Kinos im Stillstand 16: Das „Delphi Arthaus Kino“ in Stuttgart. | Foto © Stuttgarter Arthaus Kinos

Eigentlich sollte es eine tolle Sache werden. Doch Bayerns Kulturschaffende äußern sich begeisterungslos über die neue Hilfe, die ihnen versprochen wurde. Die Landesregierung griff die Kritik umgehend auf und besserte heute nach – zumindest an einer Stelle.

Wir danken Ihnen für Ihre Informationen, Ergänzungen und Korrekturen, Fragen und Kommentare, auch wenn wir leider nicht alle persönlich beantworten können. 

 

Kritik an Bayerns Künstlerhilfe: „Die Corona-Pandemie zeigt, wo im Kulturstaat Bayern die Künstler, die Kulturschaffenden stehen. Sie zeigt aber auch, für was sie dienen: Zur Steigerung der Popularitätswerte von politischen Eliten.“ Der Musiker Uli Zrenne hat in einem Offenen Brief die bayerische Künstlerhilfe auseinandergenommen und ist „sprachlos ob so viel Zynismus, falscher Versprechungen und dilettantischer Politik.“

Was weitere bayerische Künstler vom Hilfsprogramm halten, fragte die „Passauer Neue Presse“. Die unterschiedlichen Antworten sind gleich. Als Spoiler ein Zitat: „Ich fühle mich nicht allein gelassen. Ich fühle mich einfach nur komplett verarscht.“

Ein Haken am bayerischen Künstlerprogramm: Hilfe sollte es nur für diejenigen geben, die zuvor keine anderen Maßnahmen in Anspruch genommen hatten. Die Kritik wurde offenbar erhört, das Land bessert nach: Bereits gewährte Hilfe wird angerechnet und auf den Betrag des neuen Programms aufgestockt. Das erklärte Kunstminister Bernd Sibler heute bei einer Pressekonferenz (ab Minute 29:00).
Da kündigte Ministerpräsident Markus Söder auch an, wann wieder Theater, Konzerte und Kinovorführungen in geschlossenen Räumen stattfinden können: später als in anderen Bundesländern, am 15. Juni.

Sie verfügen über Erspartes und Aktienwertpapiere. Dennoch gehen Prominente an die Öffentlichkeit und berichten, dass sie aufgrund der Corona-Krise Hartz IV beantragen müssen. Die Öffentlichkeit leidet mit. Doch das System selbst wird nicht kritisiert. Warum auch? Die Bundesregierung hat vorgesorgt. Ein Kommentar.

 

Der Bund will Kontaktbeschränkungen bis zum 5. Juli verlängern, meldet „Der Spiegel“: Die individuellen Vorsichtsmaßnahmen gegen die Corona-Epidemie in Deutschland sollen nach dem Willen der Bundesregierung weiterhin gelten. Doch im Detail sind einige Lockerungen vorgesehen.

„Einen Tag X, an dem der Spielbetrieb weitergeht, wird es nicht geben“, zitiert die „Berliner Zeitung“ den Kultursenator Klaus Lederer: Beim ersten Kulturausschuss nach elf Wochen waren sich Berliner Politiker und Kulturvertreterinnen einig, die Krise als Chance nutzen zu wollen. Mit dem Bund haben sie auch eine gemeinsame Buhfigur.

 

Was Corona mit „Independence Day“ zu tun hat: Der Schriftsteller Michael Wildenhain beobachtet in der „Berliner Zeitung“ die Entwicklung der Pandemie die Proteste gegen die Eindämmungsmaßnahmen.

Die Zukunft der Arbeit sieht so unklar aus wie lange nicht – dank Corona. Ganze Volkswirtschaften werden dadurch lahmgelegt, was in eine gewaltige Krise münden könnte. Um die zu verhindern, schlägt der Ökonom Daniel Stelter in seinem Buch „Coronomics“ einen radikalen Weg vor. Der RBB hat mit ihm darüber gesprochen.

Risiken, auch tödliche, sind im Alltag eingepreist – im Straßenverkehr, beim Sport, bei der Ernährung. Nun braucht es die Abwägung in der Pandemie. Und damit viel individuelle Verantwortung, meint die „Süddeutsche Zeitung“: „Es braucht eine Umgangsroutine mit dem Corona-Virus“. 

Die Pandemie mit ihren Abstandsgeboten hat dem Drive-in zu neuer Beliebtheit verholfen. Alles Mögliche wird jetzt durchs Autofenster gereicht – vom Lebkuchenherz bis zur Klausurnote. Die „Süddeutsche Zeitung“ macht eine Liste mit Vor- und Nachteilen.

