Wie möchte man besetzt werden? Wie möchte man gesehen werden? Wie kann man sein Können in wenigen Augenblicken einprägsam unter Beweis stellen? In unserer TV- und Filmlandschaft plagt sich die Mehrheit aller Schauspieler damit, dass man von den Entscheidungsträgern im Besetzungsprozess immerzu auf den Typ oder auf ein einziges Rollen-Profil beschränkt wird: „Einmal Polizist, immer Polizist.“
Auch Prof. Gebhard Henke (Leiter des Programmbereichs Kino, Fernsehfilm und Serie beim WDR) beschrieb im cn-Interview, wie Joachim Król damals nach seiner Rolle als Obdachloser in „Lola rennt“ zunächst unzählige Angebote bekam, einen Penner zu spielen. „Das ist ganz schön verteufelt. Man kann gleich mit dem ersten Film in so eine Schublade geraten. Das ist leider so“, so der WDR Redakteur.

Doch insbesondere die Tatsache, dass auch für Castings immer weniger Budget zur Verfügung gestellt wird, Zeitdruck herrscht und die verwalterische Schlacht sowie Recherche nach den passenden Schauspielern zunimmt, macht die Situation nicht einfacher.

Demnach hat sich das Demoband im deutschsprachigen Raum als obligatorische Visitenkarte durchgesetzt, um schnell und unverbindlich ein Talent zu überprüfen, ohne gleich reihenweise die Schauspieler quer durch die Republik zum Casting bestellen zu müssen. Spart Kosten und Wege, ganz klar. Ohne gedrehtes Material gibt es heute kaum Chancen, überhaupt wahrgenommen zu werden. Idealerweise hat man dabei eine repräsentative Auswahl der gespielten Kino oder TV-Ausschnitte auf seinem Band. Doch was ist, wenn man dort noch nicht angelangt ist? Ohne Material kein Job, ohne Job aber auch kein Material. Da beißt sich die Katze in den Schwanz. Somit wenden sich Anfänger oder Berufseinsteiger teilweise an kostspielige Institutionen, um sich Spielzsenen produzieren zu lassen. Oder man wirkt bei Kurz- und Studentenfilmen mit, um sein Repertoire für das Showreel aufzustocken.

Wenn man jedoch ständig nur die Krankenschwester spielt, oder das brave Mädchen von nebenan, kann man selten darauf aufmerksam machen, dass durchaus auch andere Figuren authentisch verkörpert werden können. Viele schieben es auf die mangelnde Fantasie der Besetzungsentscheider. Liegt aber sicherlich auch daran, dass einfach zu wenig Zeit für Live-Castings besteht und somit in kurzen Momentaufnahmen klar sein muß, dass der Schauspieler die Rolle tragen kann. Sprich: Hat man eine Rolle im Anzug auf dem Band, ist sofort klar „Ah ja, kann den Bänker spielen“. Der gleiche Schauspieler würde aber vielleicht nicht als Bänker in Frage kommen, wenn er in einer Rolle im Jogginganzug zu sehen wäre. Hinzu kommt, dass die Partner, die mit einem arbeiten wollen, am liebsten obendrauf noch die Persönlichkeit und den Mensch dahinter auf dem Showreel erkennen möchten. Wie soll man all das in wenige Sekunden verpacken, seine Betrachter in den Bann ziehen, sich als Privatperson vorstellen und zugleich klar machen: Ich kann die Prostituierte, die Bäckerin, die Putzfrau und auch Diva spielen?

Die ZAV München macht es vor! „sms – selfmadeshorties, das Festival der Showreelhits“ hieß die Aktion, bei der Schauspieler bundesweit aufgerufen wurden, ihren ganz persönlichen zweiminütigen Clip zu drehen und sich dabei so zu zeigen, wie man wirklich gesehen werden möchte. Die Kreativität, die dabei von den Teilnehmern freigesetzt wurde, ist überwältigend. Es macht wahnsinnig großen Spaß, diese humorvollen, leidenschaftlichen und erfrischenden Videos zu sehen. Man fühlt sich sofort zum Akteur verbunden und gewinnt im Grunde den allerbesten Einblick zur Person und zu den Fähigkeiten. Man wird überrascht, berührt und inspiriert.

Mit den technisch einfachsten Mitteln zeigen die Schauspieler dabei ihre Originalität und ihren Phantasiereichtum. Ca. 500 Bänder wurden eingeschickt, davon 15 nominiert und drei Gewinner vom Publikum gekürt. Im Gloria Palast Kino München durfte ich dabei sein, als die 15 nominierten Shorties uraufgeführt wurden. Als Zuschauer waren zahlreiche Casting-Directoren anwesend, darunter zum Beispiel Franziska Aigner, Silke Klug-Bader, Fritz Fleischhacker (BVC), Siegfried Wagner (BVC), An Dorthe Braker (BVC), Susanne Ritter (BVC), weiterhin Produzenten, Senderangehörige und viele Kollegen wie auch Pressevertreter.

Zuvor wurden die Nominierungen von der hier gelisteten hochkarätige Jury festgelegt.

Uwe Sophia Aldenhoven (Producerin die film GmbH)
Uli Aselmann (die film GmbH, Vorstand Produzentenallianz, deutsche Filmakademie)
Uwe Bünker (Casting-Director, Bünker Casting Berlin, BVC)
Thomas Biehl (Programmmanager dt. Fiktion + Koproduktionen Pro7/SAT.1)
Emrah Ertem (Casting-Director, finalcast Köln)
Sandra Köppe (Casting-Director, network-movie Köln)
Herbert Krätschel (Agent, Agentur ContrAct)
Stefanie von Poser (Schauspielerin, BFFS)
Götz Otto (Schauspieler, BFFS)
Hanna Schygulla (Schauspielerin, Festivalpräsidentin)

Die sms-Shorties sind eine überaus gelungene und sicherlich nachhaltige Form der Selbstdarstellung. Es ist ernsthaft zu überlegen, ob nicht jeder Schauspieler in Zukunft eine solche Präsentation auf seinem Band implementieren sollte. Das Publikum war jedenfalls schwer begeistert, es wurde gelacht, gejubelt und großer Respekt ausgesprochen. Mit Sicherheit wird die ZAV mit Daniel Philippen (ZAV München) als Initiator dieses Herzensprojekt weiter ausbauen und viele Casting-Directoren damit bereichern. Als Kooperationspartner wurde das Projekt neben casting-network, crew-united und schauspielervideos ebenso unterstützt vom Gloria-Palast, BFFS, Die film GmbH und Trailerhaus.

