Die Bevölkerung in Deutschland besteht jeweils zur Hälfte aus Frauen und Männern, ein ähnliches Zahlenverhältnis besteht zwischen Schauspielerinnen und Schauspielern, Frauen arbeiten in allen Bereichen der Filmbranche, sie stellen auch die Hälfte des Publikums, und im Gegensatz zu beispielsweise Saudi-Arabien sind formal die Rechte der Frauen in unserer Gesellschaft nicht eingeschränkt.

Dennoch erzählen fiktionale Kino- und Fernsehproduktionen in erster Linie die Geschichten von Männern, Frauen sind nicht die bessere Hälfte sondern das schlechtere Drittel. Eine Bestandsaufnahme.

Wir kennen das aus den Besetzungslisten vieler klassischer Theaterstücke: zehn, fünfzehn Männer in allen Altersgruppen stehen zwei Frauen gegenüber: eine ganz jungen und eine ganz alten. Die Stadttheater tragen diesem Verhältnis Rechnung, noch heute setzen sich die Ensembles im Schnitt aus einem Drittel Schauspielerinnen und zwei Dritteln Schauspielern zusammen.

Die Drehbücher der aktuellen deutschen Film- und Fernsehproduktionen werden aber in der Gegenwart geschrieben und sie spielen auch mehrheitlich heute. Doch die Besetzungswippe hat sich immer noch nicht eingependelt.

Abbildung 1 zeigt eine Auswertung der 18 Nominierungen  für den Deutschen Filmpreis in der Kategorie Bester Spielfim 2010 bis 2012 (Quelle: Deutsche Filmakademie und Wikipedia – ausführlicher hier:

Im Fernsehen findet sich ähnliches. Abbildung 2 zeigt die Rollenverteilung der 37 neuen Tatortfolgen 2012 (Quelle: ARD). Aktuell gibt es 21 Ermittlungsteams, 19 deutsche, 1 österreichisches und 1 schweizerisches, insgesamt 15 Ermittlerinnen und 28 Ermittler. Zu den festen Ensembles kommen in jedem Tatort eine Reihe von Episodenrollen hinzu, insgesamt ergab sich so – ohne Unterscheidung in Haupt- und Nebenrollen – ein Verhältnis von 1 zu 1,8. Also wieder fast doppelt so viele Männer- wie Frauenrollen.  (ausführlicher hier)

Diese Gegenüberstellungen sagen natürlich noch nichts aus über die Qualität, den Umfang, die Bedeutung oder die Altersverteilung der Rollen, sie zeigen nur die Besetzungswippe.

Wenn nun aber das Rollenverhältnis – grob 1 zu 2 – schon nicht der gesellschaftlichen Geschlechterverteilung entspricht, ist es dann eventuell zumindest mit der Statistik der arbeitenden bzw. arbeitssuchenden Bevölkerung vergleichbar?

Abbildung 3 zeigt drei Grafiken: die Bevölkerungsverteilung, die sozialversichert Beschäftigten und die arbeitslos Gemeldeten in Deutschland zum Stichtag 31.12.2011.

Die x- und y-Achsen der drei Grafiken sind unterschiedlich skaliert. Die Bevölkerung (Grafik A) ist von 0 bis 95+ Jahren erfasst (Quelle: Statistisches Bundesamt), und die Bezugsachse geht bis 4,5 Mio. Die Kategorien sind in 5-Jahres-Gruppen zusammengefasst, Unter „25“ beispielsweise sind die Menschen im Alter von 21 bis 25 Jahren berücksichtigt.

Die Grafiken B und C haben gleich skalierte X-Achsen. Jedoch unterscheiden sich die Y-Achsen (zum Glück!) um den Faktor 10, die Achsen gehen bis 2,5 Mio. bzw. bis 250.000 (Quelle: Bundesagentur für Arbeit).

