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Glanz und Elend des Deutschen Films I: Filmförderung

Peter Hartig
15. März 2014/4 Kommentare/von Peter Hartig

Geht’s dem Deutschen Film nun gut oder schlecht? Und warum? Die große Antwort haben wir auch nicht, aber viele kleine Ahnungen – und starten eine kleine Serie. | Foto © cinearte

In den vergangenen Wochen ist wieder eifrig um Sinn und Unsinn der deutschen Filmförderung diskutiert worden, auch an dieser Stelle, wo demnächst noch mehr dazu zu lesen sein wird, und oft schwingt in den wohlformulierten und fundierten Meinungen das Urteil mit: Das Fördersystem ist schuld, dass es dem Deutschen Film so schlecht geht!

Nun bin ich gerne dabei, auf Filmförderungen einzuhauen. Nicht, weil mir manche Entscheidungen nicht gefallen – „was auch immer man macht, irgendjemand findet det immer falsch“, hatte schon Rio Reiser erkannt. Sondern weil ich Subventionen generell für bedenklich halte, wo gewirtschaftet werden soll.

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https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg 0 0 Peter Hartig https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg Peter Hartig2014-03-15 18:05:032014-03-15 18:06:19Glanz und Elend des Deutschen Films I: Filmförderung

Cinema Moralia – Folge 82: Das Kunstkartell schlägt zurück

out takes, Rüdiger Suchsland
2. März 2014/1 Kommentar/von Rüdiger Suchsland

Arne Birkenstocks Beltracchi – Die Kunst der Fälschung

Die Kunst der Fälschung: Wie ein Doku­men­tar­film skan­da­li­siert wird – Cinema Moralia, Tagebuch eines Kino­ge­hers, 82. Folge

»Ein Kritiker muss dem Main­stream wider­stehen, er sollte die Seite stark machen, die in der öffent­li­chen Debatte gerade schwach ist. Ein Kritiker ist nur dann einer, wenn er sich als Anti-Esta­blish­ment versteht.«
Susan Sontag, mal wieder, diesmal in einer Szene in Martin Scorseses Untiteled New York Review of Books Project, der als »work in progres« auf der Berlinale lief.

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Empörung an sich mag vers­tänd­lich sein, ist aber immer auch etwas frag­wür­diges. Sehr nach­voll­ziehbar kriti­sierten gerade deutsche Medien in den letzten Jahren Empö­rungs­ten­denzen in der deutschen und inter­na­tio­nalen Öffent­lich­keit. Wenn es um die »Wutbürger« von Stuttgart ging, um Sarrazins Geschwätz von den Kopf­tuch­mä­dels, um euro­pa­feind­liche D-Mark-Freunde, um Recht­po­pu­listen oder zuletzt um Schweizer Frem­den­feinde – da standen die deutschen Jour­na­listen instinkt­si­cher gegen solch‘ vermeint­lich »gesundes Volks­emp­finden«, plädierten für Vernunft, Diffe­ren­zie­rung, Objek­ti­vität. Mit anderen Worten: Für Aufklä­rung.

+ + +

Gefähr­lich wird es dann aber schnell, wenn sich Jour­na­listen einmal selbst empören. Dann kennen sie keine Gnade, dann trieft Moral und Recht­schaf­fen­heit aus jeder ihrer Zeilen, so, als sei man froh, endlich einmal das offenbar so schwere Joch der Skepsis abwerfen und ganz subjektiv drauf­los­le­dern zu dürfen. So, als fürchte man auch ein wenig die eigenen Zweifel, den eigenen Verstand, und müsse daher um so lauter sich krakee­lend gebärden. Weil es natürlich sie selbst betrifft.

So geschehen vor Jahren beim »Fall Tom Kummer«, jenem SZ-Jour­na­listen, der Inter­views frei erfunden hatte. Dass dazu immer auch ein paar Leute gehörten, die sie ihm gern und gegen alle Zweifel abkauften, wurde schnell vergessen. Erst recht die Frage, ob diese Inter­views womöglich gut und inter­es­sant zu lesen waren, ob sie in gewissem Sinn »Kunst­werke« waren, und ob die ganze Geschichte womöglich einige tiefere Wahr­heiten über den Medien­be­trieb verriet.
Noch einmal ging es so, als dann ein Film über Kummer gemacht wurde.