Weshalb grassieren in der Corona-Krise die Verschwörungstheorien? fragt die „Zeit“. Weil viele Menschen nicht wüssten, wie Wissenschaft funktioniert, sagt der Autor Cory Doctorow. Er bleibt aber zuversichtlich: „Wer an Verschwörungen glaubt, ist nicht verloren“.

 

„Die Zukunft des Kinos passiert jetzt!“ meint Daniel Sponsel. Der Leiter des Dokfest München hat für „Blickpunkt Film“ eine Bilanz der diesjährigen Online-Ausgabe gezogen. Und er hat auch sieben Thesen zur Zukunft des Kino-Dokumentarfilms aufgestellt. These Nr. 7: Die zeitgleiche Auswertung von Dokumentarfilmen im Kino und online bringt in der Summe mehr Zuschauer*innen für jeden einzelnen Film. 

Die Kinobetreiber rechnen mit desaströsem Jahr, meldet das „Handelsblatt“: Die Kinos haben zwei Monate lang auf Einnahmen verzichten müssen. Nun stehen die Wiedereröffnungen an. Die Branche warnt vor ersten Insolvenzen.

Gestern verwiesen wir auf einen Artikel der „Berliner Zeitung“ über ein innovatives Kino in Hannover. Den Tippfehler im Namen hatten wir leider mit übernommen: „Lodderbast“ heißt das Programmkino, das täglich im Online-Kino zur kostenlosen Filmvorführung und anschließendem interaktiven Filmgespräch mit den Filmemacher*innen einlädt.

Der Schauspieler Matthias Brandt und der Regisseur Christian Petzold verneigten sich in der „Süddeutschen Zeitung“ vor Michel Piccoli, dem kürzlich verstorbenen Filmkünstler, „der so souverän war – und so kindlich.“ Nachruf auf ein Idol.

Film und Fernsehen könnten längst ökologisch nachhaltiger produziert werden, als es der Fall ist, schreibt die „Taz“. Vor allem beim CO2-Ausstoß ließe sich nachbessern. Aber es fehlen die Anreize.

Anlässlich ihres 20-jährigen Bestehens stellt die Internationale Filmschule Köln jeden Dienstag einen „IFS-Film der Woche“ online vor. Als achten Film der Reihe läuft „Heimspiel“ (2009), der Abschlussfilm von Bogdana Vera Lorenz (Regie), Max Permantier (Produktion) und René Schumacher (Drehbuch) aus dem dritten Jahrgang des BA Film. Das Drama um einen Lehrer (Wotan Wilke Möhring), der ein Doppelleben als Hooligan führt, wurde unter anderem mit dem Kurzfilmpreis der Deutschen Filmkritik ausgezeichnet.

 

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie gibt es nur ein Thema in den Talkshows. Wenig Vielfalt gibt es auch bei den Gästen. Eine Datenanalyse des „Spiegel“ kommt zu einem ernüchternden Ergebnis: Viele Bevölkerungsgruppen sind unterrepräsentiert – Frauen und junge Eltern, Ostdeutsche, Migranten und Menschen aus den unteren sozialen Schichten fehlen in den Talkshows – und auch in der gesamten Debatte über die Corona-Krise. 

À propos Systemrelvanz: Das Statistische Bundesamt hatte Ende März Zahlen zum Gehaltsgefüge in Deutschland veröffentlicht: Zum Jahreswechsel lag der durchschnittliche monatliche Bruttoverdienst bei 4.035 Euro. Fachkräfte in Krankenhäusern kamen auf durchschnittlich 3.502 Euro, Fachkräfte in Altenheimen auf 3.116 Euro. Rund die Hälfte der Angestellten in Krankenhäusern sind in der niedrigsten Verdienstklasse der Krankenpfleger einzuordnen.

Nach Tschechien blickt das European Journalism Observatory: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk und andere Qualitätsmedien genießen zurzeit das Vertrauen des Publikums und erleben damit einen „Corona-Bump“. Der wirtschaftliche Abschwung sorgt aber generell für eine ungewisse Zukunft.

Ronan Farrow hat den Weinstein-Skandal ins Rollen gebracht. Nun wirft ihm die „New York Times“ unsaubere Methoden vor, und die „FAZ“ fragt: „Ist die Galionsfigur von ,MeToo‘ nur ein Märchenerzähler?“
Die „Taz“ antwortet: „Angekratzt“ sei Farrows Image, „notwendig“ die Kritik – doch alles in allem lag der Journalist richtig. 

 

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