Tom Hanks ist einer der prominentesten Corona-Infizierten. Der Schauspieler sammelt auch Schreibmaschinen – hier eine „Skyriter“ von Smith Corona, zu sehen im Dokumentarfilm „California Typewriter“ von 2016. | Foto © New KSM

Heute forderte der Produzentenverband NRW einen bundesweiten Drehstopp für Fiction-Produktionen. Produzentenallianz und Verdi einigten sich auf einen Tarifvertrag für die Kurzarbeit. Und die Kulturstaatsministerin glaubt, dass durch die Corona-Krise der Stellenwert von Kultur allmählich besser begriffen werde. Solche Hoffnungen hegt auch unser Kolumnist zum Abschluss der heutigen Nachrichten. Wir danken Ihnen für Ihre Informationen, Ergänzungen und Korrekturen, Fragen und Kommentare. Und bitten um Verständnis, wenn wir nicht alle persönlich beantworten können. 

 

Heute beginnen wir gleich mit einer Richtigstellung. „Liebe Freunde von crew united, danke für euer Engagement und die Brancheninfos, ich weiß es zu schätzen. Doch die Kulturstaatsministerin (BKM) heißt immer noch Monika Grütters, nicht Rüttgers. Nix für ungut.“

Mist! Das wußten wir doch, sind zerknirscht und bitten auch die Kulturstaatsministerin um Verzeihung. Heute schreiben wir sie wieder richtig. 

Zum Glück hat niemand unseren anderen kleinen Patzer bemerkt … Und schon haben alle wieder etwas zu tun in der unfreiwilligen Pause. 

 

Auf einer interaktiven Deutschlandkarte können alle ablesen, wie sich das Corona-Virus in ihrer Region ausbreitet. „Zeit Online“ sammelt die Daten direkt bei den 401 Stadt- und Landkreisen ein und aktualisiert sie laufend.

Mitten in der Katastrophe glaubt man ja gerne, dass die Welt danach nie mehr dieselbe sein wird. Das hofft auch Claus Otto Scharmer, Wirtschaftswissenschaftler und  Organisationsforscher am Massachusetts Institute of Technology (MIT). Und erklärt in „Acht aktuellen Lektionen: Vom Corona-Virus zum Klimaschutz“, was wir aus der Krise jetzt schon lernen können.

Ganz so weit wird die Kulturstaatsministerin wohl nicht gehen wollen, wenn sie heute die schöpferische Kraft der Kulturarbeiter lobt. „Diese vielen neuen Ideen im Netz hätten wir mit noch so schlauen Programmen gar nicht stimulieren können.“ Hinter aller Sorge um deren Zukunft sieht Monika Grütters auch einen Hoffnungsschimmer: Sie habe „den Eindruck, dass jetzt sehr viele den Stellenwert von Kultur unmittelbar begriffen haben. Sie ist eben kein Standortfaktor und kein Luxus, den man sich nur in guten Zeiten leistet.“

Alles auf Pause: Die Filmproduktion in der Corona-Krise beschrieb gestern die „Süddeutsche Zeitung“: Die Corona-Pandemie stoppt zahlreiche Fernsehproduktionen. Was das für die Sender, Produktionsfirmen und Schauspieler*innen bedeutet – und für das Publikum.

Interessant dazu ist vielleicht auch die Set-Meldung zu X-Filme in der CORONA Brancheninfo #5 vom Freitag.

 

Ein bundesweit einheitliches Drehverbot für fiktionale Kino- und Fernsehproduktionen forderte heute der Produzentenverband und Film- und Medienverband NRW: „Ansammlungen von mehr als zwei Menschen sind verboten worden, einzelne Bundesländer haben Ausgangsbeschränkungen erlassen. Die Regelungen hinsichtlich der Durchführung, Verschiebung und des Abbruchs von Dreharbeiten für fiktionale Kino- und Fernsehproduktionen sind jedoch bundesweit lückenhaft und bieten für die Betroffenen und Beteiligten keinen verbindlichen rechtlichen Rahmen“, schreibt der Verband und erklärt: „Bei Dreharbeiten sind in den meisten Fällen mehrere Dutzend Menschen über lange Zeiträume auf engem Raum beisammen, körperliche Nähe und Berührungen können dabei nicht vermieden, die gebotenen Abstände untereinander nicht eingehalten werden. Die Corona-Pandemie macht die Fortführung von Dreharbeiten aus Gründen des Schutzes der Gesundheit, nicht nur der unmittelbar Beteiligten, unmöglich. Dass bundesweit alle Kultureinrichtungen, einschließlich der Kinos, geschlossen wurden, Dreharbeiten aber fortgeführt werden können, ist fahrlässig und unterwandert die allseitigen Anstrengungen zur Eindämmung der explosionsartigen Ausbreitung des Corona-Virus.“