Und jetzt gibt es endlich wieder einen Anlass: Diesmal sind es vor allem Kunst­kri­tiker und Kunst­jour­na­listen, die mit Schaum vorm Mund und wie gleich­ge­schaltet, mit unter auch recht hirnlos und in jedem Fall ohne eine Spur Humor und Gelas­sen­heit über einen Film reden und schreiben: Die Kunst der Fälschung ist ein Doku­men­tar­film, der kommende Woche in die deutschen Kinos kommt. Er handelt von dem Fall des Malers und Kunst­händ­lers Wolfgang Belt­racchi und all den inter­es­santen Geschichten, die dazu­gehören: Belt­racchi hat über Jahrzehnte Gemälde erfunden und diese Werke als angeb­liche Originale für hohe Summen verkauft. 2010 flog der Fall auf, 2011 wurde Belt­racchi wegen gewerbs­mäßigen Betrugs zu sechs Jahren Haft verur­teilt, und in der Öffent­lich­keit zum »Jahr­hun­dert­fäl­scher« erklärt.

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https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg 0 0 Rüdiger Suchsland https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg Rüdiger Suchsland2014-03-02 11:01:422014-02-28 15:27:49Cinema Moralia – Folge 82: Das Kunstkartell schlägt zurück

Fördern ohne Fantasie – wie der DFFF seine Chancen vertut

Peter Hartig
15. Februar 2014/3 Kommentare/von Peter Hartig

Stefan Zweig trifft Tim und Struppi: „The Grand Budapest Hotel“ ist eine irre Hommage an das alte Mitteleuropa, wie sie das Kino noch nicht erlebt hat. Da musste erst ein Texaner kommen, um zu zeigen wie das geht… Foto © 20th Century Fox

Die Berlinale hat ihre Bären verteilt, und wie immer sind solche Entscheidungen erstens auch Geschmackssache, zweitens meist das Ergebnis langer Diskussionen und schwerer Gedanken und drittens neigen die Jurys in Berlin meist zu Werken exotischerer Art beziehungsweise aus exotischeren Filmländern, wie das Festival selbst gerne vom Weltkino träumt. Weshalb man darüber auch gar nicht diskutieren soll. Am Gewinner des „Goldenen Bären“ gibt’s wohl heuer auch nichts auszusetzen – und man merkt an dieser Formulierung: Yinan Diaos Serienmörder-Krimi aus China ist einer der wenigen Wettbewerbsbeiträge, die ich nicht gesehen habe, weshalb ich erst recht nichts dazu sage.Will ich auch nicht, weil ich schon auf den „Silbernen Bären“ blickte, den „Großen Preis der Jury“, den Eröffnungsfilm des Festivals, dem ich gute Chancen auf noch mehr eingeräumt hätte, zugleich aber doch nicht, weil er doch zu locker und fröhlich daherkommt für eine mittlerweile staatstragende Veranstaltung wie die Berliner Festspiele. Und schon mutmaße ich, ob es den Juroren nicht vielleicht ebenso ging, und ihr „Großer Preis“ sowas ist wie die Geheimauszeichnung für den Film, den sie sich dann später zu Hause doch ein bisschen lieber nochmal angucken als all die anderen …

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https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg 0 0 Peter Hartig https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg Peter Hartig2014-02-15 22:55:132014-02-16 16:07:11Fördern ohne Fantasie – wie der DFFF seine Chancen vertut

