Grenzenloser Spaß: Ein eigener Preis für Komödien soll künftig Europas Kinopublikum vereinen. Außerdem werden noch zwei weitere ,wichtige‘ Preise eingeführt. | Foto © EFA, Rene Rossignaud

Die Europäische Filmakademie (EFA) hatte Ende April eine Mitteilung verschickt, die mich erstmal gefreut hat, weil ich nur aufs Fettgedruckte achtete: Ab diesem Jahr werden beim „Europäischen Filmpreis“ auch Sounddesign und Kostümbild ausgezeichnet. Fein fand ich das, weil solche Filmarbeit ja sonst gerne vernachlässigt wird, und legte die Meldung erstmal beiseite; schließlich ist’s ja noch ein bisschen hin bis zur Preisverleihung im Dezember. Weil ich mich aber neulich anlässlich des „Deutschen Filmpreises“ wieder mal gehörig aufgeregt hatte, dass sich keiner um die Filmarbeit schert, wollte ich gerne mal zeigen, dass es auch Anlässe zur Hoffnung gibt – man muss nur ein wenig genauer hinschauen, um sie zu entdecken.

Beim genaueren Hinschauen Lesen fand ich die EFA-Meldung dann allerdings doch nicht mehr ganz so begeisternd. Denn wie die Akademie mit der Neuerung umgeht, lässt mich fragen, mit wie viel Herzblut die Vereinigung von 2800 Filmschaffenden tatsächlich dahinter steht. Das fängt schon in der Überschrift an: „Eine neue Auszeichnung für die Europäische Komödie – European Film Academy führt beim Europäischen Filmpreis 2013 eine neue Kategorie ein“ – kein Wort über Kostüm und Sounddesign …  Aber am besten zeige ich das mal mit einer kleinen Textkritik: Kursiv gesetzt, folgt die komplette Originalmeldung, dazwischen meine Anmerkungen:

Beim 26. Europäischen Filmpreis, der am 7. Dezember 2013 in Berlin verliehen wird, wird es eine neue Preiskategorie geben: die Europäische Komödie.

Offenbar kann bei der Akademie jemand nicht bis drei zählen. Denn tatsächlich wird es noch zwei weitere neue Kategorien geben. Das erfahren wir aber erst im zweiten Teil der Meldung.

Dieser Entschluss wurde durch den Vorstand der European Film Academy (EFA) bei der letzten Sitzung in Berlin gefasst, „um ein Genre zu ehren, das bewiesen hat, dass es das Publikum in ganz Europa und darüber hinaus verbinden und unterhalten kann.“ Über die drei Nominierungen für die Europäische Komödie entscheidet ein gesondertes Komitee, bevor die über 2.800 Mitglieder der European Film Academy über den Gewinner abstimmen.

Dies ist, die Überschrift hat es ja schon klargestellt, der wichtigste Teil der Meldung. Komödien mag schließlich fast jeder, manche auch jenseits der Landesgrenzen, weshalb ich auch verstehen kann, dass die EFA damit das Interesse am gesamteuropäischen Kino zu heben hofft, obwohl ich erstens sicher bin, dass sie sich irrt, weil gerade Humor schwer zu exportieren ist, das zweitens als ungerecht gegenüber dem Europäischen Krimi, dem Europäischen Liebesfilm und der Europäischen Literaturverfilmung finde und drittens überhaupt ein Problem fürchte, wenn mal der „Beste Film“ auch eine Komödie ist. Aber all das soll jetzt kein Thema sein, sondern dieser folgende Absatz:

Außerdem führt die European Film Academy dieses Jahr die Auszeichnungen für Europäisches Sounddesign und Europäisches Kostümbild wieder ein, um damit zwei wichtige Beiträge des Filmemachens zu ehren.

