Im Frühjahr wurde das Filmfest Dresden wegen Corona abgesagt. Vorige Woche wagte es den zweiten Anlauf. Mit Maske und mehr Abstand als im Vorjahr, als dieses Foto entstand. | Foto © Filmfest Dresden

Venedig feiert das Kino, die Kinos spielen wieder, und gedreht wird auch wieder … die Filmwelt hat sich mit der neuen Normalität arrangiert. Die Probleme bleiben die alten, zeigt unser Streifzug durch die Medien.

„Genug vom cineastischen Magerquark!“ In der „Zeit“ rechnete Georg Seeßlen mit der deutschen Filmförderung ab und fasst die Stimmung in der drei Sätze zusammen: So kann es nicht weitergehen. Aber so geht es weiter. Und es wird noch schlimmer.

 

Als erstes großes Filmfestival in der Corona-Pandemie startete Anfang September Venedig – mit Abstand und Maske im Kino. Ohne Blockbuster aus den USA, aber mit dem bislang höchsten Frauenanteil und vielen neuen Filmemacher*innen im Wettbewerb, bemerkte die „Frankfurter Rundschau“ und findet Beiträge, „die zum Schwebezustand im Post-Lockdown gut passen“.
Auch die „Berliner Zeitung“ berichtet und sieht vor allem „Politik von gestern und heute in den Filmen von Venedig“.
Die „Süddeutsche Zeitung“ fand das Festival ziemlich geschrumpft, und die Filme bisher düsterer als sonst. Dafür widmete sie der Jury-Vorsitzenden Cate Blanchett umso lieber ein Porträt.

Mit fünf Monaten Verspätung startete am Dienstag das Filmfest Dresden. Im zweiten Anlauf aber richtig, mit 340 Kurzfilmen und elf Kinos. „An Regisseurinnen kommt man bei der diesjährigen Ausgabe nicht vorbei: Filme von Frauen sind so stark wie nie vertreten“, betont der MDR: „Im internationalen Wettbewerb kommt sogar die Hälfte der Filme von Regisseurinnen, und eine Retrospektive widmet sich DDR-Filmemacherinnen.“

 

Auch die Berlinale will nächstes Jahr wieder richtig stattfinden, teilte das Festival im August mit. Und sorgte mit einer Neuerung für heftige Diskussionen: Die Schauspielpreise werden künftig unabhängig vom Geschlecht vergeben. Das Leitungsduo der Berlinale nennt das „ein Signal für ein gendergerechteres Bewusstsein in der Filmbranche“. Schließlich werden auch alle übrigen Gewerke „genderneutral“ ausgezeichnet.
Damit werde der dritte oder vierte Schritt vor dem ersten getan, sagte Barbara Rohm, die Vorsitzende von „Pro Quote Film“, im Interview mit dem Deutschlandfunk. „Die Welt“ schildert die Kritik: „Um mehr gendergerechtes Bewusstsein in der Branche zu erreichen und ein Signal zu setzen, müssen die derzeit benachteiligten Geschlechter sichtbarer werden. Aber die Streichung der Geschlechterkategorien führt zum Gegenteil“, sagte Leslie Malton, Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands Schauspiel. Und Pro Quote Film hielt der Berlinale vor, sie sei selbst von Gendergerechtigkeit noch weit entfernt: Im Wettbewerb des Festivals etwa liefen viel mehr Filme von Männern als von Frauen.
Doch die Argumente der Kritiker*innen halten nur bedingt stand, fand „Der Spiegel“. Derweil hatten auf dem Festival in Venedig die Schauspielerinnen Cate Blanchett und Tilda Swinton die Entscheidung der Berlinale begrüßt, berichtet der „Guardian“ [auf Englisch]. Die Berlinale-Co-Chefin Mariette Rissenbeek verteidigte die Pläne im Deutschlandfunk: „Geschlechtergerechtigkeit müsse zuerst an der Basis, also in den Produktionsfirmen geschaffen werden und nicht im Nachhinein, wenn die Filme entstanden seien.“
Doch sollten die anderen Gewerke wirklich das Vorbild sein? Differenzierter und mit mehr Weitblick schildert der „Zwischenruf“ von Oda Tischewski auf WDR 3 das eigentliche Problem hinter dem Thema: Ohne Schauspielerinnen gäb’s in der Branche kaum noch Frauen mit Preisen. Und: Sie hätten oft „undankbare“ Rollen, die im Wettbewerb gegen Männer schlechtere Chancen haben. Die Frauenperspektive sei immer noch „ungewohnt“ in der Filmbranche. Dabei habe das „selbst die Pornoindustrie mittlerweile begriffen.“

 