In Deutschland leben gut 82 Mio. Menschen, darunter fast 1,5 Mio. mehr Frauen als Männer. Allerdings besteht das Frauenübergewicht nicht in allen Generationen. Wie Grafik A zeigt existiert in allen Altersgruppen unter 60 ein leichtes Männerübergewicht. Auch deutlich zu erkennen sind die geburtenstarken Jahrgänge in den frühen 1960er Jahren und der sogenannte „Pillenknick“ ab Ende der 1960er Jahre (das ist der Schritt von den 40 bis 45-jährigen zu den 35 bis 40-jährigen). Ab 60 Jahren beginnt dann das zahlenmäßige leichte Überwicht der Frauen. Die heute 70 bis 75-jährigen wurden in den späten 1930er Jahren geboren.

Ebenfalls in 5-Jahres-Kategorien erfasst sind die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (Grafik B) und die Arbeitslosen (Grafik C). Arbeitslos nach der Definition der Bundesagentur sind nur aktiv gemeldete Menschen, die dem Arbeitsmarkt unmittelbar zur Verfügung stehen. Frauen beispielsweise, die für die Kindererziehung zu Hause bleiben und anschließend erstmals in das Berufsleben einsteigen bzw. dorthin zurückkehren wollen (und evt. noch keine Kinderbetreuung gefunden haben), sind nicht erfasst, sie melden sich auch oft nicht beim Arbeitsamt, da sie kein Arbeitslosengeld erhalten würden, aber das ist ein anderes Thema.

Nicht wirklich überraschend: sowohl bei den sozialversichert Beschäftigten als auch bei den gemeldeten Arbeitslosen gibt es in jeder 5-Jahres-Altersgruppe mehr Männer als Frauen. Die Kurven der Beschäftigten, von jung nach alt betrachtet – mit der Delle bei den 35 bis 40-jährigen – verhält sich analog zur Bevölkerungskurve. Auch die Spitze bei den 50-jährigen und dem folgenden Abstieg der Kurve ist gleich. Der etwas deutlichere Beschäftigungsrückgang bei 30 bis 40-jährigen Frauen gegenüber den Männern der gleichen Altersgruppen könnte mit Mutterschaft zusammenhängen, das ist aber nur eine Vermutung. Die Zahlen der Männer gehen ebenfalls leicht zurück, und auch in der Bevölkerung gibt es einen leichten Rückgang sowohl bei Frauen als auch bei Männern in den nach dem „Pillenknick“ geborenen Generationen.

Wie sieht es im Vergleich mit den bei Film und TV arbeitenden oder arbeitssuchenden Schauspieler/innen aus (Abbildung 4)?

Die Datenbank von crew united Schauspielervideos (Grafik A) enthält in der Film- und Fernsehbranche tätigen Schauspieler/innen. Die Angabe des Alters oder Geburtsjahrs ist seit 2010 Pflicht, es muss aber in den Profilen nicht angezeigt werden, so dass viele Schauspieler/innen eher eine von-bis-Spielalter-Anzeige nutzen. Die Werte in der Tabelle sind Stichproben, so bedeutet „25“ in diesem Fall Schauspieler/innen, deren Spielalter 25 berührt. Das heißt, dass ein Schauspieler, der als Spielalter 20 – 30 angibt, in drei Säulen erfasst wird (20, 25, 30) und eine Schauspielerin, die 21-29 angibt, nur in der 25-Jahre-Säule vorkommt. Tatsächlich sind In dieser Datenbank 4686 Schauspielerinnen und 4501 Schauspieler vertreten, die Spielaltergrafik basiert aber auf 8482 bzw. 8729 Spielalternennungen.

Grafik B „ZAV Jahrgang“ folgt wieder einer 5-Jahres-Kategorisierung. Unter 1980 sind alle Schauspieler/innen erfasst, die zwischen 1976 und 1980 geboren wurden. Die ZAV vertritt zZt. 3.809 professionelle Schauspieler/innen für den Film- und Fernsehbereich (dazu gibt es eine vermutlich ebenso große Anzahl von Schauspieler/innen in privaten Schauspielagenturen).

