Train to Work 04: Galina Sokolovska

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Am deutschen Set hat Galina Sokolovska einiges gelernt, anderes hat sie eher verblüfft. Aber letztlich seien Filmmenschen doch überall gleich, findet die Kostümbildnerin. | Screenshot

Beim Pilotprojekt „Train to Work“ der ARD Degeto sollten Filmschaffende aus der Ukraine die Arbeitsweise an den hiesigen Filmsets kennenlernen – und hinterher ihre Erfahrungen schildern. Die Kostümbildnerin Galina Sokolovska tat das auf Instagram:

Auf diesem Foto bin ich mit Uwe Ochsenknecht zu sehen, einem deutschen Star und der Hauptfigur des Projekts, an dem ich gerade nach meiner meiner Zwangsauswanderung gearbeitet habe. 

41 Drehtage und mehrere Wochen der Vorbereitung im Team, in dem ich die einzige Person war, die kein Deutsch sprach. Obwohl meine Erfahrungen am lettischen Set bewiesen haben, dass das Verständnis des Drehprozesses ohne Sprache funktionieren kann, war dieses Projekt eine echte Herausforderung für mich. Im ersten Monat der Arbeit verglich ich mich mit „Alice hinter den Spiegeln“: „Um stehenzubleiben, muss man sehr schnell rennen.“ 

Die deutsche Organisation, Umsicht und Sparsamkeit waren bewundernswert. Die Liebe zum Papierformat und fast null Digitalisierung der üblichen filmischen Abläufe haben mich irritiert: Auf meine Bitte, den Punkt eines unbekannten Ortes anzugeben, wohin man im noch schlafenden, dunklen Berlin fährt, boten sie mir an, die Wegbeschreibung auf einer gedruckten Karte anzusehen. Nun ja, die Leute sind es gewohnt, Papierkarten zu benutzen – also muss man sich anpassen. 

Und früher zur Arbeit zu kommen, um Buddha nicht ein paar Minuten zu spät kommen zu lassen … Und alle diese Listen, Briefe und Berichte auf Deutsch ausfüllen und dies alles rechtzeitig zur Verfügung stellen … Es gab auch viele nützliche Dinge, die ich mir notiert habe und gerne in meine ukrainischen Projekte einbringen würde. 

Und doch – Filmmenschen sind überall gleich. Lustig, warm und ein bisschen verrückt. Die Deutschen waren sehr hilfsbereit, erklärten und übersetzten geduldig  für mich unverständliche Momente, wenn es nötig war. 

Es war sehr schön, als der Produzent während der Abschiedsrede ins Englische wechselte und mich einlud, an der Fortsetzung des Films mitzuarbeiten. Und in einem persönlichen Gespräch stellten sie fest, dass der einzige Unterschied zwischen mir und anderen deutschen Mitarbeiter*innen nur darin bestand, dass sie bei mir auf Englisch umsteigen mussten.

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