Filmfestspiele Cannes 2011:
Wie schlägt man sich beim ersten Besuch auf einem internationalen Festival durch? Oberstes Gebot: rechtzeitig zu den angegebenen Fristen akkreditieren!!! Meistens laufen die bereits einen Monat vor Festivalbeginn schon aus! Wenn man die Deadline allerdings überschritten hat, gibt es manchmal noch die Möglichkeit am „Late Accreditation“ Schalter eine Akkreditierung zu ersuchen.
Das bedeutet allerdings viel Rennerei, Durchhaltevermögen und das Einreichen einiger Nachweise und Dokumente, aus denen hervorgehen, dass man im Filmbuisness tätig ist.
Vorteil der rechtzeitigen Akkreditierung für Schauspieler, Regisseure und anderen Filmkünstler ist, es ist kostenlos. Bei der Late Akkreditierung fällt dagegen eine Verwaltungsgebühr von 98 € an.
Schauspieler müssen in erster Linie ein Schreiben ihrer Agenturen vorzeigen, in dem die Agentur bestätigt, dass man dort exklusiv unter Vertrag ist. Darüber hinaus eine buisness-card vorlegen (!). Auf die Visitenkarte wird in Cannes größten Wert gelegt. Natürlich ist auch die Vita, evtl. noch ein Ausdruck von IMDb und eine Berufsverbandszugehörigkeit erforderlich. Wer zudem noch zusätzlich Pressematerial seiner gespielten Filme beilegt (wo man als Person bildlich zu erkennen sein sollte; Cover, Flyer, Magazinausschnitt…), hat sehr gute Chancen. Das alles würde reibungslos funktionieren, wenn man dies bereits zur Frist einreicht. Bei der Late Akkreditierung ist das Kontingent allerdings sehr beschränkt. In dem Fall haben auch meine Nachweise nichts mehr genützt. 3 Tage Schlange stehen am Schalter und immer wieder die zusätzlich geforderten Unterlagen mitbringen, war letztendlich zwecklos. Zum Finale kam mir jedoch zu Gute, dass ich als Patin beim BFFS die einzige Vertreterin des deutschen Berufsverbandes vor Ort war. So hat es dann nach einigen e-mails, die der BFFS der Akkreditierungsstelle sendete, doch noch geklappt. Das Problem ist, man kann noch so viele Einladungen auf Empfänge, Partys, Premieren und co. haben, ohne die Akkreditierung kommt man leider gar nicht erst aufs Festivalgelände. Und alles spielt sich nunmal dort ab. Die ganzen schönen Pavillions der einzelnen Länder am Strand, die gesamten Repräsentanten des internationalen Kinogeschäftes, alle Beach-Empfänge von Arri, Kodak, Arte, german films u.s.w. haben alle ihre Zelte, Pavillions, Yachten und Räumlichkeiten auf dem Festivalgelände. Filme gucken inklusive. Im Gegensatz zu deutschen Festivals ist Cannes eben kein Publikumsfestival, sondern ein reines Branchennetworking.  Normal sterbliche Zuschauer können hier somit keine Filme sehen. Punkt. Auch als Schauspielerin bin ich hier in der absoluten Minderheit. Hier treffen sich in erster Linie alle Big Player des Filmbusiness, um zukünftige Projekte und Zusammenarbeiten zu forcieren.
Produzenten gibt es es hier wie Sand am Meer und natürlich sind auch die Geschäftsführer sämtlicher Filmfördungsanstalten, Verleiher, größere Produktionsfirmenfirmen u.s.w. leibhaftig vertreten.
Ach ja, die Presse ist hier selbstverständlich auch ganz vorn dabei. Wunderbarer Ort um tagtäglich mit allen möglichen Kollegen aus Deutschland ins Gespräch zu kommen ist das „German Pavillion“. Ein Traum am Meer: eine open-Air Lounge dierekt am Strand, Getränke sind frei und W-lan inklusive. Persönliche Treffen und meetings werden hier verabredet. So sitzt tagtäglich der Geschäftsführer vom Medienboard Berlin-Brandenburg neben mir und beschpricht unter freiem Himmel künftige Projekte, Journalsitenkollegen tippen hier schnell nach jeder Pressevorführung ihre Kritiken ab, Kulturstaatsminister Bernd Neumann, andere Politiker, sämtliche Produzenten und der junge Filmnachwuchs kommen hier alle zusammen.

Buisness, buisness, buisness ist hier die Devise. Mit Sonne und Meerblick und die Füße im Sand. Natürlich finden laufend – neben den Filmen – auf allen Booten und anderen noblen Räumlichkeiten weitere Veranstaltungen, Podiumsdiskussionen oder Workshops statt. Doch der Treff- und Sammelpunkt bleibt das deutsche Pavillion. Es sei dann, man will mit den Belgiern oder den Asiaten oder anderen Nationen verhandeln, dann geht man nach nebenan in die Lounges der anderen Länder vorbeischauen.
„Um 15 uhr habe ich einen Termin bei den Brasilianern oder ich muß schnell zu den Briten rüber“. Die akkreditierten Produzenten und Firmen aus aller Welt sind hier in einem dicken Handbuch mit Foto, Mobilnummer und e-mail Adresse aufgeführt. Das ist sozusagen die Cannes Bibel. Potentielle Co-Produzenten werden dann bspw. direkt angerufen oder kurz angeschrieben und man macht einen Termin im jeweiligen Länder Pavillion. So ist das ein kommen und gehen den ganzen Tag. Man kann alle kennen lernen, jeder ist hier offen und aufmerksam für die gegenseitigen Arbeiten. Fast schon wie Völkerverständigung.

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