Kinos im Stillstand 6: Der „Zoo-Palast“ in Berlin. | Foto © Elisabeth Nagy

Schritt für Schritt tastet alles nach der Normalität. Berlin erteilt wieder Drehgenehmigungen, Nordrhein-Westfalen weiß schon, wann die Kinos wieder aufmachen, und bestimmt hat auch jemand einen Plan, wie das alles funktionieren soll, so unter den gewohnten normalen Bedingungen. Nur in Frankreich rufen Künstler*innen und Wissenschaftler*innen auf, doch erstmal gründlich nachzudenken, was wir wirklich wollen sollten: Eine Rückkehr in die Normalität, wie wir sie kannten, sei für sie undenkbar.  

Wir danken Ihnen für Ihre Informationen, Ergänzungen und Korrekturen, Fragen und Kommentare – auch wenn wir nicht alle persönlich beantworten können. 

 

So wäre Corona leichter zu ertragen: Seit 1995 zeichnet Til Mette exklusiv für den „Stern“, und die Leser lieben ihn. Hier ist eine Auswahl seiner Cartoons.

 

Das angekündigte „Sozialschutz-Paket II“, das unter anderem verlängerte Bezugszeiten für das ALG1 vorsieht, sollte heute Nachmittag im Bundestag in Erster Lesung beraten und an den Ausschuss für Arbeit und Soziales überwiesen werden. Wann abschließend darüber entschieden wird, ist zurzeit noch nicht bekannt, teilte die Pressestelle des Bundestags auf Anfrage mit.
Um das Prozedere zu beschleunigen, liegt der Entwurf auch bereits dem Bundesrat vor, der anschließend ebenfalls zustimmen muss. Auch dort konnte man deshalb noch keine Zeiten angeben. Sollte es im Bundestag schnell gehen und das Sozialschutzpaket II angenommen werden, könnte es schon Ende nächster Woche auf der Tagesordnung stehen; ansonsten voraussichtlich am 5. Juni. 

 

In Berlin werden wieder Drehgenehmigungen erteilt. Die Berlin Brandenburg Film Commission hält auf ihrer Website auch Informationen zu den Sars-CoV-2 Arbeitsschutzstandard bereit: Neben den Broschüren vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales und vom European Film Commissions Network auch die gestern vorgestellten Richtlinien der Initiative der Berufsverbände „Wir wollen sicher drehen“. 

Berührende Nähe: In Zeiten maximaler Distanzierung erschafft Fabian Raabe von zuhause aus Porträts von Künstler*innen während eines Videostreams. Ein Interview mit dem Berliner Schauspieler und Fotografen in der Reihe #BeCreativeAtHome! auf Casting-Network.

Wird im WDR mit zweierlei Maß gemessen? Ein satirisch gemeinter Beitrag voller antisemitischer Klischees sorgt für Aufregung. Der Sender verteidigt das Stück. Dagegen löschte er vor einem halben Jahr eine satirische Abwandlung eines Kinderlieds, in der die Großmutter als „Umweltsau“ bezeichnet wurde.

Gemeinsam gegen den Gender-Gap im Netz und in der Medienlandschaft: Die Pro-Sieben-Sat.1-Tochter Studio 71 startet ein „Female-Empowerment“-Programm für junge Frauen vor und hinter der Kamera.

 

Die Hälfte der Kinos kann spätestens Mitte Juni vor der Insolvenz stehen, sagt Christine Berg, Vorstandsvorsitzende des HDF Kino, im Interview mit „Medienpolitik“: „Trotz dieser historisch einmaligen Notlage werden gewohnte Wege gegangen und nur Kinoprogrammpreise aufgestockt. Tatsächlich gibt es bis heute kein Konzept, das der Mehrzahl der Betriebe hilft.“

Kino-Wiedereröffnung: Nordrhein-Westfalen geht voran. Unmittelbar im Anschluss an die gemeinsame Pressekonferenz von Angela Merkel und Markus Söder hat NRW-Ministerpräsident Armin Laschet den Fahrplan seines Landes für Lockerungen der Corona-Maßnahmen vorgestellt – und dabei auch explizit einen Termin für Kinos genannt.

