Kernfakten zum Fachkräftemangel

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Der Fachkräftemangel wir die Filmbranche noch für Jahre beschäftigen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Fallstudie. Es fehle vor allem an Konzepten für die Aus- und Weiterbildung, meint der Weiterbildungsverbund Media Collective. | Foto © EPI

Der Branche fehlen die Arbeitskräfte. Das liege vor allem an der Aus- und Weiterbildung, findet eine neue Fallstudie des Erich-Pommer-Instituts. Es fehle ein „strukturiertes Qualifizierungskonzept“ für alle Gewerke. 

Der Fachkräftemangel wir die Filmbranche noch für Jahre beschäftigen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Fallstudie des Weiterbildungsverbunds Media Collective des Erich-Pommer-Instituts. Grundlage ist eine bundesweite Befragung, unter anderem von zahlreichen Verbänden und Institutionen der Branche. Am Netzwerk beteiligen sich unter anderem die beiden Verbände der Produzent*innen, der Bundesverband Produktion, die Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf, Medienboard Berlin-Brandenburg, Netflix, Studio Babelsberg, die Ufa und der RBB.

95 Unternehmen und 414 Filmschaffende hatten geantwortet. Dabei wurden unterschiedliche Fragebögen verwendet, wird eingangs erklärt, „um eventuelle Unterschiede in der Wahrnehmung der Situation festzustellen und die Formulierungen auf die jeweilige Befragtengruppe anzupassen. Es ließen sich aber im Ergebnis keine signifikanten Unterschiede feststellen. Die Antworten beider Zielgruppen ergänzten sich größtenteils.“ 45 Seiten hat das Papier, zehn „Kernfakten“ werden herausgestellt:

1. 75 Prozent der Unternehmen und 71 Prozent der Filmschaffenden geben an, dass es einen spürbaren Fachkräftemangel gibt.
2. Als Auswirkungen des Fachkräftemangels wird sowohl bei den Unternehmen (88 Prozent) als auch bei den Filmschaffenden (77 Prozent) ein erhöhter Arbeitsdruck und psychische Belastung beim Personal angeführt.
3. Die Besetzungsschwierigkeiten beziehen sich dabei auf nahezu alle Positionen einer Produktion, angeführt von den Positionen Filmgeschäftsführung (48 Prozent) und Aufnahmeleitung (46 Prozent).
4. Als Ursachen für die Schwierigkeit bei der Besetzung freier Stellen werden wenige Bewerbungen (60 Prozent) und wenige geeignete Bewerbungen (85 Prozent) genannt. Bewerber*innen mangele es vor allem an folgenden Kompetenzen: Technisches Wissen in Bezug auf Film und Fernsehen (51 Prozent), Arbeitsorganisation/Planungskompetenz (45 Prozent), Budgetierungs- und Finanzierungskenntnisse (43 Prozent) und Kommunikationskompetenz (43 Prozent).
5. 90 Prozent der befragten Unternehmen beurteilen die Lage für die nächsten drei Jahre als eher schwierig oder schwierig. Umgekehrt sehen 78 Prozent der Filmschaffenden die Möglichkeit, in den nächsten drei Jahren Aufträge oder Anstellungen zu erhalten, als eher gut bis gut an.
6. Die Bereitschaft von Unternehmen, Weiterbildungsmaßnahmen anzubieten, ist da. 54 Prozent der Unternehmen offerieren ihren Beschäftigten gegenwärtig solche Maßnahmen. In den vergangenen zwölf Monaten haben aber nur 41 Prozent der Filmschaffenden tatsächlich an einer Weiterbildung teilgenommen. Dies, obwohl mit 81 Prozent der Befragten ein sehr hoher Anteil ein Interesse, an Weiterbildungen teilnehmen zu wollen, bekräftigt. [Anmerkung: Gründe für diesen Unterschied werden erst weiter unten in den Ausführungen genannt: „Im Hinblick auf die auf Produktionsdauer Beschäftigten und Selbstständigen geben die befragten Unternehmen zudem an, dass die Weiterbildung dieser Beschäftigten nicht in ihrer Verantwortung liegt (54 Prozent). Ein weiterer Grund, der aus Sicht der Unternehmen gegen die aktive Weiterbildung dieser Beschäftigten spricht, ist, dass eine Freistellung von auf Produktionsdauer Beschäftigten und Selbstständigen nicht möglich ist (42 Prozent).“]
7. Als Voraussetzung für die Teilnahme an Weiterbildungsangeboten nennen 64 Prozent „Finanzielle Unterstützung durch Dritte“ und 59 Prozent „Mehr Weiterbildungsangebote, die für mich inhaltlich passen“.
8. Qualifizierungsangebote für die zu besetzenden Stellen gibt es in den Unternehmen noch zu wenig. Nur 29 Prozent der Unternehmen bieten Ausbildungsplätze an. Neben den Filmstudiengängen, den zwei relevanten IHK-Ausbildungen (Kaufmann/-frau für audiovisuelle Medien und Mediengestalter*in Bild und Ton) und diversen Weiterbildungsinstitutionen gibt es kein strukturiertes Qualifizierungskonzept mit gleichen Kompetenzdefinitionen für alle Gewerke.
9. Um sich über Weiterbildungsangebote zu informieren, verlassen sich Unternehmen wie Filmschaffende am ehesten auf die eigene Recherche. Weitere Quellen sind die Berufsverbände sowie der Austausch im eigenen Netzwerk. Das Beratungsangebot der Agentur für Arbeit scheint für die Filmwirtschaft keine große Rolle zu spielen und belegt mit den wenigsten Nennungen in der Liste bei den Unternehmen den letzten Platz und bei den Filmschaffenden den vorletzten Platz.
10. Aus Sicht der Unternehmen stehen (neben dem Ausbau der Weiterbildungsmöglichkeiten) verschiedene Ansätze zur Verfügung, um den Fachkräftemangel abzumildern. Für 63 Prozent könnte eine gesteigerte Sichtbarkeit der Branche und ihrer Berufe durch eine Imagekampagne oder öffentliche Veranstaltungen einen Beitrag hierzu leisten. Darüber hinaus wurden die Förderung und Finanzierung von Aus- und Weiterbildungen (82 Prozent), die attraktivere Gestaltung der Arbeitsbedingungen in den Produktionen (62 Prozent) sowie die Vereinheitlichung von Aus- und Weiterbildungsstandards (58 Prozent) als wesentliche Instrumente gegen den Fachkräftemangel benannt.

Die Schlussfolgerung aus diesen Erkenntnissen sollte eine gemeinsame Qualifizierungsoffensive sein, die auf fünf Säulen aufgebaut ist, so die Verfasser*innen der Fallstudie:
1. Entwicklung eines Förderkonzepts für Filmschaffende, die sich weiterbilden.
2. Entwicklung eines Förderkonzepts für Unternehmen und Produktionen, die bereit sind mehr Personen zu qualifizieren (Ausbildung und/oder Weiterbildung inklusive Training on the Job).
3. Entwicklung einheitlicher Kompetenzprofile für jede Position in der Filmproduktion und Zertifizierung der Qualifizierungsangebote nach europäischen Standards.
4. Entwicklung einer Imagekampagne für die Filmwirtschaft.
5. Jährliche Evaluation und Überprüfung der Fortschritte mit regelmäßigen Studien zum Fachkräfte- und Qualifizierungsbedarf.

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