Alles Kino und noch mehr … in der Woche vom 10. September 2020. Teil 2.

Wie man Political Correctness korrekt umgeht, das weiß der Schauspieler Alexander Schubert durchaus. Werden ihm doch regelmäßig in der ZDF-„Heute Show“ von Satirikern diese Korrektheit einigermaßen sprengende Dialoge in den Mund gelegt, wenn er den CDU-treuen „Alexander von Humboldt“ gibt. In seinem Regiedebüt sucht er anlehnend an den komödiantischen Stoff von Josef Fares’ „Kops“ von 2003 ähnliches auf der Leinwand zu verwirklichen und lässt Polizisten mal eben die Seiten wechseln. Das jedenfalls unternehmen die Beamten Deniz (Erkan Acar) und Rocky (Adrian Topol) wie auch das Paar Netti (Sanne Schnapp) und Hagen (Alexander Hörbe). Denn in dem kleinen Nest mitten in Nordrhein-Westfalen gleicht ihre Polizeistation eher einer Einrichtung für entschleunigtes Beamtentum. Damit Tina (Sina Tkotsch) die Station nicht auflöst, muss die Wache 23 gehörig viele neue Akten öffnen. Dabei kommt den Rettungslosen auch der Zufall zu Hilfe. Leider jedoch bleibt der Zuschauer in „Faking Bullshit – Krimineller als die Polizei erlaubt“ etwas glücklos auf so mancher Pointe sitzen. Was vielleicht auch an den harmlosen Dialogen liegen könnte. Oder es ist einfach so ein westfälischer Humor.

Echte russische Satire ist dagegen der Science-Fiction-Film von Giorgi Danelia, der in seiner Heimat 1986 in die Kinos kam und dort nicht nur als Kultfilm gilt, sondern auch die Alltagssprache um viele Wortschöpfungen bereicherte. Denn es geht im Film „Kin-Dza-Dza!“ um den Planeten Plük und die dort lebenden Plükianer. Diese Telepathen kennen nur zwei Wörter, nämlich „Ku“ und „Kü“, wobei das letzte ein Schimpfwort ist. Ausgerechnet Wladimir (Stanislav Lyubshin) und den Studenten Gedewan (Stanislav Lyubshin) verschlägt es auf diesen Planeten, nachdem sie von einem Mann auf der Straße angesprochen wurden. Doch auch auf dem fremden Planeten gibt es einige Gemeinsamkeiten mit der Erde. Wie auch im sozialistischen Russland ist in Plük manch Mangelware wirklich kostbar. Streichhölzer zum Beispiel. Als Exportware galt dieser Film leider lange Zeit nicht – bis ihn das Russian Cinema Council in englischer und französischer Synchronisation herausgab. Der Verleih Drop-Out Cinema hob diese Perle für die nächste Generation, die nun in den hiesigen Kinos mit den Plükianern anfreunden kann.

Ganz anderer Wesensart ist der Sci-Fi-Film „X-Men: New Mutants“, der psychisch labile Jugendliche zu Helden mit Superkräften stilisiert. Zunächst jedoch steht ein Krankenhausaufenthalt an, bei dem Magik (Anya Taylor-Joy), Wolfsbane (Maisie Williams), Cannonball (Charlie Heaton) und Sunspot (Henry Zaga) zusammenkommen. Unter der Leitung von Dr. Cecilia Reyes (Alice Braga) beginnen sie eine Therapie, die aber nur dem Zweck dient, an die Kräfte zu kommen, welche diese Jugendliche so besonders machen. Die neue Patientin Moonstar (Blu Hunt) lässt die Clique zusammenwachsen und gegen die krankenhäusliche Obrigkeit meutern. Josh Boones („Das Schicksal ist ein mieser Verräter“) Comic-Horror-Action, herausgegeben unter dem Markennamen der „X-Men“, wurde wegen von Corona verschoben und war auch in der Diskussion um eine direkte Auswertung beim Bezahlsender „Disney+“. Die Entscheidung fiel dann doch auf das traditionelle Kino.

Um echte Erwachsenendinge geht es wiederum im polnischen Gangsterfilm „Petla – Schlinge“ von Patryk Vega. Hier schnuppert der unscheinbare Polizeibeamte Daniel (Antoni Królikowski) echte Mafia-Luft, als er auf die ukrainische Zwillinge Zenia und Alex trifft und schnell zum Chef eines einflussreichen Bordells avanciert. Denn dort gehen Politiker und hochrangige Beamten ein und aus. Doch was ein ausgefuchster Polizist in Doppelfunktion ist, der installiert hier natürlich Kameras, die ihm viel Geld und noch viel mehr Ärger bringen. Locker basierend auf wahren Begebenheiten, widmet Patryk Vega, der viele seiner in Polen kassenstarken Filme auch gleich in Mini-Serien auswertete (darunter „Sluzby specjalne“ aus dem Jahr 2014), einer Sex-Affäre in Unterkarpatien seine Aufmerksamkeit, die wohl auch auf wahren Begebenheiten beruht. Weniger Aufmerksamkeit als dem Marketing widmete er darin jedoch den Dialogen im Film selbst, welche die Handlung eher skizzieren und die Figuren schablonenhaft machen, als mit Substanz füllen.

Eine schablonenhafte Figur ist auch die Mutter von Mae (Issa Rae) in „The Photograph“. Als die berühmte Fotografin stirbt, bleibt die Tochter ratlos zurück – konnte sie doch die Entfremdung von ihrer Mutter nie zu deren Lebzeiten auflösen. Ein in der Schublade gefundenes Foto und ein Brief bieten eine letzte Chance zur posthumen Annäherung. Die junge Frau begibt sich auf eine Reise in ihre Kindheit in den 1980er Jahren in New York, wo sie und ihre alleinerziehende Mutter lebten. Gleichzeitig nimmt der Journalist Michael (LaKeith Stanfield) Kontakt zu Mae auf und will mehr über ihre berühmte Mutter wissen. Zwischen beiden entwickelt sich eine Romanze, auf deren Zukunft das mütterliche Geheimnis zu wirken scheint. Der US-amerikanische Jazz-Pianist Robert Glasper schuf die erdende Filmmusik zum Plot von Regisseurin Stella Maghie („Jean and the Joneses“), der weniger kitschig daherkommt, als man vermuten könnte.

Der breiten Masse kaum bekannt und doch als einflussreich zu bezeichnen ist die deutsche Rap-Band RAG. Diese Ruhrpott AG hat in den 1990er-Jahren die Szene geprägt, wovon auch noch heute bekannte Größen wie Jan Delay, Kool Savas oder die Stieber Twins im Dokumentarfilm „We almost lost Bochum – Die Geschichte von RAG“ erzählen. 20 Jahre sind nun seit der Veröffentlichung des Debütalbums „Unter Tage“ vergangen. Zeit, so fanden die Dokumentarfilmer Julian Brimmers und Benjamin Westermann, einen Rückblick zu wagen. Auch, weil so der tragische Tod des Bandmitglieds Galla noch einmal würdig beleuchtet werden kann. Aber auch, weil ein Erklärungsmodell bislang fehlt, warum RAG bis heute unter dem Radar geblieben ist.

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