Weitere Länder sind nachgezogen – und gehen dabei sogar noch forscher vor, meldet „Blickpunkt Film“.

Für Baden-Württemberg weckt Kunstministerin Theresia Bauer Öffnungsperspektiven im Kulturbereich: Großveranstaltungen könnten zwar „bis mindestens 31. August“ nicht stattfinden, „wir werden aber Lösungen erarbeiten für kleine, kreative Veranstaltungen, die Kunst und Kultur auch wieder analog in Berührung mit ihrem Publikum bringen – ob Liederabende und Lesungen, Solistenauftritte, Kleinkunst, Tanz und Theater in kleiner Besetzung oder auch Kinovorführungen.“ Man treffe „nächste Woche konkrete Regelungen“, so Bauer. Museen und Ausstellungseinrichtungen können in Baden-Württemberg seit gestern wieder öffnen.

 

Mehr als 200 Künstler*innen und Wissenschaftler*innen haben gestern in der französischen Tageszeitung „Le Monde“ einen Aufruf veröffentlicht, unseren Lebensstil zu hinterfragen und „unsere Ziele, Werte und Wirtschaften tiefgreifend zu überdenken“. Für sie sei eine „Rückkehr in die Normalität“ undenkbar [auf Französisch und auf Englisch]

Der Filmemacher Paul Schrader hat eine Idee: Netflix und Amazon sollten die großen Filmfestivals der Welt retten, erklärt er „Indiewire“ [auf Englisch].

In Frankreich kündigte Präsident Emmanuel Macron gestern Hilfsmaßnahmen für die Kultur an. Geplant ist unter anderem ein befristeter Entschädigungsfonds für abgebrochene und verschobene Drehs, berichtet „Variety“ [auf Englisch].

Der US-Unterhaltungsriese Disney hat durch die Pandemie schon im ersten Quartal gelitten: Der Gewinn brach im Vorjahresvergleich um 90 Prozent ein, die geplante Dividende wurde gestrichen.
Das Micky-Maus-Imperium und die Seuche beschäftigt auch die „Wirtschaftswoche“.

Warum Ausgangsbeschränkungen kein Lockdown sind: Während der Corona-Krise werden in den Medien viele Begriffe für die Einschränkungen im öffentlichen Leben verwendet. Besonders oft ist dabei die Rede vom Shut- oder vom Lockdown. Dabei sind diese Bezeichnungen für die Situation in Deutschland unpassend, erklärt der Deutschlandfunk.

 

Ein Leser*innenbrief zum Artikel-Link „Auslaufmodell Ausnahmezustand“ in den Brancheninfos vom Montag:

„Einen Artikel wie den von Thomas Moser über die Demonstration am Rosa-Luxemburg-Platz finde ich absolut kontraproduktiv! Seine Beobachtungen und Beurteilungen halte ich für deutlich gefährlich. Am Rosa-Luxemburg-Platz werden einem von ungebremst niederschwelligen Menschen niederschwellige und eindeutig rechtslastige Kommentare entgegengeschleudert. Verschwörungstheorien der schlimmsten Art finden ihre Opfer, es wird vor Eugenik und absurdesten zynischen und menschenverachtenden Vergleichen kein Halt gemacht.
Wehret den Anfängen, kann ich nur sagen! Hier bewegt sich eine Masse in eine Richtung, die wir nie wieder haben wollen: Masken mit Judenstern – was für ein Wahnsinn! Bitte teilt so etwas nicht!
Bitte achtet auf das, was sich gerade zwischen den großen Themen deutlich organisiert! Das dürfen wir nicht zulassen! Und ich glaube, ein bisschen mehr „German Angst“ (so zynisch von Herrn Moser beschrieben) hätte anderen Ländern vielleicht gut getan! Natürlich muss man über die Maßnahmen reden dürfen, schrittweise Öffnungen fordern und das Hochfahren der Kultur. Das sind drängende Themen. Aber wir sind doch Künstler, und wir beobachten mit größter Sorge die sich seit langem organisierende rechte Szene, und jetzt wird hier auf diesem Portal ein Teppich ausgelegt. Auch der ganze Artikel ist inhaltlich persönlich gefärbt und überhaupt nicht haltbar.

