„Nachts im Museum“: Die Kulturstätten haben’s zurzeit ruhiger als sonst. Vor allem leiden aber die freien Mitarbeiter*innen und Künstler*innen. | 20th Century Fox

Wie der Staat den Museen hilft, beschrieb die „Süddeutsche Zeitung“ vorige Woche. Dabei fand sie auch Platz,  die Situation von Freien und Solo-Selbständigen in der Kultur anzusprechen, hakte aber nicht weiter nach.

Wir danken Ihnen für Ihre Informationen, Ergänzungen und Korrekturen, Fragen und Kommentare, auch wenn wir leider nicht alle persönlich beantworten können.

 

Eigentlich wollte die „Süddeutsche Zeitung“ nur wissen, wie es den leeren Museen geht. „An manchen Stellen zeigt diese Krise die Verletzlichkeit des Kulturbetriebs auf“, antwortet Ulrike Groos, die das Kunstmuseum Stuttgart leitet: „Die prekären Verhältnisse, unter denen so viele Freie im Kulturbetrieb arbeiten, müssen bei der zukünftigen Förderpolitik überdacht werden.“ Es brauche faire Bezahlung für die Solo-Selbständigen, die für Institutionen arbeiten. Sie, die von der Bundesregierung von den Soforthilfen ausgeschlossen waren und Hartz IV beantragen mussten, sind eine Gruppe von vielen Tausend Beschäftigten, die in den Budgetverhandlungen traditionell mit Niedrigstlöhnen abgespeist werden, obwohl sie Wesentliches für die Inhalte der Kulturvermittlung leisten. Und für Künstler*innen müsse es endlich „verbindliche Ausstellungshonorare“ geben.

 

„Ein großer Fortschritt“ sei die Corona Kulturförderung in Nordrhein-Westfalen, schreibt der der Kulturrat NRW. In seiner aktuellen Mitglieder-Information gibt er einen Überblick der Hilfen im Bundesland und das den Stand des angekündigten Stipendienprogramms mit 105 Millionen Euro für bis zu 15.000 Antragsberechtigte: „Im Vergleich zu Künstlerhilfen in anderen Bundesländern kann sich dieses Programm sowohl mit seinem Volumen wie auch mit der Art der Abwicklung beispielhaft sehen lassen.“

Fragen und Antworten zum Rückmeldeverfahren bei der Soforthilfe in Nordrhein-Westfalen hat das Wirtschaftsministerium auf seiner Website. Weitere Informationen sollen allen Soforthilfe-Empfänger*innen „in Kürze“ per E-Mail zugehen.

Seit knapp drei Jahren hat Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet auch das Amt des Medienministers inne. Seitdem haben 44 Sitzungen des Ausschusses für Kultur und Medien im Landtag stattgefunden. 43 Mal hat Medienminister Laschet nicht daran teilgenommen, schreibt der SPD-Abgeordnete in einer kleine Anfrage und fragt: „Warum nimmt Medienminister Laschet seine Aufgabe nicht ernst?“

Von wegen Helden des Alltags: Reinigungskräfte oder Lebensmittelverkäufer verdienen oft so wenig, dass sie zusätzlich zum geringen Lohn Arbeitslosengeld II bekommen. Eine Million Menschen müssen so ihren Lohn „aufstocken“, berichtet „Die Zeit“.

 

Das ZDF produziert Serien unter Corona-Bedingungen, aktuell „Lehrerin auf Entzug“, eine Sitcom zum Thema Unterricht in den Zeiten der Pandemie. Das Potenzial wurde krass verschenkt, findet die „Frankfurter Rundschau“.

Unter normalen Verhältnissen hätten die fünf Broadcast-Networks in den USA längst entschieden haben, welche Serien sie in Auftrag geben. Doch angesichts geschlossener Produktionsstudios hat es kaum Pilotfilme gegeben. Deshalb mussten sie etwas tun, das ihnen zutiefst zuwider ist, berichtet die „Medienkorrespondenz“ über Corona, die Networks und ihre überholte Serien-Politik.

Die Überschrift ist zweideutig: „ZDF darf künftig Inhalte nur fürs Netz produzieren“, meldet „DWDL“, meint aber: Der Sender darf nun auch Inhalte zu produzieren, die nur fürs Web gedacht sind. Auch die Verweildauern in der Mediathek dürfen nun erhöht werden.

