Kinos im Stillstand 3: Das „Adria“ in Berlin. | Foto © Elisabeth Nagy

Die Länder machen sich locker“, meldet heute „Der Spiegel“. Auf der Suche nach der verlorenen Normalität versucht sich die Bundesrepublik in neuer Unübersichtlichkeit.  Das ist auch in Meldungen aus der und über die Branche das vorherrschende Thema: Wann kann wieder gedreht werden – und wie? 

Wir danken Ihnen für Ihre Informationen, Ergänzungen und Korrekturen, Fragen und Kommentare. Und bitten um Verständnis, wenn wir nicht alle persönlich beantworten können. 

 

Wer nochmal lachen mag: Sebastian Pufpaffs humoristische Corona-Sendung „Noch nicht Schicht“ geht leider schon zu Ende. Zum Abschied und zum ersten Mal im internationalen Fernsehen gab Covid-19 hier ein exklusives Interview, um seine Sicht der Dinge darzustellen: „Nicht ich bin hier das Arschloch!“

 

Es wird wieder gedreht. Wie wird dabei verfahren, welche Lösungen werden erfunden? Der Schauspiel-Coach Tim Garde spricht in seinem Podcast mit Schauspieler*innen über die Drehbedingungen in Dailys, Serien und Werbung im Mai 2020.

Nach sechswöchiger Unterbrechung rührt sich wieder was im Filmdorf Lansing. Die Dreharbeiten an der Serie „Dahoam is Dahoam“ gehen weiter – natürlich mit Hygienekonzept und Schutzvorkehrungen. Eine immense Herausforderung für alle, die an der Produktion beteiligt sind.

Trotz Corona sollen viele Dreharbeiten fortgeführt werden. Dafür müssen Skripts umgeschrieben und hohe Sicherheitsstandards eingehalten werden. Produktionen werden zur teuren Wackelpartie. Doch die Projekte aufzugeben, wäre finanziell desaströs. Studio-Hamburg-Produktionschef Michael Lehmann im Gespräch im Deutschlandradio.

Schauspieler über 60 werden aus den Drehbüchern geschrieben: Die Schauspielerin Renan Demirkan berichtet von Absagen an Ältere, weil sie zur Risikogruppe gehörten. Sie wendet sich in einem Offenen Brief an Armin Laschet.

Regieanweisungen aus dem Smartphone: So erfinderisch macht Corona – was die TV-Projekte „4 Wände Berlin“  und „Liebe. Jetzt!“ verbindet, erklärt der „Tagesspiegel“.

Serien ohne Kampf- und Sexszenen, Filmdreh nur unter Auflagen – das Online-Magazin „Film plus Kritik“ wirft einen kurzen Blick auf die Sicherheitsvorkehrungen beim Dreh in den USA.

 

„Es gibt von der Politik bisher keinerlei Perspektive“: Constantin-Chef Martin Moszkowicz spricht im „Handelsblatt“ über den Exitus des Kinogeschäfts, Filmküsse trotz Corona und die Langzeitfolgen für die ganze Kunstszene im Land.

Der Verband Technischer Betriebe für Film & Fernsehen (VTFF) bittet Kulturstaatsministerin Monika Grütters um Hilfe und schlägt dafür Mittel aus dem DFFF II vor.

Für Produzent*innen zeigt sich noch keine Möglichkeit, das Ausfallrisiko künftiger Produktionen in der Folge der Corona-Krise zu versichern oder in sonstwie abzudecken. Die Produzentenallianz schlägt einen Ausfallfonds vor – Sender und Öffentliche Hand sollen sich beteiligen.

„Schnellschüsse verschärfen die Krise der Kinos“, meint Christian Bräuer, Vorstandsvorsitzender der AG Kino und Geschäftsführer der Yorck-Kinos Berlin. Die Verlängerung der Laufzeit des Filmförderungsgesetzes sei deshalb richtig.

Wie könnte der Betrieb in den Kinos wieder anlaufen? fragt sich „Der Spiegel“: Mehr als sechs Wochen nach der Schließung der deutschen Filmtheater warnen Branchenverbände vor einem Kinosterben – aber es gibt auch Konzepte zur Wiedereröffnung.

In Norwegen werden Kinos am 7. Mai wiedereröffnet, berichtet „Variety“: Vorerst sind bis zu 50 Personen pro Leinwand erlaubt, sofern die Sicherheitsabstände eingehalten werden.

20 Autokino-Leinwände existierten Ende 2017. Inzwischen sind es über 80, weiß „Blickpunkt Film“: Während man unter anderem in Bayern nach wie vor darauf warten muss, dass Autokinos (endlich) genehmigt werden, zeigt eine Aufstellung des VdF Kino, wie sehr sich dieses Angebot seit Beginn der Coronavirus-Krise bundesweit bereits etabliert hat.

 

Der öffentliche Druck hat Wirkung gezeigtbessere Hilfen für Künstler in der Corona-Krise seien näher gerückt, sagt der Liberale Gerhart Baum. Ausfallhonorare für abgesagte Konzerte sind für ihn aber keine Lösung.

Wie geht’s? Ein Brief aus New York von Marie Pohl, Schriftstellerin, Journalistin, Sängerin und Schauspielerin im Online-Literaturmagazin des S. Fischer Verlags.  

Wie’s Filmarbeiter*innen geht, zeigt Verdi auf Youtube: Caspar Sachse arbeitet als Tonassistent bei Filmproduktionen. Wie die meisten Beschäftigten in der Filmbranche sind seine Verträge befristet. Im Moment lebt er daher von Arbeitslosengeld. Wann die Dreharbeiten, bei denen viele Menschen auf engem Raum zusammenarbeiten, wieder starten können, steht in den Sternen. Den Filmschaffenden könnte ein harter Winter bevorstehen.

