Die erste Auszeichnung von Schauspielern für Schauspieler: Der vom BFFS initiierte „Deutsche Schauspielerpreis“ (DSP) wird am 12. Februar 2012 anlässlich der Berlinale im Hotel Maritim verliehen.

Der Preis wird von der Jury – bestehend aus Jasmin Tabatabai, Stefanie Stappenbeck, Tim Bergmann, Thomas Schmuckert, Antoine Monot Jr. und Hans-Werner Meyer –  in sechs Kategorien vergeben.

Die Idee einen eigenen Schauspielerpreis zu erschaffen, schlummerte in BFFS Kreisen schon länger. Der Kinderwunsch war da, das Baby musste allerdings erst gezeugt werden. So eine Herausforderung braucht schließlich erst ein finanzielles Fundament.

Nachdem 2009 die letzte große BFFS Party im Rahmen der Berlinale stattgefunden hatte, konnte die erfolgreiche Feier in den Folgejahren 2010 und 2011 leider nicht wiederholt werden. Zahlreiche Sponsoren waren aufgrund der Wirtschaftskrise nicht mehr verfügbar. Ein Empfang in der Größenordnung ist in der Regel im fünf- bis sechsstelligen Bereich einzuordnen. Die BFFS-Mitgliedsbeiträge sollten davon unberührt bleiben. Zur alljährlichen Mitgliedervollversammlung während der Berlinale werden die Ausgaben immer transparent besprochen und da ist es eindeutig, dass der Verband die Mittel für sinnvolle soziale und politische Zwecke zugunsten unserer Berufsgruppe investieren muss statt für einen einzigen Abend zu verkonsumieren.
Aber nun sind die Geburtshelfer da: Durch die großzügige Unterstützung von Sponsoren wie „Sony Ericsson“ kann am 12. Dezember der erste Geburtstag gefeiert werden. Eine glamoröse Gala mit anschließender After-Party steht bevor.

Nun fragt man sich natürlich, wie das inhaltlich über die Bühne gehen soll.
Kurz nach Bekanntgabe der Pressemitteilung kamen wie erwartet genau die Fragen auf, worüber sich BFFS-Vorstände sicherlich immernoch den Kopf wund reiben.

Zur Gestaltung der Kategorien, Auswahl der Plakatentwürfe oder Ideen zum Losverfahren werden auf der Facebook-Seite „Deutscher Schauspielerpreis“ bereits Meinungen eingeholt. Auch Vorschläge dazu, welche Schauspieler nominiert werden sollen, sind erwünscht.

Allen voran stand auch die Frage im Raum „Wie man alle knapp 2000 BFFS-Mitglieder samt der ganzen anderen Produzenten, Caster, Agenten, Regisseure u.s.w. räumlich unterkriegt?“

Zunächst einmal ist es wichtig, überhaupt irgendwo anzusetzen. Und da die finanziellen Mittel auch nicht grenzenlos sind, wollte man schon mal „klein“ anfangen.
Zur Preisverleihung können maximal 600 Plätze durch Bestuhlung eingerichtet werden. Zur After-Party danach sind alle weiteren BFFS-Mitglieder plus einer Begleitperson eingeladen.

Hans Werner Meyer beschreibt diesen Vorgang im aktuellen Newsletter wie folgt: „Vor eine ähnliche Schwierigkeit stellt uns die Gestaltung der Preisverleihung selbst. Denn die wirksamste Währung im Zusammenhang mit einer Preisverleihung ist die Aufmerksamkeit, die ihr zuteil wird. Und um eine größtmögliche Aufmerksamkeit zu erreichen, ist ein gewisser Glanz-Faktor von entscheidender Bedeutung, Entscheidungsträger aus Politik und Branche sind wichtig. Natürlich müssten eigentlich alle BFFS-Mitglieder dabei sein können und wir würden uns nichts lieber wünschen. Mit dem engen finanziellen Rahmen, der uns im ersten Jahr zur Verfügung steht, ist dies aber leider beim besten Willen nicht umsetzbar. Wir werden die Preisverleihungsgala auf 600 Plätze beschränken müssen. Ein Teil dieser Plätze wird natürlich an BFFS-Mitglieder gehen, die Lostrommel wird entscheiden. Wir bitten hierfür um Euer Verständnis und freuen uns, wenn wir im Anschluss auf der großen BFFS-Party, zu der selbstverständlich alle BFFS-Mitglieder mit Begleitung eingeladen sind, mit Euch ein rauschendes Fest feiern können.“

Das ist eine absolut nachvollziehbare und gute Lösung, wie ich finde.
Angestrebt wird natürlich – mit wachsenden Mitteln – das Event von Jahr zu Jahr zu erweitern. Und mal ganz ehrlich, die meisten Preisverleihungen sind ohnehin eine Zumutung für das Sitzfleisch, die Blase, den Magen… die Kollegen können es doch eh kaum erwarten, endlich zum vergnüglichsten Teil der Veranstaltung überzugehen: An die Bar und ab auf die Tanzfläche!

