Kurz vor Corona stand es nicht schlecht um Österreichs Filmbranche, besagt der neue Filmwirtschaftsbericht. Doch auch für die Zeit danach versucht sich das Österreichische Filminstitut in Optimismus. | Foto © Filmarchiv Austria

Unser Nachrichtenüberblick zum Wochenende.

Österreichs Filmbranche konnte sich 2019 „behaupten“, steht im neuen Filmwirtschaftsbericht des Österreichischen Filminstituts (ÖFI). In Zahlen: Einerseits gingen Erlöse und Erträge leicht zurück, und der Marktanteil österreichischer Filme lag nur noch bei 3,3 Prozent (im Jahr zuvor waren es 6,2 Prozent). Andererseits konnte der allgemeine Rückgang des Vorjahres beim Kinopublikum gut zur Hälfte wieder aufgeholt werden, und die Zahl der Beschäftigten legte um insgesamt um 2,6 Prozent zu, bei den Produktionsfirmen sogar gut doppelt so stark.
Doch „Ende 2020 ein Vorwort zu einem Filmwirtschaftsbericht über das Berichtsjahr 2019 ohne einen Bezug zu dem zu verfassen, was nach dem 1. Lockdown am 16. 03. 2020 passiert ist, ist unmöglich“, schickt ÖFI-Chef Roland Teichmann voraus: „Wir leben nahezu in einer neuen Zeitrechnung: vor und nach Covid-19, wann auch immer das ,danach’ sein mag. Die in Folge der Pandemie erforderlichen behördlichen Maßnahmen haben die Filmwirtschaft entlang der gesamten Wertschöpfungskette durcheinandergewirbelt; die Langzeitfolgen davon sind nicht absehbar. Die Produktion wurde dramatisch gebremst, der Verwertung des vorhandenen Contents verlagerte sich noch schneller als bisher in Richtung VoD. Und in Zeiten des verordneten Zuhause-Bleibens erlebte auch das lineare TV (nicht nur durch die gesteigerte Relevanz der aktuellen Berichterstattung) eine gewisse Renaissance. So hat jede Krise ihre Chancen, ihre Gewinner*innen und Verlierer*innen, auch wenn dies im gesamten Ausmaß (vor allem für das Kino) wohl noch länger nicht feststeht. Wir befinden uns mitten in einem spannenden Transformationsprozess, in dessen Zentrum jedoch klar der weiter ansteigende Bedarf an Content steht – und das sind jedenfalls gute Nachrichten!“

 

Vier bis sechs Neuproduktionen im Monat will die ARD-Mediathek im nächsten Jahr präsentieren. Das kündigte Channel-Manager Florian Hager bei der Jahrespressekonferenz der Sendergruppe an. Nutzer der ARD-Mediathek sind aktuell im Durchschnitt 49 Jahre alt. Man erreiche somit inzwischen ein Publikum, das „schon deutlich jünger“ sei, sagte Hager. „Das ist für uns Ansporn, weiter daran zu arbeiten, dass wir eben auch die Um-die-30-Jährigen erreichen.“
Dafür werde beispielsweise das Budget des „Film-Mittwochs“, pro Jahr etwa 50 Millionen Euro, künftig ganz mit Blick auf die Mediathek investiert, sagte Jörg Schönenborn, ARD-Koordinator für Fiktion. Dabei gehe es nicht darum, dass die Filme einfach vor TV-Ausstrahlung online gestellt werden, vielmehr wolle man bei Auswahl der Stoffe die Zielgruppen der Mediathek im Auge haben. Und es soll weniger Einzelstücke und häufiger kleinere Reihen geben, die in der Mediathek dann als Miniserie vermarktet werden können, berichtet „DWDL“.

Die neue Staffel seines Förderprogramms „Nordlichter“ präsentiert der NDR nächste Woche – in der Nacht vom Montag auf Dienstag, zwischen 23:15 und 1:50 Uhr. Daran könne man erkennen, welchen Wert der Sender seiner eigenen Talentschmiede beimisst, meint die „Taz“ und schaut kurz ins Fernsehprogramm: „Zur Primetime um 21 Uhr läuft dagegen ,Der große Urlaubscheck: Norwegen im Winter’. Man darf dem Publikum nicht zu viel zumuten.

 

„Filmkunst außer Atem“, titelt die „Frankfurter Rundschau“ zum 90. Geburtstag von Jean-Luc Godard, „dem noch immer aktiven Erneuerer des Kinos“. Denn, so setzt die Hommage an: „Es gibt ein Kino vor Godard, und eines seit Godard. Als der erfolgreiche Filmkritiker 1960, mit 30 Jahren, seinen ersten Langfilm ,Außer Atem’ zeigte, verpasste er dem Medium einen Kulturschock, von dem es sich nicht mehr erholen sollte.“ Und: „Wenn man jemals Film im Bett lernen konnte, so wie es Angeber über Fremdsprachen behaupten, dann war das wohl Anfang bis Mitte der Sechziger der Fall, als ein frischer Wind durch das Weltkino wehte, wie nie zuvor und nie danach.“

Isabelle Konrad hatte gerade ihren zweiten Spielfilm „Purpur“ abgedreht. Nur Stunden später traf der erste Lockdown die Kultur. „Für Schauspieler, Maskenbildner, Requisiteure begann ein Dornröschenschlaf – unsanft, schmerzhaft, dornig.“ Die „Augsburger Allgemeine“ erzählt, wie die junge Regisseurin und Drehbuchautorin die Corona-Krise erlebte. 

