Frauen im Film II: Falsches Bild ab 47

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In der Fernseh-Fiktion kommen Frauen ab 47 kaum mehr vor. Und falls doch, sind die Drehbücher erstaunlich einfallslos. In Wirklichkeit gibt es viel buntere Geschichten zu erzählen, findet die Schauspielerin Esther Esche (2. von links). Szenenfoto aus „Katie Fforde: Ein Haus am Meer“ (2020). | Foto © ZDF/Rick Friedman

Bei der Chancengleichheit klemmt’s auch vor der Kamera. Erst recht, wenn Frau in die Jahre kommt. Kuschen, kochen, kümmern – mehr fällt Film und Fernsehen nicht ein zur Zielgruppe weiblich ab 47. Dabei ist das ein Viertel der Menschen im Land und macht ganz andere Sachen. Eine Initiative ruft deshalb auf: „Let’s change the Picture“!

Die Schauspielerin Esther Esche ist über 50 und bekommt oft Rollen angeboten, „die ihrer Meinung nach ein negatives Bild von nicht mehr ganz so jungen Frauen zeichnen“. Ziemlich vorsichtig kündigt Caro Korneli da ihr Gespräch mit der Schauspielerin auf Deutschlandfunk Kultur an. Denn was Esche aufzählt, sind Klischees, die selbst vor 50 Jahren nicht mehr jung waren: „Betrogene Anwaltsgattinnen, frustrierte Ehefrauen, Alkoholikerinnen habe ich auch schon gemacht, Witwen, Frauen, die es irgendwie noch auf die Reihe kriegen, wenn der Mann gestorben ist, ihr Dasein zu fristen […]. Häufig sind die Figuren, die ich angeboten bekomme, ,Fleischbeilage’ – er ist der Hauptact, und sie ist die Wasserträgerin.“

Sie staune bei Filmen nur, „warum die Geschichten so rar sind um Frauen jenseits eines bestimmten Alters, jenseits der 50. Und da frage ich mich, gibt es jetzt kein Interesse seitens der Geschichtenerzähler, also der Filmemacher und der Redakteure, oder ist es vielleicht das mangelnde Interesse des Publikums?“

21 Millionen Frauen ab 47 leben in Deutschland, verrät Silke Burmester in „Palais F*luxx“, ihrem „Online-Magazin für Rausch, Revolte, Wechseljahre“. Also ein Viertel der Bevölkerung. Aber ganz abgesehen davon: „Glauben die Film- und Fernsehmacher*innen wirklich, wir seien nur innerhalb einer Beziehung glücklich? Wir wären gramgebeugt, wenn wir niemanden hätten, um den wir uns kümmerten? Uns fiele nichts Besseres ein, als zu gärtnern, einen Buchladen zu betreiben oder Tierärztin zu sein? Glauben sie wirklich, wir seien Frauen ohne Unterleib? Ohne Erotik und Libido? Ohne Interesse an der Welt und daran, jetzt, wo für so viele Frauen das familiäre Programm beendet ist oder schlicht das Kümmerhormon in den Sparmodus umschaltet, sich selbst neu zu entdecken? ,Wechseljahre’ bedeuten nicht nur körperliche Veränderung. Die Jahre des Wechsels sind die des Wandels. Sie stehen für einen Prozess, in dem bei vielen Frauen das Leben auf den Kopf gestellt wird. Mehr noch: in dem viele Frauen sich neu erfinden. Und sich neu ausrichten. Indem sie aufbrechen.“ 

Was stattdessen gezeigt wird, zitiert Joachim Huber im „Tagesspiegel“: „In Kino und Fernsehen kommen auf sieben Männer ab fünfzig nur drei Frauen. Und die kümmern sich. Um Männer, Enkel, Blumen. Sind betrogen, verlassen, asexuell. Sie haben keine Wünsche, außer nach Harmonie.“ 

Dass sich etwas ändert, sieht er skeptisch: „Nun hat sich insbesondere das öffentlich-rechtliche Fernsehen aufgemacht, sich vom älteren Publikum abzu- und dem jüngeren zuzuwenden. Hunderte Millionen Euro werden deswegen vom Linearen ins Digitale umgeschichtet. Noch weiß keiner so genau, ob die Operation ,Jugendwahn’ glückt, klar ist aber, dass ARD und ZDF den Generationenkonflikt zwischen Jung und Alt austragen wollen. Die Jungen sind die Beitragszahler von morgen, und ihre Bindung ans öffentlich-rechtliche System ist deutlich weniger ausgeprägt als bei den Älteren. In der Fiktion bei ARD und ZDF wird es weniger Angebote von, mit und für Frauen 47+ geben.“

Die Journalistin Burmester und die Schauspielerin Gesine Cukrowski jedenfalls haben kurz vor der Berlinale die Initiative „Let’s change the Picture“ gestartet – für mehr Sichtbarkeit, Mut und bessere Drehbücher. auf der Website gibt es weitere Links und Text­bausteine, um mit wenig Aufwand eine E-Mail ans ZDF zu schreiben. Das nämlich hatte das jüngste Beispiel verengten Blick geliefert: In der Serie „Der Schwarm“ gebe es unter 13 Haupt­figuren lediglich „eine einzige deutlich ältere Frau“, und die werde als ein „weiteres ärgerliches Klischee einer etablierten älteren Frau“ dargestellt: „verbiestert, knochen­trocken, hart, unfair und streng“ sowie „ohne den geringsten Verweis auf Erotik in ihrem Leben“.

Bei Deutschlandfunk Kultur erklärte Cukrowski, wie sie mit der Aktion das Bewusstsein und den Umgang mit Drehbüchern ändern will. Denn Studien zeigen: Männer über 50 bekommen noch zentrale Rollen, Frauen kommen dann hingegen kaum noch vor oder nur in Nebenrollen. 

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