Neben der Würdigung von Schauspielleistungen geht es ja in erster Linie auch um unser Selbstwertgefühl und Ansehen als Schauspieler. Was andere Verbände mit jahrzehntelanger Erfahrung weltweit längst praktizieren, hat sich der gerade mal sechs Jahre alte BFFS in kürzester Zeit aufgebaut. Mit dieser Verleihung wird unserer Berufsgruppe sicherlich ein großer Mehrwert zuteil.

Vorab schon mal: Herzlichen Glückwunsch!

4 Kommentare
  1. alexander wolf sagte:

    ist meiner meinung nach eine sehr gute idee und irgendwo muss man ja anfangen. bitte denkt an rolf kanies als eventuelle nominierung, toller schauspieler und kollege der mit allen grössen gedreht hat und immer noch dreht. womit wir beim thema wären. wer macht die auswahl und was sind die auswahlkriterien?

  2. Kristján Czakó sagte:

    Ich kann mich Huckleberry Finn nur anschliessen. ich persönlich finde es einen Skandal, daß Redakteure, also Schreibtischnasen entscheiden wer in welchem Film eine Rolle bekommt. Wozu werden eigentlich Caster, Agenten und Regisseure für wichtige dem Film dienliche Entscheidungen noch benötigt. ? Als Befehle ausführende Lakaien. Die Filmförderung und die Redakteure fällen viel zu viele wichtige Entscheidungen. Der deutsche Film siecht vor sich hin wie Hans Castorp im Zauberberg.

  3. Huckleberry Finn sagte:

    Ich finde die Idee grundsätzlich gut!!!
    Bevor aber bei so einer Preisverleihung wieder nur die selben Nasen einen Preis bekommen, die schon andernorts welche bekommen, möchte ich hier gerne vorschlagen das eine neue – bisher vielleicht noch nicht da gewesene Kategorie zusätzlich hinzu kommt, die Kateogie des „Unbekannten Schauspielers“ (oder wie immer man es nennen möchte). Und zwar aus folgendem Grund:
    Gerade habe ich zusammen mit meinen Partnern für einen Low-Budget–Kurzfilm ein Casting durchgeführt. Wir waren sehr positiv von den Bewerbern überrascht. Von den insgesamt ca. 80 Bewerbungen für die ausgeschriebene Rolle waren über 80% gute, interessante, viefältige Schauspieler dabei. Was ich damit sagen möchte, wir waren erstaunt von der Menge an Talent, die da draussen ungenutzt „rumsitzt“, denn man konnte an den Viten erkennen, das diese Kollegen kämpfen müssen, obwohl die Mehrzahl davon fähiger und interessanter waren, als manches was man all die Weil im deutschen TV und Kino präsentiert bekommt.
    Worauf ich hinaus will: Es gibt in Deutschland unglaublich viel Potenzial, das nicht genutzt wird. Kollegen, die in ungenannten Kurzfilmen, in kleinen Rollen in TV-Formaten eine gute Perfomance abliefern und dennoch für die Entscheider in der Branche ungesehen bleiben. Das macht mich vor allem auch dann ärgerlich, wenn ich die Besetzung des aktuellen Dietl-Films „Zettl“ sehe oder auch diverse TV-Formate, wo bis ins letzte Eck wieder nur große Namen verbraten werden. Im Umkehrschluss sehe ich US-Produktionen, die immer wieder mit neuen Gesichtern aufwarten (natürlich neben ein, zwei großen Namen, die man braucht, um den Streifen zu vermarkten) Neue Gesichter um einfach alles immer frisch zu halten und damit auch vielen nachwachsenden Talenten eine Chance zu geben.
    (an die Cineasten unter Euch: natürlich gibt es auch in den USA Allstar-Filme, aber dem gegenüber steht ein Heer an anderen Film, wo es so praktiziert wird, wie beschriebenm also ein, zwei Big Names und der Rest gut gecastet aber unbekannt).
    Kurz und gut:
    Vielleicht kann so eine neue Kategorie – auch wenn es in der Recherche vielleicht etwas aufwendig ist, die fraglichen Talente zu finden – eine Tür zu einem neuen Bewußtsein in der Brache aufstossen, das es in Deutschland noch mehr gibt als die sprichwörtlichen 60-oder so Schauspieler. Das führt vielleicht dann auch unter anderem – auf lange Sicht – dazu, das alles attraktiver wird. Denn eins ist ja uns allen klar: warum fragen so viele „Laien“, also ganz normale TV/ Kino-Konsumenten, warum sie sich bei deutschen Produktionen immer nur die gleichen Nasen anschauen müssen……

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