Die „Oscars“ sollen vielfältiger werden, deshalb bekommt die wichtigste Kategorie „Bester Film“ neue Regeln, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“. Ab dem Jahr 2024 soll in der Sparte gelten, was Netflix schon länger vormacht: mehr Diversität bei den Geschlechtern, der sexuellen Orientierung, Minderheiten und Menschen mit Behinderung. Dafür habe die Academy of Motion Picture Arts and Sciences vier Kriterien festgelegt: Vielfalt vor der Kamera, in der Filmcrew, im Produktionsstudio und bei anderen Bereichen zur Filmentwicklung und -veröffentlichung. Der Akademie-Vorstand beschrieb die Standards als „Katalysator“ für wesentliche und langanhaltende Veränderungen in der Filmindustrie: Die „Öffnung“ müsse breiter werden, „um unsere diverse globale Weltbevölkerung bei der Schaffung von Filmen und das Publikum widerzuspiegeln, das sich mit ihnen verbindet.“

Echter Hunger in Hollywood: Viele US-Amerikaner leben von der Hand in den Mund. Soziale Sicherungssysteme wie hier gibt es nicht, Essensausgaben werden überlebenswichtig. Die Deutsche Welle berichtet aus der Filmstadt, in der auch echte Menschen leben.

 

Auf „halbem Weg“ sieht „Blickpunkt Film“ das Kino-Comeback in Deutschland. Der Start von „Tenet“ habe eine Initialzündung gesetzt, die nachwirke. Gegenüber der Vorwoche konnten sich die Zahlen „zuletzt noch einmal deutlich verbessern“. Der Blick richte sich nach vorne.

Doch es gebe noch elementare Hürden: Christian Bräuer, Vorstandsvorsitzender der AG Kino-Gilde, sprach mit „Blickpunkt Film“ über die Zukunft: „Kinos haben eine Sache gelernt während der Schließung: Wie wichtig der Kontakt mit dem Publikum ist. Am besten digital – ein Trend, der schon vorher da war, den die Krise beschleunigt hat. Die Botschaft heißt: Baut euch eure Marke auf.“

Die Politik muss die Kinos retten, fordert „Digitalfernsehen“: Viele Kinobetreiber stehen nach Monaten des Lockdowns vor schier unüberwindbaren Problemen, die wohl oder übel in zahllosen Geschäftsaufgaben resultieren werden. Dass die großen Studios und Filmfabriken ihnen nicht helfen werden, habe sich bereits in der Krise gezeigt: Universal und Disney schwenkten kaltblütig auf Online-Veröffentlichungen um.

Mit zusätzlichen 11 Millionen Euro unterstützt die Filmförderungsanstalt Verleih und Vertrieb. Das Geld fließt im Rahmen des ist Teil des „Zukunftsprogramms Neustart Kultur“, die Vergabe orientiere sich „an den etablierten Strukturen des Filmförderungsgesetzes“ und soll „Voraussetzungen für einen echten Neustart der Kinos schaffen“, teilte die Kulturstaatsministerin Monika Grütters Ende August mit.

 

Im Juni hatte der SWR kurzfristig seine Dokumentation „Wuhan – Chronik eines Ausbruchs“ abgesetzt. Zuvor war in Zeitungen kritisiert worden, dass für die Dokumentation zu einem großen Teil auf Bildmaterial einer staatlich kontrollierten chinesischen Produktionsfirma verwendet wurde. Autoren, die den Film (unter wenigen) tatsächlich gesehen haben, hatten daran nichts auszusetzen. Die Entscheidung des SWR bleibt fragwürdig. Für die „Medienkorrespondenz“ steht nun ein Geschwistersender im Verdacht: „Verblüffenderweise“ sei „die Munition für die Kritik“ vor allem vom NDR gekommen. Dort hatte man mit „Der Zug der Seuche“ einen Überblick über die bisherige Entwicklung der Pandemie in Planung. Der Rundfunkrat des SWR wolle sich am 24. September mit der Absetzung von „Wuhan – Chronik eines Ausbruchs“ befassen.

 

Das „Haus der Selbstständigen“ hat am 1. September in Leipzig seine Arbeit aufgenommen. In den nächsten zwei Jahren soll dort unter anderem ein berufsübergreifendes Vernetzungs- und Weiterbildungsangebot für Solo-Selbstständige und Plattformbeschäftigte entstehen, teilt die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Verdi mit. Ziel sei, Solo- Selbstständige und ihre Belange stärker in die öffentliche und politische Wahrnehmung zu rücken, ihre Vergütungssituation und Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Seit Anfang Mai ist Anna Schoeppe neue Geschäftsführerin der Hessischen Filmförderung. Mit „Blickpunkt Film sprach“ sie über den Neustart bei der Länderförderung, Ziele und aktuelle Herausforderungen – und das Branchen-Qualifizierungsprogramm STEP. Damit soll dem Fachkräftemangel in Hessen abgeholfen werden. Bis zu 1.900 Euro werden pro Person und Monat bezuschusst, um Filmnachwuchs in Projekte, die in Hessen entstehen, einzubinden. Weiterbildungen werden bis zu 1.500 Euro unterstützt. Autoren werden mit monatlich 1.500 Euro über zehn Monate in der Projektentwicklung gefördert.