Reflektionen aus der Quarantäne: Sechs Kameraleute erzählen von ihrem Leben im Lockdown [auf Englisch].

 

Die Länder machen sich locker. Niedersachsen will Gaststätten wieder öffnen, auch Sachsen und Sachsen-Anhalt wollen schneller lockern. Die gemeinsame Linie der Länder fasert aus. Was bedeutet das für den Kampf gegen die Pandemie? fragt sich „Der Spiegel“.
Auch Bayerns Ministerpräsident hält die Zeit für schrittweise Lockerungen für gekommen, meldet die „Passauer Neue Presse“.

Fake News gelten als süßes Gift der sozialen Medien. Aber neue Studien zeigen: Komplett erfundene Nachrichten verlieren an Bedeutung. Und das Vertrauen in etablierte Medien wächst wieder, berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Auslaufmodell Ausnahmezustand: Die Gesundheitsfrage ist von der Demokratiefrage nicht zu trennen, meint „Telepolis“ und schildert, wie die Demokratie in den vergangenen Wochen ausgeschaltet wurde. 

„Plötzlich, in der Krise, sind alle Frauen weg“: Julia Jäkel, Chefin des Zeitschriftenverlags Gruner & Jahr, zieht ein düsteres Zwischenfazit nach sieben Wochen Corona-Krise. Das Gebot der Diversität zähle offenbar nur an ruhigen Tagen. Das bemerkt sie auch in ihrem eigenen Unternehmen.
„Die Krise ist die Bühne des Patriarchats“, meint auch der „Tagesspiegel“ und titelt: „Kinder, Küche, Corona.“

Armin Laschet will sie, Hubert Aiwanger auch: schnelle und eindeutige Antworten zu Sars-CoV-2 aus den Laboren der Welt. Ein großes Missverständnis, erklärt die „Süddeutsche Zeitung“: Wissenschaft ist kein Service-Apparat für Politiker. 

Von „Flickenteppich“ bis „Herdenimmunität“: Welche Wörter haben jetzt Konjunktur, und was macht das mit uns? Die „Berliner Zeitung“ legt das Corona-Vokabular unter die Semantik-Lupe.

 

Die Kultur steht in Exitplänen an letzter Stelle. In einem Offenen Brief fordern neun Bundesverbände der Filmbranche eine Gewinnabgabe der großen Streamingdienste, berichtet „Artechock“.

Die Polnische Regierung plant eine Abgabe der Streamingdienste, um die heimische Filmwirtschaft zu unterstützen [auf Englisch].

Spotify will Musikern, die wegen der Corona-Krise Not leiden, mit einer Trinkgeldfunktion helfen. Damit offenbart der Streamingdienst vor allem eines: seinen Zynismus, meint „Die Zeit“.

 

Netflix für die Arbeiterklasse: Die amerikanische Streamingplattform Means TV zeigt politische Dokumentationen, bewirtschaftet das Spektrum linker Themen und setzt auf Graswurzelstrategien. Wie viel Zukunft hat das? fragt die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“.

Die Kultur- und Medienminister*innen der Europäischen Union haben eine gemeinsame Erklärung zur „Kultur in Zeiten der Covid 19-Krise“ vorgelegt. Nur Ungarn machte nicht mit. 

Ist alles schwarz, traurig, schwer? Nein! Barrie Kosky, der Intendant der Komischen Oper, zeigt, wie man die Corona-Depression überwinden kann. Er unterstützt die Künstler seines Hauses – und hat trotz aller Widrigkeiten seinen Humor nicht verloren.

 

Eigentlich sollte es den großen Kinotag der Deutschen Filmakademie für die diesjährigen „Lola“-Preisträgerfilme geben – aber die Kinos sind nach wie vor geschlossen, viele bangen um ihre Existenz. Deshalb haben sich Jan Krüger und Jörg Trentmann vom Filmverleih Port au Prince Pictures einen speziellen „Kinotag“ initiiert, vier Filmförderer und die Akademie machen mit. Am 10. Mai läuft über das Virtual Theatre Portal der Hauptgewinner „Systemsprenger“, ergänzt wird das von 16 bis 20 Uhr mit Live-Filmgesprächen mit den Preisträger*innen des „Deutschen Filmpreises“. Mit dem Ticket unterstützt man das Kinos seiner Wahl.

Das Sundance Festival gibt freien Zugang zu sämtlichen Online Master Classes [auf Englisch]. 

Das Dok-Fest München zeigt Filme aus 42 Ländern, zum Teil als Welt- und Deutschland-Premieren. Statt auf der Leinwand kommen die Werke im Netz zur Aufführung.

 

Kreativ in der Krise. Ein Online-Kulturfestival gibt’s am kommenden Samstag: 34 Künstler aus allen Teilen Deutschlands performen in den Sparten Theater, Musik, Gesang, Tanz und Kabarett, „um eben nicht nur aufs Amt zu rennen und um Almosen betteln zu müssen.“ Ein „freiwilliges Festivalticket“  kostet 5 Euro, was gerne auch erhöht werden darf: 20 Prozent der Einnahmen gehen an den Mathare Children Fund, ein Hilfsprojekt in Kenia, das für Slumkinder Masken und für Frauen Stoffbinden zur Verfügung stellt. 80 Prozent werden als Gage an die Künstler ausgezahlt, erklärt das Antikörperkultur-Kollektiv in Trier, das „United for Art – das Antikörper-Kultur-Festival“ organisiert. Im Anschluss an die Beiträge startet die Aftershow-Party mit Einbahnstraßentechno aus Mainz.

 

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