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„Nachts, wenn der Teufel kam“ wurde 1958 mit zehn Bundesfilmpreisen gefeiert – bis heute der Rekord bei den „Lolas“. Doch für seine Abrechnung mit dem Nationalsozialismus war der Regisseur Robert Siodmak selbst auf eine Nazi-Lüge reingefallen. Später distanzierte sich der Hauptdarsteller Mario Adorf von der Rolle, die ihm den Durchbruch bescherte. | Foto © DIF

Die Debatte ist eröffnet: Soll man, darf man, muss man das Filmerbe bearbeiten?

Übers Filmerbe hatten wir in der vorigen Ausgabe berichtet und konnten noch ein Happy End vermelden: Wim Wenders wird sein Frühwerk „Falsche Bewegung“ nicht mehr zeigen lassen, bis er sich mit Nastassja Kinski geeinigt hat. Der Film enthält eine Szene, die es eigentlich gar nicht geben sollte, meint die Schauspielerin. Sie war damals 13 und wurde nicht gefragt. Offen bleibt „die Frage nach dem Umgang mit heute problematischen Bildern des Filmerbes“, schreibt Kira Kramer in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ [Bezahlschranke]. Damit hatte zuvor Wenders begründet, warum er seinen Film nicht korrigieren möchte. Und zugleich die Deutsche Filmakademie um eine Debatte gebeten.

Die soll wohl auch kommen, meldet die Deutsche Presse-Agentur. „Es benötige Zeit und Sorgfalt, sich inhaltlich auf einen fundierten Austausch vorzubereiten, daher sei im September eine Veranstaltung dazu geplant. Möglich ist, dass frühestens ab Herbst dann auch eine Entscheidung gefällt werden könnte, wie mit dem Film weiter umgegangen werden soll.“

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Fürs Wimmelbild mit den Preisträger*innen strahlt der BKM wieder. Geärgert hat er sich aber doch über die Kritik an ihm beim „Deutschen Filmpreis 2026“.  | Foto © DFP/Clemens Porikys

 

Beim „Deutschen Filmpreis“ wurde Wim Wenders für sein Lebenswerk geehrt. Und hat mal wieder eine große Frage angestoßen: Was wiegt schwerer – die Freiheit der Kunst oder die Würde des Menschen?

Vorigen Freitag wurde übrigens der „Deutsche Filmpreis“ verliehen. Eine Aufzeichnung der Gala gibt’s in der ARD-Mediathek. Die „Lola“ in Bronze ging an „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ von Regisseur Simon Verhoeven, in Silber an ?lker Çataks „Gelbe Briefe“. Mit Gold als bester Film aber wurde „In die Sonne schauen“ von Mascha Schilinski gekürt. 

Zehn „Lolas“ hat das Historiendrama über mehrere Frauengenerationen gewonnen. Diesen Rekord hielten bislang nur „Nachts, wenn der Teufel kam“ und „Das weiße Band“, erklärt Marius Nobach im „Filmdienst“.  In den Dankesreden wurde immer wieder betont, „wie entscheidend das Zusammendenken und -wirken aller Gewerke für die besondere Gestalt des Films gewesen sei. […] Allerdings lässt sich dieser Preisregen nachvollziehen. Die außergewöhnliche formale Geschlossenheit von ,In die Sonne schauen’ machte es schwer, einem der Gewerke die Würdigung nicht zu gönnen. […] Bei aller Feierstimmung vergaßen die Geehrten zudem nicht, an die schwere Geburt des Films zu erinnern, die von einem durchaus symptomatischen Dilemma des heutigen deutschen Kinos kündet. Die Kombination aus wenig Geld, geringer Zeit, aber hohem künstlerischem Anspruch und einem beharrlich verfolgten ungewöhnlichen Ansatz mag – auch international – sehr geschätzte Filme hervorbringen; eine Regelmäßigkeit lassen so ungünstige Rahmenbedingungen aber kaum zu. Davon zeugt auch, dass ,In die Sonne schauen’ erst der zweite Spielfilm von Schilinski ist; zwischen ihm und ihrem Debüt ,Die Tochter’ lag eine siebenjährige Pause. Unter den ,Lola’-Preisträgern der letzten Jahre steht Schilinski mit der langen Vorlaufzeit für ihr Wunschprojekt alles andere als allein da“. 

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