Die drei Gewinner:

1. Nadine Wrietz
2. Navid Akhavan
3. Genja Rykova

werden wir euch in Kürze noch einmal mit einem Making-of-Video sowie persönlichen Interviews bei outtakes vorstellen. Doch nun überzeugt euch selbst:
Alle 15 nominierten Videos hier zum Anschauen!

Viel Vergnügen!

20 Kommentare
  1. Silvio Insomilia sagte:

    Lieber Deniz,
    ich finde dein Kommentar richtig, ich bin einer derjenigen die von Berlin nach München gefahren sind in der Hoffnung unter den ersten 15 zu sein. Mann hätte ganz richtig den Nominierten bescheid geben können ob man dabei ist oder nicht. Vor allem während dem Filmfest ist es ohnehin nicht so einfach eine Übernachtung, geschweige den ein Hotel zu finden. Ich hatte noch Glück und konnte in einem Gartenhäuschen übernachten, allerdings mit einer Zecke hinterm Ohr. Den Wettbewerb haben meiner Meinung nach die „richtigen“ gewonnen! Allerdings die Preise sind eher lächerlich, für Crew-United, die ja auch während der Berlinale (Crew Call) mit ihren lächerlichen Caterings Leute für Dumm verkaufen und auch noch 5€ dafür verlangen, hat das bestimmt keinen Zacken aus Ihrer Krone gebrochen. Immerhin haben die Schauspieler von denen viele nicht so viel Geld verdienen, keine Mühen und Kosten gescheut das Shorty zu drehen und auch noch schneiden zu lassen, was alles Geld kostet. Für Crew-United ne sehr gute Werbung und für die ZAV mal ne gute Idee mit der sie sich nach Jahrelanger Lethargie sich jetzt selbst Beweihräuchern können. Naja, was solls dabei sein ist alles….
    @Deniz: Hab übrigens mir dein Shorty auf YouTube angesehen, hat mir sehr gut gefallen, wundert mich das du nicht unter den ersten 15 warst. Sehr Witzig wirklich!

  2. Deniz Kara sagte:

    Das Einzige was ich an der Veranstaltung/Wettbewerb kritisiere, ist die Organisation; Es haben 500 Schauspieler am Wettbewerb teilgenommen, davon wurden 15 ausgesucht um am Filmfest in München im Kino Gloria auf der Leinwand präsentiert zu werden. Man hätte aber den Schauspielern die nicht „gewonnen“ haben, aber im vorhinein sagen können, dass Sie nicht unter den „Gewinnern“ sein werden. Somit hätte man die freie Wahl gehabt, ob man an die Veranstaltung geht oder nicht. Aber nein; Wieder mussten alle Schauspieler Fahrt- und Reisekosten auf sich nehmen, ggf. auch eine Übernachtungsmöglichkeit organisieren, um dann zu erfahren, dass Sie nicht unter den „besten“ 15 sind. Vor lauter Angst, dass das Kino zu voll werden würde, wurden dann auch noch alle Schauspieler die am Wettbewerb teilgenommen haben, gebeten die Karten 3 Stunden vor Veranstaltungsbeginn abzuholen, weil man sonst nicht garantieren könne, noch einen Platz zu bekommen!!! (: Das könnte ja in Zukunft, wenn von Jahr zu Jahr immer mehr Schauspieler am Wettbewerb teilnehmen, ein herrlich groteskes Schauspiel werden; wenn zb, jemand „gewinnt“ und unter die „besten“ 15 kommt, und gar nicht ins Kino rein kann weil es zu voll ist! ((: Mir ist zu Ohren gekommen, dass trotz mehrmaligen Nachfragen bei der ZAV die „Gewinner“ den teilgenommenen Schauspieler nicht kommuniziert wurden und ich persönlich kenne 2 Schauspieler die aus Berlin nach München gefahren sind, des Wettbewerbes wegen, und nicht unter den „besten“ 15 waren. Ich bin heilfroh, dass ich nicht mitgefahren bin.. Ich wäre wahrscheinlich, nach einer anstrengenden Fahrt aus Berlin, in Tränen ausgebrochen, weil ich nicht unter den „besten“ 15 war und hätte vor all den wichtigen Leuten einen sehr traurigen und überhaupt nicht spielfreudigen Eindruck hinterlassen. ((:

  3. anna sagte:

    Liebe Blogger,

    ich will mich nur ganz kurz in die Diskussion einmischen, um zwei Sachen grade zu stellen:

    Ich war unter den 15 dabei und habe drei Tage für mein Shorty gebraucht.
    Einen Tag für das Ideen sammeln und Storyboard schreiben.
    Einen Tag lang habe ich gedreht (Handy plus Flip), trotz der verschiedenen Kulissen.
    Und einen Tag lang habe ich geschnitten (iMovie).

    Ich hatte keinerlei Kosten, weil ich alles komplett selbst gemacht habe, ich habe nur meine Kamerafrau auf ein McDonaldsMenü eingeladen 🙂
    Und es ist nicht so, dass ich ein Technikfan bin und alles schon konnte. Nö. Selbst ist die Frau hab ich mir gedacht. Einfach mal probieren!

