Heute skizziert die deutsche Sozialdemokratie ihre Zukunftspläne für Film und Kino. | Montage © cinearte

Zur Bundestagswahl fragt die Initiative Zukunft Kino+Film sieben Parteien nach ihren Visionen von der Zukunft des Kinos und der Filmkultur. Auf die acht Fragen antwortet heute die SPD.

1. Welchen Stellenwert hat für Ihre Partei die Film- und Kinokultur im Kontext der Künste? Werden Sie sich für eine Erhöhung des Filmetats im Kulturhaushalt einsetzen?
Film und Kinos sind wichtige Teile deutschen Kulturguts. Sie tragen wesentlich zur kulturellen Ausstrahlung Deutschlands in der Welt bei. Unsere vielfältige Kinolandschaft wollen wir erhalten durch die dauerhafte Etablierung der Kinoförderung, welche wir investiv wie auch im Hinblick auf Programme ausgestalten wollen. Wir wollen die Produktion von audiovisuellen Inhalten am Standort Deutschland fördern, um so zukunftsfähige Arbeitsplätze zu erhalten und neue zu schaffen. Wir werden Zukunftskonzepte für die Filmförderung gemeinsam mit der Film-Community entwickeln.

2. Setzen Sie sich mit Ihrer Partei für ein eigenes Ministerium für Kultur ein? Falls ja: Haben Sie vor, die Filmförderungen der BKM und der FFA diesem Ministerium zuzuordnen? Haben Sie vor, die kulturelle Filmförderung zu stärken und falls ja, wie?
Kulturpolitik ist vorrangig eine Sache der Länder und Kommunen, in ihrer Hoheit liegt der Großteil all jener Kulturinstitutionen, die das Leben der Menschen vor Ort bestimmen. Aufgabe der Bundeskulturpolitik muss es sein, die Städte und Gemeinden bei diesen Aufgaben zu unterstützen. Wir wollen den kooperativen Kulturföderalismus mit Leben füllen – mit konkreter und zugewandter Kooperation im Sinne der Kunst. Unser Ziel ist es, bundespolitische Kultur-Initiativen besser mit den jeweiligen regionalen Gegebenheiten abzustimmen und nach Möglichkeit so eng zu verzahnen, dass Bund, Länder und Kommunen effektiv gemeinsam statt nebeneinander an der Stärkung der Kultur arbeiten. Wir wollen die kulturpolitischen Spitzengespräche zu einem bundesweiten Kulturplenum weiterentwickeln, in dem neben Kommunen, Ländern und Bund (BKM, AA) auch Kulturakteur*innen und -verbände sowie Vertreter*innen der Zivilgesellschaft vertreten sind.
Hier soll ein „Zukunftsdialog Kultur“ organisiert werden, in dem Herausforderungen strategisch bearbeitet werden. Wir wollen den Stellenwert der Kultur auch dadurch sichern, dass der Beauftragte für Kultur und Medien im Kanzleramt Ministerrang erhält.

3. Wie stellen Sie sich eine zukunftsträchtige Förderung der Kinos auf Bundesebene vor? Inwiefern braucht es ein ganzheitliches Konzept zur Förderung der unterschiedlichen Akteur*innen in der Filmauswertung?
Unsere vielfältige Kinolandschaft wollen wir erhalten durch die dauerhafte Etablierung der Kinoförderung, welche wir investiv wie auch im Hinblick auf Programme ausgestalten wollen. Eine nachhaltige Finanzierungsbasis ist nötig, um Kinos erfolgreich in die Zukunft zu führen und die regionale Präsenz von Kinos als Kulturorten sicherzustellen. Bei der wirtschaftlichen Filmförderung wollen wir die Deutschen Filmförderfonds (DFFF 1+2) und den German Motion Picture Funds unter dem Dach der Filmförderanstalt (FFA) besser verzahnen. Die Abstimmung zwischen den Länderförderungen und der FFA soll verbessert werden. Ziel ist eine Filmförderung »aus einem Guss«. Das gilt auch für die Förderung künstlerisch herausragender Filme.

4. Welche Rolle messen Sie der Filmbildung bei? Welche Strukturen und Ressourcen werden Sie hierfür auf Bundesebene schaffen?
Filmbildung ist ein wichtiger Teil der Medienbildung. Sie zielt auf den Erwerb von Medienkompetenz und vermittelt insbesondere Kindern- und Jugendlichen Kenntnisse für einen kritischen, kreativen und nicht zuletzt genussvollen Umgang mit Filmen. Filmbildung wird aufgrund der Zuständigkeit der Länder für das Thema Bildung vor allem über Kultusministerien der Länder realisiert. Zu den wichtigen Projekten zählt hier etwa das Programm „SchulKinoWochen“.
Grundsätzlich setzen wir uns im Schulbereich für gute Ganztagsschulen ein, die erstklassig ausgestattet viel Zeit zum gemeinsamen Lernen und beispielsweise auch Projektförderung bieten können. Hier könnte beispielsweise auch die Filmbildung aufgegriffen werden. Wir wollen Räume für fächerübergreifenden Kompetenzerwerb und das Denken in Zusammenhängen öffnen. Hierzu gehört auch projekt- und kompetenzorientiertes Lernen zu stärken und ihm deutlich mehr Raum zu geben.