Im der Datenbank Filmmakers (Grafik C) sind zur Zeit insgesamt 19.380 professionelle Schauspieler/innen vertreten. Hier müssen alle Schauspieler/innen ihr Geburtsjahr angeben, und können optional noch ein Spielalter bzw. eine Spielalterspanne ergänzen. Ein Vergleich dieser Angaben ergab drei Gruppen: Schauspieler/innen, deren Spielalter ihrem tatsächlichen Alter entspricht, Schauspieler/innen, deren Spielalter ein paar Jahre über und unter ihr tatsächliches Alter geht, und Schauspieler/innen, deren Spielalter nur nach unten geht, also von z.B. von 5 Jahre jünger bis zu ihrem Lebensalter.

Dieses Phänomen passt auch zu den Einträgen von crew united, die Grafik A ist gegenüber Grafik B etwas nach links verschoben, übrigens sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen (um einmal mit dem Vorurteil aufzuräumen, dass nur Schauspielerinnen „sich jünger machen“).

Drei Statistiken zur Altersverteilung von Schauspieler/innen – was fällt auf? In den jüngeren Jahrgängen gibt es bis ca. 1972 (Filmmakers) bzw. 1971-1975 (ZAV) ein teilweise erhebliches Übergewicht an Schau­spielerinnen. Dieses kippt dann ab 1969 (Filmmakers) bzw. 1966-1970 (ZAV), also bei den 43- bis 48-Jährigen. In vielen älteren Jahrgängen gibt es fast doppelt so viele Schauspieler wie Schauspielerinnen.

Woran liegt das? Dass mehr junge Frauen als junge Männer den Schauspielberuf ergreifen belegen neben diesen Grafiken vermutlich auch die Bewerbungszahlen an Schauspielschulen. Aber was passiert nach ein paar Jahren Berufstätigkeit?

Die Theorie, dass der Knick, also der stärkere Rückgang bei den Schauspielerinnenzahlen, mit einer möglichen Familiengründung zusammen hängt, bzw. dem Zeitpunkt, an dem die Kinder schulpflichtig werden, widerspricht den Statistiken der Abbildung 3 (Beschäftigte bzw. arbeitslos Gemeldete). Warum sollte es für Schauspielerinnen mit Kindern schwerer sein als z.B. für Lehrerinnen, Wissenschaftlerinnen, Putfrauen, Ärztinnen oder Fabrikarbeiterinnen mit Kindern? Zumal der Eintrag in einer Filmdatenbank – oder die Vertretung durch die ZAV – noch nicht mit einer (Vollzeit-)Beschäftigung gleichzusetzen ist.

Nein, die Schauspielerinnen, die in den Datenbanken nicht mehr auftauchen, haben ihrem Beruf den Rücken gekehrt.

Warum? Vermutlich, weil es keine oder zu wenig Rollen für sie gibt. Frauen kommen sowieso schon erheblich weniger in Filmen und Serien vor, als es den gesellschaftlichen Gegebenheiten entspricht. Aber dieses Ungleichgewicht spitzt sich mit zunehmendem Alter noch mehr zu.

  • Es gibt mehr Männerrollen
  • Die Männerrollen verteilen sich über ein größeres Altersspektrum
  • die Frauenrollen werden dazu oft jünger besetzt, also z.B. eine 40-jährige Figur mit einer 10 Jahre jüngeren Schauspielerin.

Nehmen wir den Kinoerfolg „Keinohrhasen“ (2007). Hauptfigur Ludo Decker (Til Schweiger) trifft seine ehemalige Klassenkameradin Anna Gotzlowski (Nora Tschirner) wieder. Ein Altersvergleich der Schauspielenden ergibt: als Nora Tschirner mit 6 Jahren eingeschult wurde, war Til Schweiger bereits 23 ½ Jahre alt.