Cinema Moralia – Folge 80: Die alten Ängste der jungen Frauen

out takes, Rüdiger Suchsland
2. Februar 2014/von Rüdiger Suchsland

Korinna Kraus als Fräulein Else | © HFF & Anna Martinetz 2013

Soll das wirklich die Zukunft des deutschen Kinos sein? Große Vorbilder, Deutsche und die Filmwelt, Genre­mo­tive und verspielte Zukunft: Das beste deutsche Kino liegt jenseits der Arte-Povera – und andere Beob­ach­tungen beim beim 36. »Festival Max-Ophüls-Preis« – Cinema Moralia, Tagebuch eines Kino­ge­hers, 80. Folge

»War is an uncertain thing. The enemy has a brain, they adapt and adjust, and as Dwight Eisenhower said ‚the planning is important, but the plan is nothing.’«
Donald Rumsfeld

»Aber ich liebe Euch doch alle!«
Erich Mielke

»…und dann und wann ein weißer Elephant.«
Rilke

Schwarze Tage an der Börse, mal wieder. Else, ein Mädchen aus gutem Haus, verwöhnt gewiss, aber weder dumm noch abgehoben, wird von ihren Eltern den Gläu­bi­gern zum Fraß vorge­worfen: Sie soll einen Reichen heiraten, damit der Kredit der Alten weiter fließt – ein Opfergang von ganz irdischem, also unge­heurem Ausmaß. Arthur Schnit­zler schrieb seine auch heute noch atem­be­rau­bende Novelle Fräulein Else im Jahr 1924, also noch vor der großen Welt­wirt­schafts­krise – voller Vorahnung und auch als Kunstwerk seiner Zeit voraus, handelt es sich doch um den ersten inneren Monolog der Lite­ra­tur­ge­schichte. Das ist schwer für Filme­ma­cher und im Gegensatz zu anderen Schnit­zler-Stoffen wurde diese Novelle kaum verfilmt. Nur Paul Czinners Stummfilm von 1928, noch zu Schnit­z­lers Lebzeiten mit Elisabeth Bergner, blieb im Gedächtnis.

Anna Martinetz hat es jetzt für ihren Münchner Regie-Abschluss gewagt, mit wunder­barem Ergebnis, den die Regis­seurin nicht zuletzt ihrem Mut zu verdanken hat. Im Wett­be­werb des Saar­brü­cker »Festival Max-Ophüls-Preis« hatte Martinetz‘ Version jetzt Premiere, die den Stoff unter Deutschen in einem post­ko­lo­nial-deka­denten, zugleich pracht­voll traum­ver­wun­schenen Indien spielen lässt, in dem alles dem Verfall preis­ge­geben scheint – bis auf die Natur, die hier in Gestalt von Tigern und Elefanten so wild wie überlegen auftritt. Dies ist so phan­tas­tisch wie klug wie fürs Publikum mitreißend – es stach zudem ins Herz der Zeit, weil Martinetz eine moralisch korrupte Eltern­ge­ne­ra­tion zeigt, die die Zukunft ihrer Kinder verspielt. Nicht die Erben sind das Problem, sondern die Erblasser.

+ + +

Dieser beste Film im Wett­be­werb wurde aber leider von der Jury ebenso ignoriert, wie Johanna Moders High Perfor­mance, der immerhin den Publi­kums­preis bekam und Rick Oster­manns Wolfs­kinder, High­lights in einem starken Saar­brü­cker Jahrgang, der viele Filme voller Kraft, Spiel­freude, Farben und Liebe zum Kino bot.
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https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg 0 0 Rüdiger Suchsland https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg Rüdiger Suchsland2014-02-02 11:38:092014-02-02 17:21:27Cinema Moralia – Folge 80: Die alten Ängste der jungen Frauen

cn-kolumne: Ein Preis von Schauspielern für Schauspieler!

Tina Thiele
31. Januar 2014/von Tina Thiele
Thomas Schmuckert

Motiv: Thomas Schmuckert | Credit: Katja Kuhl & Deutscher Schauspielerpreis

Wir sprachen mit Thomas Schmuckert (BFFS-Vorstand) über den Deutschen Schauspielerpreis, der am 10. Februar im Rahmen der Berlinale verliehen wird.