Der Verband fordert eine „sofortige, bundesweit gültige Regelung, die den Abbruch aller laufenden und die Verschiebung aller bevorstehenden Dreharbeiten ermöglicht, ohne die Verantwortung für diesen Schritt allein auf die einzelnen Produktionsunternehmen abzuwälzen.“ Das müsse auch für jene Produktionen gelten, die bereits die Verantwortung für die Gesundheit der Teammitglieder, Schauspieler*innen und Dienstleister übernommen und Dreharbeiten auf eigenes Risiko unterbrochen oder verschoben haben. „Dabei sollte auch Rechtssicherheit geschaffen werden hinsichtlich der umfassenden Anwendung von Entschädigungsansprüchen unter anderem aufgrund des Infektionsschutzgesetzes.“

Produktionsunternehmen müssten zurzeit auf eigenes Risiko entscheiden, erklärt der Produzentenverband: „Da jegliche Durchführung von Dreharbeiten unverantwortlich wäre, müssen mehr und mehr Produktionen auf eigene Faust handeln und tun es auch – ohne eine zuverlässige rechtliche Grundlage bezüglich des Zugangs zu Rettungs- und Entschädigungsmaßnahmen der Bundes- und Landesregierungen und Entschädigung beziehungsweise Übernahme von Mehrkosten seitens der beauftragenden Sender und finanzierenden Filmförderungen.“ 

In Hamburg sah die Senatskanzlei die Drehfrage gestern Mittag in einer E-Mail-Antwort noch ganz anders: „Grundsätzlich kann eine Ansteckung mit dem Corona-Virus nie ganz ausgeschlossen werden, sobald Menschen zusammenkommen. Allerdings befinden sich bei Drehaufnahmen wesentlich weniger Menschen an einem Ort als zum Beispiel bei einer Kinovorführung, wo oft Hunderte nebeneinander in einem Saal sitzen. Deshalb hat die Hansestadt Hamburg beschlossen, beispielsweise Veranstaltungen mit Publikum wie Kino, Theater oder Konzerte zu untersagen, das Proben und Arbeiten der Künstlerinnen und Künstler in ihren Räumen aber weiter zu gestatten. Wenn ein Filmdreh draußen in der Stadt stattfindet, liegt es bei den Bezirksämtern, die Allgemeinverfügung der Stadt auszulegen und für den Einzelfall eine Entscheidung zu treffen.“

 

„Das Sozialschutz-Paket der Bundesregierung verfehlt das Ziel“, hatte die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Verdi schon am Sonntag bemängelt. Die Regierung versäume, gesetzlich ein existenzsicherndes Niveau festzulegen, wie das beispielsweise in Österreich geschehe. „Der in Deutschland vorgesehene Wert für das Kurzarbeitergeld von nur 60 Prozent reicht insbesondere für die vielen Beschäftigten mit mittleren und niedrigeren Einkommen nicht aus. Besonders übel dran sind Teilzeitbeschäftigte“, sagte der Verdi-Vorsitzende Frank Werneke.„Im Kern bedeuten die Pläne: Hartz IV für sehr viele Menschen, mit besserer Regelung zum Wohngeld und ohne Vermögensprüfung.“ Zudem werde die Bundesagentur für Arbeit damit komplett überlastet. 