    Und als kleines Schmankerl: Dank meinem Shorty ist vielen erst bewusst geworden, dass ich z.B. zwei Sprachen fließend u. akzentfrei spreche und dass ich singen kann. Dank dieser Einsicht habe ich eine Woche nach dem sms-festival gleich zwei Anfragen, die sich genau darauf beziehen, bekommen. Ob´s was wird, ist mir nicht so wichtig, wie die Tatsache, zeigen zu können wer ich bin.
    In diesem Sinne: Tolle Aktion, ich hätte mir an dem Tag gerne noch mehr Shorties angeschaut!

    anna ewelina

  4. ichbins sagte:

    p.s. persönlich freue ich mich über die aktion (sonst hätte ich auch nicht teilgenommen) aber politisch gesehen find ich´s nicht ganz korrekt und darüber darf (muss) man auch verärgert sein können.

    leider gibt es immer leute die irgendwas von vornherein „haten“ (hassen) aber hier sehe ich bislang niemanden mit so einer absicht, oder?!?

  5. ichbins sagte:

    liebe elmira,

    ich finde die debatte hier nicht unhöflich sondern gerade gut um wege zu finden wie mit so einer neuen art umgegangen wird. ein wettbewerb ist es nicht mehr hatte es auf der website geheißen ; ) natürlich ist und bleibt es einer. den standpunkt wir sind sehr überrascht über alle einsendungen und finden die smsé alle toll hab ich z.b nicht vergessen. dennoch meine ich zu erkennnen dass auch die zav eine art politischer verein ist. das ist nur meine meinung und damit mache ich niemanden persönlich schlecht; und auch die aktion nicht (s.oben) eine chance ist eine chance und bleibt eine chance; ich bemerke nur dass die auswahl weh tun kann weil es sicher paul oder greatl oder michl oder sonstige sms gegeben hätte welche besetzungstechnisch interessanter und förderungswürdiger gewesen wäre. hättest du dich gefreut wenn moritz bleibtreu mitgemacht hätte und in der auswahl wäre?

    also bitte, kritik nicht gleich persönlich nehmen und selber fair bleiben. dein gemotze hält sich hier auch nicht gerade in grenzen (soll jetzt aber nicht böse gemeint sein)

  6. Elmira Rafizadeh sagte:

    Also der Nachtrag von „Huckelberry Finn“ ist für mich nachvollziehbar und setzt sich argumentativ und kostruktiv mit der Sache auseinander. Danke dafür!:-)

    Alle anderen Kritikwürfe finde ich teilweise schon sehr enttäuschend, wenn nicht sogar vermessen. Das sich manche jetzt beklagen, dass nicht alle 500 Bänder zur Geltung kamen, oder nicht weiter beachtet werden oder oder oder… kann ich nicht bestätigen!!! Zunächst einmal weiß ich, das von Seiten der Kooperationspartner noch einiges in der Pipeline ist. Die Nachwirkungen der Aktion nehmen ja grad erst ihren Lauf und man sollte ein wenig Geduld haben, wie und was sich da noch alles entwickelt und ergibt. Schließlich muß jedes „Baby erstmal laufen lernen“ wie Tina Thiele immer zu sagen pflegt.

    Außerdem ist die Sache ja nicht nur auf die 15 Nominierten sowie 3 Gewinner reduziert. Wie schon Chris unten beschrieb, können die anderen „485, deren sms nicht in München gezeigt wurden, ihre Videos in ihr eigenes Demoband oder in schauspielervideos als Zusatz hochladen. Das ist gut und eine zusätzliche Farbe!“

    Also wo ist das Problem? Jeder der mitgemacht hat, kann das für sich weiterhin nutzen und mit „mein sms shorty“ auf seinem showreel kennzeichnen. Da weiß jeder gleich worum es geht. Andere von denen ich gehört habe, sind sogar so motiviert worden, dass sie unabhängig von der Veranstaltung nächstes Jahr vorher schon so einen clip für sich und ihr Band machen wollen. Da sind euch doch überhaupt keine Grenzen gesetzt!!! Es geht doch in erster Linie um Anstöße und Anregungen, wie man sich auch mal „anders“ zeigen kann.

    Nutzt es oder laßt es sein! Aber anzufangen die Macher und die Initiative, die mit viel Arbeit, schlaflosen Nächten und großer Leidenschaft verbunden war, jetzt zu attackieren und als „skandalös“ zu bezeichnen… da fehlen mir echt die Worte! Undankbar? Gekränktes Ego? Frustriert? Dafür kann keiner was! Aber Leute wie Philippen und Partner, die damit den Schauspielern mal eine neue Perspektive oder zumindest eine schöne neue Plattform versuchen zu bieten, jetzt schlecht zu machen, ist aus meiner Sicht total daneben.

    Man reicht manchen Schauspielern den Finger und sie sind dennoch unzufrieden, weil sie gleich die ganze Hand wollen. Es wäre wirklich förderlicher für alle, wenn nicht immer nur als erstes die negativen Aspekte radikalisiert werden, sondern erstmal geschaut wird: „schön, das ist ein guter Ansatz, dies und jenes hat mir gefallen, toll dass es da eine Bewegung gibt, an dem oder jenem Punkt könnte man noch arbeite…“

    Und im 2. Schritt kann man dann inhaltliche und konstruktive Kritik versuchen auf ergiebiger Ebene an die ZAV weiterzuleiten: jedoch im Sinne einer Optimierung und einer gut gemeinten Lösungsidee. Motzen und moralisieren kann jeder, aber dann seid so einfallsreich und schlagt auch im Gegenzug ernst gemeinte, durch konstruierte Alternativen vor, wie man es besser machen kann. Und damit meine ich keine utopischen Wunschvisionen, die die nicht von jetzt auf gleich umsetzbar sind und nur dazu dienen, dass sofort eine Besetzung folgt. Jede neu geborene Idee wird weiter entwickelt, das ist doch völlig klar. Fehler entstehen immer mal wieder und man kann nur dazu lernen und daran arbeiten.