Ein anderes Beispiel: Die Folge „Klassentreffen“ vom Kölner Tatort (2010). Kommissar Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) geht zum 30-Jahre-Abiturtreffen. Zum Drehzeitpunkt war Behrendt 50 Jahre alt, das passt ja gut, die Schauspieler zweier weiterer Klassenkameraden waren 53 Jahre alt (Oliver Stritzel und Rolf Berg). Zwei Klassenkameradinnen waren mit erheblich jüngeren Schauspielerinnen besetzt: Catrin Striebeck (44) und Karoline Eichhorn (45).

Drittes Beispiel: Die Telenovela „Hand aufs Herz“. Hier ging es um Schüler/innen eines Gymnasiums, um die Lehrer/innen und Eltern. Da ist es natürlich zu erwarten, dass die Mehrheit der Sschüler/innen von älteren Schauspieler/innen gespielt wurden. Aber müssen deshalb zum Ausgleich Erwachsene jünger besetzt werden? Zum Drehbeginn 2010 war Amelie Plaas-Link 21 Jahre alt, sie spielte die Schülerin Lara Vogel. Und die 27-jährige Caroline Frier spielte ihre Mutter Miriam Vogel. Dann gab es noch die Schuldirektorin Helena Schmidt-Heisig, die ein Studium, Referendariat, mehrere Jahre Schuldienst und einige Jahre am Ministerium hinter sich hatte. Gespielt wurde sie von der 40-jährigen Kim-Sarah Brandts. Nein, falsch. Die Schauspielerin war 2010 ebenfalls erst 27 Jahre alt.

Diese Unter-Alter-Besetzungen sind ein weiterer Grund, warum es so wenige Rollen für Schauspielerinnen über 30 gibt – und sie verstärken die verzerrte Bild, das von Männern und Frauen in unserer Gesellschaft gezeichnet wird.

Maßnahmen in der Film- und Fernsehbranche,  die der Benachteiligung einer halben Berufsgruppe entgegen wirken – und die natürlich gleichzeitig ein Dienst für die Allgemeinheit wären, denn wieso sollten der Allgemeinheit immer nur Geschichten eines Teils der Bevölkerung erzählt werden? – sind überfällig. Hier sind neben den Drehbuchautor/innen und den Redaktionen und Produktionsfirmen, die über Stoffe und Rollen entscheiden, auch die Besetzer/innen gefordert. Ich weiß, es gibt jede Menge Vorgaben, und nicht alle können immer so besetzen / vorschlagen / handeln wie sie wollen, aber sind dieses Problem und seine Auswirkungen überhaupt bekannt und steht es im Raum, wenn über neue Stoffe gesprochen wird?

Wenn es nicht gerade um das zentrale Liebespaar geht oder um den Mörder im Krimi: muss dann eine Rolle mit dem Geschlecht besetzt werden, das im Drehbuch vorgeschlagen wird? Wie wichtig ist die Altersangabe einer Rolle für die Handlung? Die Logik des Alters wird ja oft genug über den Haufen geworfen (warum eigentlch?), kann das noch viel öfter geschehen, auch einmal in die andere Richtung?

Vielen Menschen innerhalb und außerhalb der Branche fallen das ungleiche Rollenverhältnis und das Verschwinden älterer weiblicher Rollen nicht auf. Vielleicht, weil die Männerdominanz im deutschen Fernsehen normal ist und wir von kleinauf daran gewöhnt sind. Wer hat beispielsweise bemerkt, dass von den Olympischen Wettkämpfen in London für die ARD 26 Reporter und nur 1 Reporterin und für das ZDF 29 Reporter und nur 3 Reporterinnen berichteten, und wer hat schon einmal die männlichen und weiblichen Figuren in der Sesamstraße gezählt? (Hierbei geht es nur um die reine Quantität, auch die Qualität der Rollen zu vergleichen würde an dieser Stelle zu weit führen.)

