schuld hatte, kurz vor Sylvester erschossen wurde, war das ein tiefer Stich ins Herz. Der Trost kam dann ein paar Tage später, als klar wurde: Für sie ist der Tod als Schweiger-Frau ein Aufstieg. Denn im
Sommer spielt sie dann im ZDF wieder eine Ermittlerin.
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Gleich zu Anfang eine Ankündigung in eigener Sache: Nächste Woche fängt ja nicht nur am, Donnerstag die Berlinale an, und einen Tag vorher etwa gleichzeitig mit der nächsten regulären artechock-Ausgabe, sondern bereits ab Montag gibt’s ein artechock-Berlinale-Special mit täglich neuen Texten, und einigen Überraschungen. Und das nicht nur hier, sondern auch auf Facebook, und vielleicht noch in anderer Form. Es lohnt sich also, regelmäßig nachzuschauen.
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Es wird die 66. Berlinale überhaupt und erst die 15. mit Dieter Kosslick – obwohl man den Eindruck haben könnte, der Mann sei schon ewig da. Immerhin wird er in paar Wochen länger im Amt sein, als Helmut Kohl Bundeskanzler war, und im Gegensatz zum Pfälzer scheint den Berlinale-Chef die Macht eher jung zu halten. Wahrscheinlich würde er selber sagen, dass das alles an Yoga und seinem Vegetarismus liegt, aber wer Kosslick am Dienstag auf der diesjährigen Berlinale-Pressekonferenz beobachtete, der merkte, wie schön es sein muss, wenn einem überhaupt niemand mehr widerspricht. Diese Stufe hat Kosslick inzwischen erreicht. Die, die ihn blöd finden, haben es inzwischen aufgegeben, weil man sachbezogene Debatten mit dem Mann sowieso nicht führen kann. Und die, die ihn anhimmeln, himmeln ihn an.
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