    Weiterhin vergesst Ihr alle dabei, dass es immerhin auch ein „WETTBEWERB“ war. Es kann nunmal nicht jeder gewinnen, es wird auch niemals jedem einzelnen einen Vorteil oder einen Job, oder die gewünschte Aufmerksamkeit verschaffen. Wie auch, bei der Masse? Das ist Teil des Spiels in dem wir alle uns bewegen. Wie stellt Ihr euch das denn sonst vor?

    In jedem Fall bin ich nach wie vor sehr beeindruckt, was die ZAV da in so kurzer Zeit auf die Beine gestellt hat. Und liebe Kollegen: Reformen und Veränderungen fangen mit dem Willen an und sind langwierige Prozesse, die nur in Dosierungen step by step realisiert werden können.

    Freut euch doch stattdessen lieber , das da überhaupt mal was passiert, dass Herr Philippen mit dieser Aktion ein schönes Zeichen gesetzt hat, auch die Castingbranche mit etwas neuem aufzumischen, wo der ZAV doch sonst immer nur der Ruf als „passive Theater-dinosaurier“ nachgesagt wird. Es ist doch klasse, dass sich auf diesem Gebiet nun etwas bewegt, dass es ein großes Echo gibt und sich auch die Zusammenarbeit mit Casting-Directoren dadurch weiter verzahnt.

    Ich plädiere ja immer für weniger Ego und mehr Empathie! Das würde der gesamten Branche wirklich gut tun…

  7. ichbins sagte:

    ich sehe es auch als problem, dass die vorgaben einzuhalten und etwas selber machen, seitens der Jury bei der auswahl NICHT immer berücksichtigt wurde.

    frau aigner würde ich gerne fragen ob sie die 0190er nummer des kollegen wirklich(!) ansehen möchte wenn sie jemanden in einem (schönen, evtl anspruchsvollen) projekt zu besetzen sucht.

    keine auswahl kann gerecht sein wie daniel sagt; aber diese nummer ist genau genommen ein skandal. Noch dazu wo die zav der „allumfassenden qualität der schauspieler“ verschrieben ist… für mich ist das ein schlag ins gesicht aller die sich ernsthaft mühe gemacht haben. und die zav hat sich in meinen augen selbst diskreditiert OBWOHL die idee des sms doch wirklich gut ist/war.

    aber vielleicht ändert sich bei der zav in absehbarer zeit auch einmal etwas an der politikund im umgang mit bedürfnissen der schauspielerInnen. das fände ich gut…

    p.s. 4 wochen SIND zu lang als „produktionszeit“ aber vielleicht gehört dazu ja „sich gedanken um die aufgabenstellung machen“ „überlegen welche form der darstellung man wählen soll“ „finden des künstlerischen ausdrucks“ …!!! das publikum jedenfalls hat schon erkannt dass es dem „gewinner“ wirklich etwas bringen soll das sms gemacht zu haben. und hat dementsprechend für den ernsthaften (und persönlichsten) beitrag gestimmt.

    hmmm

  8. Huckleberry Finn sagte:

    Das noch in kurzer Ergänzung, falls ich in meiner kleinen Rezipienten-Darstellung undeutlich war:
    Elmira nennt die Shortys DOOR-OPENER. Eine treffliche Bezeichung. Sie können allerdings die Tür nur dann öffnen, wenn derjenige der hinter der Tür steht, auch grundsätzlich bereit ist, seine eigene Tür zu öffenen und mal zu schauen….

  9. Huckleberry Finn sagte:

    Es ist schon interessant…das wenn man, für eine – an und für sich nicht sooo neue Sache – nicht sofort in Jubelgeschrei ausbricht, sondern ein paar kritische Anmerkungen macht, sofort als Rückwärtsgewandter, als Verweigerer gegenüber Neuem etc. bezeichnet wird.
    Ich für meinen Teil bin ganz und gar nicht verschlossen gegenüber neuen Marktstrategien und Bewerbungsmöglichkeiten für Schauspieler, gehöre eben nicht zu den Meckerheinis die zu Hause warten, das Herr Echinger vor der Tür steht. Im Gegenteil, seit ich vor mehr als 15 Jahren mit dem Beruf begonnen habe, zerbrach ich mir, mal erfolgreich, mal auch nicht, den Kopf darüber, wie man alles effizienter gestalten kann. Um mich, aber auch Kollegen aus dem Bekanntenkreis Karriere-mäßig voran zu bringen. Aber auch aus Kostengründen-zugegeben. Natürlich war und bin ich erleichtert darüber, das es so was wie das Internet gibt, wo man Photos nicht nur schnell, sondern für lau verschicken kann. Gleiches gilt auch für Portale wie schauspielervideos.de. Über frühere Castingfahrten und Photos verschicken, muß man wirklich nicht debattieren. So hatte ich schon vor einer Dekade zusammen mit einem Kameramann die Idee, Castingbooths einzurichten, um der deutschen Vielstädte-Problematik im Casting-Geschäft entgegenzukommen, damit in einem Berliner Casting auch die Münchner was von hatten und umgekehrt. Da aber in Deutschland andererseits schon damals sehr wenig live gecastet wurde, verwarfen wir die Idee wieder. Dann kam die Möglichkeit des E-Castings und da wäre wir eh überholt gewesen. Also geschenkt.
    ( Das nur anbei…E-casting wird leider auch von Besetzungsseite nicht soooo häufig genutzt, wie man evtl. meint. Obwohl ein abslout neues und sehr praktisches Medium…)