Die Doku „Kollektiv – Korruption tötet“ von Alexander Nanau schildert Missstände im rumänischen Gesundheitswesen. Sie ist Rumäniens „Oscar“-Beitrag. Die „Taz“ sprach mit dem Regisseur über die Hintergründe und die heutige Lage im Land.

„Der geheime Superstar“: Die „Berliner Zeitung“ gratuliert der Schauspielerin Julianne Moore zum 60. mit einem Porträt, schwärmt von ihrem „besonderen Talent, sich auf ihre Figuren mit Haut und Haar einlassen zu können“, spekuliert „vielleicht war es hilfreich für ihre Karriere, dass der Erfolg sich nicht sofort einstellte“ und erinnert auch an den Film, der ihr „den Durchbruch als Charakterdarstellerin“ brachte.

 

Die Ufa will mehr Diversität vor und hinter der Kamera (wir hatten vorige Woche berichtet). Der Regisseur Dominik Graf hält das zwar für „eine gute Sache“, findet die Selbstverpflichtung aber „eher unglücklich“ formuliert: „Das Lautsprecher-Getöse daran erregt den Verdacht, dass der doch überwiegende filmische Schwachsinn, den die Branche produziert, mit einem gesellschaftsrelevanten Verhaltenscode wettgemacht werden soll“, sagte Graf der „Zeit“. Dort steht das Interview hinter der Bezahlschranke, „DWDL“ fasst seine Kritik gratis zusammen: „Auf die Frage, ob der Film ein getreues Abbild der gesellschaftlichen Wirklichkeit schaffen sollte, sagt Graf: ,Das klingt gefährlich nach Zensur der Stoffe.’ Gleichzeitig will Graf auch nicht den Anspruch aufgeben, die Welt so ,böse’ abzubilden, wie sie ist. ,Für eine Welt, wie sie stattdessen sein sollte, fühlen wir uns nicht zuständig. Gewalt und Übergriffe spielen deshalb in unseren Filmen eine große Rolle.’“

 

Über die „Filmkonzeption Baden-Württemberg 2020 in Corona-Zeiten“ hatte die dortige Filmförderung am Mittwoch diskutieren lassen. Die Aufzeichnung der Talkrunde ist jetzt auf Youtube zu sehen.

Bei der Berlinale sind sie noch nicht bereit, das Festival 2021 abzusagen. Aber Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian werden diese schwere Entscheidung sehr bald treffen müssen, meint die „Berliner Zeitung“: „Die Berlinale-Leiter machen gerade etwas durch, was die meisten von uns dieses Jahr auch erlebt haben. Sie müssen sich von einem Vorhaben verabschieden, an dem ihnen sehr viel liegt. Wobei die Berlinale mehr ist als ein persönlicher Plan. Für viele Filmemacher, für die jungen Regisseure, Kameraleute, Drehbuchschreiberinnen, die als Talents nach Berlin kommen sollten, ist 2021 ein verlorenes Jahr.“

Am kommenden Dienstag startet der Film- und Kinokongress der Film- und Medienstiftung NRW – in drei Teilen und ausschließlich digital. Und damit ist auch das Thema klar: „Seit März 2020 hat die Pandemie Film und Kino fest im Griff. Während Kinos schließen und Dreharbeiten schwierig bleiben, sind Streaming und VOD auf dem Vormarsch. Nach der Devise ,Online first’ bauen TV-Sender ihre Mediatheken aus, Verleiher suchen digitale Auswertungsformen und im Marketing schlägt die Stunde der Sozialen Medien. Dieses Jahr soll nicht zu Ende gehen, ohne dass wir fragen, wo wir stehen. Und das tun wir, selbstverständlich Corona-konform und ganz ohne Publikum.“

 

Die Urheberrechtsrichtlinie der EU soll das Bundesjustizministerium in nationales Recht übertragen. Dabei sieht es Ausnahmen vor, die den Datenkonzerne nutzen. Die Kreativen laufen Sturm. Sie bemängeln, dass der Entwurf des Justizministeriums eine „Bagatell“-Klausel einführe, die Rechteinhabern die Kontrolle über ihr Werk entwinde, berichtet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“:  Der „Gesetzentwurf verstoße vielfach gegen die EU-Richtlinie, etwa durch die Festlegung, dass kurze Text-, Ton- und Bildsequenzen nicht unter das Urheberrecht fallen sollen. Der fehlende Wille, das Recht auf geistiges Eigentum zu schützen, treffe Film- und Musikindustrie, Fotografen, Grafiker und Presse. Das Geschäftsmodell von Digitalanbietern wie Tiktok, Snap, Twitch, Triller oder Byte werde vom Justizministerium nicht angetastet.“

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