„Das Studio Babelsberg und die Ufa schrieben einst Kinogeschichte. Nach einer wechselvollen Geschichte tastet sich das Studio zurück auf die internationale Bühne.“ Die „Süddeutsche Zeitung“ nutzt den Sommer für einen nostalgischen Rückblick mit nüchternem Fazit: „Was die Technik angeht, bei Dreh und Computer-Nachbearbeitung, ist man in Babelsberg auf dem neuesten Stand, kann sich mit den Amerikanern messen. Was fehlt, ist ein Gefühl von Weite und Lässigkeit, jene Selbstverständlichkeit, die Hollywood in jeder Einstellung reflektiert.“

Ungarns Ministerpräsident will nun auch die Macht über die Universitäten, fürchtet die „Berliner Zeitung“: Viktor Orban bringt die Theater- und Filmuniversität Budapest auf Regierungskurs. Die Studierenden protestieren und besetzen das Lehrgebäude. Doch sie sind leichte Opfer: Die Filmuniversität ist die kleinste Universität im Land.

Statt Fliegen killt nun Streamen das Klima? Nicht unbedingt, sagte Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) gestern in einer Videokonferenz, berichtet das Onlinemagazin „Golem“. Ein erheblicher Teil des Energieverbrauchs beim Streaming entstehe auf den letzten Metern. Dabei gebe es „große Unterschiede – je nachdem, mit welcher Technik die Daten übertragen werden“. Diese Erkenntnis gehe aus dem Forschungsprojekt Green-Cloud-Computing im Auftrag des Umweltbundesamts hervor. Dafür wurden die Umweltauswirkungen von Online-Speichern und Videostreaming durch das Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration sowie das Berliner Öko-Institut Umweltwirkungen gemessen.

Der Schauspieler Birol Ünel ist nach schwerer Krankheit im Alter von 59 Jahren gestorben. Der „Taz“ blieb er als exzentrischer Koch aus „Soul Kitchen“ in Erinnerung.
„In 70 Filmen kein Happy End“ bedauert der Nachruf der „Welt“.
In der „Zeit“ gedenkt der Regisseur Neco Çelik seines „großen, wilden Freunds“: Er war widerspenstig, zärtlich, zerstörerisch. Wenn er vor der Kamera stand, verblassten alle neben ihm.

Der tschechische Regisseur Jirí Menzel ist am vorigen Samstag gestorben. 1966 bekam er den „Oscar“, nach dem Ende des „Prager Frühlings“ keine Filmaufträge mehr. Bis ihn die Defa nach Babelsberg holte, erinnert die „Berliner Zeitung“.

 

Die ARD kündigt eine Serienoffensive an und will ihre Mediathek stärken: Für viele Serien gilt ab dem Herbst „online first“. „Wir denken nicht länger zuerst in linearen Sendeplätzen, sondern konsequent zuerst in Inhalten und Projekten“, sagt Fiction-Koordinator Jörg Schönenborn und spricht von einem „Paradigmenwechsel“.

„Auch das ZDF hat in der Tat Baustellen“, sagt Programmdirektor Norbert Himmler. Aber „wir haben alles im Griff“. Im Interview mit DWDL betont er die besondere Fürsorge des Senders für seine Auftragsproduzent*innen und schildert die Pläne fürs kommende Programm.

Die Streamingplattform des ORF soll im nächsten Sommer in Österreich starten. Erste Module des „Players“ seien für das dritte Quartal 2021 geplant, am Mittwoch wurden die Planungen in einer Mitarbeiterversammlung vorgestellt, berichtet der „Standard“.

Streaming-Riesen sollen in den Schweizer Film investieren, wenn auch nur ein wenig: 4 Prozent ihrer Einnahmen in der Schweiz hatte der Bundesrat angedacht, der Nationalrat hat das auf nun 1 Prozent reduziert – mit 97 zu 91 Stimmen. Zustimmung fand allerdings die Einführung einer Quote für europäische Filme: 30 Prozent des Filmkatalogs von Videoplattformen sollen ihnen vorbehalten sein, berichtet das Schweizer Fernsehen.

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