    Ich bin überzeugt, das ein nur verschwindend geringer Teil der Schauspieler tatsächlich gegenüber neuen Bewerbungsmöglichkeiten verschlossen ist. Ich bin sogar überzeugt, die meisten sind eher der Zeit vorraus.
    Worum es mir in meinem vorangegangen Artikel ging….und der wundervolle Kreativeinsatz aller 500 Kollegen hat meinen absoluten Respekt und ich finde solche Filmchen ein absolut tolles Ad-On zum Demo…..ist die andere Seite. Der Empfänger…also diejenigen die die „SMS“ in Zukunft anschauen sollen, müssen oder wollen, um etwas über einzelne Schauspieler zu erfahren. Die Caster. Ich habe keinen Zweifel daran, das es moderne und offene und engagierte Caster gibt, die neugierig, sich neue und alte Gesichter anschauen und die auch versuchen, allem Druck und seltsamen Eingaben der Redaktionen zum Trotz, eine neue und/oder spannende Besetzung zu gestalten, ohne immer nur die Frau Neubauers dieser Republik in die Rollen zu hieven. Allen voran die liebe Franzi, kein Thema!
    Aber es gibt ein ganze Reihe und das ist leider, leider die Mehrheit von Besetzungsmenschen, die sich eben nicht SMS- Filmchen anschauen werden, egal was und wen es zu besetzen gilt. Da wird der Stiefel gefahren, den man allen Neuerungen zum Trotz, schon immer gefahren hat.
    Da werden Demo-DVD (oder Videos 😉 ) nicht angeschaut. Da informiert man sich nicht über Schauspieler XY, egal was er auf seiner DVD vorturnt (oder in seinem SMS). Da werden Szenen aus Kurz -und Stundentenfilme, die ein Schauspieler mangels anderem Material, auf seiner DVD hat, herabgewürdigt. Weil weder ZDF noch RTL in der oberen linken/rechten Ecke stehen, auch wenn der Schauspieler eine gute Performance abliefert. Da wird die technische Qualität eines Kurzfilms zum Thema gemacht, anstatt sich mit der schauspielerischen Leistung zu beschäftigen. Da werden Schauspieler blöd von der Seite angemacht und ihre berufliche Qualität angezweifelt , weil sie wegen langfristiger Theaterzugehörigkeit nur sehr wenig gedreht haben. Da sagt man zu einem Schauspieler: “ ich kann Dich nicht besetzten, so lange ich nichts von Dir gesehen habe!“, doch dann schaut man sich das Band nie an……und, und, und…also, ich rede von diesem Geist der in solchen Verhaltensweisen zu Tage tritt, wenn ich angesichts der SMS-Aktion nicht in Jubelschreie verfalle. Und es sind nicht meine Erlebnisse, sondern die kondensierte Darstellung Erlebnisse anderer. Und es sind leider keine Einzelfälle, sondern Legion. Gewonnen aus einer langfristigen Auseinandersetzung mit der Situation des TV und Filmstandorts Deutschland, ganz weit über meine ganz persönliche Befindlichkeit hinaus.
    Bei allem Charme, den Nadines SMS versprüht, ist es, wenn man genau hinschaut eine Systemkritik ( ich hab ne Wohnmöglichkeit in ….). Der Shorty beschreibt in eindrucksvoller Weise auf unterschwelliger Ebene, das eben allzu oft nicht Können und ob man der richtige Typ ist, entscheidend sind für die Besetzung, sondern irgendwelche fernen Faktoren. Ich rede hier nicht von ständiger Besetzung von Frau Neubauer. Das man sie besetzt, um das Produkt zu verkaufen ist legitim, so was machen die Amis ja auch. Nadines Shorty spielt – unbewusst oder bewusst – die Tatsache an, das es hier nur gefühlte 60 Schauspieler gibt und die werden immer wieder besetzt, egal obs passt oder nicht. Dieser Spruch, natürlich eine den Finger in die Wunde- legende Überzeichnung macht ja nicht umsonst, nicht nur unter den frustrierten Schauspielern, schon seit Jahren die Runde.
    Ich weiß nicht, wie oft ich in meinem Leben von ganz normalen Zuschauern, vom Hauptschulabsolventen bis zum Herrn Professor, vom Teeny bis zur Renterin gefragt wurde, warum man sich in deutschen Produktionen immer die gleichen Nasen anschauen muss. Wenn ich von jedem einen Euro bekommen hätte, wäre ein kleiner Urlaub drin.
    Oder ganz anders karrikiert: „Bis es ein Schauspieler XY es in Deutschland in eine durchgängige Rolle in eine Soap geschafft hat, hätte es der gleiche Schauspieler es in Hollwood schom zur Oscar-Nominierung geschafft.“ so ein Produzent aus Hollywood, der beide Systeme kennt.
    Sicher man soll nicht immer nach Hollywood schielen, aber es wird hier nur besser und es wird auch hier nur alle Buntehiet zu Tage treten, wenn sich alle bewegen, nicht nur die Schauspieler. Die Frage bleibt, wollen das die Anderen?
    PS: Bei allen harten Worten, ich bin mir sehr bewusst darüber, in welchen Zwangslagen die Caster oft stecken, egal ob engagiert oder nicht. Auch sind sie sicherlich nicht als die „Schuldigen“ per se zu sehen.

  10. Chris sagte:

    Nachtrag:

    „Und das die wirkliche Jury anscheinend überhaupt nur 30 vorausgewählte zu Gesicht bekommen hat ist schon schwach…“
    verstehe ich nicht.
    Gab es eine Vorauswahl? Wenn ja, wer hat die getroffen?

    „ich kann euch versichern: ihr wurdet und werdet gesehen!“
    bezieht sich das auf die 500, und werden die jetzt noch zugänglich gemacht? Wem?

    tnx.

  11. Chris sagte:

    Nadine sagt im Interview, dass die Produktion ihres sms vier Wochen gedauert hat! Das finde ich sehr lang.