Der Deutsche Schaupielerpreis
Die Grundidee:
Der Deutsche Schauspielerpreis wurde vor zwei Jahren vom Bundesverband der Film- und Fernsehschauspieler e.V. (BFFS) ins Leben gerufen und während der Berlinale 2012 zum ersten Mal verliehen. Die Preisverleihung ist eine Non-Profit-Veranstaltung, die nur durch ein breites ehrenamtliches Engagement der Schauspielerinnen und Schauspieler, zahlreicher Freunde und Unterstützer, Förderer und Sponsoren ermöglicht wird.

Er ist eine Auszeichnung von Schauspielern für Schauspieler, er spiegelt den besonderen Blickwinkel von Schauspielern und würdigt Persönlichkeiten, die in besonderer Weise und nachhaltig inspirieren, die Raum für Kreativität schaffen und Horizonte erweitern, die sich für den deutschen Film als Kulturgut und für die Schauspielkunst einsetzen.

Link zum Interview:
www.casting-network.de

https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg 0 0 Tina Thiele https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg Tina Thiele2014-01-31 10:45:172016-05-18 13:08:41cn-kolumne: Ein Preis von Schauspielern für Schauspieler!

Cinema Moralia – Folge 79: Mas que nada – die Kunst der Maskerade

out takes, Rüdiger Suchsland
26. Januar 2014/von Rüdiger Suchsland

Otto Gebühr in der Rolle Friedrich des Großen

Der Schau­spieler denkt, die Rolle lenkt: Aneig­nungen, Abgren­zungen, Verschmel­zungen – wenn Schau­spieler unter die Haut von Promi­nenten schlüpfen – Cinema Moralia, Tagebuch eines Kino­ge­hers, 79. Folge

Bevor wir uns heute mal komplett der Kunst des Schau­spiels zuwenden, ist ein drin­gender Hinweis nötig: Auf die Howard Hawks Retro­spek­tive, die noch bis zum 30. Januar im Berliner Arsenal zu sehen ist. Wem der Weg zu weit ist, dem empfehlen wir den Gang zur Videothek. Denn bei Hawks kann man auch viel über Schau­spiel­füh­rung lernen. Und das ist unser Thema.

+ + +

Der Mensch ist das nach­ah­mende Tier. Auch wenn Forschungen längst belegt haben, dass Nach­ah­mung bei Tieren nicht vorkommt, gilt weiterhin: Das »Nachäffen« wird Kindern schon verboten, die Schau­spieler müssen es im Fall des Falles mühsam lernen. Ihnen zu Hilfe kommt die Masken­kunst, neuer­dings auch Compu­ter­technik. Der Mensch also – ein masken­bil­dender Affe?

+ + +

Der Mensch, schrieb der protes­tan­ti­sche Pfarrer Johann Caspar Lavater im 18. Jahr­hun­dert in seinen »Physio­gno­mi­schen Frag­menten«, bestehe aus Ober­fläche und Inhalt. Das Äußere sei aller­dings nichts als der Ausdruck des Innern. Auch wenn Lavater diese Grund­an­nahme dann zu einer eher schlichten Moral­theorie weiter­ent­wi­ckelte, die allzug­rad­linig vom »Häss­li­chen« aufs »Böse« schloss, lohnt es sich, einen Moment bei ihr zu verweilen.
Nicht nur enthält sie implizit eine frühe Theorie des »Method Acting« – die hat Lavaters Schema nur umgedreht, und demzu­folge mehreren Schau­spiel­er­ge­ne­ra­tionen weis­ge­macht, um einen Charakter wirklich gut spielen zu können, müsse auch der Darsteller selbst sich in ihn verwan­deln, müsse er die Leiden, die Traumata oder das Glück seiner Figur selbst empfinden und also weniger »spielen« als »sein«. Das ging in der Praxis dann bekannt­lich bis zu körper­li­chen Entstel­lungen: Fress- oder Abnehmor­gien, antrai­nierte Muskeln und abtrai­niertes Fett schinden bei Schau­spiel­preis­jurys bis heute oft mehr Eindruck, als Nuancen und Subti­litäten.