Heute kommt die Meldung: Produzentenallianz und Verdi sowie Bundesverband Schauspiel (BFFS) haben sich angesichts der Corona-Krise erstmalig auf einen Kurzarbeits-Tarifvertrag geeinigt. Blitzschnell sei das am virtuellen Verhandlungstisch passiert, heißt es in der Pressemitteilung. Der Vertrag sieht eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes für Schauspieler*innen und Filmschaffende vor, wenn Filmdrehs wegen der Corona-Krise unterbrochen oder abgesagt werden. Und er soll Planungssicherheit geben. „In den vergangenen Tagen hat die Bedrohung durch Covid 19 zu Drehabbrüchen geführt, aber auch zur Fortführung von Dreharbeiten unter extrem belastenden Umständen. Der Gesundheitsschutz müsse Vorrang haben vor wirtschaftlichen Überlegungen“, sagte Christoph Schmitz von Verdi. Mit dem Kurzarbeitstarifvertrag sei dies nun auch wirtschaftlich für alle Beteiligten abgesichert.

Im Detail: Die tarifgebundenen Produktionsfirmen verpflichten sich, Schauspieler*innen das Kurzarbeitergeld auf die individuell vereinbarten Drehtagsgagen, höchstens jedoch auf 90 Prozent der monatlichen Beitragsbemessungsgrenze aufzustocken. Abweichend davon sind für die auf Produktionsdauer beschäftigten Filmschaffenden die Tarifgagen entscheidend, höchstens jedoch die einschlägige Beitragsbemessungsgrenze.
Die Tarifregelungen gelten zwingend für alle Kurzarbeits-Maßnahmen an Filmsets bei tarifgebundenen Produktionen direkt nach Unterzeichnung des Tarifvertrags ab dem 25. März 2020. Sie sind frühestens kündbar zum 30. Juni 2020. Vorher vereinbarte Kurzarbeit ab dem 1. März 2020 kann nur mit Einverständnis der Produktionsunternehmen unter die Regeln des Tarifvertrags fallen und damit verbessert werden.

In einer Rundmail rät Verdi Filmschaffenden noch bis morgen warten, bis sie  Kurzarbeit zustimmen, und bei der Unterschrift aufs Datum zu achten: Erst ab 25. März gilt der Kurzarbeits-Tarifvertrag und auch nur in tarifgebundenen Produktionen. Wie viele das sind, ist ein Branchengeheimnis.

Weitere Tipps in der Krise gibt Verdi hier.

 

Was tun bei Kurzarbeit oder Kündigung? Solche Fragen erreichen uns täglich, doch jeder Fall ist anders, eine belastbare Antwort können wir darum nicht geben und verweisen darum an Berufsverbände, Gewerkschaften und Rechtsberatung. 

Einen detaillierten Überblick mit Handlungsempfehlungen hat gestern der Verband der Musikinstrumenten- und Musikequipmentbranche (SOMM) herausgegeben. Die Informationen zu Personal, Finanzen und mehr sind auch für Arbeit- und Auftragnehmer nützlich. Sie wurden mit Hilfe von Steuerberatern und Rechtsanwälten zusammengestellt und sollen laufend aktualisiert werden.

Die Sonderregelungen für das Kurzarbeitergeld erklärt die Arbeitsagentur hier im Video.

Der Landtag von Baden-Württemberg hat ein Soforthilfeprogramm Corona beschlossen, das sich an Soloselbständige sowie Klein- und Kleinstunternehmen „auch der Kultur- und Kreativwirtschaft“ sowie an Angehörige der Freien Berufe („auch künstlerisch-publizistischen“) im Bundesland richtet. Um deren wirtschaftliche Existenz zu sichern und Liquiditätsengpässe zu kompensieren, kann ein einmaliger Zuschuss für drei Monate gewährt werden. Er muss nicht zurückgezahlt werden: Bis zu 9.000 Euro für drei Monate für antragsberechtigte Soloselbstständige und Antragsberechtigte mit bis zu 5 Beschäftigten,15.000 Euro für Antragsberechtigte mit bis zu 10 Beschäftigten, 30.000 Euro bei bis zu 50 Beschäftigten. Genauer noch erklärt’s das Wirtschaftsministerium. 