    Die Auswahl der 15 zeigt einenTrend, nämlich, dass am besten Comedy ankommt und das Spielen von vielen verschiedenen Rollen – (dabei war das in den Spielregeln doch eigentlich ,verboten‘: spielt keine Rollen, sondern macht ein Interview, wo Ihr authentisch rüberkommt)
    Warum schreiben hier manche, dass die 500 Videos von der Jury nicht gesehen wurden? Davon sollte man doch ausgehen können.
    Und die 485, deren sms nicht in München gezeigt wurden, können ihre Videos in ihr eigenes Demoband oder in schauspielervideos als Zusatz hochladen. Das ist gut und eine zusätzliche Farbe!
    Aber nochmal: vier Wochen Produktionszeit finde ich entschieden zu viel für die Eigeninitiative. Und dass das Ganze gar nichts kostet ist glaube ich auch eine Illusion.
    Die Caster und Casterinnen beklagen selber, dass sie immer weniger casten dürfen, und viele sind auch gegen e-castings. Die sms sind da natürlich auch nicht förderlich.
    So witzig sie sind.

  12. Paul sagte:

    Liebe Franzi (und Kollegen),

    das ist ja auch richtig und eine schöne Sache.
    Aber alle freuen sich schon aufs nächste Jahr und rufen alle auf mitzumachen, dabei gilt es doch erstmal die restlichen der 500 zu schauen. Man hat das Gefühl, daran hat gar keiner mehr ein Interesse und alle warten nur auf wenige neue Gewinner.
    Aber wie beim Demoband auch muss es doch hier den Ehrgeiz geben selber Perlen zu entdecken oder sich eben auch über wirklich simple „Hallo ich bin… aus … und …“ SMS zu freuen.
    Ich glaube der größte Unmut kommt daher, dass die anderen Teilnehmer sich von Aufrufen fürs nächste Jahr und übergangen fühlen, weil es ihre SMS ja schon gibt – bei youtube, auf ihren Homepages oder als Link per e-mail etc.
    Dass die Sache schön ist klar – dann wünscht man sich natürlich gesehen zu werden – auch als einer der Nicht-15.
    LG
    Paul

  13. Franziska Aigner sagte:

    Liebe Blogger,

    ich kann euch versichern: ihr wurdet und werdet gesehen!

    Ich begrüsse diese ZAV-Aktion auf’s Höchste, habe selbst oft eigenes Handeln „in Auftrag gegeben“ – an Stelle von wiederholtem Gejammere über den Teufelskreis des materiallosen Daseins + damit dann schönste Besetzungen vollbringen können.

    Ich kann das Hadern hier im Blogg nicht nachvollziehen: die Spielregeln waren doch klar?! Ich hatte beim Zuschauen das Gefühl, dass das Ganze Spass machte + nun könnt ihr doch diese selbst vollbrachten Werke – als Auftakt? – in eure Bänder geben. Selbstbestimmt, keiner ist mehr schuld!

    Mit lustig-freudvollen Bändern besetzt es sich nämlich um ein Vielfaches leichter!

    In diesem Sinne: bis nächstes Jahr! Ich freu mich.
    Alles Liebe! die Franziska Aigner (casterin)

  14. Elmira Rafizadeh sagte:

    Ich möchte Bezug auf die beiden ersten, kritischen Kommentare nehmen:

    ich kann die Zweifel auf der einen Seite nachvollziehen, finde sie aber insgesamt nicht unbedingt förderlich. Die innere Wiederstandshaltung mancher Kollegen gegenüber „neuem“ ist sehr schade und mir oftmals ein Rätsel. Weiterentwicklung, Kreativität und Produktivität gehört doch genauso zum Beruf eines Künstlers. Durch Stillstand und Passivität dagegen kommen Anrufe und Angebote erst recht nicht herein geflogen. Solche neuen Experimente schaden niemandem, kosten kaum etwas und erweitern den Erfahrungsschatz. In einem so hart umkämpften Markt mit massivem Überangebot an Talenten, empfinde ich sowas als zusätzliche Chance, auf sich aufmerksam machen zu können, sich zu zeigen, sich selbst zu „vermarkten“. Die rasante mediale Entwicklung ist eine Herausforderung für alle Berufe in unserer Gesellschaft. Wir können uns den technischen Entwicklungen nunmal nicht entziehen, aber statt sich zu ärgern, sehe ich vielmehr die positiven Möglichkeiten, die das Web und auch neue Medien bieten.
    Eine „Karrieregarantie“ ist ja in keinem der Fälle gegeben, ob durch persönlichen Kontakt, nach einer guten Zusammenarbeit, einem Live- oder bspw. auch eCasting.

    Es häufen sich sicherlich auch viele Nachteile in der zwischenmenschlichen Kommunikation, ganz klar. Doch die Zeit wird immer knapper, das Geld wird stets weniger und das Schauspielerangebot steigt im Verhältnis dazu an. Aktive Livecastings zu gestalten ist klasse und danach sehnen sich natürlich alle. Würde im Endeffekt aber wohlmöglich auch nur einer Handvoll Schauspielern zu Gute kommen, da sicher nicht Tausende für eine Rolle persönlich gecastet werden können. So kämen die Meisten nicht einmal in eine Vorrunde, ins Gespräch oder überhaupt zur Geltung.

    Daher sehe ich viele Formen der neuen Präsentationswege auch als Demokratisierung, um mit und neben anderen Profis sowie Prominenten auch als neues „Gesciht“ überhaupt mal aufzufallen.

