Schnitt: Harry Bannoehr

Am 23. August wurden in Berlin wieder die First Steps Awards vergeben. Eine der wichtigsten Ehrungen für den deutschen Filmnachwuchs. Zu den Veranstaltern gehören Pro Sieben Sat.1, die Deutsche Filmakademie, Mercedes-Benz, Teamworx und Spiegel TV. Gründervater Bernd Eichinger hatte diesen Preis seit 2000 stets begleitet und maßgeblich beeinflusst. Große Aufmerksamkeit zogen in diesem Jahr daher Witwe und Tochter Eichinger auf sich, die zukünftig den Produzentenpreis „No Fear“ in Höhe von 5000 € stiften werden. Weiterhin werden mehr Platz für lange sowie kurze Dokumentarfilme eingeführt. Bislang war das allein unter der Kategorie „Dokumentarfilm“ abgedeckt. Es soll diesmal die höchste Anzahl an Einreichungen gegeben haben. Daher wird die Jury nächstes Jahr wohl aufgestockt. Als private Initiative der Filmbranche wird mit Unterstützung der Wirtschaft hier also jedes Jahr aufs Neue auf die gegebenen Anlässe eingegangen, um effektive Förderung zu leisten. Ich nahm mir für diesen Abend nun vor, kleine Mini Statements unter Kollegen und anderen Filmschaffenden zu sammeln, die sich der Frage „Was läuft im Filmbusiness gut“ stellten. Die Äußerungen waren teilweise amüsant bis „unter die Gürtellinie“.

Einem prominenten Kollegen fiel überhaupt nichts Positives ein außer: „Koks und die Frauen die man dann alle umsonst haben kann“. Ah ja, und sonst? Ich war schließlich auf der Suche nach vorbildlichen Ereignissen oder Entwicklungen, die man im Rahmen einer solchen Veranstaltung auch mal würdigen könnte. „Es muss ja nicht immer alles negativ sein“ kommentierte letztens eine mir bekannte PR-Agentin. Natürlich behandeln wir bei out takes viele Brisanzthemen, die uns in der Filmlandschaft beschäftigen oder Sorgen bereiten. Es ist auch wichtig, über die Haus- und Hofpolitik mancher Institutionen oder Gesetzgebungen offen reden und diskutieren zu können. Selbst wenn die Leidenschaft für die kreative Arbeit oftmals „Leiden“ „schafft“, gibt es auch Perlen und Licht am Ende eines Tunnels zu entdecken, sonst würden wir alle unsere Berufe als Autoren, Schauspieler, Beleuchter, Regisseure, Produzenten, Kameraleute u.s.w. ja nicht machen. Bei den Meisten Befragten ließ sich zwar immer noch raushören „was besser laufen könnte“, anstatt was gegenwärtig tatsächlich „gut läuft“, doch es gab mitunter auch hoffnungsvolle Stimmen. Hier eine kleine Auswahl:

Karoline Schuch (Schauspielerin, „Tatort“ Köln, „Zeiten ändern Dich“): Ich finde es schön, dass wir alle irgendwie gemeinsam an etwas glauben. Wir haben in der Branche die gleichen Sorgen und Ängste. Vieles wirkt oft verschleiert und aufgesetzt, aber im Grunde verbindet uns auch sehr viel. Wenn man für etwas einsteht und hart gekämpft hat, wird das auch belohnt. Und ich freue mir so einen Ast ab, wenn ein Film wie „Kriegerin“ heute Abend den First Steps Award gewinnt. Besonders freue ich mich für meinen Kollegen Gerdy Zint, der dort die männliche Hauptrolle gespielt hat. Für ihn war der Weg oft sehr hart, daher ist dieser Preis wirklich hochverdient. Der Zusammenhalt ist bei so was eben sehr stark.

Patrick Simon (Redakteur Sat.1): Ich finde es positiv, dass aufgrund der budgetierten Situationen Autoren, Produktion und Regie immer mehr zusammenwachsen. Mit starren Systemen, wo nur eine Person im Elfenbeinturm sitzt, wird immer mehr aufgeräumt. Als zweites finde ich gut, dass es wieder Normalität wird, dass auch gestandene Schauspieler oder Prominente zu Castings gehen. Und  positiv ist auch, dass von Low Budget bis hin zu den grossen Events alle Genres wieder mehr bespielt werden. Sodass die Romantic-Comedy nicht zur Einbahnstrasse wird.

Birthe Wolter (Schauspielerin u.a. „Tatort“ Stuttgart, „Schillerstraße“): Die Frage ist im Grunde schwierig. Denn es gibt zwar nette Sachen wie, dass ich Klamotten gesponsert kriege, wenn ich viel drehe, und mich dann fühlen darf wie eine Barbie, obwohl ich früher nie mit Barbies gespielt habe … (lacht). Aber es gibt nun mal nicht für jeden Rollen. Natürlich finde ich es schön was wir machen, wenn wir es mal machen, aber es könnten auch ruhig mal wieder mehr verschiedene Gesichter auftreten. Ansonsten ist es für uns Schauspieler natürlich toll, dass man sehr viel über sich selber lernt und seine Kreativität ausleben darf.

Pablo Sprungala (Schauspieler u.a. „Soko Leipzig“): Ich finde es positiv, dass 99 Prozent meiner Kollegen nett und angenehm sind. Es ist normal, dass in Krisenzeiten alles negativ bewertet wird. Aber am heutigen Abend konnte man sehen, dass Produktionen von jungen aufstrebenden Autoren und Filmemachern auch honoriert werden. Filme wie „Kriegerin“ oder „Hell“ zeigen, dass sich hier eine junge Generation an Filmemachern auch mal an sperrige Themen heran traut, jenseits von den sonst zu oft thematisierten Hausfrauenproblemchen. Das macht Mut, darauf habe ich Bock.