Da war doch noch was? Ach ja – „außerdem“ kommt hier noch etwas ganz „Wichtiges“. Nämlich dass es nicht bloß eine, sondern gar drei neue Kategorien geben wird, was für die Vereinigung von 2800 Europäischen Filmschaffenden aber offenbar nicht ganz so wichtig ist wie die grenzüberschreitende Wirkung der Komödie. Was die Hoffnung schon wieder ein wenig trübt. Außerdem flunkert die Akademie auch gewaltig, wenn sie von einer „Wiedereinführung“ spricht. Denn eigene Kategorien hatte es für die beiden Gewerke nie gegeben. Lediglich Regie, Drehbuch, Kamera, Szenenbild und Musik waren neben den Schauspielern ab der ersten Preisverleihung 1988 dabei, dann begann bald auch schon der Niedergang des Preises, der niemanden interessierte. In den folgenden Jahren wurden die Kategorien immer weiter zusammengestrichen, bis es 1994 und ’95 nur noch Preise für den besten Film, Nachwuchsfilm und Dokumentarfilm gab, sowie einen für ein Lebenswerk und den des internationalen Kritikerverbands (Fipresci). 1996 begann man mit der Wiederbelebung: Erst wurden wieder die Schauspieler ausgezeichnet, im Jahr darauf auch Drehbuch und  Kamera und seit 2001 sogar die Regie. Drei Jahre später erinnerte man sich wieder der Komponisten und 2005 sogar an Szenenbild und Schnitt – die im nächsten Jahr aber schon wieder fallengelassen wurden zugunsten eines Preises für den „besten künstlerischen Beitrag“, in den man alles packen konnte, was irgendwie auffiel. Und diesen „Prix d’Excellence“ haben tatsächlich einmal Sounddesigner und Kostümbildnerin gewonnen. 2010 wurde der frühere Zustand wieder hergestellt: Der Sonderpreis wurde abgeschafft, stattdessen gibt’s wieder eigene Kategorien für Szenenbild und Schnitt. Und jetzt eben auch erstmals für Sounddesign und Kostümbild.

Beim „Deutschen Filmpreis“ gibt es diese beiden Kategorien übrigens schon seit 2005.

Als Neuerung im Vergabeverfahren der EFA werden die Gewinner dieser beiden Kategorien von einer siebenköpfigen Jury gekürt, die ebenfalls die Preisträger der Kategorien „Europäischer Kamerapreis – Carlo Di Palma“, „Europäischer Schnitt“, „Europäisches Szenenbild“ und „Europäische Filmmusik“ bestimmen.

Erst ganz am Schluss kommt der eigentliche Knaller – gut versteckt in einem Nebensatz: Die Europäische Filmakademie hat ihre Regularien geändert und bei der Preisfindung die Basisdemokratie gestutzt. Bislang hatten alle Mitglieder der Akademie, also Filmschaffende, über die Qualität der Einzelleistungen befunden und abgestimmt. Sowas findet nicht jeder gut, vor allem Filmkritiker meinen, dass sie besser beurteilen können, was gut ist und was nicht, obwohl sie das Ganze sonst regelmäßig als weniger wichtigen Technikkram abtun. Ich hingegen finde den Gedanken durchaus reizvoll, dass die vereinigten Kameraleute über die Bildgestaltung eines Films befinden, oder Komponisten über die Qualität der Musik, weil ich mir vorstelle, die könnten tatsächlich eine Ahnung haben, worüber sie da reden.

Die Jury setzt sich aus je einem Teilnehmer der Bereiche Regie, Kamera, Szenen-/ Kostümbild, Komposition/Sound Design, Schnitt, Produktion und einem Festivaldirektor zusammen.

Gut, Fachleute gibt es weiterhin auch in der Jury, doch die sechs vertreten nicht alle Gewerke, die da ausgezeichnet werden sollen. Vermutlich hat man sich auch etwas dabei gedacht, dass nun auch Regisseure und Produzenten mitreden, während die Preise für Regie und Drehbuch weiterhin auf die gewohnte Weise vergeben werden. Aber was der Festivalleiter als siebter Experte in dieser Runde soll, muss mir noch mal einer erklären.

Die Gewinner der anderen Kategorien werden, wie in der Vergangenheit auch, von den mehr als 2.800 Mitgliedern der European Film Academy gewählt. Der 26. Europäische Filmpreis wird in insgesamt 21 Kategorien am 7. Dezember in Berlin verliehen.

Ich möchte annehmen, das wenigstens diese letzten beiden Sätze stimmen.

 

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