Wenn die Kunst wichtiger wird als die Botschaft: Das Programm zur neuen „Biennale des bewegten Bildes“ ist so schön gestaltet, dass sich keiner mehr zurecht findet. | Screenshot

Genau zwei Jahre ist es her, dass in Frankfurt zum letzten Mal die „Edit“ tagte. Was viele nicht so schlimm fanden, weil sie die Bankenstadt eh nicht für einen Medienstandort hielten (was man bei drei Tageszeitungen, etlicher Magazine und Buchverlage, einem Fernseh- und mehreren Radiosendern an anderer Stelle auch mal diskutieren könnte), ich aber doch bisschen bedauerte. Weil, nach 13 Jahren, das „Filmmaker’s Festival“ endlich auf dem richtigen Weg schien, dieses Versprechen einzulösen: Ein Kongress der Filmkünste in ihrer gesamten Bandbreite – umfassender als die auf digitale Effekte und Postproduktion spezialisierte FMX, gründlicher und praxisnäher als die Medientage, die die „richtigen“ Medienstandorte alljährlich für viel Geld veranstalten, um vornehmlich doch nur Funktionäre und Theoretiker im luftleeren Raum über vermeintliche Trends diskutieren zu lassen. Kurz: Die Edit stellte am Ende etwas ziemlich Einzigartiges dar, nicht nur in Deutschland. Leider aber war sie glücklos: „Den Namen ,Edit‘ kannte kein Mensch“, klagte Kunstministerin Eva Kühne-Hörmann im vorigen Jahr. Vielleicht hätte die Veranstaltung ja nur noch ein paar Jahre gebraucht, wer weiß das schon. Doch jeder Jahrgang der Edit kostete rund eine Million Euro, die das Land Hessen zu gut drei Vierteln finanzierte, da war es dem Rechnungshof und dem zuständigen Ministerium irgendwann zu viel – nach der Ausgabe von 2011 kam das Aus.

Beziehungsweise der Neustart: Morgen lädt Frankfurt wieder zum Kongress. Der trägt nun einen anderen Namen, hinter der neuen „B3 Biennale des bewegten Bildes“ stecken als Partner und Geldgeber aber die gleichen öffentlichen Institutionen die einst vergeblich hofften, die Edit könne als Leuchtturm auf die hessische Medienkompetenz hinweisen, lediglich die Organisatoren sind andere. Vielleicht hatte man den alten ja ein bisschen viel zugemutet, denn was Bekanntheit und Außenwirkung angeht, passte die Edit doch durchaus in die Landschaft: Als Filmstandort fällt Hessen selbst Fachleuten nicht als erstes ein, kaum besser geht es der Kunsthochschule Kassel (trotz zweier „Oscars“) oder der Hochschule für Gestaltung in Offenbach (HFG), die es nun richten soll. Und wenn die Berliner Agentur, die im Regierungsauftrag die Edit begutachtete, bemängelt, trotz öffentlicher Mittel von rund 15 Millionen Euro seit ihrer Gründung sei die Veranstaltung weder eine „Marke“ geworden noch besitze sie Alleinstellungsmerkmale, hat sie mit dem ersten zwar Recht und mit dem zweiten nicht, insgesamt heißt das aber nicht, dass sie es besser könnte. Die eigenen Projekte in der Branche, die sie auf ihrer Website vorstellt, verraten jedenfalls nichts davon.

Doch was da alles hinter den Kulissen vor sich ging, will mich gar nicht interessieren, solange das, was für einen kurzen Moment erreichbar schien, doch noch möglich wird. Zumindest mehr Zeit scheint dem neuen Versuch gegeben zu werden: Es sei nicht das Ziel, „ein Feuerwerk à la Hollywood abzubrennen“, sondern in erster Linie „Erfolge für die Zukunft zu säen“, sagte im vorigen Jahr Prof. Bernd Kracke Kracke, der als Präsident der HFG und Sprecher der Hessischen Film- und Medienakademie (hFMA) das neue Konzept verantwortet. Ein breiteres Publikum als bisher soll angesprochen werden und sich neben dem Fachpublikum vor allem an den Nachwuchs richten. Das wollten zwar schon die früheren Organisatoren, doch wenigstens in der Präsenz hat man nun zugelegt. Quer durch die Frankfurter Innenstadt sind die Veranstaltungsorte verteilt und prominent. „Das neue Erzählen“ ist das Thema, das alle zusammenhält, und dabei geht’s natürlich um das Phänomen der Fernsehserienbegeisterung. Die ist zwar nicht mehr so neu, lässt die Veranstalter aber offenbar auf Publikumsinteresse hoffen und wird in den Veranstaltungen vornehmlich aus wissenschaftlicher, kunsttheoretischer und ökonomischer Sicht behandelt. Ein paar wenige Filmemacher sind im Programm auch noch auszumachen – ganz so wie auf den üblichen Medientagen der andern Standorte halt auch. Am Alleinstellungsmerkmal sollte man also noch ein wenig nachbessern, wenn man tatsächlich eine Marke schaffen will. Oder gar einen ganzen Leuchtturm errichten.

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