Gerdy Zint (Schauspieler, „Kriegerin“, First Steps Award 2011): Es bedeutet mir wirklich sehr viel, dass ich die Leute mit meiner Spielfreude und Energie unterhalten kann. Ich habe schon viel gekämpft in diesem Beruf. Heute Abend haben wir den First Steps Award für den besten Film gewonnen und davor in München zwei Preise beim Förderpreis Deutscher Film. Trotzdem gehe ich morgen früh wieder auf den Bau arbeiten. Ich bin parallel gelernter Dachklempner. Ich habe begriffen, dass es gut ist, geerdet zu sein, nicht rumzusitzen und auf die große Rolle zu warten, sondern weiter zu machen. Man ist nichts besonderes, nur weil man Schauspieler ist. Man ist ja immer noch ein Mensch und das ist ein Beruf wie jeder andere. Schön ist beim Film, so unglaublich viele interessante Menschen kennen zu lernen und viele verschiedene Spielstädten zu bereisen. Meinen Sohn immer mit zum Dreh nehmen zu können, ist auch klasse. Dass durch Preise wie First Steps Award die Leistung der Nachwuchsleute gefeiert wird, ist super. Gleichzeitig kritisiere ich bei all dem Hype aber auch, dass die Schauspieler in solchen Studentenfilmen leer ausgehen. Denn ausgezeichnet werden in der Regel nur die Regisseure oder Produzenten. Dass keiner mal auf die Idee kommt, sich auch für die Schauspieler einzusetzen, die mehrere Wochen umsonst gearbeitet haben, ist echt enttäuschend. Ein kleiner Obolus wäre schön. Oft sind Preisgelder nämlich an weiterführende Projekte gebunden. Natürlich ist der Preis für „Kriegerin“ ansonsten absolut verdient für das Buch und die Regie.

Golo Euler (Schauspieler, „Henker & Richter“, „Kasimir und Karolin“, Bester Schauspieler beim Förderpreis Deutscher Film 2011): Ich finde es super, dass man Sachen machen kann, die man sonst nicht machen darf. ?Man lernt und entdeckt so viele Dinge in unserem Bereich. Ausserdem macht es so großen Spaß, als Schauspieler mal eine Prise Schwiegersohn oder mal eine Prise Geheimagent zu sein. Weiterhin finde ich die Arbeit des BFFS sehr gut! Der Verband wächst und wächst und wird immer aktiver und ein immer wichtigerer Spieler auf dem Film- Fernsehspielfeld. Das hilft, die gesichts- und stimmlosen Einzelkämpfer zu sammeln und zu organisieren.

Mein Resümee: Es gibt natürlich viel Handlungsbedarf in unserer kleinen Filmwelt. Am Ende des Tages sitzen wir aber in einem Boot, denn wir möchten alle starke und qualitativ hochwertige Filme machen. An den Bedingungen lässt sich noch arbeiten, ganz klar. Für mich persönlich sind Preisverleihungen dieser Art aber schon mal kleine Sternstunden die erkennen lassen, wie viel Mut, Energie, Passion und Bildkraft unter den Kreativen existiert. Wenn ein Film wie „Papa“ von Umut Dag (First Steps Award 2011 als bester mittellanger Film) solch eine Spannung und Stille auslöst, dass es einen in die Sitze nagelt, ist man wirklich mit jeder Faser ergriffen. Dabei sagte der Absolvent der Wiener Filmakademie selbst, er hätte es nicht für möglich gehalten, mit diesem Film die Jury zu beeindrucken. Er habe ja völlig untypische Stilmittel verwendet, teilweise dokumentarisch und mit vielen Jump-cuts gefilmt.

Berührend zu beobachten war auch, wie Regisseur und Autor David F. Wnendt (First Steps Award 2011, bester abendfüllender Spielfilm für „Kriegerin“) in seiner Dankesrede die Tränen nicht mehr unterdrücken konnte. Er bedankte sich allen voran bei seinen Eltern, die ihm durch ihre finanzielle Unterstützung das Filmstudium überhaupt ermöglicht haben. Auch hier kann ich mich nur den Worten der oben zitierten Kollegen anschließen.

Es wurden auch witzige Einlagen wie durch den Werbespot gegen Filmpiraterie „Wir beklauen dich doch auch nicht“ geboten. Auffällig war, dass vermehrt Themen über Migration und Integration im Leben behandelt wurden. Nicht nur in Form der klassischen Abbildung sozialer Brennpunkte, sondern auf globale Sicht und durch alle Schichten. Insgesamt also intelligente, informative und unterhaltsame Werke, die einen repräsentativen Mix aus deutschen Nachwuchsarbeiten sichtbar machten.

Völlig zurecht hatte Bernd Eichinger sich im Hinblick auf das Produzieren immer vom Motto „No Fear“ leiten lassen, wie die Familie Eichinger in einer Anekdote zum Hintergrund des neuen Produzentenpreises erzählte. Denn die Angst sei die größte Bremse für Kreative.

1 Antwort
  1. Bernd sagte:

    Hurra ist das mal ein technisch miserables Video. Braucht ein Webportal keine ansprechende Kameraführung, Omas Dv in der Hand des (unbegabten) Praktikanten tut es auch?

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