TV-Quoten sind eine Institution. Wie schwer es ist, internationale Streaming-Plattformen in die Bewegtbildmessung einzubinden, zeigt sich nun erneut. Warum Streaming eine gemeinsame Quote fehlt, erklärt „W&V“.

 

Synonym der Kulturindustrie: Eine Arte-Dokumentation blickt auf „Walt Disney – Der Zauberer“: Mit dem ersten abendfüllenden Zeichentrickfilm „Schneewittchen“ gelang den Disney-Studios 1937 etwas nicht für möglich Gehaltenes, berichtet „Der Tagesspiegel“: „Doch diese Innovation, forderte einen hohen Preis: Über 600 Mitarbeiter, die meisten von ihnen schlecht bezahlt, produzierten die 200.000 Einzelbilder von ,Schneewittchen’ im Akkord. Frauen zeichneten in Zwölf-Stunden-Schichten. Manche von ihnen wurden dabei blind.“

Der US-Regisseur und Schauspieler Osgood Perkins nimmt sich „Gretel & Hänsel“ vor. Sein Update der Brüder Grimm ist feministisch, aber zu bildverliebt, findet die „Taz“.

„Ich weiß, wie viele Menschen gerade leiden“, sagt Tom Hanks im Interview mit der „Berliner Zeitung“: Der Schauspieler erkrankte an Covid-19. Seitdem kämpft er für Aufklärung über die Krankheit – und kritisiert den laxen Umgang des US-Präsidenten mit dem Virus.

 

Wie bekommt man Diversität in den Film? Die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein versucht es mit einem Fragebogen rund um Besetzung und Rollenverteilung. Darüber diskutieren Schauspielerin Mateja Meded und Schauspieler und Produzent Tyron Ricketts in der aktuellen Folge 91 des Kultur-Podcasts „Lakonisch Elegant“ vom Deutschlandfunk: Diversity-Check im Film – Funktioniert Vielfalt per Formular?

„Frauen in den Medien“ betrachtet das nächste Webinar der die Deutschen Akademie für Fernsehen (DAFF) – und zwar durchs „Brennglas Corona“: Am morgigen Donnerstag, 16. Juli, schildern ab 18 Uhr Barbara Rohm, Sheri Hagen und Steffi Eisenschenk über Lage der weiblichen Kreativen und stehen anschließend für Fragen bereit. Die Teilnahme ist kostenlos, aber nur nach Anmeldung.

 

Eine Webinar-Reihe zu europäischen Fortbildungsmöglichkeiten für die audiovisuelle Branche startet das Creative Europe Desk München. Neben Qualifikationen soll das helfen, das eigene Netzwerk zu erweitern und Projekte voranzubringen. „In loser Folge“ stellen sich Weiterbildungsprogramme vor. Den Auftakt macht kommenden Donnerstag,  16. Juli, um 15 Uhr der „EAVE Producers’ Workshop“, an dem seit 1988 mehr als 2.000 Produzent*innen weltweit teilgenommen haben, mit Programme Manager Satu Elu und der Produzent und EAVE-Absolvent Jonas Weydemann („Systemsprenger“). Die Teilnahme ist begrenzt, Anmeldungen bis zum Mittwoch, 15 Uhr, möglich.

Im vorigen Jahr startete die Filmakademie Baden-Württemberg ihre Veranstaltung „Screen Time“ mit Pitchings, Work-in-Progress-Beispielen und Gesprächsrunden. Das geht in diesem Jahr nur virtuell, dafür aber erweitert und international. Am kommenden Mittwoch, 15. Juli, geht’s los, drei Tage lang läuft das neue Online-Format „Screen Time international“.

Die Filmfestspiele in Venedig sollen im September trotz der Corona-Pandemie laufen – allerdings kleiner als sonst, berichtet der Deutschlandfunk.

Wie geplant, findet Ende August die achte Ausgabe des Filmfestivals Kitzbühel statt. Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie haben die Veranstalter ein Präventions- und Sicherheitskonzept erstellt, meldet „Blickpunkt Film“.

 

Der Journalismus interessiere sich immer weniger für Widersprüche und abweichende Meinungen, es zähle nur noch die richtige Haltung. Birk Meinhardt, einst preisgekrönter Reporter der „Süddeutschen Zeitung“, dokumentiert seine Entfremdung von der einst geliebten Profession. „Wie ich meine Zeitung verlor“ trifft den Nerv eines angeschlagenen Journalismus, findet die Schweizer „Medienwoche“.

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