    Amerika und UK sind durchaus Casting-Vorbilder, doch die strukturelle Umgebung in Deutschland ist eine ganz andere. Immer nur ins Ausland zu schielen, bringt uns auch nicht weiter. Ich bin zwar selbst ein Freund davon, sich nach positiven Modellen anderer Länder zu richten, aber es muß ja auf vorgegebene Strukturen zunächst übertragbar sein. Man kann ja keiner Kuh versuchen, in 3 Wochen eine Röhrenjeans anzuziehen (sorry, auch mein Vergleich hinkt ein wenig;-) ) Aber ihr versteht hoffentlich was ich meine…

    In den Staaten ist der Schauspielmarkt nunmal ganz anders aufgestellt. Dort gibt es nur die zwei großen Szenen Los Angeles oder New York. Castings finden ausschließlich in diesen beiden Regionen statt und die Schauspieler leben auch dementsprechend in einer dieser Städte. Drei mal die Woche zu einer Audition zu gehen, ist dort Arbeitsalltag.
    In Deutschland haben wir in allen bundesländern quer vertstreut die Sendeanstalten, die Produktionsfirmen und Castingbüros. Und Schauspieler leben auch nicht alle in der Berlin oder Köln. Ich möchte mal den Schauspieler sehen, der bereit ist, 3 mal die Woche auf eigene Kosten zum Casting abwechselnd nach München, Babelsberg und Frankfurt zu touren. Wären 12 Reisen im Monat, bei BC 50 mindestens 1000 € monatlich, die man zusätzlich investieren müßte. Das ist absurd und realitätsfern.

    Was ich damit sagen möchte ist, dass wir durch Web-Präsentationen – und damit verbunden die schnelle Weiterleitung von Informationen – als Schauspieler auch enorme Kosten sparen.

    Ein Showreel in einer Netztdatenbank zu präsentieren (zwischen 60 – 120 € jährlich) ist wesentlich preiswerter, als 120 Briefpakete mit Fotos, DVD, Porto u.s.w. zu produzieren. Auch hier haben anfänglich alle erstmal laut aufgeschrien… Alles „neue“, „fortschrittliche“, „ungewohnte“ muss nicht immer gleich schlecht gemacht werden! Die „Mehrarbeit“ unsere Bänder im Netz zu verwalten, Szenen selber zu schneiden, sich mit Technologien auseinander zu setzen, seine Daten regelmäßig zu pflegen oder eigene Castingszenen aufzuzeichnen: diese Mindestbereitschaft sollte schon vorhanden sein! Wir können nicht immer erwarten, dass uns alles auf dem Silbertablett gereicht wird. Diese Bequemlichkeiten kann man sich nunmal nicht leisten, wenn man sich zwischen tausenden Konkurrenten behaupten will. Es bricht sich auch keiner einen Zacken aus der Krone, wenn man seinen Auftrag- oder potentiellen Arbeitgebern zuarbeitet.

    Originelle Ideen wie bei den sms-shorties prägen sich beim Betrachter nunmal besser ein und setzen Fantasien frei. Fantasien, die beim schauen uniformierter, stereotypischer Demobandszenen teilweise halt beschränkt sind.

    Ein sms-shorty zu erstellen ist auch überhaupt keine Preisfrage. Man kann als Schauspieler sein Material dadurch aufwerten, hat kaum Kosten und es macht zudem unheilmliche Freude, sich selbst so zu inszenieren, wie man gesehen werden möchte. Man ist Protagonist, Regisseur und Produzent in einem. Ich kenne einige der Teilnehmer persönlich und weiß, dass es natürlich auch viel Arbeit bedeutet. Einige haben es an einem Tag, andere in einigen Wochen angefertigt. Aber unterm Strich haben sie großen Spaß daran gehabt. Solche innovativen Wege sind doch dazu da, alt gewohnte Muster mal ein wenig aufzubrechen. Unsere Arbeitspartner auch mal mit was neuem zu überraschen, selber in Bewegung zu bleiben, sich und andere durch frischen Input zu inspirieren… Ich weiß beim besten Willen nicht, was daran zweifelhaft sein kann.

    Wie gesagt, eine Garantie gibt es selbstverständlich nie, das behauptet auch niemand, aber diese zusätzliche Möglichkeit als „door-opener“ für sich zu nutzen, finde ich wesentlich mutiger, facettenreicher, persönlicher, kreativer und überzeugender, als ständig nur zu meckern und darauf zu warten, dass das Telefon klingelt. Wir wollen Jobs, also müssen WIR uns „bewerben“, wir uns „zeigen“, wir unsere Arbeiten „präsentieren“ und RAUS gehen! Sei es persönlich oder eben durch die digitalen Darstellungsmöglichkeiten, die wir haben! Ausprobieren, machen, lernen, auch mal auf die Schnauze fallen…ja, aber es zmindest nicht unversucht laßen. Denn: „Von nix kütt nix“ 🙂