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https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg 0 0 Rüdiger Suchsland https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg Rüdiger Suchsland2014-01-26 19:04:132014-01-26 19:04:31Cinema Moralia – Folge 79: Mas que nada – die Kunst der Maskerade

Kosta & out takes wünschen ein tolles Jahr 2014!

Kosta Rapadopoulos
13. Januar 2014/von Kosta Rapadopoulos

Kosta Rapadopoulos - Credit: Puppet Empire

Auch bekannt als der Wallraff Griechenlands warnt Kosta zum Auftakt des Jahres mit dem „Zwergengedicht“: Vercastet Euch nicht!

PLAYLIST
1. KOSTAS NEUJAHRSGRÜßE
2. DAS ZWERGENGEDICHT

Weitere Infos zu den Protagonisten des Films:
Samy Challah
Jasin Challah

Präsentiert in unserem neuen casting-network-Kanal auf youtube!

Hier geht es zum Kosta Rapadopoulos-Kanal auf youtube!

https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg 0 0 Kosta Rapadopoulos https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg Kosta Rapadopoulos2014-01-13 07:00:162017-02-23 12:30:42Kosta & out takes wünschen ein tolles Jahr 2014!

Cinema Moralia – Folge 78: Figg Disch Vörderunck!

out takes, Rüdiger Suchsland
12. Januar 2014/7 Kommentare/von Rüdiger Suchsland

Fack Ju Göhte

Warum Edgar Reitz die Film­för­de­rung abschaffen will, die Perver­tie­rung der Kultur­po­litik und unsere Liebe zur Kontroll­ge­sell­schaft – Cinema Moralia, Tagebuch eines Kino­ge­hers, 78. Folge

Fack ju Göhte wurde bisher von knapp 5.5 Millionen Zuschauern gesehen. Gefördert wurde der Film von den verschie­denen Insti­tuten der deutschen Film­för­de­rung mit mindes­tens 2,6 Millionen Euro – also etwas mehr als 50 Cent pro zahlendem Zuschauer. Diese Förder­gelder setzen sich folgen­der­maßen zusammen: 900.000 Euro vom DFFF (Deutscher Film­för­der­fonds), 800.000 Euro vom FFF (Film Fernseh Fonds Bayern), 650.000 Euro vom Medien­board Berlin-Bran­den­burg, 300.000 Euro von der FFA (Film­för­der­an­stalt), sowie weiteren 200.000 Euro Verleih­för­de­rung von der FFA und weiteren 150.000 Euro FFF-Geldern, ebenfalls als Verleihf örderung.

+ + +

Man braucht nicht viel Einfüh­lungs­ver­mögen, um darauf zu tippen, dass sich die deutsche Film­för­de­rung die Tatsache, dass Bora Dagtekins Film bisher fast 5.5 Millionen Besucher bekam, als einen Erfolg ihres Wirkens zurechnen dürfte. Schließ­lich gilt Fack ju Göhte als »erfolg­reichster Film« des Jahres 2013, und bei dieser enormen Summe hat die Film­för­de­rung dieses Ergebnis in gewisser Weise überhaupt erst möglich gemacht.
Genau genommen aller­dings handelt es sich bei diesem Ergebnis eher um die endgül­tige Perver­tie­rung dieser Förderung – denn schließ­lich wurde das, was wir bislang noch »die deutsche Film­för­de­rung« nennen, obwohl sie diesen Namen von Tag zu Tag weniger verdient, vor rund 50 Jahren einmal gegründet, um dem Kommer­zkino ein kultu­relles Gegen­ge­wicht an die Seite zu stellen.

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https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg 0 0 Rüdiger Suchsland https://out-takes.de/wp-content/uploads/2019/11/out_takes_logo01.jpg Rüdiger Suchsland2014-01-12 13:20:392014-01-12 13:20:39Cinema Moralia – Folge 78: Figg Disch Vörderunck!
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