5. Wird das aktuelle Filmfördergesetz (FFG) den Herausforderungen und Entwicklungen unserer Zeit gerecht? Sollte das deutsche Filmfördersystem reformiert oder grundlegend neu gestaltet werden?
Wir wollen die Filmförderung durch die FFA verbessern und mit einer grundlegenden Novelle des Filmfördergesetzes die Einnahmebasis der Filmschaffenden reformieren, die internationale Zug- und Strahlkraft deutscher Filme unterstützen, das Filmerbe bewahren und die Entscheidungsgremien effizienter gestalten.

6. Würden Sie die Erstellung einer unabhängigen Studie zur Evaluation der gegenwärtigen Marktlage und zur Praxis der Filmförderung unterstützen?
Ja, eine genaue Untersuchung der durch die Pandemie beschleunigten Marktveränderungen sowie der Wirksamkeit der Filmfördermechanismen ist dringend notwendig. Ein »Weiter so« kann es nicht mehr geben. Kinos sind der Motor der Filmwirtschaft. Jeder wegfallende Sitzplatz bedeutet dauerhaft reduzierte Einnahmen und damit einen nachhaltigen wirtschaftlichen Schaden für die deutsche Filmbranche.

7. Welchen Stellenwert haben für Ihre Partei soziale, faire und nachhaltige Arbeitsbedingungen sowie Diversität, Gendergerechtigkeit und Inklusion im Zusammenhang mit der aktuellen Förderpraxis unter Berücksichtigung intersektionaler Fragestellungen?
Wir konnten bereits einige soziale und gesellschaftliche Fortschritte für die Filmbranche erreichen, sodass endlich die Gremien der FFA geschlechterparitätisch besetzt sein müssen. Das Filmfördergesetz soll und muss in der nächsten Legislaturperiode dringend dahingehend weiterentwickelt werden, dass die Filmförderung um die Belange von Menschen mit Behinderung und um Diversität erweitert wird. Es ist uns wichtig, bestehende Ungleichheiten zu überwinden und uns für mehr Teilhabe, Zugang und Sichtbarkeit im Film- und Medienbereich einzusetzen, sodass unsere vielfältige Gesellschaft vor und hinter den Kameras widergespiegelt wird.
Wir sehen dringenden Handlungsbedarf bei den geschlechtsspezifischen Einkommensunterschieden, ebenso bei der ungleichen und ungerechten Sichtbarkeit von Männern und Frauen in der Filmbranche. Obwohl wir uns leider mit der Union noch nicht auf eine Quote einigen konnten, ist für uns in der SPD klar, dass wir eine Quotenregelung zum Beispiel bei der Besetzung von öffentlich finanzierten Gremien brauchen. Außerdem muss die lückenhafte Absicherung von Film- und Kulturschaffenden ein Ende haben. Selbstverpflichtungen der Filmwirtschaft reichen nicht. Wir brauchen klare Bedingungen, dass branchentarifvertragliche Regelungen und soziale Standards Voraussetzungen für die öffentliche Förderung sind. Wir fordern Reformen im Bereich der sozialen Absicherung, sodass abhängig Beschäftigte zu gleichen Bedingungen abgesichert werden und alle den Zugang zur Arbeitslosenversicherung erhalten.

8. Welche Maßnahmen will Ihre Partei angesichts der aktuellen Entwicklungen ergreifen, um eine vielfältige Film- und Kinokultur in der Zukunft zu ermöglichen?
Mit dem Ausfallfonds wurde ein Mittel geschaffen, um auch in wirtschaftlichen Krisenzeiten die Filmlandschaft zu erhalten. Hieraus werden wir Lehren für die Zukunft ziehen. Im Steuersystem wollen wir die Rahmenbedingungen für internationale Ko-Produktionen erhalten. Wir sehen zudem die Sender in der Pflicht ihren Beitrag für gute Produktionsbedingungen zu leisten — sowohl finanziell wie auch im Hinblick auf Vergütungen von Filmschaffenden. Streaming-Angebote ebenso wie Medien- und Filmplattformen/-mediatheken verändern die Produktionslandschaft nachhaltig. Der Kultur- und Wirtschaftsraum Europa wird mehr und mehr auf Film und Filmproduktionen wirken. Um Zukunftskonzepte für die Filmförderung unter diesen Rahmenbedingungen zu beraten, werden wir mit der Film-Community einen „Zukunftsdialog deutscher Film“ starten.

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