  15. Frank Fischer sagte:

    Ich kann die Kritik oder Skepsis nicht ganz nachvollziehen.
    So ein Shorty ist doch einfach nur ein Chance oder ein Medium, weitere Fähigkeiten oder einfach seine ungefilterte Persönlichkeit darzustellen. In Zeiten des Internet kann man einem Besetzter mehr Material bieten, um ggf. das Interesse zu wecken und anschließend natürlich zu einem persönlichen Gespräch oder Casting eingeladen zu werden. Ich vermute, dass dieses Medium „Shorty“ nicht allen Darstellern zu mehr Aufträgen verhilft, aber es gibt allen Darstellern eine zusätzliche Möglichkeit, seine Chancen zu verbessern. Ich denke, damit ist die Legitimation gegeben.
    Wenn man sich die Videos ansieht, erkennt man sofort die Leidenschaft/Persönlichkeit, was ich sympathisch finde und somit sicherlich auch die Caster (wie erste Reaktionen von namhaften Castern nach der Veranstaltung auch bestätigen).
    Während z.B. eCasting bei inflationärer Nutzung nur die Möglichkeit für 500 Darsteller gibt, eine Szene einzusprechen, schafft ein „Shorty“ die Möglichkeit, das Medium Video mal kreativ zu nutzen.
    Dass 500 Einreichungen nicht alle von der Jury gesehen werden können, liegt vermutlich einfach an dem Zeitmangel bei solch großer (unerwarteter) Anzahl von Einreichungen und wird bei anderen Preisen sicher nicht anders gehandhabt. Ich würde es eher positiv sehen: 30 Personen, die bisher vielleicht bei dem einen oder anderen noch nicht aufgefallen sind, standen nun im Fokus. Alle 500 können aber ihr online-Material mit ihrem Shorty anreichern, andere könnten sich nun auch dazu inspiriert fühlen, ähnliches online zu stellen.
    Wie gesagt, eine Garantie für mehr Jobs gibt es für keine Methode der Präsentation oder Kontaktaufnahme, aber einen Shorty halte ich für eine charmante Methode, ein Showreel anzureichern.
    Ich gebe Paul absolut recht, dass persönliche Treffen nicht zu ersetzen sind und das eigentliche Ziel, zu dem die Bereitschaft gegeben sein sollte. Aber die 15 Nominierten (und weitere) hatten bspw. eine gute Gelegenheit und Athmosphäre, bei der Preisverleihung persönlichen Kontakt mit Castern aufzunehmen.
    Ich denke, man sollte eine gute (nicht nur gut gemeinte) Sache nicht ablehnen, nur weil an anderen Stellen Dinge weiterhin schlecht(er) laufen. Darum sollte man sich unabhängig davon kümmern…

    Frank Fischer (out takes, Webmaster mit Meinung 😉 )

  16. Paul sagte:

    Der Vorredner spricht vielen aus der Seele!
    Abgesehen von knapp 500 enttäuschten Schauspielern, deren Shorties sich wahrscheinlich kaum jemand ansehen wird, obwohl viel Arbeit und Hoffnung darin steckt, ist es auch wieder eine Hinreichen von Strohhalmen, die man dann doch wieder zurückzieht.
    Bessere Kommunikation untereinander, faire Castings, Offenheit für echte Treffen und gute Demobänder (weil das hier nun mal doch so läuft, was auch viele Vorteile hat) und allen wäre geholfen. Und das die wirkliche Jury anscheinend überhaupt nur 30 vorausgewählte zu Gesicht bekommen hat ist schon schwach…

  17. Huckleberry Finn sagte:

    Ich war nicht bei der Veranstaltung, habe mir aber die Videos angeschaut. Sie sind sehr einfallsreich, lustig und unterhaltsam. Die Leute haben sich sehr viel Mühe gemacht. Respekt und ganz großes Lob!
    Ich möchte nicht rumunken, auch ist Herrn Philippens Ansinnen sehr ehrenhaft und sicher auch in bester Absicht. Dennoch habe ich bei der ganzen Aktion so meine Zweifel. Und zwar was die Nachhaltigkeit dieser Aktion betrifft. Jetzt sollen also Schauspieler wieder mal was Neues machen, um sich zu präsentieren und somit irgendwie für eine Rolle ins Gespräch zu bringen. Damit wird auch wieder suggeriert, mach so eine lustige Selfmade-Sache dann flutscht es mit der Karriere…das hatten wir alles schon mal in anderer Form. Man erinnere sich an die ewigen Hin und Hers früher mit dem Demo-Band, mit Vorspann – ohne Vorspann….oder an „…. jetzt brauchts unbedingt DVDs, das ist der Hit, da kann der Caster bequem Hin und Her- Zappen (weil Zeit ist Geld)…“, oder auch an die x Portale die es mittlerweile gibt. Aber die Situation für den schauspelerischen Mittelbau – also die der Branche die nicht prominent sind – hat sich im Grunde nicht geändert.
    Das was Casting und Besetzung ausmacht wird immer mehr zurück gedrängt, das sagen auch manche Caster, die sogar soweit gehen zu sagen, das man sich mit der Einführung des Demo-Videos langfristig das eigene Grab geschaufelt hat.
    Um so seltsamer mutet diese deutsche Situation an, wenn man über den Teich oder den Kanal schaut. In UK gibt es das Spotlight-Portal, da ist jeder, das nutzt jeder und gut ist. In den USA ist selbst in Hollywood die Demo-DVD nahezu unbekannt. Da geht man noch zum Casting. So altbacken arbeiten die da??? Aber da lernen sich durchs aktive Casting die Regisseure, Caster etc und die Schauspieler kennen: Die Neuen, die Unbekannten, diese die bisher mehr Theater gespielt haben usw. usw. (Siehe den Fall Edward Norton und andere). Das macht das Prozedere beweglich und kreativ und Caster und Co. wissen nach ein paar Castings wer vor Ihnen steht und können verfolgen wie sich einzelne Schauspieler entwickeln.
    Seien wir doch mal ehrlich, von ein paar Ausnahmen abgesehen, stellt sich bei uns das Verhältniss zwischen Besetzungsabteilung auf der einen Seite und den Schauspielern auf der anderen Seite eher wie das Verhältniss der Sachbearbeiter einer großen Versicherung zu seinen Versicherten da. Man kennt sich eigentlich nicht, hat aber irgendwie oder zwangsläufig miteinander zu tun. (ich weiß der der Vergleich hinkt etwas)
    Der SMS Wettbewerb ist leider eher ein Herumbasteln am Symptom. Wenn auch noch so gut gemeint. Also einer der größten TV-Märkte weltweit und mit einem großen tatsächlich vorhandenem Talentpool sollte eigentlich tatsächliches Casting möglich sein.

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Noch nicht registriert? Als eingeloggter User wird Ihr Name automatisch übernommen.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte lösen Sie diese Aufgabe, bevor Sie den Kommentar abschicken.
Dies dient dem Schutz vor Spam.

Was ist 3 plus 8?