Filme wollte sie schon machen, als sie 30 war. Dann kamen nochmal 30 Jahre und einige Umwege, bis Ulla Geiger (links) sich an ihren ­Debütfilm wagte. Ihr Hauptdarsteller Michael Ransburg (rechts) bekräftigte sie in ihrem Entschluss. Die Premiere sollte im März sein. Nun startet „Wir drehen keinen Film“ erstmal online. | Foto © Ulla Geiger

 

Voraussichtlich bleiben die Kinos länger geschlossen. Das Erlebnis, gemeinsam mit Fremden etwas zu erleben, wird weiterhin nicht möglich sein. Ideen, wie man Filme trotzdem zum Publikum bringt, gibt es immer mehr; viele unterschiedliche Konzepte tauchen auf. Ich fürchte, das verzettelt sich. Im Zweifel wird man nicht erstmal auf die Suche gehen, wie man an einen Film rankommt, sondern doch bei den großen Anbietern Netflix, Amazon Prime und seit kurzem Disney+ bleiben. Es fehlt sicherlich eine gemeinsame Plattform, von der aus das Publikum auswählen könnte. Bis dahin stelle ich die verschiedenen Ansätze vor.

Die Idee eine Plattform zu schaffen, von der aus man die verschiedenen Aktionen aus dem Kulturbereich (Kino ebenso wie Konzerte und Museumsauftritte) sehen kann, hatte ein Team auf dem Hackathon #WirVsVirus der Bundesregierung vom 20. bis 22. März 2020. Bei Culturestreams kann man nun die unzähligen Kultur-Streams gebündelt oder gefiltert auffinden. Die Seite ist noch in der Beta-Version. Von dieser Seite aus kommt man zum Beispiel auf Kinoflimmern: 

Wenn man in der letzten regulären Ausgabe 470 von „cinearte“ den unterhaltsamen Produktionsbericht von Ulla Geiger zu ihrem Spielfilmdebüt „Wir drehen keinen Film“ gelesen hat, kam einem sicherlich der Gedanke: Wie viel Pech kann man haben? Ulla Geiger musste so einige Hürden überwinden. Das ist an sich nicht ungewöhnlich, aber da die Regisseurin doch schon zu einem älteren Semester gehört, ist ihr Bericht, zumal sie ihren Humor nie verliert, lesenswert. Der lang anvisierte Start am 19. März fiel nun aus. Der kleine Verleih Der Filmverleih hat sich nun auch Gedanken gemacht, wie sein Programm zu den Zuschauern kommen kann. Dafür wählte es den Anbieter Kinoflimmern von Tobias Leveringhaus, Filmproduzent und Programmplaner des Kölner Kinos Turistarama.
Und darum geht’s: Ein vom selbst verschuldeten Beziehungspech gebeutelter Schauspieler heuert eine Kamerafrau an, um sich und seinen Alltag aufzunehmen. Mit der Hilfe der Aufnahmen will er überprüfen, wie er so rüberkommt und folglich, was er ändern sollte und könnte. Immer wieder muss er die Kamerafrau, die mit guten Ideen dabei ist, darauf hinweisen, dass sie keinen Film drehen. Aber natürlich wurde aus dem Film eine Mockumentary, eine Komödie, die das Zeug zum Publikumsliebling hätte.
Hätte. „Wir drehen keinen Film“ ist zeitlos. Aber Zeit ist nicht endlos, und darum bringt der Filmverleih die Komödie vor dem regulären, irgendwann in der Zukunft liegenden, neuen Kinostart auf die Plattform Kinoflimmern. Dort ist der Film allerdings nicht im Abo enthalten. Es handelt sich vielmehr um eine Kooperation – die Programmkinos werden einbezogen: Das heißt, man wählt „sein“ Kino (sofern es den Film gespielt hätte), das Kino wird so beteiligt, so als würde es den Film bei sich im Haus spielen.
[Der Filmverleih. Leihgebühr für 48 Stunden: 8 Euro.]

Am 2. April 2020 wäre das ambitionierte deutsche Drama „Kopfplatzen“ gestartet. Verleih Salzgeber. Nun hat sich der Verleih auch etwas ausgedacht. Während man ältere Backkatalog-Titel weiterhin über den eigenen Vimeo-Channel anbietet, setzt man jetzt mit den exklusiven Premierentiteln auf den neu gegründeten Salzgeber Club. Jede Woche Donnerstag wird ein neuer Film präsentiert. Den Anfang macht „Kopfplatzen“. Sava? Ceviz besetzt Max Riemelt in der Rolle eines Pädophilen, der Hilfe sucht, um den Trieb, den er selbst ablehnt, kontrollieren zu können. Was so nicht klappt und nicht nur im Selbsthass mündet. Max Riemelts Spiel ist hervorragend. Ceviz ist mit der Besetzung ein Wagnis eingegangen, das aber funktioniert. Denn das Publikum, dass den Schauspieler mag, begegnet der Rolle mit Abwägung, füchtet mit ihr und muss einiges an Kopfarbeit leisten, um den Spagat, den diese kaum und immer weniger beherrscht, mitzufühlen. Es handelt sich wahrlich nicht um einfache Kinokost.
[Salzgeber. Leihgebühr für 24 Stunden: 4,99 Euro.]

Und dann ist da noch das Känguru. Humor sollte man nicht unterschätzen. Vorfreude ist auch nicht zu verachten. Dani Levys Verfilmung von Marc-Uwe Klings Kreuzberger „Känguru-Chroniken“ ist am 5. März 2020 gestartet und konnte somit auch nicht sein volles Potenzial ausschöpfen, Platz 1 hin oder her. Die Fans, die es nicht mehr ins Kino geschafft und auch kein Autokino vor Ort haben, können ab heute die bekannten digitalen Anbieter aufsuchen. Der Leihpreis wurde für diesen Sondereinsatz angehoben, das Ticket kostet 17 Euro, um mit dem Geld die Kinos zu unterstützen. X-Verleih hat sich hierfür mit den Kinovertretern abgesprochen und sobald die Kinos wieder offen sind, kommt das Känguru zurück. Dann sogar in einer „aufgemotzten“ Version, sagt das Känguru.
[
X-Verleih. Leihgebühr: 17 Euro.]

 

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