Ich weiß, dass in dem Moment, wo „die Frauenfrage“ in einer gesellschaftlichen Diskussion aufkommt, gerne auf andere Benachteiligte verwiesen wird: „Aber auch Männer sind von Sexismus / häuslicher Gewalt / Altersarmut betroffen“ Ja, natürlich sind sie das. Aber wesentlich weniger. Insofern erscheint der Hinweis auf Ausnahmen oder Minderheiten oft als Abwiegeln, Verwässern oder schlimmstenfalls Verweigern einer Diskussion. Wenn der Bundesverband der Filmschauspieler/innen einen Tarifvertrag mit der Produzent/innenallianz verhandelt ist es nicht konstruktiv, die Vertragssituation an freien und Privattheatern auf die Tagesordnung zu setzen, so verbesserungswürdig sie auch sein mag. Entsprechend ist es auch keine gute Idee, die hoffentlich bald breiter geführte Debatte über die Situation von Schauspielerinnen mit anderen Themen in einen Topf zu werfen. Eine Klammer „Frauen und andere Minderheiten“ gibt es nicht, denn Frauen sind keine Minderheit, weder in unserer Gesellschaft, noch unter den Schauspielenden.

Ein Vergleich der Frauenanteile in den Crew-Bereichen Regie, Buch, Kamera, Ton, Schnitt und Produzent/in der 19 Berlinale-Wettbewerbsfilme und der 9 Nominierungen für den  Bester Spielfilm-Oscar 2013 ergibt folgendes:

Bei den Oscar-Filmen lag der Frauenanteil für Regie und Drehbuch bei 11 bzw. 8 %, für Schnitt bei 21 % und für Kamera bei 0 %. (ausführlicher hier)

Im Berlinale Wettbewerb lagen die Frauenanteile für Regie und Drehbuch bei 15 bzw. 14 %, für Schnitt bei 26 % und für Kamera auch wieder bei 0 %. (siehe hier)

In Deutschland sieht das etwas besser aus. Abbildung 5 zeigt eine weitere Auswertung der eingangs genannten 18 Nominierungen zum Deutschen Filmpreis 2010 bis 2012 (Kategorie „Bester Spielfilm“).

Prozentual dargestellt sind die Frauenanteile für die neun Crew-Bereiche Regie, Drehbuch, Produzent/in, Kamera, Schnitt, Szenenbild, Kostümbild, Maskenbild und Casting. Ja, es werden Männer- und Frauenübergewichte deutlich. Aber im Vergleich zu den Berlinale- und Oscarfilmen ist die Beteiligung von Frauen schon weniger schlecht, kein Wert liegt unter 20 %. Bei 4 der 18 Filme führte eine Frau Regie, ebenso gab es 4 Kamerafrauen. Auf der anderen Seite zeichnete für das Kostümbild kein Mann verantwortlich, und im Bereich Maskenbild waren von den 32 Genannten nur 2 männlich. Ich weiß allerdings nicht, wie viele Männer bzw. Frauen in den einzelnen Sparten ausgebildet werden bzw. berufstätig sind und bleiben, das gilt es als nächstes zu untersuchen.

9 Kommentare
  1. Tante Sigrid sagte:

    Vielen Dank für diese Fleißarbeit.

    „Vielen Menschen innerhalb und außerhalb der Branche fallen das ungleiche Rollenverhältnis und das Verschwinden älterer weiblicher Rollen nicht auf.“
    Wohl wahr!
    Offensichtlich schaut gar keiner mehr richtig hin. Die Kids glotzen schon seit längerem nur in ihr Display, Mutti steht in der Küche und kocht, Vati schaut in die Abendzeitung … und der Fernseher läuft.
    Wenn meine Schwiegermutter fernsieht und sich darüber beschwert, dass die „vielen blonden Schauspielerinnen“ alle gleich aussehen (sogar die von „heute“) und ich aus der Küche rufe, dass sie doch froh sein soll, dass da überhaupt eine Frau mitspielt, stoße ich auf Unverständnis.
    Soweit mein kurzer Bericht von der Zuschauerfront.

    Wenn ich dann selbst bei vollem Bewusstsein Werbefernsehen schaue, frage ich mich allerdings schon, warum nur dunkelhaarige Frauen Darmverstopfung haben und blonde Frauen so toll putzen und waschen können und Väter Zeit haben mit ihren Kindern im Garten oder Park zu spielen und junge Frauen das Geld haben sich tollen Autos zu kaufen und ….