 

Und ein Leser*innenbrief zu den Meldungen, dass als „Schutzmaßnahme“ gegen das Corona-Virus in der neuen Normalität ältere Schauspieler*innen aus Drehbüchern herausgeschrieben“ werden:

„Es ist eine Diskriminierung, wenn Schauspieler über 60 Jahre einfach ,umgeschrieben’ werden in Drehbüchern. Diese älteren brauchen oftmals die finanziellen Einnahmen, ebenso die sozialen Kontakte und Anerkennung. So kann man sie bestimmt nicht schützen! Da können wir ,Alten’ uns gleich ,die Kugel geben’.“

 

Weil alles still stand, konnten auch Kostümschaffende aus der Berliner Filmindustrie ihren Berufen nicht nachgehen. Also starteten sie die Aktion „Masks for Berlin“: Sie nähten Masken, die jede*r bekam, der*die für Projekte für Geflüchtete auf Lesbos spendete. Dort leben nach wie vor 20.000 Menschen in einem Lager, das für nur 3.100 ausgelegt ist. Morgen endet die Aktion.  „Ab diesem Moment nähen wir ausschließlich Masken für Geflüchtete auf Lesbos“,, schreibt Theresa Anna Luther, eine der drei Initiator*innen, und dankt Mitstreiter*innen und Spender*innen für die „großartige Unterstützung“: 29.055,21 Euro konnten für die ausgewählten Hilfs-NGO gesammelt werden. 

 

Schauspieler*innen und andere Filmschaffende lassen in der Krise auf mehreren Kanälen ihre Energie raus. Die Plattform Schauspielervideos hat die Beiträge von #wirspielenzusammen und #BeCreativeAtHome auf einer Seite versammelt, die alle zwei Stunden aktualisiert wird. Zum Stöbern und Lachen – zum Beispiel, wenn Sie mal nach „Unzertremlich“ suchen (der Tippfehler soll sein).  

Mit der Aktion #bwbleibtkreativ sammelt die MFG Baden-Württemberg die Stimmung im Stillstand. In Videoporträts, Interviews und Podcasts kommen die Kulturschaffenden im Südwesten zu Wort. 

Bis Sonntag läuft noch das Internationale Trickfilmfestival Stuttgart. Zum Abschluss hat sich as Festival ein „Weekend-Special“ ausgedacht: Ab Freitag, 20 Uhr, kostet der Zugang zu zum Online-Festival mit über 250 Filmen nur 5,99 statt 9,99 Euro. Außerdem wurden noch weitere Filmprogramme neu hinzugefügt. Der kostenfreie Live-Stream auf OnlineFestival.ITFS.de bietet den ganzen Tag über Filme, Interviews, Workshops und Gesprächsrunden.

    

Kreativ in der Krise. Allwöchentlich versammeln sich in München Filmschaffende – um zu singen. Filmmusik natürlich und zwar a capella. Und klar: Der Filmemacherchor nennt sich „Die Vögel“. Doch nun ist Krise, und als Filmschaffende und als Chor sind die zurzeit doppelt betroffen, weil sie „weder drehen noch singen können“, schreibt Eileen Byrne, eine der Mitgründer*innen und Regisseurin: „Weil wir Filmleute uns aber nicht so schnell unterkriegen lassen, haben wir eine Lösung gefunden, um virtuell weiter zu singen.“ Herausgekommen sind dabei bisher zwei lustige Videos von „Ghostbusters“ und „Nightcall“. Am morgigen Freitag soll um 18 Uhr das nächste Video erscheinen: „Game of Thrones“.

Und fürs Wochenende auch nochmal der Hinweis aufs Online-Kulturfestival „United for Art“  am Samstag: 35 Musiker*innen, Sänger*innen, Schauspieler*innen und Kabarettist*innen performen online, anschließend startet die Aftershowparty bei Einbahnstraßentechno.

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