Ein Notfall-Grundeinkommen für die EU fordert eine Petition an die Europäische Kommission, die Europäische und die Finanzminister der Mitgliedstaaten. Und zwar schnell und bedingungslos. Zahllose Menschen seien in ihrer Existenz bedroht: „Ihr Einkommen ist weg, wenn die Rücklagen aufgebraucht sind, wissen sie nicht, wie sie ihre laufenden Kosten bezahlen sollen“, heißt es in der Petition. „In der Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008 bis 2012 hat die EU mehrere Billionen Euro für angeschlagene Banken zur Verfügung gestellt. Damals standen die Banken an erster Stelle. Jetzt ist es notwendig, die betroffenen Menschen direkt zu unterstützen.“

In Deutschland haben schon mehr als 387.000 Menschen eine Petitionen an die Bundesregierung unterschrieben, die ein Bedingungsloses Grundeinkommen für die nächsten sechs Monate fordert. Die neue Petition will dies „auf die europäische Ebene“ heben. 

 

Initiativen in der Krise: Auch uns hat es erwischt, schreibt Emanuel Less, Actioncar Coordinator in Kammlach („nur etwa 45 Minuten von München“):
„Die Aufträge sind fast komplett weggebrochen, da die meisten Produktionen ja Gottseidank zum Wohle aller gecancelled/eingefroren wurden! Da wir als KFZ-Meisterbetrieb eines der wenigen strukturell wichtigen Gewerbe sind, können wir weiterhin offiziell geöffnet bleiben auch wenn nunmehr als One-Man-Show.
Auch ich muss jetzt ums blanke Überleben kämpfen und weiss nicht, ob ich es bis ins nächste Jahr schaffen werde … dennoch oder vielmehr gerade deshalb ist es an der Zeit, zusammenzuhalten und Solidarität vor Profit zu stellen!
So biete ich allen, die im selben Boot sitzen wie ich und als kleine Selbstständige durch das soziale Netz zu fallen drohen, Hilfe an bei allen akuten Problemen mit Euren Fahrzeugen, um mobil zu bleiben! Wer sich also gerade keine Werkstatt leisten kann und auf sein Fahrzeug angewiesen ist (egal welches, vom Roller bis zum Wohnmobil, auch alle Allradfahrzeuge etc.), soll sich bei mir melden – bitte nur telefonisch: +49-171-4505457.
Ihr zahlt nur das Material – die Arbeit geht auf mich. Bitte habt Verständnis, dass das nicht auf große, längerwierige Reparaturen zutreffen kann. Aber die Basics wie Bremsen, Ölwechsel, Auspuff oder ähnliches sollten kein Problem sein.
Ich hoffe, damit einen kleinen Beitrag leisten zu können und vielleicht auch einen gedanklichen Anstoss zu geben an Produktionen, die ihre Rechnungen nicht bezahlen …
Mit besten Grüssen aus dem Allgäu.“

Was tun mit der vielen Freien Zeit? Weil die Schüler alle zu Hause hocken und eh streamen, startet Vision Kino mit anderen europäischen Institutionen eine kostenlose Online-Fortbildung: „Film Education: A User’s Guide“.

Die Kinos hatte es als erste erwischt und mit ihnen auch die Verleiher – die Kinostarts der kommenden Wochen sind abgesagt beziehungsweise verschoben. Auf der Suche nach Lösungen haben die Verleiher unter dem Hashtag #stayhomewatchmovies den Stream entdeckt.
Das Kino haben sie trotzdem nicht vergessen: #supportyourlocalcinema. „Das Kino hat für uns eine Bedeutung, die über das kollektive Filmschauen hinausgeht. Kino verstehen wir als einen sozialen Raum, der öffentliche Diskussionen möglich macht und nicht zuletzt den Unterhaltungswert eines jeden Films erhöht“, erklärt zum Beispiel der Dokumentarfilmverleih Mindjazz Pictures in seinem neuen Rundbrief und hat auch einen Tipp, wie man helfen kann: „Unterstützt eure Arthouse- und Programmkinos vor Ort, indem ihr jetzt Kinogutscheine kauft.“

Das war’s für heute – bleiben Sie gesund! 

 

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