    Aber was sagte man uns schon in der Schauspielschule?

    Nichts ist natürlich!

  2. Nils Burde sagte:

    Der Vergleich hinkt. Wir beschäftigen doppelt so viele Frauen wie Männer. Die Auswahl der Besetzung wird durch die erwartete Akzeptanz, die Kompetenz, oder bei Werbefilmen, durch die anzusprechende Zielgruppe geregelt. Hier geht es nicht darum, Frauen zu diskriminieren. Das ist völliger Blödsinn. Ganz im Gegenteil.

  3. Huckleberry Finn sagte:

    Es ist vollkommen unerheblich wieviele tatsächliche Kommisarinnen es im Leben da draussen gibt oder auch nicht und wie sich dieses dann in den Serien und Filmen wieder findet. Frauen führen – zum Glück – schon lange kein Schattendasein mehr in unserer Gesellschaft, deshalb sollten einfach mehr Frauenrollen da sein. Und nicht nur das, die Qualität dieser Rollen sollte sich auch endlich mal über die üblichen Klischees erheben, die entweder nur toughe weibliche Eisblöcke zeigt oder notleidende Verlassene oder schwer naiv Verliebte. Ich will im deutschen TV endlich mehr Frauen in allen Lebenslagen jenseits redaktioneller Vorstellungslimitierung. So wie Frauen sind, mit Rasse und Klasse, ganz egal ob hässlich oder schön, alt oder jung, dick oder dünn!
    Und ich will Schauspielerinnen sehen, die nicht nur unter 30 sind. Und nicht nur Veronika Ferres oder Christine Neubauer heißen. Frauen, die tatsächlich glaubhaft eine Schuldirektorin spielen können und auch im entsprechenden Alter sind. Laßt den 27jährigen was den 27jährigen ist und gebt den 40 plus, was sie können und sind. Frauen hören nicht auf mit 40 sexy und interessant zu sein…und auch nicht mit 60!

    Redakteure dieses Landes geht auf die Strasse und schaut Euch die Frauen an, die es hier gibt. Es gibt viel mehr interessanteres und spannenderes an Frauen, als das was ihr in Euren Serien dem Publikum Glauben machen wollt!
    Auch wenn jetzt manche unken, schaut Euch doch US-Serien an, da sind tolle Frauen unterwegs und vor allem viele. Und das aus Chauvi-Cowboy-Land, so ein Mist aber auch… 😉

  4. Christoph sagte:

    Vielen Dank für die Verknüpfung der Daten – schlagend! Noch mehr als die asymmetrischen Zahlen bedauere ich allerdings die (mangelnde) Qualität der Frauenrollen… Es bleibt noch viel zu tun. Grüße, Christoph

  5. Arab sagte:

    Zwei Anmerkungen zur Rollenverteilung für den Krimibereich, der ja einen sehr beträchtlichen Anteil der TV-Fiction ausmacht (Tatort, Polizeiruf, Sokos, Heiter bis tödlich usw.)

    In der gesamten Bundesrepublik gibt es meines Wissens gerade mal eine einzige Leiterin einer Mordkommission.
    Da sind Kommissarinnen im TV im Vergleich zur Realität weit überrepräsentiert.

    Ähnlich sieht es bei Täterinnen aus: Nur als 15% der Tötungsdelikte werden von Frauen begangen.
    Da kann man nun schlecht verlangen, dass das der Fernsehkrimi eine 50/50- Verteilung behauptet, die die Realität nicht im Ansatz hergibt.

  6. Julia Doege sagte:

    Dieser Artikel spricht mir aus der Seele!!!!Man kann jede Männerrolle von Frauen spielen lassen, handelt es sich nicht grade um ein Liebespaar. Im Theater spiele ich Männerrollen( Melchtal oder den Hauptmann in Woyzeck)Es muss sich was ändern. Und was das Alter angeht, sind Frauen ab dreißig alt und uninteressant oder was??!!!!

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